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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg" Zul-a- un- Haunetal >Ku!öaer Kreisblatt

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Nr. 1741927

Fulda, Donnerstag, 28. Juli

4. Jahrgang

MA

EW

Meine Ieitung für eküg« Leser

* In der Angelegenheit der Stickstoffwerke von Chorzow in Oberschlesien hat das Haager Schiedsgericht zum zweitenmal ein Urteil zugunsten Deutschlands gefällt.

* Der Vorläufige Reichswirtschaftsrat ist mit einer Enquete über die Möglichkeit der Senkung der autonomen Zölle beauf­tragt worden.

* In Friedrichshafen plant man den Bau eines Riesenluft- schiffes für den Atlantikverkehr.

Konjunkturansiieg?

Der ständige Rückgang der Arbeitslosenziffer hat er­freulicherweise auch im Juli angehatten, in den letzten Wochen sogar größere Schritte getan als je zuvor. Eigentliche Hauptunterstützungsempfänger, also jene, die weniger als zwölf Monate hindurch der Erwerbslosen­fürsorge unterliegen, gibt es jetzt nur noch rund 493 000, von denen 104 000 weiblich sind. Das bedeutet gegen­über dem 1. Juli einen Rückgang um rund 50 000 und gegenüber dem 15. Juni um weitere 50 000. In Prozent­zahlen ausgedrückt, beträgt dieser Rückgang in der ersten Julihälfte rund 8,8 Prozent. Demgemäß ist auch die Zahl der Zuschlagsempfänger gesunken, also der unter­stützungsberechtigten Familienangehörigen, die jetzt noch 545 000 zählen.

Es wäre erfreulich, wenn sich in dieser Zahl die wirkliche Arbeitslosigkeit ausdrücken würde, aber leider müssen noch die Hauptunterstützungsemp­fänger in der Krisenfürsorge hinzugerechnet werden. Auch hier ist ein erfreulicher Rückgang zu verzeichnen, der frei­lich längst nicht so groß ist wie bei der Erwerbslosenfür­sorge; denn hier beträgt er nur 27 000 Arbeitslose, die schon länger als ein Jahr keine Beschäfti­gung haben. Daher müssen jetzt im ganzen rund 674 000 arbeitsfähige, aber Vollerwerbslose Deutsche unterstützt werden; gegenüber dem 15. Juni bedeutet es einen Rück­gang von über 16 Prozent. Es mag daran erinnert werden, daß am 15. Januar d. I. der Höchststand der Arbeitslosigkeit erreicht war und damals

MAioircn eine HauMunLerstüMm .beziehen, also-stempeln gehen" mußten. Jetzt ist diese Zahl auf rund ein Drittel zurückgegangen und damit kommt zum Ausdruck, daß sich die deutsche Wirtschaft unzweifelhaft auf einem sich zwar nicht rasch bewegenden, aber sich doch immer günstiger entwickelnden Konjunkturansiieg befindet. In jenen Zahlen stecken freilich noch längst nicht alle Arbeitslosen. Denn es gibt viele Tausende solcher, die wegen allzulanger Erwerbslosigkeitausgesteuert* werden mußten und dann der öffentlichen Wohlfahrts­pflege verfielen, außerdem aber auch noch andere Tausende und aber Tausende, die aus einer Art von Scham oder mangels Bedürfnisses Vie öffentliche Unterstützung nicht in Anspruch nehmen wollen. Man mag ihre Zahl wohl mit 100 000 ansetzen und gewinnt erst dann ein einiger­maßen richtiges Bild über die bestehende Arbeitslosigkeit in Deutschland.

Vergleiche mit der Vorkriegszeit liegen nahe, jedoch muß man die Voraussetzungen für diese Vergleiche sorg­fältig prüfen. Damals schwankte das Heer der Arbeits­losen, das sich aus mancherlei Gründen schwer feststellen läßt, zwischen 200- und 500 000. Hinzurechnen muß man aber, daß wir damals ein Heer von rund 800 000 Mann hatten, und zwar meist aus solchen Lebensaltern rekrutiert, die für den öffentlichen Arbeitsmarkt in Be­tracht kommen. Natürlich kann man aber diese Zahl auch lvieder nicht zum Vergleich heranziehen. Denn ein großer Teil davon, nämlich in der Hauptsache alles, was vom Lande kam, ist für den Arbeitsmarkt kaum in Betracht zu ziehen; außerdem ist ja das in Frage kommende Reichs­gebiet gegen danlals beträchtlich verkleinert. Und schließ­lich sind auch die 100 000 Mann der heutigen Reichswehr in Betracht zu ziehen. Unter diesen Umständen itnb unter Berücksichtigung all dieser Dinge darf man annehmest, bah die Zahl der Arbeitslosen gegenüber 1913 sich zur­zeit etwa auf der doppelten Höhe befinden mag.

Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, daß gerade der Juli und der August immer diejenigen Monate zu sein pflegen falls in sie nicht eine schwere Konjunkturkrise hineinfällt, die wegen des starken Beschästi­ll ungsbedürfnissesderLand wirtschaft be- sonders große Anforderungen an den Arbeitsmarkt stellen. Hierbei ist noch darauf zu verweisen, daß in der Landwirt­schaft jetzt weit weniger ausländische Arbeiter beschäftigt werden, als das vor dem Kriege der Fall war; in der Industrie ist es übrigens nicht anders. Dem Vernehmen nach soll nämlich das Kontingent der ausländischen Wanderarbeiter für die Landwirtschaft auf etwa 100 000 beschränkt worden sein, was gegenüber der Vorkriegszeit einen Rückgang auf etwa ein Drittel bedeutet. Entwickelt sich die deutsche Wirtschaftskonjunktur nicht in einem schnelleren Tempo, als sich die auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden und neu hinzutretenden Kräfte ver­mehren, so ist mit einem weiteren Rückgang der Arbeits- losenziffer kaum zu rechnen, besonders, da die fortschrei­tende Rationalisierung in Industrie und Landwirtschaft Zur Abstoßung von Arbeitskräfte,: führt. Wir werden auch in diesem Jahre wieder damit rechnen müssen, daß die Ziffer wieder austeigt, je näher wir dem Winter komrpen, aber hoffentlich wird eine weitere günstige Ent­wicklung unserer wirtschaftlichen Lage diesen Rückgang im Beschäftigungsgrad stark abschwächen.

Selbsthilfe gegen die portoerhöhung.

postalische Sparmaßnahmen

des Großhandels.

Umgehung der erhöhten Portosätze.

Im Verwattungsrat der Reichspost, der sich in der letzten Woche mit der Erhöhung der Postgebühren be­schäftigte, haben Vertreter des Handels, die im Verwal­tungsrat ihren Sitz haben, verschiedentlich bei den Debatten ihre Stimmen gegen die beabsichtigte Porto­erhöhung erhoben. Diese Proteste sind allerdings un­gehört verhallt. Es ist lediglich gelungen, das Ortsporto, das für größere Städte auf 10 Pfennig veranschlagt war, auf 8 Pfennig herabzudrücken.

Nun scheint die Wirtschaft zur Selbsthilfe zu greifen. Der Reichsverband des Deutschen Groß- und Übersee­handels hat seinen Mitgliedern Vorschläge zur Ersparung von Postgebühren unterbreitet, die, wenn sie auch im ein­zelnen für die Mitglieder des Verbandes ausgearbeitet und bestimmt sind, doch im ganzen Winke zur Porto­ersparnis für die gesamte Wirtschaft enthalten dürften. Der Reichspostminister hat als Folge seiner Gebühren­erhöhungen allerdings mit einem Rückgang des Umsatzes der Neichspost um 15 Prozent gerechnet, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß, wenn die geplanten Maßnahmen der Wirtschaft konsequent durchgeführt werden, die Post mit einem größeren Rückgang ihres Umsatzes rechnen muh.

Fliegerabstürze aus schwindeluder Höhe

Schweres Flugzeugunglück. I

Kassel, 27. Juli. Heute nachmittag mußte das Flugzeug D 206 zwischen Kassel und Gießen eine Not­landung vornehmen. Hierbei kamen zwei Passagiere, ein Herr Bauer aus Hofgeismar und ein Herr Koll­mann aus Hannover, sowie der Vordwart Ihlow ums Leben. Der Flugzeugführer, Rudolf Doerr, und Dr. Milch von der Wetterwarte Frankfurt a. M. wurden verletzt. Nach der Landung wurde das Flugzeug durch Brand beschädigt. v

Wie wir noch erfahren, mußte das Flugzeug, eine ge­wöhnliche Junkers-Viersitzermaschine, bei Amöneburg in­folge Motordefektes eine Notlandung vornehmen, wobei es in Brand geriet und vollständig Zerstört wurde.

