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TageblaK für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal > Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 158 1927

Fulda, Samstag, 9. Juli

96. Jahrgang

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Ium Fuldaer Äreisturnfest

Friedrich Ludwig Aahn

Man kann es dem Turner, der eigentlich leibt und lebt und sich leibhaftig erweiset, nicht oft und nachdrücklich genug einscharfen, daß keiner dm Adel des Leibes und der Seele mehr wahren muffe, denn gerade er. Am wenigsten darf er sich irgendeines Tugendgebots darum entheben, weil er leiblich tauglicher ist. Tugendsam und tüchtig, rein und

ringfertig, keusch und kühn, wahrhaft und wehrhaft sei sein Wandel. Frisch,frei,fröhlich und fromm -ift des Turners Reichtum. Das allgemeine Sitten- gefetz ist such feine höchste Richtschnur und Regel. Was andere entehrt, schändet auch ihn. Muster, Beispiel und Vorbild zu werden - danach soll

j; Willkommen in

W i Seit Wochen rüstet Fulda auf das 20. Kreisturnfest des 7. Turnkreises der D. T. Seit Wochen sind fleißige Hände an der Arbeit, um dem Feste eine Ausgestaltung zu geben, die erneut dem Namen Fuldas als einer gastfreundlichen Stadt Ehre macht. In großzügiger Weise haben die einzelnen Festausschüsse ihre Aufgaben angepackt und sie M das kann heute schon gesagt werden in geradezu mustergültiger Art gelöst. Das Fest wird gelingen vor- ausgesetzt, daß der Wettergott schönes Festwetter schickt nb die regcndrohenden Walken, die zur Zeit, da diese "M Zeilen niedergeschrieben werden, über Fulda und seinen i Schloßgarten unheildrohend dahinziehen, einem klarblauen Festhimmel weichen. Was Menschenwille und Menschen­hände zu tun vermochten ist getan worden, damit Fulda die Turner und Turnerinnen des 7. Kreises und die zahl­reichen Freunde der schönen deutschen Turnsache aus Nah und Fern würdig empfangen kann.

Fulda begrüßt Euch Turner und Turnerinnen des

7. Kreises in seinen altehrwürdigen Mauern!

I ., Die Fahnen in den Straßen, das Tannengrün an den H Häusern, der Festschmuck in der Stadt übermitteln Euch die Grüße der Fuldaer Freunde der deutschen Turnerei. J Und dieser Freunde sind viele, sind sehr viele hier in ? unserer Stadt. Aber es hieße unehrlich sein und die deutschen Turner hassen nichts mehr als Unehrlichkeit und Unwahrhaftigkeit, sie lieben das Wahre, sie streiten dafür wenn hier geschrieben würde, daß alle Vür- I 9 e t unserer Stadt sich heute einmütig auf Euer Kom- $ men freuen. Wir haben auch solche unter uns, die heute und besonders morgen, wenn der Turnerfestzug sich durch » die Sraßen der Stadt bewegt, mit scheelen Blicken hinter verhängten Fenstern auf Euch Herabschauen. Ihr kennt I '? ^ bst Kämpfe, die Euro Freunde hier in Fulda erst W durchkampfen mußten, um das Turnfest so gestalten zu F können, wie Ihr es wünschtet und wie ein solches Fest ; den Grundsätzen Eurer Deutschen Turnerschaft ge- I u'"^ werden muß. Wir haben diese Kämpfe siegreich ; durchgekämpft, und wir freuen uns deshalb heute ganz be- ' sonders auf die festlichen Veranstaltungen dieser Turner­tage, weil wir sie uns erst erkämpfen mußten. Und aus dieser besonderen Freude heraus heißen wir Euch heute chei uns in Fulda herzlich willkommen.

Unser Willkommgruß

M fÖH in erster Linie Euren Führern, den Männern, die an der Spitze des Oberweserkreises stehen, die Euren Turn- I kreis zu seiner heutigen stattlichen Bedeutung geführt I haben. Unser Willkommgruß gilt dann Euch aktiven M Turnern, die ihr heute und morgen Eure Kräfte im fried- I kOeu Wettkampf miteinander messen wollt. Und unser I Willkommgruß

gilt besonders Euch Turnerinnen.

