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Zulöaer Anzeiger

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Ex. 2131^27

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Fulda, Montag, 12. September

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4. Jahrgang

Kleine-Zeltung für eilige Leser.

»Der französische Außenminister Briand verteidigte in einer Mc die er in der Genfer Vollversammlung hielt, die bis- yige Politik des Völkerbundes.

« Der Parteivorstand des Zentrums und die Ncichstags- ickion sprachen sich in entschiedener Weise gegen Parteimit- ücr aus, die den Entwurf des Reichsschulgesetzes gründ­lich bekämpfen.

»Der als ermordet gemeldete deutsche Forschungsreisende Mier soll, nach einer Mitteilung der mongolischen Rcgie- M, am Leben sein.

# In Litauen sind an verschiedenen Stellen politische Um- Wiinruhen ausgebrochen, welche die Regierung zu scharfen Mahmen veranlaßte.

Klärung.

Die Völkerbundtagung hat ihren Höhepunkt er-

K Nach den Wirrnissen der letzten Tage ist eine gewisse

Willig eingetreten. Man kann von einem Nachlassen der I vhc sprechen, die durch die Ankündigung des hollän- Igin Außenministers und durch die verschiedenen pol-

N Vorstöße in die Versammlung hineingetragen |»n war. Das hat der deutsche Außenminister mit seiner

I Mn Rede bewirkt. Das trat augenfällig in die Er- iMung, als der polnische Vertreter Sokal zur allge-

I um Überraschung nicht etwa die letzte polnische These I midigte, die wegen ihrer allzu sichtlichen Ostlocarno-- I Mz abgelehnt war, sondern warme Worte für die I Mution fand, die die Rechtsvertreter der Locarno- I mchie uns der ersten polnischen Anregung gemacht hatten onb bic so großes Unbehagen in Warschau hervorgerufen Damit hat Polen jetzt indirekt das zugegeben, was Ms bisher immer nicht anerkennen wollte, daß durch die MmKerträge eine genügende Sicherheit für ganz Na geschaffen ist.

I Die damit zur Aussprache gestellte Resolution ent- IWt eigentlid) nur Selbstverständlichseiten, die in einer I UMundversammlung nicht erörtert zu werden brauch- I irr, iE doch gerade das, was die Resolution erstrebt, die I Wwng von Angriffskriegen und Gewaltakten der U ÄNWreinandeH mit die Hauptaufgabe des Bundes M » W mit Unrecht konnte deshalb der italienische I Zcialoja sie als überflüssig zurückwcisen. Aber ^«rom ist es gut, daß man sich einmal offen darüber Ersieht man dann doch daraus, wie wenig Mich der-Völkerbund bisher in dieser Beziehung ge- W W, so daß man zu den Hilfsmitteln der Locarno- Aage greifen mußte. Es wäre erfreulich, wenn bc- «cis auf dem Gebiete der Abrüstung nun endlich ein- ün schnelleres Tempo e i n g e s ch l a g e n 'M Auch dafür kann Stresemanns Rede ein Weg- fein.

. sMTeutschland dürfte Stresemann besonders darinZu- âAung sinden, als er vor dem Völkerbünde es unterstrich, Nenn ein Volk die Sicherheit nötig habe, dies Deutsch- Niro ein wachsendes Volk auf enger gewordenem zu erhalten wünsche und deshalb nicht nur mit- sondern Vorkämpfer fein wolle auf dem

N äum allgemeinen Friede n. Um zu

W Deutschland darin nicht nur mit Worten, son- nmü Taten vorangehen wolle, erklärte schließ- Außenminister, wobei er die Versammlung auf- pachte, daß Deutschland noch in dieser Session Ik^?^erbundstatut enthaltene Schiedsgeri ch t s- N unterzeichnen wolle. Eine Pflicht dazu be- Die Unterzeichnung ist vielmehr jedem Mit- IKv1®^ freigestellt. Ebenso ist es gestattet, ge- , Atzungen an die Unterschrift zu knüpfen. Auch I NN Deutschland verzichtet und sein Schicksal jetzt die Hände des Völkerbundes und damit des I ^sgedankens gegeben.

