Zul-aer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulüa- und Haunetal »Julöaer Kreisblatt
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^.184 — 1927
Fulda, Dienstag, 9. August
4. Jahrgang
Kseme-Zeitung für eilige Leser.
4 M Donnerstag werden zwei deutsche Flugzeuge voraus- .ylicf) zum Ozeanfluge starten.
♦ TjC Ziehung bei der Preußischen Klassenlotterie wird um HÄ Loche verschoben.
In Ratibor erschoß der Bankdirektor Sauerbier seine Fmu^und seine beiden Kinder und tötete dann sich selbst. L# $n der Nähe von Amsterdam sind bei dem Zusammenstoß ^cici Klcinbahnzüge mit Ausflüglern sechs Personen getötet xardcn.
Gieègende Preise.
Es ist so oft und viel zuviel die Pede von der weitenden Rationalisierung in der deutschen Wirtschaft, vor s der Industrie. Gewiß sind auf dem Wege zu einer wichst billigen Erzeugung viele Schritte getan worden, ; j konnten zahlreiche Überflüssigkeiten und unnötige ' Neuerungen aus dem Erzeugungsprozeß ausgeschaltet ' m, aber der Verbraucher spürt so gut wie . 3té davon? Gewiß sind die Preise der Jndustrie- cugniffe im Großhandel zurückgegangen. Dafür sind .: die Preise der Lebensmittel und für die sonstige noeus Haltung sehr erheblich in die Höhe geklettert -.machen dadurch die PreisermäßiWNü aus dem Gebiet Zndustrieerzeugnisse nicht bloß wett, sondern verur- iâ eine zwar langsame aber doch ständige Steigerung ^gemeinen Lebenshaftungsindex.
Äcscnmassen ausländischen Obstes werden ein® MN; auf einem einzigen Berliner Bahnhof rollen ber®
t große Transporte heran, daß Bahnverstopsungen untiefen — aber man kann trotzdem nicht sagen, daß auf
Cbjtmarft ein Preissturz zu verzeichnen wäre! Er- fteuliLerweise nähert sich der Fleischverbrauch des beut® -een Polles 1926 schon f a st dem Vorkriegsstände, der mndwiri erhält Preise, die zum Teil noch unter denen des Jahres 1913 liegen, aber der Verbraucher merkt davon
Ab 1. August gilt die Zolltarifnovelle, die auch die EW.di von Kartoffeln mit einer Zöüerhöhung um ■5 li-iiiniiien für den Zentner trifft — das ist doch ent®
| fdnelni nicht Veranlassung genug dafür, daß der Ver
^ââ beim Kartoffrlkauf geradezu überhohe Preise sie ihren letzten Probefluv.
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V. 4' ’Wtmfet?, da ersieh dabei gar «tun umOTBnmvlW( sErnM einheimische Ware handelt und auch hier der Er- Wr nur Preise erhält, die zu dem Kleinverkaufspreis in einem unverständlichen Verhältnis stehen. Gewiß hat dic Liabilisierungskrise wohltuend nach der Richtung hin ’ Arkt, daß zahlreiche Elemente, die sich höchst über® ^i'igerweise zwischen Erzeuger und Konsumenten ein® schaltet, dazwischen geklemmt hatten, wieder hinausge- Ängt werden konnten, der Weg vom Produzenten zum Äraucher einfacher und kürzer wurde. Aber selbst dort, :er Zeg ganz kurz und ganz einfach war, wo außer- " aus Gewinnerzielung nicht das Hauptgewicht gelegt Ude, bei den Konsumvereinen nämlich, hat es sich her- -'llt, daß die von ihnen herausgebrachte Ware — ee bandelt sich dabei in erster Linie um Lebensmittel__ billiger wurden.
