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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

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^18« -1927

Fulda, Donnerstag, 4. August

4. Jahrgang

ÄWBmFé^

* Amtlich wird mitgeteilt, daß die Meldung, den Reichsias jvcrde in seiner Septembertagung ein Amnestiegesetze rUwurl tcschäftigen, unrichtig sei. -

# Ein Junkers-Flugzeug mit dem Piloten Risticz unte» nimmt einen Angriff auf den Dauerslugrekord ChamberliwS ton 51 Stunden.

* In den Alpen herrschte ein Unwetter, das verschiedene Bahnlinien schwer beschädigte.

* An der Weltkirchenkonferenz in Lausanne nehmen neunzig lkirchengruppen teil. 1

* Der Präsident der Vereinigten Staaten, Coolidge, hat er­klärt, er habe nicht die Absicht, bei den nächstjährigen Prä- sidcntschaftswahlen wieder zu kandidiere,».

«ES

planmäßige Oeutschenhetze.

Es hieße die Augen vor einer Tatsache verschließen, wollte man leugnen, daß das Verhältnis zwischen Deutschland und den Westmächten in den letzten Monaten trotz der endgültigen Erledigung der Entwaffnungsfrage keineswegs ein besseres, sondern ganz yoeisellos schlechter geworden ist. Die Auseinander- ichungen mit dem belgischen Kriegsminister de B r 0 - ^ueville waren der Auftakt zu der sachlich weit schär- seren Auseinandersetzung mit Frankreichs Regierung, eine Auseinandersetzung, die in der Rede Poincares über die Vorgänge in Orchies ihren Ausgang nahm, also ebensowenig wie die Beschuldigungen des belgischen Ministers von uns veranlaßt war, die wir aber nicht unwidersprochen lassen durften, um sie nicht Geschichte werden zu lassen. Die Antwort waren schwere Unfreund­lichkeiten.

Und nun eine neue Unfreundlichkeit auch aus E n g - land, wo schon der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, Loâer Lam p s 0 n , uns erst vor wenigen Tagen sagte, datz an eine Räumung der Rheinlande vorläufig nicht zu denken sei. Das war noch nicht das Letzte; denn nun färeibt bie sehr maßgebliche Londoner Zeitung, die ^imes- einen Artikel, in dem sie sich auf den belgischen Ctandpunkt stellt, das vom deutschen parlamentarischen Untersuchungsausschuß veröffentlichte Material über die angeblichen deutschen Kriegsgreuel als»licht ganz der Wahrheit entsprechend" bezeichnet unb wo uns obendrein noch gesagt wird, daß die fortwährenden Unschulds- beteueruiigen Deutschlands nicht länger geduldet werden könnten, iveil die Alliierten diese schon längst in aller «orm alsunbegründet und unzulässig erklärt" hätten. Was könne mehr dazu beitragen, den Kriegsgeist zu ver­ewigen, als solche Veröffentlichungen tvie der Bericht der deutschen Kommission, während doch Poincarö in Orchies erklärt habe, den Kriegsgeist zum Vergessen bringen zu wollen! Aber die Deutschen hielten an ihm fest und das "~ beitrage sich doch nicht mit dein Geist von Locarno; denn in zwei Sprachen könne man nicht reden. Das ist baarschars dasselbe, was die belgischen Noten uns vor­warfen.

Um ein deutliches Wort zu gebrauchen: da bleibt ws der Verstand stehen! Man überhäuft uns mit Be- »'uldlgüngen über Gegenwart und Vergangenheit und sollen das alles geduldig einstecken. Daran ist Mit zu denken und wahrscheinlich findet schon Ende dieser Woche eine Sitzung des R e i ch s k a b i n etts statt, mit dieser ganzen politischen Situation beschäftigen ,o>rd und schon deswegen beschäftigen muß, weil im Sep- ;ewr die große Herbsttagung des Völker- ;i>ndes erfolgt. Wie verlautet, soll aber dort Dr. E"e> em ann als deutscher Delegierter die ganze milge der Locarnoauswirkungen der nicht vorhan- enen sowie dieser planmäßigen Hetze gegen Deutsch- ö"r Sprache bringen. Er wird hierfür die Zustim- »ig aller deutschen Parteien haben.