I iw ^^^utung des deutschen Schrittes liegt haupt- |iwiAiQuJ uioralischem Gebiete. Niemand samt jetzt me^r vorwerfen, daß es ihm mit seinen Anheuerungen nicht ernst ist. Es kann jetzt ruhig Haugen ablehnen, die es zu neuen Sicherheits- "h^lichtcn wollen. Aber noch eins ist Hervorzu- M Ä^ Völkerbundkreisen, namentlich von den kleine- <' ^^^ darüber geklagt, daß sich die Groß- M^.P emen gewiffen Gegensatz zu ihnen stellen. Ein .^^eren Mächte hat nun diese Klausel schon »LS", aber noch niemand von den Großmächten, « 'At vorbehaltlos. So stellte seinerzeit Frank- M o'^dinsiung, daß gleichzeitig auch das Genfer N Wirksamkeit treten müsse. Da das infolge Englands kaum geschieht, so ist die fran=

r?.1' 1° siut wie nicht abgegeben. Deutsch- «ho die erste Großmacht, die hier bahnbrechend

W^n^ putschest Öffentlichkeit wird vielfach der

vorgeworfen, daß sie die Frage der h*mun9 nicht offiziell anschNcidct. Vielleicht qCf bter unë mit den verschiedenen Wenns und k Sicherlw^EU- Ganz besonders hätte man die Frage 1 noch nicht genügend geklärt bezeichnet. ^uiTebe LNrebcn ntüssen jetzt angesichts der Stresc- werden. Briand hat seinerzeit i^^lanij psychologische Opfer hingewiesen, das Nie. " "/öcr Unterzeichnung der Locarnovertrüge Net hat Deutschland zu diesem S/Noeß^ ^Zößeres hiNzugefügt. Der kiefals^^ vsvand gegen die Rhemlandräumung ist Wern®'^01vcit Deutschland in Betracht kommt, ^NiJNrN"^* verbürgt. Es kann deshalb noch ^et viv^^^rn, daß nun endlich das R h e i n« mti^^itb? cr^np die andern abrüsten, sollte doch Aieüer<°^ ^âffnung nur der Auftakt zum allgc- "ttlegen ver Waffen fern.

Briand verteidigt den Völkerbund.

Reds Briands in Genf.

Sein Vertrauen in deit Völkerbund.

Der Höhepunkt der jetzigen Völkerbundverfammlung ist überschritten. Nach Dr. Stresemann nahm Frankreichs Außenminister Briand das Wort zu einer Rede, die gleich­sam als eine Antwort auf die Ausführungen Dr. Strese­manns anzusehen ist. Zu Beginn seiner Darlegungen zerpflückte er alle Ausführungen, die gegen die Arbeit des Völkerbundes oder einzelner feiner Organe bisher vor­gebracht worden waren. Dabei nahm er an vielen Stellen seiner Rede Bezug auf diemutige und edle" Rede von Neichsaußenminister Dr. Stresemann.

Im einzelnen führte Briand aus, er habe sehr genau alle Nuancen der Rede Dr. Stresemanns verstanden, die auf die natürlichen und begreiflichen deutschen Wünsche Bezug hatten, und er wisse den Mut zu würdigen, den cs erfordert hätte, diese Rede zu halten. (Beifall.) Auch er verkenne nicht, daß eine etwas schwere und pessimistische Atmosphäre bestanden habe. Aber sie sei nun zerstreut. Er wolle darauf Hinweisen, was der Völkerbund vor einem Jahr gewesen und was er heute sei. Seit dem Eintritt Deutschlands, das nunmehr den Platz innehat, der ihm gebührt, so unterstrich Briand, sind wir zusammen­geschlossen zu einer einzigen großen Familie, verbündet zur Überwindung aller Hindernisse in großer Loyalität.

Diese Hindernisse führte Briand nacheinander auf: Sicherheitsfrage, Abrüstungsproblem, ökonomische Schwierigkeiten. Auch er würdigte dabei die Leistungen der Wcltwirtschaftskonfcrenz.Wirtschaftliche Konflikte führen naturnotwcndig eines Tages auch zu blutigen Konflikten." Die freie Aussprache auf der Tribüne des Völkerbundes sei das Mittel, um aus allen Gebieten M i fr- verständnisse zu beseitigen und Vertrauen zu schaffen. Daß diese Wirkung vorhanden sei, habe sich ihm stark aufgedrängt bei der vorangegangenen Aussprache, von der man ja zunächst auch das Empfinden gehabt hätte, daß sie denen Argumente liefere, die ansterhalb dieser Organisatior; aus jetzes. KKwSchezeschM des Völkerbundes lauern.Die Tatsache," so rief er aus, das; wir für unsere Beschlüsse die Bildung einer Ein­stimmigkeit brauchen, ist die stärkste Stütze für das Wachsen, für die Festigung, für die Schaffung des Ver­trauens in den Völkerbund. Dieses Vertrauen haben die Völker bereits; sie verlangen mit Recht, das; mrsere De­batten nicht Scheinmanöver sind."