Euch ging der Kampf, von dem vorstehend die Rede = \ ~n Eurem Turnen nahmen bestimmte Kreise unse- Arrstoß, Eure Uebungen sollten nur hinter dicken i und verschlossenen Türen stattfinden dürfen, licher 11,15 ganz.besonders, daß Ihr heute in so statt- K Rus imm öu uns nach Fulda gekommen seid, um dem | kunwl1^5 Eauvertreters Rode zu einer machtvollen ^eiat Euer Frauenturnen Folge zu leisten, an Gimm Tagen all denen, die an Eurem Turnen, ten hob »..jungen herum nörgelten und cs verdächtig- öffentlich bte deutsche Frau, das deutsche Mädchen W Sitte dar»nist" "ud spielen kann, ohne daß Anstand und . " Wir leiden.

fütiu4tabi r dst. deutsche Turnerschaft in der Boni- des Alten nnn^^^ßen die Schüler und Schülerinnen 100 'Jahren Hasenheide". Als Zahn vor über deutsche Vaterland S" s^st'stst lehrte, da lag das Boden chwach und ungeachtet am n°r wafim fBk«Mn°r d°utsq°n Tumctci Än= Deutschland' bern»--^ ^ârper und stark an Geist, die Gdw^ sollten aus Ohnmacht und ' Mutige Situation des Vaterlandes ist

Beim Einzug in die festlich geschmückte Kreis­turnfeststadt begrüße ich Euch alle mit einem herzlichenGut Heil'.«

Fulda, die alte Bifchofsstadt, hat ihre gast­lichen Tore geöffnet. Tannengrün und flat­ternde Fahnen leuchten in den Straßen der Stadt. Taufende gleichgesinnte Herzen schlagen Euch begeistert entgegen und reichen Euch die bruWe Bruderhand ju gem-^me.r ArLril im Gewand der Freude. Turnfeste sind Arbeits­feste; dennzu höherem Ziel führet unser Spiel!« Auf unfern Fahnen, die Euch in die Feststadt geleiten, steht Las vierfache F- Der tiefe Inhalt desselben soll Euch in diesen Tagen ganz besonders vor Augen geführt werden:Frisch" seid zur Tat,Fromm" in der Gesinnung,F r ö h l i ch" im Umgang, Frei" von allem Undeutfchcn! Möge dieses Flammenbild weit über die Stadt und die heimatlichen Berge hinaus leuchten in die deutschen Lande und unser gemeinsames Ziel klar erkennen lassen:

Pflege deutschen Volksbewußtseins und vaterländischer Gesinnung.

Turner und Turnerinnen des 7. Turnkreises! Wir haben uns, obwohl verschiedenen Volks­stämmen angehörcnd, im Sinne und Geiste der Deutschen Turnerschaft zu einer Volksgemein­schaft zusammengefchlossen, die neben der Form, die im Turnen selbst gepflegt wird, auch dem Geiste Rechnung tragen will. Als Volks­gemeinschaft sind wir aber auch eine Schick- falsgemeinschast, die treu zusammensteht in der Liebe zu Volk und Vaterland. Nur so kön­nen die Gegensätze zwischen den Schichten un­seres z. T. verzerrten Bolkskörpers gemildert bezw. beseitigt werden. Wir betonen dabei nicht Rang und Stand, errichten keine Schran­ken zwischen den Bildungsstufen, der Religion und der politischen Einstellung des Einzelnen. W,r wollen nichts Anderes, als Iahn'schcn Geist Hochhalten und vertiefen, einen Geist, der nach dem Vorbild unserer Väter im heimischen Volkstum wurzelt, der ein reiner und damit gesunder Ausdruck deutschen Wesens ist. Wir glauben an ein Wiederaufrichten unseres Va­terlandes und stellen unsere Kräfte zur Ver­fügung getreu dem Wahlspruch:

Herz «nd Hand dem Vaterland!

So mögen die Tage des 20. Kreisturnfestes für Euch, lieben Turnbrüder und Turnschwestern, von reichem Segen begleitet sein und Euch die Befriedigung bringen, in Fulda Tage und Stunden von besonderen sittlichen Werten ver­lebt zu haben. Die ehrwürdige Bonifatius- stadt hat es verstanden, dem Kreisturnscft einen äußeren Glanz zu geben: sie wird mit der ge­samten Bürgerschaft auch die inneren Werte eines solchen Festes schaffen helfen. Dafür der­selben und insbesondere allen Behörden dieser Stadt meinen und des gesamten 7. deutschen Turnkreises herzlichen Dank bei Beginn des Festes ausfprcchen zu dürfen, ist mir ein Herzensbedürfnis.

Gut Heil der Feststadt Fulda!

Gut Heil dem harmonischen Verlauf des 20. Kreisturnfeftes!

Engelhardt,

Kretsvertreter des 7. deutschen Turnkreises (Oberweser).

ähnlich. Auch heute liegt Deutschland machtlos danieder, auch heute steht sich das deutsche Volk in einer geradezu entsetzlichen Zerrissenheit und Uneinigkeit gegenüber.

