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Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinderungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Babnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Kmedrich Ehrenklau, Zulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- lcgcr. Postscheckkonto: Krankfurt a. M. He.-16009

Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Zulöa- und Haunetal * Zulöaer kreisbèaS Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenftraße 1 Zeensprech-^nschluß Hr.989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zuldaer finzejger'gestattet.

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Fulda, Samstag, 20. August

4. Jahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser.

4 Jie Preußische Staatsregierung erläßt einen Aufruf, in tcin sie zur allgemeinen Beteiligung an der Sanrmlungzu ehren des Reichspräsidenten zu seinem 80. Geburtstag auf- 1 fordert.

I * Won den vier Honolulufliegern sind zwei noch immer nicht I (pcninben worden.

, * Dcr Oberste Gerichtshof in Massachusetts hat die Beru- j lung im Falle Sacco und Vanzettl verworfen.

Zum Andenken an Tannenberg.

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?ct erste Versuch. Am Stillen Ozean. Gewinnende ^meinten. Hintertürchen. Hundert Tage. Re- lordbrecherei.

Ein kühner Anlauf der erste Versuch, von Deutsch- y aus im Flugzeug eine unmittelbare Verbindung der « mit der Neuen Welt herzustellen und die tapfe- «Bahnbrecher eines himmelstürmenden Unternehmens mißten vor der Wut der entfesselten Elemente u n v e r - lichteter Sache umkehren. Nur um eine interessante Erinnerung bereichert, wie Bismarck es dem jungen Mmberger in Aussicht stellte, als er ihm die Annahme du bulgarischen Fürstenkrone nahelegte? O nein, die Nijhl und Loose, die Edzard und R i st i c z denken nicht daran, auf den halben Lorbeeren auszuruhen, die ihnen zuerst der Dauerflug über Dessau und dann die âbewegte Rundfahrt um die großbritannischen Inseln eingetragen hat. Sie werden sich, wenn die Zeit gefommcn ist, ungebrochenen Mutes wieder in die Lüfte erheben und als tapfere Männer dem Schicksal den Siegespreis ab- i trotzen, der ihnen diesmal noch versagt geblieben ist. Und selbst wenn ihnen mittlerweile Gedanken darüber gekom- men sein sollten, ob die Tat, die sie anstreben, für den Mursortschritt der Menschheit wirklich überragende Be- Deutung zu beanspruchen hatte, oder ob nicht andere, gleich- Minder Ausführung begriffene Versuche ähnlicher, aber [ NWMicherer Art ihnen den Rang ablaufen könnten, sic I toeibmleine Ruhe geben, ehe nicht das Beispiel von Linv- F W W Chantberlin ein Gegenstück in umgekehrter

Silling gefunden hat der menschliche Ehrgeiz ist nun. einmal eine Triebkraft, die durch rein vernunftmaßige Er- 1 lvägungcn allein nicht auszuschalten ist.

. *

Vorläufig dürfen wir uns damit trösten, daß von den Hier «ritanifdjen Flugzeugen, die in diesen Tagen auf fliegen, um den Stillen Ozean zu überqueren, zwei ihr Ziel erreicht hadert, und daß diese beiden Maschinen ton deutschen Männern Artur G ö b c 1 und Martin Senfen geführt wurden. Der Luftrausch, der in diesen ukordbewegten Wochen auch sonst sehr nüchterne Zeit-. Grossen einigermaßen gesangennahm, wird ja nun an- [ »Ws per mehr und mehr sich neigenden Jahreszeit bald ; wieder kühleren Stimmungen Platz machen. Und wenn die , 'Aston Versuche unter wesentlich geringerer Lärment- I WtiniQ vor sich gehen sollten, so würde der Erfolg der zr I sättigenden Ausgabe darunter gewiß nicht zu leiden WM. Jedenfalls aber hat die deutsche Fliegerei sich schor

einen hohen Ehrenplatz unter den Völkern gesichert. ihr darüber hinaus bis heute noch nicht geglückt ist ».-«wird ihr als Siegespreis neuer, noch größerer An- I Tilgungen nicht vorenthalten bleiben.

*

Auch die F r a n z 0 s e n müssen sich gedulden, was ja I W nicht ihre starke Seite ist; besonders, wenn sie bereits

einen ausgesprochenen Mißerfolg zurückzublickeri I Seit Wochen stehen mehrere ihrer besten Piloten I Mögen sprungbereit an den Maschinen, und wenn der I «ttergott so übelwollend bleibt, wie er sich bis jetzt ge- »W haj, werden auch sie klug genug sein, für dieses Jahr

allzusehr gewagte Experimente 31t verzichten.

