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Zuldaer Anzeiger

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Nr. 149 1927

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »ßulöaer Kreisblatt

Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Rnschluß Nr. 989

Kach-ruck der mit* versehenen Artikel nur mit «Quellenangabe »ZulSaerflnzeiger'gegattet.

Fulda, Mittwoch, 29. Juni

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__4. Z«hr«ang

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Kleine Zeitung für MW Leser

* Reichspräsident von Hindenburg hat gebeten, davon Ab- Jiand zu nehmen, das Schloß Wilhelmshöhc ihm als Sommer­itz zur Verfügung zu stellen.

* Der Reichsfinanzminister hat der Kaiser-Wilhelm-Gesell- schaft Erklärungen übersandt, nach der Abstriche für wissen­schaftliche Zwecke nicht beabsichtigt seien.

* Preußen soll planen, den 11. August als Nationalfeiertag selbständig einzusetzen, falls das Reich davon absehe.

* In den deutschen Universitätsstädten fanden am Jahres­tage der Unterzeichnung des Versailler Friedens Kundgebun­gen gegen die Kriegsschuldlüge durch dieDeutsche Studenten­schaft" statt.

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Der Kohlenpreis bleibt.

In einer Sitzung des Reichskohlcnvcrbandcs und des großen Ausschusses des Reichskohlenrats wurden nach eingehender Erörterung die neuerlichen Preis- - erhöhungsanträgc des Ruhrkohlensynditats, des - Aachener Syndikats und des Niedersächsischen Syn­dikats abgelehnt. Angenommen wurde ein einge­schränkter Antrag des Ruhrkohlensydikats, der dahin ging, nur den Mager-, Ef- und Gasflammkohlen­zechen einen Preiszuschlag von 7 Prozent zu ge­währen. Der angenommene Antrag wurde jedoch von dem Vertreter des Reichswirtschaftsministermms beanstandet. Die Preiserhöhungsanträge des Ober- schlesischen, Niederschlesischen und Sächsischen Stein­kohlensyndikats wurden einem Unterausschuß zur Prüfung übergeben.

Wiederum ist das Ersuchen des deutschen Kohlen­bergbaues an den Reichskohlenrat, die Preise für Kohle heraufzusetzen, fast rundweg abgelehnt worden; gegen die bewilligte Preiserhöhung auf einzelne Sorten hat der Reichswirtschaftsminister Einspruch erhoben. Bei dieser Ablehnung ging der Reichskohlenrat vor allem von der Erwägung aus, daß der deutschen Industrie eine Er­höhung der Produktionskosten durch Steige­rung der Kohlenpreise nicht zugemutet werden dürfe. Daran müsse auch sestgehalten werden, obwohl ja nach Feststellung des jetzigen Kohlenprcises die Berg- «rrbeiterlöhne Heraufgesetzt worden sind.

Die Stimmung in den Kreisen der Bergwcrksuntcr- nehmer, die Meinungen über die nächste oder die fernere Zukunft des deutschen Bergbaues sind recht geteilt. Nach Beendigung des englischen Bergarbeiter- streiks hat ja in kürzester Frist die englische Konkurrenz im sog.bestrittenen Gebiet", also an der deutschen See­küste, allerdings bis tief in das Inland hinein, wo Schiffahrtsstraßen den Kohlentransport verbilligten, viel von dem zurückerobert, was während des Streiks vcr- lorengegangen war. Die oberschlesische Kohle wurde völlig aus dem Feld geschlagen; von dort her werden jetzt im Monatsdurchschnitt kaum 50 600- Tonnen, also etwa ein Zehntel der Gesamtförderung, ins Ausland exportiert. Die Engländer arbeiteten eben einfach mit möglichst niedrigenKampfpreisen", um überhaupt wieder ins Geschäft hineinzukommen; vielfach mit Erfolg. Dieser Erfolg ist aber gegenüber der rheinisch-westfälischen Kohle längst nicht in dem Maße erzielt worden, wie dies in den Kreisen der deutschen Kohlenindustrie befürchtet worden ist, obwohl ja die in England durchgeführte Ver­längerung der Schichtzeit und die Lohnherabsetzung zu einer starken Verminderung der Erzeugungskosten und damit der Kohlenpreise führten. Der deutsche Bergbau ver­mochte doch zahlreiche Absatzgebiete zu halten, die er sich neu erobert hatte; der schnelle Aufschwung im englischen Bergbau nach dem Streik batte ja seine Hauptursache darin, daß der Absatz sehr flott vonstatten ging; denn die Kohlenlager überall in der Welt waren fast ausgeleert und bedurften dringend einer raschen Auffüllung. Wenn in Deutschland seit Beginn dieses Jahres die Förderung auch in einem zwar langsamen, aber stetigen Rückgang begriffen ist, so überstieg sie doch in den ersten vier Mo­naten 1927 die in der gleichen Zeit des Vorjahres geför­derte Menge immer noch um ein beträchtliches. Der Grund liegt darin, daß zwar wieder ein recht großer Teil der Förderung auf Halden geschüttet, auch Feierschichten in recht beträchtlicher Höhe eingelegt werden müßten, daß aber andererseits der Kohlenbedarf der einheimischen Industrie entsprechend der anziehenden allgemeinen Wirtschaftskonjunktur stetig gestiegen ist. Die Höhe des deutschen Kohlenerportes ist im großen und ganzen dieselbe geblieben, aber der Absatz im Inland wuchs.