Briand ironisierte dann die vorgebrachten Bedenken gegen Konventikel einzelner Ratsmächte. Er erinnerte an die Überwindung der Kriegsgefahr im vorigem Jahr, an die Schwierigkeiten der Aufnahme Deutschlands und an das große Erlebnis des Augenblicks, wo mit seinem Ein­zug der Erfolg erreicht war.Das alles ist nicht ohne diplomatische Einzelverhandlungen möglich und es ist ganz falsch, die Großmächte deswegen zu verdächtigen, so daß sie schließlich sich dafür entschuldigen müßten, daß sie Großmächte sind." Gleichfalls nicht ohne Ironie trat er dem Vorivurf wegen des überwiegens der Diplo­maten entgegen. Den hier anwesenden Außenministern seien alle Nachteile bekannt, die ihnen persönlich durch die innere Politik entstünden Nachteile, die während ihrer Abwesenheit von Tarife nicht gerade zu verschwin­den pflegten. Dann kam Briand auf die Abrüstung zu sprechen.' Frankreich kenne seine Verpflichtungen und ins­besondere diejenigen des Artikels 8 und betrachte sie als eine heilige Pflicht. Mit der ihm eigenen bildhaften Dar­stellungskunst begründete Briand die Hemmnisse auf dem Wege zur Erfüllung aus der Psychologie der Völker, die. den Krieg erlebt hätten.

Geheimrat Kaftl Mitglied der Mandatskommission.

Geheimrat Kastl, geschäftsführendes Präsidialmitglied des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, wurde vom

Unruhen in Litauen.

Ein Putschversuch.

Nach Mitteilungen des litauischen KriegsministeriumI wurde durch Kommunisten in der Grenzstadt Taurog- g e n ein Umsturzversuch unternommen. Die örtlichen Be­hörden hätten den Versuch alsbald erstickt. In Kowno wird vermutet, dast sich auch einige Mitglieder der Links­parteien an dem Putsch beteiligt hätten.

Völkerbundrat in geheimer Sitzung zum deutschen Mit­glied der Mandatskommission ernannt. Ludwig Kastl ist aus dem bayerischen Landesdienst hervorgegangen. Er hiar in den Kolonien tätig; als Bezirksrichter in Windhut^ später bis 1910 Hilfsarbeiter im ehemaligen Reichs­kolonialamt. Von 1911 bis 1920 war er als Regierungs- /at des Generalgouvernements Windhuk tätig. 1920 wurde- et Geh. Negrerungsrat im Wiederaufbauministerium, 1921 Ministerialrat im Reichsfinanzministerium. Im März 1925 ist er auf eigenen Wunsch ausgeschieden, um zum Reichsverband der deutschen Industrie überzugehen.

Chamberlain spricht in Genf.

Keine Rückläufigkeit des Völkerbundes.-^

Der englische Außenminister bezog sich in seiner An­sprache auf die zwischen Dr. Stresemann und Briand ausgetauschten Reden und unterstrich deren Bedeutung, wobei er beide als Vorkämpfer des Friedens von höchstem staatsmännischen Niveau und persönlichem Mut bezeichuete. Auch er höre raunen von der Rückläufig­keit des Völkerbundes. Er sehe nichts davon in der Wirk­lichkeit. Den Vorwurf der Sonderbildung innerhalb des Rates weist er zurück. Es gebe hier keine anderen Zu­sammenkünfte als zwischen Briand, Stresemann, Vandervelde, Scialoja und ihm selbst, und diese Zusammenkünfte gelten nicht den Ratsgeschäften, fonbern ihren eigenen Angelegenheiten, sowie sie sie ohne den Rat erledigen zu können hoffen, wobei alle Freiheit für alle Ratsnlitglieder erhalten bleibe. Zur Abrüstung gelte, wie er französisch zitierte,nicht davon reden, sondern durch Taten beweisen". England habe sofort nach Kriegsende seine Armee unter den Vorkriegsstand herabgesetzt, sein Flottenbudget von Jahr zu Jahr vermindert, und wenn es für seine so vielen, so zerstreuten, so schwer zu schützen­den Lande mehr getan hätte, wäre das unverantwortlich gewesen. *

