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' Lulöaer Mnzei

^scheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat- 2 Mrx.vei Lieferungsbehinüerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Fahrsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Mrâche. Verlag Zriedrich Chrenklau, §ulda, mWeö des Vereins Deutscher Zeitungsver- O Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr-^öos-

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt

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1927

Fulda, Donnerstag, 11. August

4. Jahrgang

5800 Mm weniger RWMeWW?

Wh für Vesatzungsvermmdenmg

Zustimmung des General Guillaumat.

Die Pariser Blätter melden in großer Aufmachung, M der französische Ministerrat eingehend über die Hcr- 'Luna der Truppenzahl im Rheinland verhandelt M Briand und P a i n l e v é hätten eine Anzahl ,E Schriftstücke vorgelegt und Briand habe schließlich cuiirugt, die Nheènlandarmee um 5000 Mann zu ver- riuflcrn. Dc,n habe das Kabinett zu gestimmt, aber M befchloffen, weitergchende Forderungen der deut- A Rcichsregierung zurückzuweisen. Das Londoner Blatt räch Expreß" will dagegen wissen, daß der Ministerrat ritt Umständen auch mit einer Zurückziehung von MW Mann einverstanden sein werde. Die Beschlüsse » in kurzem veröffentlicht werden und auf deutsche Md englische Vorstellungen zurückzuführen sein. Die Lemiirderung der Rheinlandarmee solle sofort nach der Zilkcrbund Versammlung im September er- iglgtn und der deutschen Regierung alsbald mitgeteilt Ackn, da man hoffe, damit die Schwierigkeiten bei den Misch-französischen Handelsvertragsverhandlungen zu Zeitigen. Die Vorschläge Briands sollen auch die Billi­ng des Marschalls Pètain und des Führers der Rhein- Mdtruppen Generals Guillaumat gesunden haben.

In Deutschland ist man zu oft enttäuscht worden, um MN gleich in Jubel auszubrechen und alle Zweifel an der Äüsächlichkeit dieser Beschlüsse zu ertöten. Jedoch be- jchästigt sich auch die französische offizielleAgence Havas" mit den Angaben, ohne sie als unrichtig hinzustellen, so daß man immerhin eine gewisse Ernsthaftigkeit Voraus­ietzen Imin. Selbstverständlich, daß eine Herabsetzung um :M Mann nicht im geringsten den berechtigten deutschen ^vünunW gerecht zu werden vermöchte. Die Reichs- WruW könnte auch nicht davon absehen, selbst nach Be- taiigaöe ier Truppenbeschränkung deymächst in Genf bei Völkerbundtagung energisch die Frage der Rhein­landräumung anzuschneiden.

In England verhält man sich im allgemeinen ziern- äch ablehnend gegen die durch den Bericht des Befehls­habers im Rheinland, des Generals Guillaumat, und die Äröfsentlichungen derMenschheit" verursachte Deutsch- mdheHe der französischen Presse. Von einem Bruch des «erfaiKer Vertrages durch Deutschland könne in keiner Weise die Rede sein.

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Könneckes Probeflug geglückt

^HkbereitungenzvmManWug.

I 19 Stunden in der Luft.

! 13-15 Uhr Mittwoch mittag ist der Flieger I nach fast neunzehnstündigem Fluge ' M. ^èmünde glatt gelandet. Der Motor und iM , leren Einrichtungen haben sich ausgezeichnet be- Zwei Stunden vorher erschien Könneckes Caspar- yW über dem Travemünder Flughafen und warf u Aung ab, daß an Bord alles wohl sei. Den Probe- Arir ^* Pilot Könnecke und sein Ozeanslugpasia- von Solms aus. Das Flugzeug, das vor- I $ An NamenGermani a" erhalten wird, I mit sündigem funkentelegraphischen Wechselverkehr I kJ Flughäfen in Warnemünde und Hamburg- I ikJF Das Wetter war für den Dauerflug sehr I Die Nacht war besonders dunkel, verschiedent- I Aete es, die Wollen lagen sehr tief.