-^.^^^ ändert nichts, wenn jetzt schließlich and) in Zw. wieder einmal die Äußerungen gewisser Deutscher 5eine angebliche deutsche Aufrüstung begeisterte Ver- -Äung finden, um denschlechten Willen" Deutschlands ^.beweisen". Dieses Mal ist es der bekannte Professor e r, der dem ahnungslosen Frankreich den Plan .Mbarer deutscher Kriegsrüstungei» gegen Polen be- Mt enthüllt hat und natürlich überaus ernst ge- mmen wird. Nicht diesen Unsinn nehmen wir ernst, uw' daß man diesen Märchen in Paris ohne di,.^es Glauben schenkt oder wenigstens so tut. Denn das Entscheidende und vielleicht wird man nun e^ daß wir nicht einmal dagegen protestieren wird allmählich höchste Zeit, 3um mindesten svm^^âl zu inachen, in Genf durch persönliche Rück- leitenden Staatsmänner wieder eine bessere herzustellen. Denn noch immer gilt das Wort iilieib^' die Völker die Kosten für die Fenster- 1 zu bezahle»» haben, die ihre Presse eiufdjlägt.

Öffnung der Wettkirchenkonferenz.

Dix Archen gruppen in Lausanne.

N(1 ist in^.Viv^ für Glauben und Kirchenversaf- ^ordeu. - . "ua der Universität Lausanste feierlich eröffnet gierten bern^ Länder mit 439 offiziellen Kuppen, Me W dlutör den Abordnungen der 90 Kircheu- Wnbe Mh.. w^wr entsandt haben, bemerkt man hervor- Staatsstrche östlichen Kirche sowie der englischen ^-sonders ettosr».? deutsch e n Delegation seien L^^Marbura ^ Professor Hermelink-Marburg, Professor ^"'ilkarl, der ^i. V ^orgarten-Dorndots, Prälat Schöll- 11,16 «e^iJA^ der Berliner Stadtmission, D. Philipps rt -r. Stange-Kassel, der Führer des

Coolidge verzichtet auf Wiederwahl.

Amerikas Präsidenfensorgen.

Wer wird Kandidat?

- Im kommenden Jahr steht die Neuwahl des Präsi- ' besten der Vereinigten Staaten bevor. Bisher hatte man fast möt Gewißheit angenommen, daß der jetzige Präsident Cooli-dge wieder für dieLiepublikanische Partei kandidieren und mit größter Wahrscheinlichkeit wiedergewählt würde. Wese Gewißheit ist nun unerwartet durch die Verzicht- leistung Coolidges auf seine Kandidatur erschüttert worden.

Präsident Coolidge hatte die Pressevertreter in Rapid- City, wo er sich aufhielt, ersucht, ihn auszusuchen. Als die Pressevertreter im Arbeitszimmer des Präsidenten er­schienen waren, trat Coolidge an das Ende eines langen Tittbes.forderte die Pressevertreter auf, sich in einer Reihe

Präsident Coolidae.

hinter ihm aufzustesten und sagte: Ich habe eine kurze Erklärung für Sie. Jedem Pressevertreter wurde darauf die mit Schreibmaschine auf kleinen Blättern geschriebene EEärung überreicht, daß Coolidge nicht die Absicht habe, Mr die Präsidentschaft 1938 zu kandidieren. Der Erklä­rung war keine weitere Begründung angefügt.

Die Verzichtleistung Coolidges hat auf die ameri- nische Öffentlichkeit als eine der größten politischer» Über- raschunaen der neueren Geschichte gewirkt. Die Presse gibt

evaitgelischen Jungmännerwerks in Deutschland. General- superintendent Zöllner-Münster vertritt inoffiziell ben Deut­schen Evangelischen Kirchenausschuß, dessen offizielle Beteili­gung aus Grund seiner Verfassung nicht möglich war. Das Präsidium hat der amerikanische Bischof Brent-New»)ork.