ist schließlich auch zu erwägen, daß die Geschäfts- - ten, ebenso beim Erzeuger wie beim Händler, bis . in, wo nun die Ware in die Hände des Verbrauchers > ^eht, viel höhere sind als im Frieden, daß soziale und Steuern, Reparationsverpflichtungen und 1 Kredit die Erzeugungs- und Handelskosten in die getrieben haben — aber es bleibt doch ein Rest, ber I v alles dies nicht verantwortet werden kann. I5 allzusehr — und dieser Vorwurf trifft die — von dem Grundsatz des „Großer Umsatz, kleiner ., s abgekommen, dreht ihn vielfach zu einem „Kleiner '.großer Nutzen" um. Mit welchem volkswirtschaft- l ^„erfolg", ersieht man beispielsweise am besten x, ''^atsache, daß der deutsche Export ins Stocken ge- ' - sich üu Rückgang befindet. Aber im Inland w,r jetzt noch eine zwar ansteigende WirtschaftS- , i1"' feststellen, leider aber auch st e i g e n d e I während doch gerade die erhöhte Produktion I ' Preissenkung führen sollte, die dann wieder be® I ; aus den Verbrauch wirkt und damit eine weitere I na der Erzeugung durch gesteigerte Nachfrage ber® ■ i würde. To aber stehen wir dicht an der Grenze W i, Kaufkraft und diese kann durch Lohn- und Ge- ■. nicht allein vermehrt werden. Die
1 1 tischen den An- und Verkaufspreisen ist eben I allzu große und damit verliert die Nationali- I ! Erzeugung ihren Sinn für den Abnehmer
; Dabei schneiden sich die überteuernden I ei- ? letzten Endes, volkswirtschaftlich gesehen, ins I '"ftich, weil auch für sie ein Überschreiten der I nii - He durch die Kaufkraft der Massen gezogen ist, erster schaden bedeuten würde.
Meuisch-franzöMen
vandelsvertragsverhandlimgen. Wesen Vnf^ißcr deutscher Seite wird darauf hin ^Mten v"" der französischen Presse wiederholt hr',,? Meldungen über die u « m i t t e l b « r b e v o r Li^'untcuT^^ des dcutsch.französischcn Han- nMen. DikN» r ohne weiteres bestätigt werben .schritten auf dem Tarifgebiet seien weit t einen noch nicht so weit gediehen, daß «ntr ’ cu Term,» für den Abschluß bestimmen
f llJ' daß ^eLV^ Presse aufgetauchte Behaup- lmland im Rahmen der Wirtschaftsver-
Donnerstag deutscher Szeanflug
Amerikanische Llnlerstühung
in
der deutschen Flieger.
Vor dem deutschen Atlantikflug.
Die technischen und meteorologischen Besprechungen
Dessau haben zu dem Beschluß geführt, daß der Start der Transozeanslugzeuge nicht vor
Donnerstag stattfinden wird. Nach der augenblicklichen Lage rechnet man in unterrichteten Kreisen nunmehr für Donnerstag oder Freitag mit dem Start, vorausgesetzt, daß die Wetteraussichten nicht außergewöhnliche Verschiebunaen erfahren.
Die Atlantikflieger Hauptmann Kohle und Loose, die gleichzeitig mit Risticz und Edzard am Donnerstag starten werden.
s Mit ber",Bremen" werden Risticz und Edzard, mit der
Europa" Lose und Kühle fliegen. Am Dienstag machten
SchurmanS Ansprache.