Das Genfer Protokoll lehne er nach wie vor ab, und nur mangelndes Verständnis für die besonderen Hinder­nisse, die für E n g land bestanden, ließen andere diese Forderung wieder aufnehmen. Der Völkerbu-ndpakt stehe fest und zu ihm müsse man Vertrauen haben. Daneben gäbe es Locarno, ein System von Verträgen, das gestern wie heute als Bürgschaft für den Frieden in West und Ost mit Recht bezeichnet worden sei. Er wolle keinen Überstaat aus dem Völkerbund hervorgehen sehen, sondern ihn organisch aus sich selbst entwickeln, und gebe mehr auf den moralischen Eindruck von Reden, wie sie zwischen französischen und deutschen Delegierten hier aus­getauscht worden seien, mehr auf freiwilliges und gegcm fertiges Einvernehmen, als auf eine Häufung sensatio­neller Schritte. Auch eine Eiche wachse nur langsam, um stark zu werden, und der Völkerbund sei ein organisches Wesen gleicher Art. '

Die Rede Chamberlains sand lebhaften Beifall. Nach' ihm sprach als zweiter Redner Ramon Caballero (Para­guay), der sich fast ausschließlich mit der Frage des inter­nationalen Rechts befaßte.

Abänderung des holländischen Antrages.

Vor Schluß der Sitzung erklärte der holländische Außenminister Beelaert van Blokland, die Rede Cham­berlains habe ihn zu der Überzeugung gebracht, daß der Text seines Antrages zu Mißverständnissen Anlaß geben könnte, und er ändere ihn deshalb in dem entscheidenden Teile dahin ab, daß die Bezugnahme auf das Genfer Pro^ tokoll ganz fortfällt und dafür die Wendung gesetzt wird, daß das Studium der Grundsätze für Sicherheit, Schieds­gericht und Abrüstung, wie sic im Völkerbundpakt nieder­gelegt seien, wiederaufgenornmen werden soll. Der pol­nische Entschließungsentwurf wurde von der Versannn- lung auf Antrag des Präsidenten an den dritten Ver­sammlungsausschuß überwiesen.

Nach den Regierungsmitteilungen sind bei den Un­ruhen ein Beteiligter getötet und zwei verwundet toorbetu Nachrichten über die Ereignisse in Tauroggen werden) streng überwacht., Der bei dem Umsturzversuch als Führer tätige Reservekapitän Majus sei wegen Spionage vom Militär entlassen worden. In Tilsit wollte man wissen, riii Vorstoß gegen die litauische Regierung sei nicht nur iw Sauroggen, sondern auch in anderen Teilen Litauens er­folgt. Der kleine Grcnzvcrkehr bei Tilsit ist gesperrt: worden. Die Grenze darf nur mit einem Auslandspaß mit Visum überschritten werden. An der memelländischew Grenze sind größere litauische Militärformationen beob^ , achtet worden. Die auf Lastkraftwagen nack LaugszargerS beorderten Abteilungen des litauischen Infanterieregi­ments Nr. 7 haben den Auftrag, vorläufig jeden Verkehr von und nach Lqugszargen abzusperren, bis Verstärkungen, «ns Memel mit Maschinengewehren eintreffen. In Pogegen ist c Kompagnie des gleichen Regiments ein* marschiert, die den Bahnhof und die Hauptstraßen streng bewacht. Auch in Übermemel sind Truppen cingerückt, die die Brückenköpfe besetzt haben.

Der eigentliche Führer des Ausstandes war ein gewisser Serbento, ein linkssozialistischer Lehrer. Die Aufständischen hatten Post, Telegraph und Bahnhof be^ setzt. Etwa 200 bis 300 Kommunisten hatten die Staats­bank gestürmt und etwa 100 000 Lit erbeutet. Mit Kraft- Wagen wurden schnell Truppen Herbcigeschafft, die die Ordnung wieder herstellten. Vier Tote, darunter ein Kommunist und ein Mitglied des Litauischen Schützen Verbandes, sollen die Opfer des Aufruhrs in Tauroaaen mtd seiner Unterdrückung sein.