Ein Spiegelbild hierfür bietet ja auch der R ü ck - gang der Zahl der unterstützten Erwerbs­losen. Dieser Rückgang beträgt für die Hauptunter­stützungsempfänger in der ersten Junihälste rund 50 000 und bei der Krisenfüriorge rund 18 000, so daß die Ge­samtzahl der unterstützten Arbeitslosen letzt aus nur noch etwas über 800 000 zurückgegangen ist. Wenn daher die günstige Konjunktur anhält, kann man vorerst wenig­stens in dem größten Teil des rheinisch-westfälischen Berg­baues von einer Krise nicht sprechen, ohne daß man freilich die Augen davor verschließen darf, daß das fette Jahr des englischen Bergarbeiterstreiks endgültig vor­bei ist.

Leider sind die Fühler, die zwecks Verständigung zwischen dem deutschen und dem englischen Bergbau'eine Vermittlung anbahnen sollten, deutscherseits ganz ver­geblich ausgestreckt worden; noch hat der Engländer die Hoffnung nicht aufgegeben, uns wieder ganz aus beut Selbe zu schlagen. Aber auch dafür ist eine Grenze gesetzt, weil der englische Bergbau es noch immer verstanden hat, eine Rationalisierung dieser Industrie durch eine schnelle Modernisierung und vor allem durch eine weitgehende Konzentrierung der Betriebe durchzuführen. Steigt aber der deutsche Kohlcnpreis, dann wird der Kampf des Eng­länders gegen uns erleichtert.

Sie Organisation der HindendW-SMde.

Mr Kriegsbeschädigte

und MWâdler.

Besprechungen über die Hindenburg - Spende.

An den Vorbereitungen für die Hindenburg-Spende, We anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten ins Leben gerufen und Kriegsbeschädigten sowie dem not­leidenden Mittelstand zur Verfügung gestellt werden so«, wird eifrig gearbeitet. In Berkin hat kürzlich eine Be­sprechung der beteiligten Stellen stattgefunden, in der be­schlossen wurde, von der Begründung von Landesaus- fchüssen der Hindenburg-Spende Abstand zu nehmen. Die Länderregierungen werden jedoch demnächst Aufrufe er- l«Wn, ine sich für ihren Bereich dem von der Reichs- regiertsng ergangenen Aufruf zur Hindenburg-Spende an­schließen. Wie es heißt, schweben auch Verhandlungen, «m Mr die Beiträge zur Hindenburg-Spende möglichst SKue-rerLeichterungen zu verschaffen.

Besonders wertvoll für den Erfolg der Spende dürfte es fein, daß sich die Raiffeisengenossenschaften und die lsiâchen Darlehnskafsen bereit erklärt haben, als An- n^hmeftellen Mr die Hindenburg-Spende zu dienen. Man hofft hierdurch, die S a m m l u n g s e r g e b n i s s e auf d e m f l a chen Lande günstig zu beeinflussen, zumal es bei früheren SmnmlunKm vielfach versäumt worden ist, auf die ländlichen Verhältnisse besondere Rücksicht zu nehmen. Zmn Leiter der Hindenburg-Spende ist Dr. Karstedt aus dem Neichsarbsitsministerium ernannt worden, der bereits die Ludendorff-Spende, die Hilfe für

Der neue bayerische Finanzminister.

