Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer /lnzeiger

Erscheint feden Werktag. Bezugspreis: monat- Ich 2 Mark. Bei LieferungsbehinSerungen öurch ^höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag §rieücich Ehrenklau, §ul-a, Mitglke- des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Hr. 16009

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Rnschluß Nr. 989

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »ZuiSaer flnzeiger"gestattet.

Tinzekgenpreis: §ür Behörden, Genossenschaf. ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile o.ZOMk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für Sie Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mack < Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen < Tag= und plahvorschristcn unverbindlich.

Nr. 1621927

Fulda, Donnerstag, 14. Juli

4. Jahrgang

Abkommen mit Paris und Warschau?

Günstige Verhandlungen

mit Frankreich und Polen.

HandelsvertragundNiederlafsungsrecht.

Deutschland steht im Begriff, sowohl mit Frankreich als auch mit Polen wichtige Verträge abzuschließen. Bei den Verhandlungen mit Frankreich handelt es sich um ein vorläufiges Wirtschaftsabkommen aus min­destens ein Jahr. In dieser Zeit soll dann in aller Ruhe über einen endgültigen Handelsvertrag zwischen Frank­reich und Deutschland beraten werden, bei dem auch der neue französische Zolltarif berücksichtigt werden wird. Wie es heißt, hat die französische Regierung auf den Gebieten, die bisher heiß umstritten waren, im großen und ganzen die Berechtigung des deutschen Standpunktes anerkannt. Allerdings hat auch die deutsche Delegation Zugeständnisse an Frankreich machen müssen. Wie dasPetit Journal" zu melden weiß, hat bei den Verhandlungen die Forderung Deutschlands nach Zulassung deutscher Konsuln in Elsaß- Lothringen und Marokko eine Rolle gespielt.

Die Verwüstungen im Heiligen Land.

Das Erdbeben in Palästina.

; â Viele Hunderte von T0ten.

4Die Zerstörungen, die das Erdbeben in Palästina an­gerichtet hat, sind viel größer, als man anfangs angenom­men hatte. Über 300 Tote (andere Meldungen wollen so­gar schon von tausend Toten wissen) und mehr als 600 Verletzte werden bereits gemeldet. Am schwersten hatte die Stadt Nablus, das aus der Bibel her bekannte , Slchein. zu leiden. Sogar die Häuser, die an den Abhän­gen der Berge gelegen sind, stürzten als Ganzes einschließ­lich ihrer Insassen auf den Marktplatz hinunter und for­derten im Absturz weitere Opfer. Ausgrabungsarbeiten können nicht vorgenommen werden, da man den E i n - sturz weiterer Häuser befürchtet.

Die blühende Stadt Maan ist in ein einziges Lazarett verwandelt. Hunderte von Verwundeten liegen an vielen Orten unter den Trümmern der einge­stürzten Häuser als Opfer der Naturgewalt. Auch I e - r u s a l c m hat größeren Materialschaden zu beklagen.

Das Erdbebengebiet in Palästina

So wurde die bekannte Synagoge Bethel stark beschä­digt, ebenso die Weihestätte des Islams, die O m a r - M 0 s ch e e, die aus dem ursprünglichen Platze des Salomonischen Tempels steht. Die Orte Ludd, Nam- lch und Jericho melden zahlreiche Tote und Hunderte von Verletzten.

Der Urgrund des Toten Meeres ist von jeher vul­kanisch gewesen, wie dessen ganze Umgebung in grauer

ELn neuer Bund der Nationen.

Spanien macht einen Vorschlag.

Unter der ÜberschriftEine dauerhafte Friedens­garantie" veröffentlicht die MadriderNacion"^ einen Ar- Wei, dessen anonymer Verfasser einen groß angelegten Entwurf zur Schaffung eines Bundes der Nationen, der geeignet wäre, die Aufrechterhaltung des Weltfriedens Au gewährleisten, darlegt.

Aorgeschlagen wird die Neubildung einer Friedens- Uga der Staaten Europas, mit Ausnahme Sowjetruß­lands, und die Schaffung eines internationalen Gerichts- Hofes, der als oberstes Schiedsgericht in Betracht käme. Staaten, die einen Schiedsspruch nicht anerkennen wollen, wllen durch Diplomatie und wirtschaftliche Maßnahmen o?zu gezwungen werden. Ist die Anerkennung des Schiedsspruches auch dann nicht zu erzielen, so kann durch die Friedensliga die Kriegserklärung erfolgen rc^ C1 internationales Heer von den nassen Gebrauch gemacht werden. Jeder Staat soll ein» nur zu diesem Zwecke gebildete Truppenmacht dem inter» natlona en Heer zur Verfügung stellen. Die bisherigen atwnalen Armeen würden ganz wegfallen, mit ihnen