Kassel, 27. Juli. Zu dem schweren Flugzeugunglück bei Marburg erfährt dieKasseler Post" folgende Einzel­heiten: Das Flugzeug 206, das fahrplanmäßig heute nach­mittag 1.15 Uhr von Hannover gekommen und fahrplan­mäßig zum Weiterfluge über Marburg und Gießen nach Frankfurt a. M. aufgestiegen war, verunglückte um 2.25 Uhr nachmittags am Südwestabhang von Amöneburg im Kreise Kirchhain. Noch über der Erde explodierte der Motor und eine hohe Stichflamme setzte die Maschine in Brand. Unter den Trümmern wurden drei völlig ver­kohlte Leichen herausgezogen, die später als die des Flug­zeugführers Dörr, des Bordwarts Ihlow und des Dr. Milch von der Frankfurter Wetterwarte in Frankfurt a. M. festgestellt wurden. Die beiden anderen Fluggäste mußten mit schweren Schädelbrüchen nach der Marburger Klinik geschafft werden. Einer von ihnen, wahrschein­lich ein Herr Kollmann aus Hannover, verstarb beim Transport. Der andere, ein Herr Bauer aus Hofgeismar, verstarb in der Klinik, noch ehe die Aerzte ihm helfen konnten. Ueber die Ursache des Unglücks wird schwer etwas festzustellen sein. Die Berichte der Augenzeugen gehen dabei auseinander. Wie wir erfahren, soll es dem Flugzeugführer gelungen sein, noch vor der Katastrophe den Postsack herauszuwerfen.

Zum Marburger Flugzeugunglück.

Marburg, 27. Juli. Nach einer neueren Meldung sind bei dem schweren Flugzeugunglück bei Amöneburg (Kreis Kirchhain) nur vier Personen ums Leben gekommen. Der zuerst als tot gemeldete Prokurist Kollmann soll schwer verletzt sein.

Die Wen Flugereigniffe.

Ein schwarzer Tag für die Luftschiffahrt.

Rekordleistungen glücken nicht immer, wie die letzte Zeit zur Genüge bewiesen hat. Gerade die Höhen- und Langstreckenrekorde im Flugzeug scheitern recht oft. Diese Lehre mußte auch der amerikanische Marineflieger Carleton ziehen, der den Höhenflugrekord von 12442 Metern überbieten wollte (21-fache Montblanc­höhe!).

In weit über 10 000 Meter Höhe sprangen die Zylinder seines Motors. Umherfliegende Stahlstücke zer­schlugen den Sauerstoffbehälter. Carleton ging im Sturz- slug nieder, verlor dabei aber die Besinnung, so daß die Maschine steuerlos herabglitt.

Die Notlandung erfolgte in einem Getreidefelde, wo­bei das Flugzeug Feuer fing und verbrannte. Er konnte sich und den Barographen in Sicherheit bringen. In der Näbe von Beaumont im Departement Oise (Frankreich)

Vorgeschlagen wird nun vom Reichsverband des deutschen Groß- und Überseehandels die einheitliche Ver­sendung der Rechnungen zusammen mit der Ware, Mit­teilung über den Abgang der Ware durch Drucksache nach bestimmtem Muster, Fortfall der bisher üblichen Liefer­scheine, Verzicht auf die Empfangsbestätigung, verstärkter Gebrauch der Drucks« chensendung unter Berück­sichtigung der neuen Bestimmung, daß zwischen Teil- und Volldrucksachen kein Unterschied gemacht wird und daß die Eintragung bestimmter Änderungen in der Drucksache erlaubt ist. Weitere Vorschläge zur Portoersparnis be­ziehen sich auf den Postscheckverkehr. Die Über­weisung vom Postscheckkonto auf das Bankkonto kann dadurch beschleunigt und verbilligt werden, daß der Bank ein Postbarscheck überwiesen wird, der bereits am nächsten Tage dem Bankkonto gutgebracht wird. Beim Abheben größerer Beträge vom Postscheckguthaben durch solche Firmen, die über ein Reichsbankgirokonto verfügen, werden durch Überweisung eines Reichsbankschecks, der bei der Reichsbank sofort gutgebracht beziehungsweise aus­gezahlt wird, bei regelmäßigem Verkehr nicht unerhebliche Ersparnisse an Postscheckauszahlungsgebühren erwirtt. (Gebühr ein Zehntel pro Mille statt 1 pro Mille.) Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Verbilligung des durch die Erhöhung der Postscheckgebühren verteuerten Zahlungsverkehrs und des Paketverkehrs sowie zur weit­gehendsten Verwendung von Drucksachen vom Reichsver­band des Deutschen Groß- und Überseehandels aus-, aearbeitet.

ereignete sich ein ähnlicher Unfall. Ein französischer Flieger stürzte dort aus einer Höhe von 7000 Metern ab. Der Fallschirm entfaltete sich 160 Meter über dem Erd- bodeu, so daß der Pilar selbst unbeschädigt auf dem Erd­boden ankam.