Zu einer Aussprache, nicht zun» Wortstreit haben wir uns hier vereinigt. Aussprache hebt die Berührungspunkte hervor, Wortstreit übertreibt die Unterschiede," dieses Motto stellte Bischof Brent der Konferenz in seiner Eröffnungs­rede voran.

Vor der ersten Geschäftssitzung fand in der überfüllten Kathedrale ein Festgottesdienst statt, bei den» der Präsident der Konferenz die Wirkung der Zersplitterung der christlichen Kirche,» besonders in Amerika im Laufe der letzten Jahr­hunderte schilderte. Das letzte Ziel der Konferenz sei cs, zu untersuchen, wietveit eine

Annäherung der verschiedenen Kirchengruppen in Fragen der Lehre und der Kircheriversassung möglich sei.

Zürn ersten Vcrhandlungsgegenstand der Konferenz er­folgten kurze Ansprachen programmatischer Natur der ver­schiedenen Kirchengruppen. Für die de»»tschc Kirche sprach zunächst Professor Dr. Elert-Erlangen. Er brachte die Sympathien des deutschen Luthertums an den Bestrebungen der Konferenz zürn Ausdruck und begrüßte es, daß man end­lich einen Versuch mache, das ilbel der unseligen Kirche»»- zerrisienbeit an der Wurzel zu fassen.

potLiische Rundschau.

Deutsches Reich.

Kein Attltlestiegesetzcntwurf.

Die vor» Berlin aus verbreitete Meldung, daß im Reichsjustizministerium ein A m n e st i e g e s e tz e n t- Wurf vorbereitet »verde, der .bem Reichstag in der Septembertagung vorgelegt iverdei» soll, ist, wie amtlich mitgeteilt wird, nicht richtig. Es treffe auch nicht zu, daß der Reichstag ben Erlaß einer neuen Amnestie ange­regt habe. Er habe nur einige näher bezeichnete Gruppen von Eittzelfällen der Gnadeninstanz 31t wohlwollender Prüfung empfohlen, ein Amnestietzesetz aber abgelehnt. Werden die deutschen Küstenbatterienbesichtigt"?

DerDaily Telegraph" ivill erfahren haben, daß zwischen ben alliierten Militärsachverständigen in Scrim und ihren Regierungen Besprechungen im Gange seien.

die verschiedensten Beweggründe für das Vorgehen Coolidges an, weiß aber offenbar keinen genügenden Auf­schluß zu geben.

Die Erklärung geschah am vierten Jahrestage der Übernahme der Präsidentschaft durch Coolidge nach dem Tode Hardings. Coolidge übernahm damals als Vize­präsident gesetzmäßig den obersten Posten der Union und wurde dann 1924 gewählt.

Coolidges Beweggründe.

Nach einigen Stimmer» soll Coolidge nicht unbeein- ftuHt geblieben sein von der gerade in der letzten Zeit in der amerikanischen Öffentlichkeit und auch in der Republi­kanischer» Partei wachsenden Bewegung gegen eine noch­malige Kandidatur, die sich nicht gegen die Person Coolidges richtete, sondern gegen das Prinzip einer d r ei- in a l i g en Amtstätigkeit. Ferner haben die Farmer des Westens seit langem verlangt, daß die Republikanische Partei endlich einen Kandidaten aufstelle, der sich der Interessen der amerikanischen Landwirtschaft und der Baumwollpslanzer annehme. Auch liegt es nahe, den Entschluß mit dem Scheitern der Genfer Dreimächtekonferenz in Zusammenhang zu bringen, deren Zustandekommen sich Coolidge besonders angelegen sein ließ. Seine Abrüstungsideen für die See- streitkräste haben aber dort ein vollständiges Fiasko er­litten.

Nur ein Schachzug?

Die Tatsache, daß Senator Borah »»och vor »venigen Wochen erklärte, er könne in Coolidges Kandidatur für 1928 keine Verletzung der Tradition sehen, wird von den Verfechter»» dieser Meinung mit dem unklaren Wortlaut der Erklärung Coolidges zusarmnertgehafteN und daraus der Schluß gezogen, daß der Präsident nur Gegenäuße­rungen seiner Parteigänger herausfordern wolle. Daß er in der Erklärung einen klaren Text vermied, gilt diesen Streifen als ein hinreichender Beweis, daß der Präside»»» umzustirnmen sei, wem» genügend starke Gruppen trotz seiner Erklärung seine Kandidatur verlangen sollten.

