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^482 -1927
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Stilbn, Samstag, 6. August
4. Jahrgang
Deutscher Rekord im Dauerfliegen
6500 Kilometer in 52 Stunden.
Die Junkers-Piloten überbieten Chamberlin.
Die Piloten Risticz und Edzard haben mit der MkerS-Rekordmaschine „33" die ganze Nacht zum Freies Len schweren Dauerflug durchgchaltcn und noch weit in iw Vormittag hinein fortgesetzt. Erst gegen 10 Uhr 11 Minuten vormittags erfolgte bei herrlichstem Sommcr- Mer und angesichts einer ungeheuren Zuschauermenge bis außerordentlich glatte Landung in Dessau. Der bisher von Chamberlin und Acosta gehaltene Dauerwelt- rclord wurde um 1 Stunde 12 Minuten geschlagen. Der von dem Franzosen D r o u h i n gehaltene Strcckenrekord mit Rückkehr zur Startstelle fiel gleichfalls mit 4660 kon- troaierten Kilometern an Deutschland. Insgesamt haben dir Flieger 6500 Kilometer zurückgelegt. Diese Strecke bricht der Luftlinie Berlin—Buenos Aires oder Irrkin—Kapstadt.
Ab die Landung glatt vonstatten gegangen war, state alles zur Maschine. Die beiden Flieger wurden Ader Maschine gehoben und aus den Schultern in das tt getragen, das sie zum Flugbureau brachte. Der Mara! wurde inzwischen von den Sportzeügen unter« fudjt, die Plomben wurden nachgeprüft: alles war in Ordnung. L e d i g l i ch B c n z i n m o n g e l h a t t e d a s Fing ze u g z u r Landung g e z w u n g e n.
Der Flug selbst verlief nach Angaben der Piloten ohne jeden Zwischenfall, wenn auch der Nebel in den Nachtstunden die Orientierung schwierig Machte Die Maschine arbeitete im allgemeinen ausgezeichnet
Nach dem Erfolg des' Dauerrekordfluges ist es nicht mehr zweiselhaft, daß der Flug nach Newyork schon in der nächsten Zeit vor sich geben wird.
An die Reichspost mitteilt, können für diesen Ozean- stng auch Br i e f s e n d u n g e n mitgegeben werden.
eines Briefes darf 20 Gramm nicht über« mW. PortoUbühren für eine Postkarte 12, für einen âief 25 Mark. Auf dem Umschlag ist anzugeben: „Sen« «Wii zur Beförderung mit Flugzeug nach Amerika — Postamt Dessau".
*
Oer Lebenslauf der Flieger.
.Risticz ist der ältere der beiden Piloten. Er wurde jâ in Budapest geboren, befindet sich also im 32. Lebens- joorc. Bei Beginn des Krieges meldete er sich als Frei- roiutger in die österreichische Armee, wurde dy.! mehliach ausgezeichneter Pilot. Nach Beendigung des Sieges war er Verkehrsflieger bei der Ungarischen -iWcchhrsaktiengesellschaft. Seit dem I. August 1025 11 ?r >ur die Dessauer Junkers-Werke tätig. Er ist ver
Briand an den Völkerbund.
t EMaffnungskonirove
> in SeuWaO.
. " Französische Hetze.
p...^ französische Presse macht großes Wesen mit her ^Mntlichung eines Schreibens des französischen «Mlnisters Briand vom 22. Juli an den Völkerbund- Ä b<m die Rede ist von der Übertragung der Voll- A§' der interalliierten Botschafterkonferenz über die
. Kontrolle an den Völkerbund.