Staatsrat Dr. Schmelz le ernannt.

Dr, Schmelzte, de r bisher Staatsrat im bayerischen Ministerium des Äußeren war, ist zum bayerischen Finanz- minister ernannt worden. Die bürgerlichen Parteien des Landtages haben ihre Zustimmung zu der Ernennung gegeben. Er tritt hiermit an die Stelle des verunglückten Ministers Dr. Krausneck, dessen Geschäfte er bereits provi­sorisch führte.

Der neue bayerische Finanzmimster Dr. Schmelzle hat eine gute Presse. Die Münchener Neuesten Nachrichten

schreiben: Dr. Schmelzle werde es verstehen müssen, den Anschein zu vermeiden, als kämpfe Bayern gegen das Reich, wenn es seine Rechte gegenüber der Rücksichtslosiig- keit wahrt, die einem bei der Berliner Zentralstelle nicht fremd sei. Im Bayerischen Kurier wird als großer Vor­zug des neuen Finanzministers gerühmt, daß die großen Fragen der Wirtschaftspolitik von jeher sein besonderes Interesse fanden.

Tirpitz Lbrr toe Kriegsschuld.

Kundgebung derDeutschen Studentenschaft".

DieDeutsche Studentenschaft" veranstaltete bei der Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Friedens­vertrages von Versailles in Berlin eine Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge. Au ber Veranstaltung, die gleichzeitig in allen Universitätsstädten Deutschlands statt­fand, nahmen Vertreter der akademischen Behörden und der Studentenschaft teil. Professor Karo- Halle wies darauf hin, daß heute eine Trauerkundgebung nach römischem Vorbilde erforderlich fei.

Großadmiral von Tirpitz erklärte, daß er auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen jedwede Schuld Deutsch­lands am Kriege ablehne. Deutschlands Schuld habe nur darin bestanden, daß cs ein geeintes Volk gewesen sei. Weiter habe in der Volksvermehrung Deutschlands, dem ProblemVolk ohne Naum", eine weitere Ursache des Krieges gelegen, ebenso in der geographischen Lage Deutschlands. Herr von Tirpitz ging dann auf die Wir­kung der Kriegsschuldlüge auf die Weltmeinung ein und betonte, daß der Eintritt Amerikas in den Krieg baupt- fächlich auf die englische Propaganda über Deutschlands Schuld am Kriege zurückzuführen sei. Verschiedene Ameri­

I Ohpâuâ das Deiche VoKsoPfer (Ruhrhilses gëfetfei hat. Die Ludendorff-Spende ergab 1918 einen Bettag ; von 163 Millionen Reichsmark, die Hilfe für Oppau NN Jahre 1921/22 44 Millionen Mark und das Teutsche Bolksopfer im Jahre 1923 1(^5 Millionen Mark. Aller­dings ist bei der Ludendorsf-Spende und ber dem Lopauer Hilfswerk zu berücksichtigen, daß die hvhen Mllllonen- zahlen nicht mehr Gokdmark waren, ,ondern daß damals bereits die Inflation eine Entwertung des deutschen Geldes vorgenommen hatte.

Hi«h--ârg mch WÜhelmshohe.

Reichspräsident von Hindenburg hat den Oberbürger- wifter von Kassel, Stadler, empfangen, der dem Reichs­präsidenten nochmals die Bitte der Stadt Kassel vortrug, Schloß Wrthelmshöhe als Sommersitz zu benutzen Reichs­präsident von Hindenburg bat indessen, von diesem ihm vorgeschlagenen Wunsch Abstand zu nehmen. Schon im Jahre 1918, als Hindenburg den Rückmarsch der deutschen Armeen organisierte und auf Wilhelmshöhe wohnte, hat er es abgelehnt, Wohnung im Schloß zu nehmen, da es ihm nicht anstehe, ein kaiserliches Schloß zu bewohnen, während seine Stubben kaum irgendwelche Unterkunft hätten. Der Reichspräsident, der dem Oberbürgermeister Grüße für die Kasseler Bürgerschaft aufgetragen hat, hat sich im übrigen auch den Hergang des großen Stratzen- bahnunglücks am 18. Mai durch Oberbürgermeister Stadler schildern lassen. Der Magistrat von Kastel hat veschlosfen, den Kasseler Bürgerbund, von dem der Plan der Wilhelmshöher Sommerresidenz ausgegangen war, von dem Entschluß des Reichspräsidenten in Kenntms za setzen.