Bei den Verhandlungen mit Polen handelt es sich in der Hauptsache um die Frage des Niederlassungs­rechtes Deutscher in Polen. Der deutsche Ge­sandte in Warschau, Rauscher, ist in Berlin eingetroffen, um über den Fortschritt der deutsch-polnischen Besprechun­gen zu berichten. Die Verhandlungen mit Polen sind zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. Von polnischer Seite ist lange Zeit der Kreis der Personen, denen die Niederlassung gewährleistet sein sollte, sehr eng gezogen worden. Deutscherseits wurde demgegenüber betont, daß ine intensive Pflege der gegenseitigen Handelsbeziehungene nur dann möglich ist, wenn für deutsche kaufmännische und technische Vertreter absolute Sicherheit für ihren Auf­enthalt in Polen gewährleistet ist. Durch die anscheinend befriedigende Lösung der Niederlassungsfrage, um die lange Zeit zwischen beiden Parteien gekämpft wurde, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Wiederauf­nahme der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhand­lungen gegeben. Diese Wiederaufnahme dürfte, wie man in politischen Kreisen annnimt, aber kaum vor Beendigung des Sommers erfolgen.

Vorzeit ein einziger Krater war. Sodom und Go­morrha, die einst vernichtet wurden, haben dort ge­legen, wo auch jetzt wieder das Erdbeben geherrscht hat. Der Erdstoß der letzten Tage hat seinesgleichen in der Vergangenheit der letzten 2000 Jahre nicht gehabt. In Transjordanien sind alle Landstraßen mit Fliehenden überschwemmt.

Die Unwetter haben aber ebenso stark wie am Jordan und in der deutschen Heimat auch noch in den verschie­densten Gegenden des ehemaligen Russischen Reiches gewütet. Auf dem Lafp Uchen - Meer herrschte ein Sturm, der 33 Fischerboote zum Kentern brachte, wo­durch nach bisherigen Meldungen 47 Personen ertranken. In der Ukraine wurden schwere Flurschäden an­gerichtet. Minsk litt unter schweren Hagelverwüstungenx der Stadt fehlt es seit Tagen an Brot und Mehl.

Oie Hilfsaktion im Erzgebirge.

Die sächsische Regierung beantragte, für die Opfer des Unwetters im Erzgebirge 10 Millionen Mark als erste Hilfe zu überweisen. Die Reichsgeschäftsstelle der Deut­schen Nothilfe in Berlin, Wilhelmstraßc 62, sammelt für die geschädigten Bewohner der sächsischen Hochwasser- katastrophe Kleidungsstücke und haltbare Lebensmittel und bittet, derartige Spenden unmittelbar an das sächsische Arbeits- und Wohlfahrtsministerium in Dresden, Düppel­straße 1 zu senden. Da sich der Schaden auf 90 bis 100 Millionen Mark beläuft, bleibt für die private Hilse sehr viel zu tun.

*

Oie Bekämpfung von Hochwaffertataftrophen.

In den letzten Jahren hat das Hochwasser schon mehr­fach Schäden von über 100 Millionen Mark angerichtet, so z. B. im vergangenen Jahr in der Rheingegend. Die Ursache des Hochwassers ist bisher noch nicht er­gründet worden, wohl weiß man aber, wie man ihr praktisch begegnen kann. Die Errichtung von Deichen, wie sie am Meere für jeden Bewohner zur Pflicht geworden ist, ist auch in allen Flußgegenden ein sicheres Mittel. Ebenso ist die Talsperre eine praktische Abwehr gegen Hochwaffer. Eine weitere Vorsichtsmaß­regel sieht man in der Aufforstung der Gebirgswälder der Pflege des Waldbodens. Endlich hat der Meldedienst der Wetterwarten die Bewohner der gefährdeten Gegen­den meist rechtzeitig warnen können, aber im Erzgebirge kam das Hochwasser allzuschnell und so war aller mensch­liche Verstand gegen das Toben der Elemente nichts mehr nutze.

die allgemeine Wehrpflicht; die Staatsbürger hätten aus- schließlich im internationalen Heer, zu dem Deutsch­land, England, Frankreich und Italien je 11 Prozent der Truppen stellen könnten, zu dienen.

Man vermutet, daß jene neue Völkerbundgründung von Primo de Rivera selbst angeregt worden sei und daß er auch den Artikel geschrieben habe.

Deutsche Kriegsschiffe in Danzig. Begrüßung durch den Präsidenten Sahm.