»V, Daß geduldiges Abwarten schließlich doch 3um Siek

'M haben soeben die Verhandlungen über eine MMch-französische Wirtschaftsverstän- IsZsurg bewiesen. Auch sie haben zwar, trotz drei- IDauer, doch nicht 31t dem eigentlichen und wirk MyHandelsvertrag geführt, wie er zwischen den mitten iMtverkehr stehenden großen Völkern üblich, ja unum- I M ist. Und während die Franzosen, wie sonst über- I auf diesem Gebiete die gewinnendsten Redens- I tS^er gegenseitige Gleichberechtigung, über billigen

Sch der Interessen hüben und drüben im Munde haben sie es doch nicht fertig gebracht, den Feind I M^Nl in politischer und persönlicher Beziehung schon I den guten Nachbarn. Von heute oder auch nur als' »^Mernen Geschäftsfreund von morgen zu behandeln, den Abschluß eiues echten Handelsvertrages aus- werden darf. Nein, nur für anderthalb oder te pertel Jahre haben sie sich zu binden geruht, haben I ® lsaß -Loth r i n g e n und für Marokko fei ,,1 ^beredüiguiig ganz offen vorenthalten und auch

SM, wo sie nur konnten, allerlei Hintertürchen muggelt, aus denen der gute Wille zu ehrlichem

N'vin -^ leicht entschlüpfen kann, wenn diese oder rl>ie»'^wnktur es ben Hochmögenden in Paris je ge- Rttzj weinen lassen sollte. Es ist ein Handelsvertrag lM[cr 1 mit Hindernissen, den unsere Unter-

Ü129 in p ) Hause bringen. Nun gut, bis zum Sommer ^wr eine endgiiltige Regelung immerhin Zeit ge-

dauern ^"hin auch der Barmat-Prozeß noch l'ert ( H!f^ der in dieser Woche auf seinen h u n- M Tg. v i b u n g ë t a g zurückblicken konnte? Hun-1 M nid,, Adepten sonst reichlich drei Monate. Hier aber 19 wir uLi te Rechnung zum mindesten verdoppeln, weil

= "der dreimal in der Woche verhandelt wird,

Re Smweihllng des

Tannenbergdenkmals.

Teilnahme Hindenburgs.

Am 18. September soll das zum Gedächtnis an die Schlacht bei Tannenberg im ersten Monat des Weltkrieges im Jahre 1914 errichtete Nationaldenkural feierlich ein­geweiht werden. Damit wird die Erinnerung lebendig an jenes gewaltige Ringen, bei dem der jetzige Reichs­präsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg, die vor­drängende Russenmacht aufhielt, zurückwarf und so das Vaterland vor den Schrecken der Überflutung durch fremde Kriegsvölker bewahrte. In den Tagen bom 25. bis 27. August 1914 zerbarst die Heeresmacht des Zaren unter den gewaltigen Schlägen der deutschen Armeen und vor der Kriegskunst ihres genialen Feldherrn.

MichsprasidLKL v. Hindenburg

wird selbst an der Einweihungsfeier teilnehmen. Er trifft am 16. September an Bord eines Kreuzers im jtöuigsberger Hafen ein und wird in den nächsten beiden Tagen Gast des Herrn von Berg in Markienen und des Herrn von Stein auf Grnßnitz fein. Am 18. September ist die Ankunft des Präsidenten auf dem Festplatz bei dem Denkmal für 11% Uhr vorgesehen. Dort fährt er zunächst die Front der Ehrenkompagnie, der Vereine und Ver­bände ab. Diese Besichtigung wird voraussichtlich 1% Stunden dauern, da die gesamte Front eine Länge von über 5% Kilometern haben wird.

Nach Ansprachen je eines evangelischen, katholischen und jüdischen Geistlichen erfolgt die Übergabe des Schlüssels an Hindenburg. Der Reichspräsident wird persönlich das Eingangstor zum Denkmal' öffnen. Im Innern des Ehrenhofes des Denkmals, das bekanntlich aus einem Mauerwall von acht Türmen besteht, folgen sodann musi­kalische Darbietungen. Anschließend marschieren die Ver­bände und Vereine an dem Reichspräsidenten und den Ehrengästen vorbei.