W?d"b teilt dem Bölkerbundrat offiziell die be- kv^«Z"isachc mit, daß die Interalliierte Militär-
1 h Emission in Deutschland, deren Funktionen in Nr,» ln des Vertrages von Versailles festgelegt drffeü'k^ 311 Januar d. J. ausgelöst worden ist. In- jittaJ'1’:” auf Grund eines am 12. Dezember v. J. drin Vl»n Vertretern der alliierten Regierungen und ^"iniknL fchen Reichsautzenminister abgeschlossenen Ab- ^»ncn - ’m den diplomatischen Missionen dieser Regie- dir e^. " Berlin Sachverständige belassen worden, um folgen Erledigung derjenigen Fragen zu ver- der So»!? ^erzustellen, die am Tage der Zurückziehung "Melw»"kommifsion noch nicht als vollständig geregelt werden konnten. Briand macht dabei den h^nfiU^ ""^ das ihm zustehende Recht aufmerksam, Klietz ' von dem ihm durch den Vertrag von Ber- ^Munall^ Jnvestigationsrecht (Ersorschungs-, h^t B^^^t) Gebrauch zu machen. Gleichzeitig über- J"N'ssi°n ^^ Bericht der früheren Kontra«. ^iiiui1 „.^?^ Zeitungen begleiten die Veröffent- ^Huiif • ^gleichlautenden, also wohl veranlaßten bür* vlc neue von Deutschland eröffnete Kam- ^der AZâ es vermeiden will, daß die Alliierten N des ^PiHwnb ^ einer Nachprüfung der Entwaff- k^'i sie die öÄn Reiches schreiten, insbesondere, so« ^wt unanaÄ^feMüngen Deutschlands betrifft, er- in.V’iNcq0^ ?^ ' Die kürzlichen Enthüllungen über B^i beabfS beT Deutschland seine Armee zu ver- D^, "otwcildjl ^ beweisen, daß eine Kontrolle durch. ^bund den. i ^ / 6 ’ Selbstverständlich ist es der lf*> Versuch ^k bicf= Kontrolle zufällt."
i cn ru geben • Volkerbundrat gleichsam Vor- li^ ^Mb n^bi j r «igcntit^ vollkommen überflüssig, : duffen, was er zu tun hat. Die offen«
^feti gegen Deutschland, die sich aber in
heiratet und hat seinen Wohnsitz augenblicklich in Dessau, der jüngere ist E d z a r d. Er ist 29 Jahre alt, wurde 1898 in Bremen geboren und meldete sich zu Kriegs- beginn bei der deutschen Armee ebenfalls als Kriegsfreiwilliger. Den größten Teil des Krieges machte er als Kliener mit. 1924 trat er als Verkehrsklicaer in den
Der Junker-Pilnt Risticz.
Dienst der neuen Bremer Luftverkehrsgesellschaft m. b. H. Auch er ist verheiratet.
Andere Wettbewerber.
Die Vorbereitungen des Kielers Könnecke zu seinem Ozeanflug werden in Trave in ünde mit verstärkter Kraft fortgesetzt. Die letzten Probeflüge mit dem Atlantikflugzeug „0 32", die hauptsächlich zur Kontrolle des Betriebsstoffverbrauchs und der Geschwindigkeit veranstaltet wurden, sind gut verlaufen.
Auch Levine, der sich mit Drouhin wieder gut steht, ist in Paris startbereit und möchte gern als Erster den Europa—Amerikaflug durchführen. Von Zufällen dürfte es abhängen, wer das Nennen als Erster gewinnt.
dem Zusatz ausspricht, ist doch bezeichnend für die Stimmung, die sich augenblicklich wieder einmal tn Franrrercy austobt. Man kann das Schreiben Briands wohl als rein geschäftsordnungsmäßig ansehen, ohne den Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade als sehr, richtig go? wählt bezeichnen zu können. Die Interalliierte Mili- tärfontroßfommiffion ist am 31. Januar d. I. endgültig beendet und die später ernannten militärischen Sachverständigen haben tatsächlich keinerlei Kontrollrecht, wie die französischen Zeitungen es wohl gen andeuten möchten.
Deutsche Auffassung W VriandS Schreiben.