I Um 1145" flog zunächst das Dreieck Trave- F Parchim Warnemünde Trave- I e und pendelte in der Nacht auf der Strecke Trave- ltzJfEarnemünde, da auch bei Wer schlechten Wetter- Ktz ^-Aeser Küstenstrecke mit ziemlicher Genauigkeit ! iuit JUpgen werden konnte. Sowohl in Travemünde I in Warnemünde waren auf dem Flugplatz mit i AAr Dunkelheit die Nachtbeleuchtungsau- ^lk lu Airieb genommen worden. Das Wacht- 1 Aspar-Werke wurde die Nacht über von den I ^kajf i" Travemünde und Warnemünde bestens aller Wahrscheinlichkeit nach auch erst i kini^ den Flug antreten. Er will noch einige I durchführen, um die Startgeschwindigkeit I 3U können. Am Freitag dürfte er dann ft Akommen, wo er noch auf dèr amerikanischen N Bem!, gliche Angelegenheiten zu erledigen hat. °^lsollA,"A lleht die Reise nach Köln, und von nn der endgültige Start stattfinden. deutsche Atlanükssugzeuge.

, Direkt ^^" sollen drei Flugzeuge starten. dakw/Ae n b erg von den Junkers-Werken ! d'e Werke mit dem Gedanken tragen, die so riesiig angewachseu ist, beiden Nkerslugzeug vom gleichen ' Alle Afi A"sl"Lzeuge nach Amerika fliegen zu 1 Flugzeuge werden aus Sicherheits-

mit Briand. Zweck des Besuches war die Wiederauf­nahme der durch die Krankheit des Botschafters unter­brochenen persönlichen Aussprachen zwischen ihm und dem französischen Außenminister. Im Laufe der Unterredung kam dann eine Reihe Deutschland und Frankreich inter­essierender Fragen zur Sprache, wobei besonders die Ver­handlungen über den Abschluß eines deutsch-französischen Handelsprovisoriums einen breiten Raum einnahmen.

Deutsches Interesse in Genf.

Das Völkerbundsekretariat läßt dem bekanntgegebe- nen Auszug aus dem Verhaudlungsprogramm der am 1. September zusammentretenden 46. Tagung des Völker­bundrates das vollinhaltliche Programm folgen, das gegenwärtig 24 Punkte umfaßt. Ein deutsches Interesse enthalten zuerst die Punkte 4 und 5. Hier ^richtet Deutschland über die Arbeiten des Wirtschafts­komitees. Im Punkt 9, wofür kein Berichterstatter ge­nannt wird, sollen die Punkte 190 und 192 des Ver­sailler Diktats ausgelegt werden. Die Punkte 14 bis 18 befassen sich mit D a n z i g e r F r a g e n, über die der Vertreter Chiles Bericht erstattet. Hier handelt es sich um die Weiterverwendung der Westerplatte als polnisches Munitionsmagazin, um die Polizei des Danziger Hafen­rates, um die Zuständigkeit der Danziger Gerichte für Klagen von Danziger Eisenbahnangestellten gegen die polnische Eisenbahnverwaltung, nm die Verteidigung der Interessen von Danziger Staatsangehörigen in Polen und um die Erzeugung von Flugmaterial auf dem Ge­biete der Freien Stadt.

Zouvenels Austritt aus der französischen Völkerbunddelegation.

Mit der Begründung, daß der Völkerbund den Zweck, zu dem er ins Leben gerufen worden sei, nicht erfülle, hat der französische Politiker d e I o u v e n e l seinen Austritt aus der französischen Völkerbunddelegation erklärt. Briand hat in einem längeren Schreiben seinem Be­dauern und seinem Erstaunen über diesen Entschluß de Jouvenels Ausdruck gegeben und dann noch ein übriges getan, indem er in einer Unterredung mit Ver­tretern der Presse die Vorwürfe, die de Jouvenel wegen der Ohnmacht und Untätigkeit des Völkerbundes erhoben hat, zurückzuweisen suchte. Ohne Zweifel sei der Völker­bund nicht vollkommen, aber er, Briand, fei überzeugt, daß er gegenwärtig den einzigen Schutz gegen die Kriegsgefahr bilde. Die Tatsache, daß es dem Völkerbund nicht gelinge, allen Gebieten der inter­nationalen Politik seinen Willen aufzuzwingen, dürfe nie» mand veranlassen, die Flinte ins Korn zu werfen.