Der amerikanische Botschafter Schurmann hat sich nach Dessau begeben, um die Flieger kennen zu lernen und sie zu ihrem letzten Erfolge im Langstreckenrekord zu boglückwünschen. Er hielt seine geistvolle Ansprache in deutscher Sprache und führte etwa aus:
„Meine Herren, Sie haben den Weltrekord im Dauerflug gebrochen. Mein Landsmann Chamberlin, der sich über Ihren Erfolg ebenfalls gefreut hat, sagte: Die deutschen Piloten sind sehr gut und ihre Maschinen gleichfalls. Sie werden größere Schwierigkeiten haben, den At- la; zu überfliegen, als ich, weil sie von der anderen Seite kommen." Als Sportsmann hat er hinzugefügt, daß er den deurschen Dauerrekord noch vor Ende des Jahres zu brechen versuchen werde. Heute aber haben Sie denRekord. Wir Amerikaner haben ihn durch Sie ver- lotren. Unser Rekord war aut. Eurer ist besser. Dann
Jer Betrug bei itr PreHWè« KlOilbtttrie
Wie zwei Gewinne
beiseite gebracht wurden
Alle Spieler der Preußischen SHaffenlotterie sind, soweit sie bei der letzten Ziehung leer ausgingen, an dem gemeldeten Betrug durch die beiden Beamten Böhm und S ch e i n st e i n aus Berlin interessiert. Diese angestellten Lotteriebeamten haben einen
Gewinn von 100 000 und einen weiteren von 50 000 Mark beiseite gebracht.
Da von den 700 000 Losen der Preußischen Lotterie die Hälfte als Nieten übrig blieben, erhebt sich nun die Frage, ob die Spieler dieser Lose einen Anspruch an die Lotterie haben, denn unter ihren Losen könnten ja die Gewinne zufälligerweise gewesen sein. Der Betrug wurde ausgeführt an dem Tage, an dem sowohl Böhm wie auch Scheinstein als Kommissare an der Ziehung aktiv teilnapmen. Während der eine von ihnen aus dem großen Rad die Losnummern zog, hat der andere aus dem kleinen Rade die Gewinnummern geholt. Zwischen beiden war vereinbart, daß
als dritte Losnummer eine der ihnen gehörigen Losnummern kommen sollte,
und daß dann der andere den Gewinn von 100 000 Mark zur Verlesung zu bringen hätte. Die Röllchen mit den Losnummern hatten sie unbemerkt in der Hand
Handlungen politische Fragen lösen wolle, entbehre jebt\ Begründttttg. Es werde vö« deutscher Seite nur auf die Regelung wirtschaftlicher Fragen, besonders des Warenverkehrs, der Schiffahrt und der Niederlassung Wert ge- vvcgt. Auch eine Regelung der Konsulatsfragc erfolge in Handelsabkommen, sie sei aber nicht als politische Frage ^nzusprcchen, da die Einrichtm,g von Konsulaten zur Unterstützung der Wirtschaft erfolge.
wollte ich Ihnen meine herzlichen Wünsche für Ihren Flug nach Amerika aussprechen. Von Osten nach Westen über den Ozean gibt es noch keinen Rekord. Goethe hat einmal gesagt, '^es könne der Mensch vertragen, nur nicht eine Reihe von guten Tagen. In diesem Fall aber
möchten wir doch auf wenigstens zwei gute Tage mit schönem Wetter hoffen.
Er hat auch gesagt, daß nicht Zwang, sondern Lust und Liebe der Antrieb zu großen Taten sind. Lust und Liebe haben Lie, die große Tat wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Deutschland hat den amerikanischen Fliegern nicht nur einen freundlichen, sondern auch einen außerordentlich herzlichen Empfang bereitet.
^"ch kann Ihnen im voraus versprechen, daß meine Landsleute in Amerika Sie ebenso herzlich aufnehmen werden, und je besser der Flug, desto freudiger wird der Beifall sein."
Das amerikanische Staatsdepartement hat mitgeteilt, daß das Wetterbureau in Verbindung mit dem Marineamt gern zu einer Zusammenarbeit mit den deutschen Fliegern bereit sei. Die Station Bar Harbor (Maine) wird entsprechend den in Amerika zweimal täglich fest- gestellten Wetterbeobachtungen auf Welle 2541 die gewünschten Wetternachrichten geben.