Berlin. An zuständiger Berliner Stelle sieht man in dem Schreiben des französischen Außenministers Briand, das dieser in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Botschaftcrkonfcrenz in der Angelegenheit der Übertragung der Funktionen der I. M. K. K. in Deutschland ans den Völkerbund nach Genf gc-". richtet hat, lediglich einen bureaukratischen geschästsordnungL- mäßigen Akt.
Die Aussührungsbestimmuugen zu Artikel 48.
Berlin. Es wurde gemeldet, daß im RcichSinncn- miniftcrimn an der Bearbeitung der Ausführungsbestimmun-'- gen zu Artikel 48 der Rcichsversnssung beschleunigt gearbeitet werde, daß insbesondere der Reichswehtminister sich für die Bcschlcunigiina eingesetzt habe. Die Bestimmungen sollten nach Abschluß der Sommerpause spätestens im September dem Kabinett vorgelegt werden. Bum Rcichsinnenministcrium wird hierzu erklärt, daß diese Melduna in allen Punkten nnrichtia ist.
Mesne Zeikung für ellige Lefek-
* Für den 10. August ist eine wichtige Sitzung des deutschen Reichskabinetis vorgesehen.
* Zwei Junkers-Piloten blieben über 52 Stunden in der Luft und haben damit den Dauerflugrekord für Deutschland erobert.
* Es heißt, daß nach Abbruch der Genfer Sccabrüstungs- konfcrcnz von Kabinett zu Kabiuctt über die Abrüstung Weiter- vcrhandelt werden soll.
* Der französische Außenminister Briand hat ein Schreiben an den Völkerbundrat über die Militärkontrolle in Deutschland gerichtet.
Zeichen und Wunder.
Poincarès Berliner Haus. — Englisches Reinigungs- bedürfnis. — Gedenktage verboten. — Schätzel volkstümlich.
Wir werden bald, so scheint es, daran denken müssen, Herrn Poincarâ Abbitte zu leisten. Er hat der Welt zwar oft genug versichert, daß ihm nichts ferner liege, als Haß zu säen und den Frieden unter den Völkern zu stören. Aber da man in Deutschland nun einmal Wert darauf legt, Worte und Taten eines Staatsmannes — und gar eines f o großen Staatsmannes, wie dieser französische Ministerpräsident zu sein sich rühmen kann — miteinander in Übereinstimmung zu finden, so erntete er mit solchen Redensarten hierzulande selten mehr als abweisendes Achselzlicken. Nun will er uns aber doch ein greifbares Zeichen seiner Zuneigung geben. Wenigstens wissen kundige Leute, die das Gras wachsen hören, aus Paris zu berichten, die französische Regierung habe be« schlossen, in allen Hauptstädten Europas, also auch in Berlin, Propagandabureaus zu schaffen zur Förderung des Fremdenverkehrs in Frankreich. Berlin soll sogar den unerhörten Vorzug genießen, als e r st e Stadt der Welt mit einem solchen „Maison de France" beglückt zu werden — offenbar aus Dankbarkeit dafür, daß unverhältnismäßig viel Deutsche auch in diesem Jahre wieder in den teuren französischen Luxusbädern anzutrefsen sind, während Engländern und Amerikanern der Spaß nachgerade etwas zu kostspielig geworden ist. Also wie man uns Germanen einstmals nachgesagt hat, wir könnten keinen Franzmann leiden, aber seine Weine, die tränten wir gern, so soll mich Herr Poinearö sich jetzt dazu auf« schwingen, feine Abneigung gegen die Teutonen wenigstens soweit zu überwinden, daß er i b r gutes Gelv in möglichst großen Portionen nach Frankreich herein« lockt. Wenn die Deutschen das und so wären, wofür dieser unverbesserliche Deutschenhasser sie immer gehalten hat, würden sie französische Liebeswerbungen, anch wenn sie ihnen mit noch so viel freundlicher Gebärde entgegengetragen werden, einfach auf „HuuiMgrt" zurückweifen. Aber sie denken natürlich gar nicht berran, sondern werden schon an ihrem Teil dazu beitragen, daß diese Propagandaspesen Früchte tragen, und sei es auch auf Kosten der deutschen Bäder und Erholungsstätten, in denen man nicht französisch parlieren und keine französischen Reiseandenken kaufen kann. Wenn dann Herr Poincarè sich erkenntlich zeigen und beim Völkerbund in allen europäischen Schicksalsfragen Schulter an Schulter mit Deutschland zusammenstehen wird, dann wird endlich der ewige Friede für Europa in greifbare Nähe gerückt sein. Und das alles wird dann ein einfaches „Maison de France", Unter den Linden zwischen Kaiserfchloß und Brandenburger Tor in Berlin, bewirkt haben. Das nächste Mal müßte dann dafür unbedingt Herr Poincarü oen Friedens-Nobelpreis kriegen.