Andere Vräsidentschasts,taudido.ten.

Der gegen Coolidge genannte Kandidat des linke»» Flügels der Republikanischen Partei (Farmer und Baum- wollpflanzer) ist der Senator Lowden, der im vorigen Jahre eine große landwirtschaftliche Studienreise durch Europa gemacht hat, um das Genossenschaftswesen und die öffentlich-rechtliche Organisation des landwirtschaftlichen Kredits zu studieren. Die Großindustrie mürbe beim Ausscheiden Coolidges wahrscheinlich für den Staats­sekretär für den Handel, Hoover, cintreten. Seit län­gerer Zeit ist der jetzige Vizepräsident (General Dawe s als Nachfolger Coolidges genannt »vorden, ebenso der frühere Staatssekretär H u g h e s und der Sprecher des Repräftmtantenhauses L 0 n g »v 0 r t h.

die entscheiden sollen, ob die angeregte Vornahlne einer Jnspektior» gewisser deutscher Küstenbefestigungen durch alliierte Sachverständige Wünschenstvert »värc. Das Blatt bemerkt dazu, ir» London fühle man in wachsendem Maße, daß es nicht in Einklang 311 bringen sei mit bem Geiste von Locarno, wenn man die Frage der deutsche»» Rüstungen nicht von der einzigen Körperschaft behandeln lasse, die dazu berechtigt sei, nämlich dem Völkerbund.

Aus Zu- und Ausland.

Berlin. Die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) hält in der Zeit vom 24. bis 27. August ihren diesjährigen ordentlichen Parteitag in Ham­burg ab.

Weimar. Der thüringische Staatshaushaltsplan für 1927 weist einen F e h lbetrag von fast 11 Millionen Mark auf. Gegenüber dem Vorjahr ist der Fehlbetrag um fast 2 Millionen erhöht.

Landshut. Auf der 24. Hauptversammlung des bayerischen Volksschullehrervereins wurde eine Entschließung gegen den Entwurf des Reichsschulgesetzes an- genommen.

Wien. Die Mitglieder der Interalliierten Militärkontroll- tommiffion haben den Bundeskanzler Seipel aufgefordert, für die Auflösung der Ge m c i n d e s ch utzto a ch e Sorge zu tragen, da diese Neugründung mit dem Vertrage von St. Germain in Widerspruch stehe.

London. Der K r i e g s m i n i st e r Worthington Evans reift zu einem dreitägigen Besuche nach dem Rheinland, um die britische»'. Besatzungstruppel» in besichtigen.

London. In» Staate Jalisco in Mexiko hat ein heftiger Kampf zwischen Regierungstruppen und Aufstäudischen statt­gesunden. In dem Gefecht sind (to R e g i e ru n g s s 0 l - baten gefallen. Die Zahl der Verwundeten ist groß.

Lissabon. Hier und in Oporlo sind Gerüchte verbreitet, die voll einem bevorstehenden monarchistischen L-taats- st r e i ch missen »vollen. (Während der letzte», 16 Jahre haben in Portugal 17 Revolutionen stattgefunden.)

Newyork. Ter Finänzmaun Bernard Baruch, der wah­rend des Krieges Vorsitzender des Aintes für Kriegsindustrten war, erklärte in einem Jntervielv, es dürfte innerhalb der nächsten zwei Jahre sich als notwendig erweisen, den Dawes-Plan völlig 3 n revidieren.

Aewyorl. Stach einer Meldung derReto York World" ist es der ReMinglon-WasfengeseLsälasi nach vieljährigen Versucher» gelungen, ein Verfahren der Munitionsherstellung zu entdecken, durch das die Rostbildung in Gewchrlmsen ver- mieden wird. Die Gesellschaft werde demnächst eine Mit- teiluna hierüber veröffentlichen.