Die beiden für den Ozeanflug bestimmten Junkers- Maschinen „W 33" sind ein Frachttyp, der sich namentlich auch bei dem vorjährigen Seeflugwettbewerb in Warnemünde sehr gut bewährt hat. Die Piloten, alle vier übrigens auch erprobte Feldflieger, rechnen damit, daß sie bei mittleren Wetterverhâltnisten etwa 40 b i s 45 Stunden brauchen. Sie werden auf dem ganzen Flug Gegenwind haben.
Der Klug der Pariser Konkurrenten.
Die beiden Flieger G i v o n und C o u r b u wollen, wenn die Wetterberichte günstig sind, Dienstag abend auf dem „Blauen Vogel", dem früher von Drouhin geführten Flugzeug, den Flug nach Newyork antreten. Die Zahl der Anwärter für die Überquerung des Ozeans hat ff dTwfferFem 'WfrWrtfr-^nrfrrTssrmepr^^ Flugzeug „Paris Djask" den Transozeanflug antreten will. — Drouhin und Levine versuchten noch einmal zu einer Einigung zu gelangen. Die Unterredung soll jedoch kein Ergebnis gehabt haben, so daß es nunmehr zweifelhaft ist, ob der Flug der „M i ß C o l u m b i a" überhaupt stattfinden wird.
Geplanter Flug rund um die Welt.
Newyork. Wie vom Flugplatz Curiikficld gemeldet wird, hat heute der Geschäftsmann Schlee aus Dâroil Einzel- heiten für seinen geplanten Flug um die Welt bckanntgegeben. Er beabsichtigt, von Harbour Grace in Neufundland inner® bald der nächsten zehn Tage abzufliegen und den gegenwärtigen Rekord von 28 Tagen zu brechen. Als Flugzeug kommt ein Stinson-Eindecker in Betracht. Schlee wird von dem Piloten William Brock begleitet, der früher im Lustpostdienst beschäftigt war. Die rund 22 000 Meilen betragende Strecke soll in 210 Flugstunden zurückgelegt werden.
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gehalten. Zu einem verabredeten Zeitpunkt haben sie das bereitgehaltene Los geöffnet und die Nummer zur Verlesung gebracht. Dasselbe Manöver ist dann mit dem 50 OOÖ-Mark-Gewinn noch einmal durchgeführt worden. Während der Ziehung ist von der Unregelmäßigkeit nichts bemerkt worden. Der Verdacht, daß bei der Ziehung etwas Neglementwidriges passiert sein könnte, ist erst später auf- getaucht und dann ist durch I a n g e Beobachtungen der Verdacht auf Böhm und Scheinstein gekommen. Nun griff die Generaldirektton der Staatlichen Lotterie zu, übergab die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft, die die beiden Beamten auf Grund des vorliegenden Belastungsmaterials verhaftete. Beide haben zuerst geleugnet, dann doch den Betrug zugegeben und sind jetzt dem Untersuchungsrichter vorgefübrt worden, der sie in Untersuchungshaft genommen hat. Es kommt bei Böhm und Scheinstein neben Betrug das Verbrechen im Amte in Frage, auf das schwere Zuchthausstrafe steht.
Es fei darauf hingewiesen, da st der Betrug, den Böhm und Schkinstein verübt haben, sich nicht im Rahmen der jetzt laufenden Lotterie abgespielt hat, sondern bei der Hauptklasse der vorigen Lotterie.
Verschiebung der Ziehung um acht Tage.
Die für den 9. August ««gesetzte Ziehung wird um etwa acht Tage verschoben, damit vorher scstgcstclll werden kann, ob die beiden Beamten nicht schon etwa für diese Ziehung Unregelmäßigkeiten vorbereitet haben. Der Gewinn Schlei«slci«s ist durch Beschlagnahme fast vollständig sichcrgcstellt worden, auf das Depot von Böhm ist ebenfalls Beschlag gelegt worden. Bis zur völligen Aufklärung des Tatbestandes läßt sich noch nicht sagen, ob die Ziehungen, bei denen Unregelmäßigkeiten vorgekvmmcn sind, für ungültig erklärt werden.