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Ober ob ihm schließlich doch die Engländer den Rang ablaufen? Sie haben jetzt in Saarbrücken das Präsidium der sogenannten Regierungskommiffioi^ über« nommen und wetteifern schon ganz munter mit dcn'Fran- zosen, die ihn bisher innehattèn, im Erlaß von Verbots- nnb Unterdrückungsmaßnahmen, als wenn sie zeigen wollten, daß man durchaus nicht Franzose von Geburt und Erziehung zu sein braucht, um einer fremden, hoch- ' gebildeten und selbstbewußten Bevölkerung bic Knute zu zeigen. Und kaum hat sich der sogenannte Bahnschutz im Lande etabliert, da stürmen auch die englischen Offiziere — Verzeihung, die englischen Bahnschutzbcamten, die städtischen Bodeau st a l ten , um ihrem angeborenen Reinigungsbedürfnis zu der Zeit und in der Gesellschaft, die ihnen gerade paßt, frönen zu können. Die Bürgerschaft kann warten ober, wenn sie will, in den Nachtstunden ins Saarwasser steigen. Der ausländische Bahn- schutz hat auch hier den Vortritt, und damit er in seinem Behagen nur ja nicht gestört werde, werden Regimentsund Gedenkfeiern rücksichtslos verboten. Es soll für die Saarländer keinen Tag von Spichern mehr geben und keinen von Weißenburg. Und ivenn außerdem noch ihre Wirtschaft langsam, aber sicher zugrunde gerichtet wird, so sollen sic trotzdem nicht aushören, ihre englisch-französischen Herren und Meister wenigstens zu fürchten. Mehr wird von ihnen nicht verlangt. Der Ausgleich für soviel Unbill wird dann wieder in ber nächsten Genfer Poradetagung geliefert, wo Deutschland gleichberechtigt, völlig gleichberechtigt mitten am Ratstisch sitzen darf. Mein Kind, was willst du n o ch mehr?
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Dasselbe Deutschland läßt sich inzwischen die Mühe nicht verdrießen, bic technischen Fortschritte ber Zeit unaufhörlich vorwärtszutreiben. Jetzt haben wir es wirklich schon fertiggebracht, unsere Stimme von der Gegend am Potsdamer Platz aus b i s n o ch A r g e n t i u i e n zu übertragen. Und wenn die Propheten recht behalten, wird man noch Buenos Aires halb billiger sprechen ols telegraphieren können. Herrn Schätzel, unserem neuen Reichspostminister, hnt bic deutsche Öffentlichkeit bisher nicht gerade Lorbeerkränze gewunden; wird es ihm auf dem Umwege über diese fabelhaft kurzen Wellen vielleicht gelingen, ein volkstümlicher Mann zu iveroen, gleich unserem unvergeßlichen ersten Geuerolpostmeister Stephon, ber auch einmal — in seiner Weise — bic Welt erobert hot? Dr. Sy.
Jur Hindenburg-Spende.
Kraft und Echtheit, Treue und Lauterkeit sind das leuchtende Diadem, das unseren Hindenburg schmückt.
Professor D. Dr. Seeberg.