Eine solche Zeit braucht Jahnschcn Geist, eine solche Zeit braucht wiederum Männer und Frauen, stark an Körper und stark an Geist, die Deutschland heraus­führen helfen aus seiner Ohnmacht und Schmach. Die Deutsche Turnerschaft hat sich als oberstes Ziel ihres Strebens gesetzt, solche Männer und Frauen heranzu­bilden. Körperlich und geistig gesunde Menschen will sie schast'm, Menschen, die etwas zu leisten vermögen, die gerad und ehrlici, durU, Las Leben gehen, die Freud und Leid ertragen können, die im Glück bescheiden bleiben und in der Not mit zusammengebisicnen Zähnen am Wieder­aufstieg mitarbeiten. Deutsche Menschen will sie schaffen, Kerle, wie wir sie heute nötig haben, um aus den Niede­rungen unserer Tage herauszukommen. Ein jeder Deutsche muß sich deshalb an der Arbeit der D. T. freuen, muß diese Arbeit fördern helfen.

Die machtvollen Kundgebungen, wie sie die Kreisturn­feste darstellcn, wollen die Zielgedanken der D. T. in die weitesten Kreise der Bevölkerung tragen und werben helfen für das Wollen und Streben der Deutschen Turner­schaft. Wir wünschen auch deshalb dem Fuldaer Kreis­turnfest ein volles Gelingen. Seid nochmals herzlich will­kommen, Ihr Turner und Turnerinnen in unser Stadt. Gut Heil! Dr. Karl K r ö m m e l b e i n.

^Erinnerungen an die Fuldaer Kreisturnfeste 1886 und 1909.

Von Konstantin Fuchs, Fulda.

Als im Jahre 1886 das 7. Kreisturnfest in Fulda ge­feiert wurde, hatte der 7. deutsche Turnkreis 60 Vereine mit 6 000 Mitgliedern. Dieses erste in Fulda abgehal­tene Kreisturnfest nahm auch schon damals einen glänzen­den Verlauf. Aus dem Bericht der Fuldaer Zeitung vom 27. Juli 1886 ist zu entnehmen, daß von den 60 Vereinen 30 dem Fest fern blieben, weil die weite Entfernung sie davon abhielt, nach Fulda zu kommen. An dem impo­santen Festzug beteiligten sich über 1000 Personen. Der Herr Oberbürgermeister Rang hielt die Festrede. Der heutige Ehrenkreisvertreter Ahlborn-Göttingen, der jetzt über 80 Zahre alt ist, war damals schon der Führer des 7. Kreises. Derselbe hatte mit dem Kreisturnwart Jäneke- Fulda das Kreisturnfest geleitet. Herr Ahlborn, der 35 Jahre der geistige Leiter des 7. deutschen Turnkreises war, wird auch an dem diesjährigen Kreisturnfest in Fulda teilnehmcn. Der Größe des Kreises entsprechend war auch die Beteiligung der Turner: 400 Turner wurden von auswärts erwartet, aber nur -300 waren erschienen. Als erster Sieger ging damals Viskamp von der Kasseler Turngemeinde hervor. Von Fulda erhielten Preise: 8. Konrad Gundlach, 16. Mohr. 18. Träger und Rimbach eine Anerkennung. Der Schüler Klages erreichte auch die zu einem Preis vorgeschriebene Punktzahl, hatte aber das dazu erforderliche Alter noch nicht erreicht. Im ganzen wurden 19 Preise und 3 Anerkennungen ausgegeben.

Im Jahre 1909 kamen die Turner des 7. deutschen Turnkreises zum zweiten Male nach Fulda, um das 15. Kreisturnfest zu begehen. Die Zahl der Vereine betrug im Jahre 1909 nach der Bestandserhebung 356 mit 20166 Mitgliedern. Trotz dieser verhältnismäßg großen Zahl von Vereinen und Mitgliedern war die Beteili­gung von den auswärtigen Turnvereinen nicht so groß wie man sie erwartet hatte. Immerhin waren aber tausende von Fremden nach Fulda gekommen die an dem gut vorbereiteten Feste tcilnahmen. Die Herren Ober­bürgermeister Dr. Antoni und Oberrealschuldirektor Machens hatten die Leitung des Festes. Die Kreisleitung lag in den Händen des Kreisvertreters Ahlborn-Göttin­gen. Schnädter-Fulda hatte als Kreisturnwart die ge­samte Turnlcitung. Alle, die das Kreisturnfest in 1909 mitbegangen haben, erinnern sich wohl noch des großar­tigen Festzuges, wie ihn Fulda noch nie gesehen hatte. Einträchtig hatten damals alle Fuldaer Vereine und