Die Veranstalter werden in jeder Hinsicht dafür Sorge tragen, daß das Publikum au der Einwcihungsfeier nu- mittelbaren Anteil nehmen kann. Auch nehmen an der Feier eine Reihe hervorragender ehemaliger Heerführer teil. Durch das Entgegenkommen der Militärbehörden werden voraussichtlich alle Fahnen der Regimenter, die den Sieg von Tannenberg errungen haben, bei der Ehren­kompagnie aufgestellt werden.

Strengste ètnparieilichkeit.

Es soll vor allem peinlich darauf geachtet werden, die Einweihungsfeier in jeder Beziehung in religiöser, par­teilicher und politischer Beziehung vollständig neutral zu halten. Das soll auch bei allen Ansprachen festgehalten wie durch die Beteiligung der Geistlichen aller Konfessionen gezeigt werden.

Bei der Fahnenfrage

hat man beschlossen, sowohl die schwarz-rot- goldene R e i ch s f l a g g e wie auch die schwarz- weiß-rote Fahne aufzuziehen, ebenso wird die Reichskriegsslagge wegen der Teilnahme zahlreicher An­gehöriger der Wehrmacht gehißt. Ferner werden auf den Vorplätzen des Denkmals sämtliche Länderflaggen wehen.

Zur Teilnahme sind bis jetzt bereits über 30 000 Per­sonen angemeldet. Das Denkmal wird bis zum Tage der Feier im Rohbau fertiggestellt sein, während die übrige Ausschmückung zum Teil provisorisch hergestellt wird.

Der Vorstand des Tannenberg-Nationaldenkmal- Vereins wendet sich nochmals an die gesamte Öffentlich­keit mit der B i t t e u m S p e n d e n, um den Denkmals­bau sobald als möglich beenden zu können. Seine An­schrift ist: Königsberg, Henschestraße 10. An diese Stelle können sich auch alle Vereine und Privatpersonen wenden, die an der Feier teilnehmen wollen.

*

Der KO. Geburtstag Hmdenhurgs.

Aufruf der preußischen Staatsregierung.

Das preußische Staatsministerium hat folgenden Auf­ruf beschlossen:

Am 2. Oktober begeht Reichspräsident von Hindenburg seinen 80. Geburtstag. An diesem Tage vereint sich das deutsche Volk, um seinem erwählten Ober­haupt seine Glückwünsche darzubringen. Aber nicht in ge­räuschvollen Feiern darf diese Anteilnahme ihren Aus­druck finden, sic würden dem Ernste der Zeit so wenig entsprechen wie dem schlichten, sachlichen Sinne des Jubi­lars. In dem Bestreben, die dem Reichspräsidenten zu er­weisende Ehrung seinen eigenen Wünschen gemäß in eine Form zu kleiden, die dein Ernste der Lage des deutschen Volkes Rechnung trägt und über den Tag hinaus fort­wirkt, sind Reichsregierung und Läuderregierungen über­eingekommen, aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten zu einer

Sammlung

aufzurusen. Ihre Erträgnisse sollen den Volksgenossen zugute kommen, mit denen sich der Reichspräsident aus schwerer Kriegszeit in besonderem Maße verbunden fühlt-, den Kriegsdeschödigten und Kriegs­hinterbliebenen. Jeder Deutsche betrachte es als seine Ehrenpflicht, zu diesem HilfSwerk nach besten Kräften bcizustcuern und damit nicht nur die Person des Reichs- vräsidentcn zu ehren, sondern auch dem Danke an die bei der Verteidigung des Vaterlandes Gefallenen und Ver­wundeten opferwilligen Ausdruck zu verleihen."

* "

Der Zweck der Hmdeirhnrg-Sprnde.

Es bestehen vielfach noch Zweifel über den Zweck der Hindenburg-Spende. Ihnen gegenüber wird von der Ge­schäftsstelle der Hindenburg-Spende festgestellt: Der Reichspräsident will die Ehrengabe, die in Gestalt der Hindenburg-Spende aus Anlaß seines 80. Geburtstages dargebracht werden soll, ungekürzt und ausschließlich zu­gunsten von Kriegerwaisen und Veteranen verwenden. Diese schon vor längerer Zeit bekanntgegebene Erklärung ocs Reichspräsidenten schließt die Verwendung der Mittel wer Hindenburg-Spende oder auch nur eines Bruchteils von ihnen zu einem anderen Zweck als dem angegebenen aus. Der Verwendungszweck der Hindenburg-Spende dürfte damit endgültig fest- gestellt sein.