0 runden nicht den ursprünglich beabsich - t i g t e n k ü r z e st e n Weg über Nord-Irland nehmen, sie werden die normale Schiffahrtslinie entlang fliegen, da­mit sie seitens der Schiffe navigatorischen Anhalt erhalten können Die Hapag und der Norddeutsche Lloyd haben ihre Schiffe angewiesen, daß sie bei Annäherung der Flug- zeuae auf der Back bei Tage den Standort des betreffenden Skiffes in Zahlen auslegen, während sie ihn bei Nacht mit Laternen kennzeichnen sollen. ,

Übrigens werden die Ozeanmaschmen aua) Flaggen mit sich sichren, und zwar die deutsche Handels- f l a g g e u n d d a s S t e r n e u b a n n e r, die sofort nach ihrer èandung in Amerika gehißt werden sollen. Wahr­scheinlich wird sich übrigens von Dessau aus ein ganzes Geschwader in die Luft erheben, und zwar die zwei oder drei Ozeanmaschinen und ein Großflugzeug vom Dyp G 31, das die Ozeanflieger bis England oder Irland begleiten soll. Der Geschwaderflug mürbe über dem Ozean gewisse Vorteile bieten, da er Beobachtungen "der die Abtrift ermöglicht, die mit den bisher in Gebrauch be­findlichen Instrumenten noch nicht gemeßen werden kann.

Wann fliegen die Ausländer?

Man rechnet in Paris mit der Möglichkeit, daß Drouhiu und Levine als erste zum Ozeanflug star­ten. DieC 0 l u m b i a" ist völlig startbereit Es ist ie- doch fraglich, ob die Flieger vor Sonnabend abflregen weiden, da auf der Flugroute noch immer Tiefdruck­gebiete lagern. , . ,

Kapitän Courtney, der von England aus bereits zu seinem Atlantikflug starten wollte, hat den Flughafen noch nicht verlassen.' Über die Gründe der Verzögerung des Startes wird Stillschweigen bewahrt, doch ist anzunehmen, daß sie mit den Witterüngsverhalt Nissen zu- sammenhängen. ,

Zwei Flugunfalle.

Westlich der Stadt Königsberg ging ein Flugzeug der Berliner Verkehrssliegerschule zu Bruch. Der Sieger mußte miterheblichenKoPsverletzungenm ^Kran­kenhaus gebracht werden. Es handelt sich um nn Iunaslie g e r von A r n i m , der sich mit noch zwei anderen Flugzeugen aus dem Strânslng Berlln-- OöniaSbera und zuruck befand. In bei Raye von N a m u r mußte ein deutscher Doppeldecker infolge eine» Motordefektes eine Notlandung vornehmen. Der Pilot unb seine ihn begleitende Frau wurden vorlauJi H st ge­nommen, da der Pilot zur Landung in ^Ugnn 1 11 iu Berechtigung hatte.

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Nach Pariser Nachrichten soll der französische Ministerrat einem Vorschläge Briands zugestimmt haben, die Rheinland--, besatzung um 5000 Mann zu verringern.

* Die Ziehung der fünften Klasse der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie soll in der nächsten Woche stattfinden.

* Der Flieger Könnecke beendete seinen Probcflug für die Ozeanüberguerung in Travemünde nach 19stündiger Fahrt- dauer.

* Der Präsident der Vereinigten Staaten, Coolidge, ge­nehmigte das neue Bauprogramm sür die neuen Kreuzer. Das wird allgemein als eine Fortsetzung des Wettrüstens zur See betrachtet.

Das Elend an der Saar.

Von einem Kenner der Verhältnisse im Saargebiet wird uns zu den jetzigen Kundgebungen geschrieben:

Es war bezeichnend, daß die erste Aussprache im Völkerbund, an der Deutschland teilnahm, die Verhältnisse im Saargebiet zum Gegenstand hatte. Und das mit Recht; denn die ganze Geschichte des Saarlandes seitdem Augenblick, da es von französischen Truppen besetzt wurde, bis zum heutigen Tage ist eine große, lange Kette von Leiden, Bedrückungen und Ungerechtigkeiten. Daran hat nicht das geringste geändert, daß es ja bis 1935, bis zum Tage der Abstimmung, über deren Ausfall sich die Fran­zosen nicht mehr die geringsten Illusionen machen, mehr schlecht als recht vom Völkerbund verwaltet wird.