Anläßlich der Anwesenheit des deutschen Linienschiffes Hessen" und des TorpedobootesT. 190" in Danzig ver­anstaltete der Danziger Senat im Rathaus zu Ehren der Marmeoffiziere ein Festmahl, bei dem der Senatspräsident Dr. Sahm eine Begrüßungsrede hielt, in der er der Reichsregierung den Dank Danzigs für die Entsendung der Dchiffe aussprach und Danzigs Deutschtum betonte. Nachdem Dr. Sahm dann auf Danzigs uralte Beziehun­gen zur deutschen Kriegs- und Handelsmarine hingewiesen hatte, schloß er mit den Worten:

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Jnflationsgewmnler Iwan Kutisker ist in der Ber­liner Charitö gestorben.

* Anläßlich der Anwesenheit deutscher Kriegsschiffe in Danzig hielt Senatsprästdent Dr. Sahm eine Begrüßungs­rede, in der er Danzigs Deutschtum betonte.

* In einem Artikel der offiziösen MadriderNacion" wird die Gründung eines neuen Bundes der Nationen angeregt.

* Das Erdbeben in Palästina erforderte viele Hunderte von Toten und verursachte riesigen Materialschaden.

Wunderbare Weisen tönen herüber zu uns aus glor­reicher Vergangenheit und sie vereinen sich mit den freudigen Empfindungen, die diese Festtaae bei uns in Danzig auslösen, zu einem mächtigen Akkord, der aus­klingt in die Worte: Herzlich willkommen, ihr lieben Gäste aus dem Deutschen Reiche, im deutschen Danzig. Im Namen der Regierung der Freien Stadt Danzig er­klingt mein Hoch: das Deutsche Reich und sein Präsident v. Hindenburg, das Sinnbild deutscher Einigkeit, der hochverdiente Ehrenbürger der Stadt Danzig, hoch, hoch, hoch!"

, Der Kommandant der Hessen", Kapitän zur See Junkermann, dankte für die außerordentlich herz­liche Begrüßungsrede. Eine mehrtausendköpfige Menge begrüßte die deutschen Gäste, als sie das Rathaus ver­liehen. mit enthusiastischen Hochrufen.

Oer Papierstrom nach Belgien

Der englische Abgeordnete Ponsonby, der der Arbeiter­partei angehört, hat nicht unrecht mit seiner Feststellung, daß der Ton zwischen der Berliner und der Pariser Regierung schärfer geworden sei, als sich das mit der Locarnopolitik vertrage. Ponsonby hätte einige Tage später hinzufügen können, daß auch zwischen Brüssel und Berlin unharmonische Töne laut geworden sind. Die Beschuldigungen des belgischen Krie-gs. m i n i st e r s de Broqueville über deutsche Verstöße gegen ^e Versailler Bestimmungen, wonach die Reickswehr ihre Angehörigen erst nach 12jähriger Dienstzeit entlasten dürfe, schlossen den Vorwurf einer neuen Verletzung der Entwaffnung in sich, veranlaßten zwar deutsche amtliche Vorstellungen beim belgischen Außenminister Vandervelde, wurden aber natürlich als lauterste Wahrheit! von

Oer Beisetzung des Prinzen Friedrich Sigismund wohnten u. a. Reichspräsident von Hindenburg und Feld­marschall von Mackensen bei. Unser Bild zeigt die beiden

Heerführer bei der Beerdigung. Rechts neben dem Reichs­präsidenten steht dessen Sohn und Adjutant Major von Hindenburg.

der französischen Presse begierig ausgenommen und gegen eine Beschleunigung der Rheinlandräumung ausgenutzt, die ja jetzt, nach Beendigung der Ostentfestigung, für uns Deutsche brennender denn je ist.

Vandcrvclde freilich ist ganz anderer Ansicht. Er hat eine Rede vor der Kammer gehalten und ist dabei auf jene deutschen Vorstellungen über die Beschuldigungen seines Kollegen de Broqueville gar nicht eingegangen, ob­wohl er sich doch sonst breit genug über das Verhält­nis Deutschlands zu den West Mächten äußerte. Was nützt es denn eigentlich, wenn auch er des längeren über den Fortbestand der Locarnopolitik spricht, im gleichen Atemzuge aber ausführt, daßdie Art der Friedensauffassung, wie sie in den Reden Poincarös und Stresemanns zutage tritt, recht verschieden" sei. Ebenso verschieden ist in seinen Augen auch die Auslegung der vom Deutschen Reich ausgestellten Forderungen,diè von deutscher Seite für unumgänglich notwendig gehalten werden, während sie von Belgien und Frankreich für über­trieben oder wenigstens für verfrüht gehalten werden" Man weiß, um welche deutsche Forderung er dabei her- umaebt wie die Katze um den heißen Brei: es ist eben