Der Bund Deutscher Fraucnvcreine, in dem 77 Frauenverbände mit weit über einer Million Mit­glieder zusammengefaßt sind, tritt in einem Aufruf warm für die Hinsenburg-Spende, die das LosderKriegs- Hinterbliebenen lindern soll, ein.

um die beteiligten Personen auf der Gerichts-, der An­klage- und der^Verteidigerbank nicht allzu früh ins Grab zu bringen. Iwan Kutisker mußte den Wettkampf im G^ richtssaal vorzeitig a.nfgeben; der Tod hat ihn schließlich allen irdischen Weiterungen entzogen. Julius Barmat dagegen ist in Moabit quicklebendig wie in seinen besten Tagen. Wenn dieser Richter vor Erschöpfung dem Um­sinken nahe ist, wenn jener Staatsanwalt mit dem Sana­torium zu liebäugeln beginnt, weil er in den Aktenbergen nicht mehr ein und aus weiß, der Angeklagte ist immer vergnügt und kampfbereit auf dem Platz, ist niemals um eine Atttwort, verlegen; rind wenn dieser Prozeß noch jahrelang dauern sollte, er ist offenbar fest entschlossen, auszuhaltcn, wenn es sein muß, bis zmn Tage des jüng­sten Gerichts. In den Tagen der Rekordbrecherer darf man sich micht wundern, daß schließlich auch in den Ge­richtssälen der Ehrgeiz erwacht um den Ruhm des längsten Strafprozesses, der jemals auf Erden durchgeführt wurde. Wenn nicht alles täuscht, werden Herr Barmat unb feine Strafkammer in diesem internationalen Wettbewerb aly unbestrittener Sieger hervorgehen. ,

Fragt sich nur, wie die Gerechtigkeit, bie doch schner;- lich das letzte Ziel aller gerichtlichen Bemühungen ist oder sein sollte, dabei abschneiden wird. ......... D. Sy.

Umstoßung des Todesurteils erschöpft und es bliebe nur noch die Hoffnung auf Begnadigung durch den Gouver­neur Fuller von Massachusetts. Sollte diese Begnadigung nicht erfolgen, so würde, wie früher angekündigt wurde, am 22. August die Hinrichtung der beiden Italiener erfolgen. .

Saccos und VanzettisVemfung verworfen

..... Werden sie hingerichtet?

Der Oberste Gerichtshof von Massachusetts hat feine Entscheidung im Falle Sacco und Vanzctti veröffentlicht: danach wird die Wicderaufnahine des Verfahrens abge- Ichnt und der Antrag der Verteidigung verworfen.

Mit dieser Entscheidung ist, falls nidft noch das Oberste Gericht in Washington eimireift. jede Aussicht auf

potriische Rundschau» ;

Deutsches Reich. - w v

Der deutsch-französische Handelsvertrag. ' -

Der Wortlaut des deutsch-französischen Handelsver­trages soll n i ch t v 0 r d e m 2 5. A u g u st v e r ö f s e n t- licht werden. Wie besonders hervorgehoben wird, ist das im Handelsvertrag vorgesehene außerordentliche Kün­digungsrecht zweiseitig. Entgegen anderslautenden Mel­dungen wird ferner darauf aufmerksam gemacht, daß Deutschland sowohl für den Waren- als auch für den Schiffsverkehr in Rèarokko das Meistbegünstigungsrecht genießt.

Rcichswehruiinisterium und Verfassungsfeier.

Bei der Verfassungsfeier in Gießen hat der Reichs- Wehrkommandeur mit seinen Offizieren und der Reichs- Wehrkapelle während der Verfassungsredc wegen einer Bemerkung, die der Redner über den Reichspräsidenten machte, den Saal verlassen. In Donaueschingen haben sich bei der Verfassungsfeier die Vertreter der Wehr­macht entfernt, weil sie sich durch Äußerungen über die Reichswehr beleidigt fühlten. Von zuständiger Stelle wird jetzt dazu erklärt, daß die betreffenden Offiziere in vollem Recht gewesen seien, da cs den Vertretern der Reichswehr durch Richtlinien des Reichswehrministers zur Pflicht ge­macht sei, sich bei parteipolitischen Reden von der Ver­anstaltung zu entfernen.