In der Nähe von Toul ereignete sich gleichfalls ein furchtbares Fliegerunglück. Zwei Militärflugzeuge stießen bei einer Nachtübung zusammen. Beide Apparate stürzten brennend in die Tiefe. Dem Piloten des einen Flugzeuges gelang es, mit Hilfe feines Fallschirms glück­lich den Boden zu erreichen, sein Beobachter und die beiden Insassen des anderen Flugzeuges jedoch wurden getötet.

Gegenwärtig befindet sich

in Friedrichshafen ein Riefenluftschifs im Bau, das für den transatlantischen Vcrkehrsdienst be- stimmt ist und das imstande sein soll, hundertPassa- g i e r e m i t G e p ä ck zu befördern. Man nimmt an, daß das Luftschiff der Vorläufer einer Flotte von Überseeluft­schiffen ist. Die ersten Flüge werden voraussichtlich im Frühjahr stattfinden. Die Motoren sollen 7000 PS. ent­wickeln. Die Meinung der Sachverständigen geht dahin, daß die Flugsicherheit bei Luftschiffen bei der Atlantik­überquerung vorläufig noch größer ist als bei Aeroplanen.

Byrd und Chamberlin sind Gegenstand großer Ehrungen in den Vereinigten Steinten. Der aktivere von beiden ist Byrd, der scheinbar nicht schnell genug nach dem Südpol kommen kann, da ihm ein Nordpol- oder Atlantik­slug nichts Neues mehr sind. Er plant, schon im Herbst die Expedition anzutreten.

Die Flugapparate sind, von Deutschland abgesehen, zu einem Teil doch immer noch für Kriegszwecke bestimmt und stellen für die Bevölkerung jedes Landes heute eine größere Gefahr dar als Kanonen und Kavallerie. Am meisten besorgt in dieser Beziehung ist England. Die dort borgenommenen Flugmanövcr haben bewiesen, daß ein vernichtender Angriff gegen Flugzeuge nicht möglich ist. Nach Meinung der ZeitungMorningpost" kann

der Feind nicht daran gehindert werden, London durch die Luft zu erreichen.

Wenn aber nur die Hälfte oder auch nur ein Viertel der Angreifer ihr Ziel erreichten, so würde das genügen, um alle Bewohner Londons zu ersticken und den größten Teil der Stadt in Asche zu legen. Wie die Dinge lägen, könne man sich nur noch auf die Vernunft der Regierungen, die Fürcht der Nationen und trockenes Pulver verlassen.

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Eine ZollsenkungsenqueLe.

Die Reichöregierung hat, nachdem sie sich zu den Forderungen der Genfer Wirtschaftskonsereuz auf Abbau und Milderung der in Europa herrschenden Hochschutz­zollsysteme bekannt hat, beim Vorläufigen Reichswirt­schaftsrat eine Untersuchung darüber angeregt, in welchem Umfange Deutschland von sich aus seine autonomen industriellen Zölle senken könnte.

Der zuständige Ausschuß des Reichswirtschaftsrates hat bereits die R i ch t l i n i e n für die Durchführung dieser Enquete, deren Ergebnis ein Gutachten des Reichs­wirtschaftsrates sein wird, aufgestellt. Es sind verschiedene Gruppen gebildet worden, die die einzelnen Abschnitte des Zolltarifs man will annähernd 300 Tarifpositionen untersuchen bearbeiten. Die Vorbereitung zum Gut­achten seitens der einzelnen Gruppenkommissionen sollen im Herbst dieses Jahres beendet sein, worauf der Zoll- tarifausschuß die Gesamtbearbeitung vernimmt. Das Gutachten dürfte eine der Hauptunterlagen für einen neuen Z 0 l l g e s e tz e n t w u r f der Reichsreaierung werden.