am

raner seien der Ansicht, daß Deutschland nicht rücksichtslos genug gegen die Kriegsschuld protestiere. Man erwarte dort die rücksichtslose Erklärung eines hohen Beamten der Regierung gegen die Kriegsschuld. Auch dem jetzige» Reichspräsidenten würde Amerika eine derartige Erklä- rung glauben. Des weiteren verstehe man dort nicht, daß Deutschland nicht mehr gegen die unerschwinglichen Re-- parationskosten Protestiere. Ohne die Änderung der Welt­meinung über die Kriegsschuldfrage sei eine Änderung der Lage Deutschlands nicht zu erreichen.

Student sch bezeichnete es als Ausgabe der stu-. dielenden Jugend, Vorkämpfer zu sein für die deutsche Ehre, für die Wiederherstellung der nationalen Grund­lagen, auch im Ausland. Damit schloß die Kundgebung.

Die VerzmßmgMfgewetteter Hyplchekm

Die Aufwertung von Sparkassenguthaben.

Der Rechtsausschus! des Reichstages, der sich sekk einiger Zeit mit dem Gesetzentwurf über die Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden befaßte, hat dieses Gesetz jetzt in zwetter Lesung beendet. Der Ausschuß nahm hierbei eine Ent­schließung an, die die Reichsregierung ersucht, bei de» Regierungen der Länder dahin zu wirken, daß in dem Fällen, in denen der den Hypothekenbanken gemäß 2W. 77; der Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz zu­stehende Berwaltungskostenbcitrag außer Verhältnis zir den tatsächlich erwachsenen Verwaktungskosten steht, int Interesse der Erzielung einer höheren Auf- wertuugsquote zugunsten der Pfandbriefgläubigev ein Ausgleich dadurch geschaffen werde, daß den Hypo­thekenbanken unbeschadet des Art. 76 der Durchführungs­verordnung zum Aufwerttlngsgesetz die Leistung eines entsprechend hohen Beitrages aus ihrem sonstigen Ver­mögen zu der Teilungsmasse auferlegt wird.

Angenommen wurde ferner vom Ausschuß eine fo-ziat- demokratische Entschließung, durch die die Reichsregierung ersucht wird, zur Verbesserung der Spar­kassenaufwertung bei den Ländern dahin zw wirken, daß 1. auch die Sparkassen, die ohne Gewährung eines Bettrages aus ihrem Vermögen oder seitens der Garanten den Mindestsatz von 12^ Prozent erreichen^ wenigstens einen Teil ihrer in den Jahren 19241926 er­zielten Reinerträge zur Verstärkung der Teilungsmaffe verwenden, 2. in den Fällen, in denen die völlige oder teilweise Abhebung von Sparguthaben in Papiermark er­hebliche Härten zur Folge hat, die Sparkassen durch frei« willige Leistungen einen Ausgleich schaffen.

Zum Schluß wurde noch ein Anttag angenommen, der eine Denkschrift der Reichsregierung wünscht, die sich mit derBesteuerungderJnflationsgewinne> befaßt.

Keine Bedrohung der Wiffenschast.

Beruhigende Regierungserklärungen.

In letzter Zeit war mehrfach die Befürchtung laut geworden, die Reichsregierung beabsichtige, Abstriche an den Zuwendungen für die Wissenschaft, insbesondere für die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sowie die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, im kommenden Haushaltsplan zu machen. Führende Männer der Wissenschaft, der Wirt­schaft und der Arbeit haben daraufhin an die Reichs­regierung eine Mahnung zu Händen des Reichskanzlers- gerichtet, von solchen Plänen abzusehen. ,

Wie jetzt amtlich bekanntgegeben wird, hat ber Reichsfinanzminister zu der Höhe der Elatsansätze für 1928 überhaupt noch in keiner Weise Stellung genommen«