Die gegenwärtigen Bergarbeiterunruhen, die nicht bloß zu gewaltigen, nur schwer niedergeschlagenen Kund­gebungen, sondern jetzt auch zu einem ausgedehnten Streik geführt haben, sind zweifellos von kommunistischer Seite unterstützt und vorwärtsgetrieben worden, aber die letzte Ursache dazu, daß hier eine alles überwältigende Unzu­friedenheit entstanden ist, bleibt doch das Verhalten der französischen Grubenbehörden, in deren Händen die Aus­nutzung der Bergwerke liegt. Bezeichnend die Tatsache, daß der schlechte Geschäftsgang zur Entlassung gerade der Kriegsbeschädigten führte und diesen höhnend geraten wurde, dochnach Deutschland" auLzuwandern, bezeichnend die Ausplünderung, der Raubbau an den Gruben und trotzdem infolge des Mangels jeder ver­nünftigen Organisation und der maßlosen Übersetzung der höheren Beamtenstellen, natürlich mit Franzosen, und auf der anderen Seite die Verweigerung eines auskömm- lichen Lohnes an die Bergarbeiter. Jahre schwerster Not haben diese Arbeiter durchmachen müssen, als ihnen trotz des Sinkens des Franken jede einigermaßen ausreichende Lohnerhöhung" abgeschlagen wurde, jetzt aber, da bei Frank sich stabilisiert, desto schneller zu Lohnherabsetzun- gen geschritten wird. Die neuen sozialpolitischen Gesetze, die vom Reichstag beschlossen wurden, werden bei den Saargruben nur soweit durchgeführt, wie es der Ver­waltung genehm ist, kurz, es ist wohl zu verstehen, daß sich die Bergärbeiterschaft aufbäumt gegen diese Be­drückung.

Man macht ja überhaupt, was man will. Von Loth­ringen her haben die Franzosen unterirdische Schächte ins saarländische Gebiet hineingetrieben und bauen dort munter deutsche Kohle ab. Und die Saarregierung? Kaum ist der famose Bahns ch u tz da, so sammt es zu Mißhellig- keiten. Gegen jedes frühere Versprechen verlangt man die Bereitstellung von Privatwohnungen für Quartierzwecke, als ob die Kasernen nicht' dafür übergenug ansreichen! Und ebenso schnell legt man der saarländischen Polizei die Grußpflicht gegenüber den Offizieren des Bahnschutzes auf, veranstaltet ausgedehnte Schießübungen genau so wie die regulären Truppen in dem andern besetzten Teil des Rheinlandes. Außerdem sind auch die andern dort so be­liebten Schikanen im Saarlande durchaus gebräuchlich: Verbot oder zumindestens schärfste Einengung von Er­innerungsfeiern der früheren Kriegsteilnehmer, politische und sonstige Verbote usw. Man fühlt sichganz wie zu Haus". Am 14. Juli wurde dafür aber der französische Nationalfeiertag möglichst prunkvoll begangen.

Die demonstrierenden Bergleute die gewerkschaft­liche Front ist dort ebenso geschlossen wie die parteipoli­tische im Landesrat haben sich wieder einmal an den Völkerbundrat sowie au die Grubenverwaltung, die in Paris residiert, sowie an den französischen Minister für öffentliche Arbeiten gewandt. Das taten sie schon oft in ihrem Elend, aber immer ohne Erfolg; dabei handelt es sich um 75 000 Arbeiter. Bald ist ja wieder eine Völker­bundtagung in Genf und jedesmal erschien dort eine Kommission der saarländischen Bevölkerung. Sie wurde meist gar nicht angehört oder begegnete nichtssagendem aber vielmehr vielsagendem Achselzucken, wenn es ihr wirklich gelang, ihre Bitten und Beschwerden vorzu­bringen.

Zu Freunden hat sich Frankreich die Saarländer trotz Zuckerbrot und Peitsche wirklich nicht gemacht.

Nach den mit Ausschreitungen verbundenen Demon­strationen haben die Kommunisten zum Streik auf den Gruben und zugleich zum Generalstreik aufgerufen. Die Bergleute von vier Gruben sind nicht zur Arbeit ange­fahren. Auf beii anderen Gruben ist es den Freien und den Christlichen Gewerkschaften gelungen, die Befolgung der Streikparole zu verhindern. Die freien und die christlichen Bergarbeiterorganisationen teilen mit, daß sie einen Beschluß zum Streik nicht gefaßt haben, besonders wenden sie sich gegen den Gedanken eines beabsichtigten Generalstreiks. Die Regierungskommission verlangt, daß die Organisationen schriftlich ihre Forderungen bei ihr einreichen. Wie verlautet, sind einige Führer der Organi­sationen bereits zur Erörterung der Streitfrage, mit der Regierungskommission in Verhandlungen getreten.