M-aer Anzeiger
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Fulda, Samstag, 24 September
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4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
»Bei Schleiz stürzte ein Verkehrsflugzeug der Deutschen «uithansa ab, wobei sechs Insassen, darunter der Botschafter M Maltzan, getötet wurden.
* Auf dem 15. Deutschen Städtetag zu Magdeburg hielt Kichskanzler Dr. Marx eine beifällig aufgenommene Rede.
Hèiier ist das Leben...
Wchifeldbummler. — Boxe» ist Trumps. — Mach' ein fröhliches Gesicht. — Das unerschöpfliche Amerika.
Die Weisheit des deutschen Dichters, daß das Leben ,mst, die Kunst heiter sei, wird von den A ru e r i k u u e r n je länger, desto mehr bewußt und entschieden abgelehnt.
Mre Kriegsfilme zeigen uns, wie die Freiwilligen unter
Sternenbanner mit Lachen und Scherzen nach Frank-
Mch zogen und ihren unverwüstlichen Humor auch beim Mmmvollen Donner der Geschütze nicht verloren. Und Mk Zehntausende von Legionären, die jetzt zum Teil mit Mlib und Kind in Begleitung von auf das lustigste aus- Mffierten Militärkapellen auf den ehemaligen Kriegs- MuMtzen herumwimmeln, scheinen sich auch in der l'tiniinung einer, besseren Vogelwiese an den Denkmälern »ichs erbittertsten Ringens der Weltgeschichte zu er- I luftleren.
Nun ja, wenn es einem Volk so gut geht wie den Ihmschaften drüben in Newyork und Washington, in »Wgo und San Franzisko, so hat man vielleicht wirklich ■inen Grund, das Leben gar zu sehr von der ernsten
■eile zu nehmen, von der es der arme deutsche Michel so gründlich fennengelernt hat und immer wieder neuem fennenlernt. Dann kann man auch seine ganze Vchnerksamkeit für vierundzwanzig Stunden allein und »Mließlich auf den Zweikampf von geradezu weltge- »WlicherBedeutungkonzentrieren, derjetzt wiedereinmal I MW den Herren Tunney und Dempsey aus- I MW wird um die Boxmeisterschaft der Erde, eine I Äe,von deren himmelragender Bedeutung sich offen- J ' 5”deutsche Michel keine ausreichende Vorstellung zu ■'#■ t^Tutag. De-.u-^W-tm man chört, daß Metten tiH Zinsbeträge von zehn Millionen Dollar über den Aus- M dieses großen Entscheidungskampfes abgeschlossen -Aden sind, daß zwei oder drei Millionen Dollar für Eintritt Karten eingenommen und daß alle Vorbereitungen hoffen wurden, um rund 50 Millionen Menschen mit "'lsè der sieben Ruudfuukstatioueu in Chikago jede Phase ” Wettkampfes sozusagen unmittelbar aus erster Hand ^Mießen zu lassen, dann darf man wohl den Amerika- ^in allerdings das Zugeständnis machen, daß sie von den ^whnlichen Sorgen dieses Daseins ungleich weniger MÄH werden als sonst die Völker in Europa, in Asien ” Wika. Fast möchte man fürchten, daß soviel Glück M doch soviel berechtigte Unbekümmertheit um die All- Wüiinpfe auf dem nichtamerikanischen Erdenrund den "id der Götter erregen könnte. Die Amerikaner milch würden auch in diesem Falle sich die Hemdärmel Mlrempeln und mit des Geschickes Mächten zu boxen an- ß Nur daß sie dann wohl doch auf Eintrittspreise ■ “ âcttabschlüsse für das Publikum verzichten würden.
I ® "ch' ein fröhliches Gesicht — so ungefähr
We dringlichste Lehre, die amerikanische Volksweis- den Bürgern der Neuen Welt mit auf ihren Weg zu Wiegt. Man soll sich nicht verdrießlich machen , . rW die ewigen Hemmungen des gesellschaftlichen öejchäftlichen Lebens, man soll wenigstens durch sein Mn^usPiel nicht Verraten, daß man im Begriff sei, aus oder jenem Grunde sein seelisches Gleichgewicht BJ^'Wen, sondern immer so tun, als hätte man einen und Sinn und Neigung für Spaß unb Zeit- ' ^nb ^er Durchschnittsamerikaner ist ein sehr Schüler; überall, wohin er kommt, zeigt er gute uud ist wohlaufgelegt zu jeder nützlichen oder Mg'„^"^^uen Tat. Er ist auch gar nicht der Mann m » "Us seinen Lorbeeren auszuruhen. Ist heute M,^° '^ttratzer mit 50 Stockwerketl fertiggestellt, so Uch morgen schon ein abenteuerlustiger Unter« n mtt dem Plan, ein Massenburcauhaus mit 60 oder Etagen aufzurichteu. Ja, im tz^ M dieses Jahres war sogar drüben davon die K' , ' spleeniger Ingenieur mit einem schönen deutschen cuf der anderen Seite des Hudsonflusses ein erwürben, um dort ein Haus mit 130 't ban» J1 e n aufzuführen, von dessen Dachgarten aus Wlti^a »einen unvergleichlichen Rundblick über die ge- 8 Hauptstadt genießen wolle.
Ivirb bser Plan wirklich zur Ansführung kommen gegen jr!” dorläufig dahingestellt bleiben. Tatsache ba« ^Vnitüpi» uaß die Newyorker in diesen Tagen den Ions I freiner Untert u n nelung des H u d - mal ehJc ^ gelegt haben, was allerdings wieder eiu- letreti m ^"ö besondere Glanzleistung dieser Uankee- ^lshst/^^^^en verspricht. Kostenpunkt natürlich nu- Saljte hm nrnr'.it,iw Bauausführung drei oder fünf ytiuiéiä ^ussichtliche Verkehrsleistung der beiden W sch,,.« ’e einer für jede Richtnng mit Unterteilung 1,1 Udo U"d für langsamer laufeitdes Geführt — Son joMip Jw .Tagesdurchschnitt usw. Müssen nicht Finnen ui t Aussichten allein den mit feinem ganzen Met heiter Mächten auf die Zukunft eingestellten Ameri- n^^zeii m»?/^.zuversichtlich stimmen V Braucht er zu Rschew, u stier und da auch in seiner Wirtschaft jetzt Mm des d' ö» zeigen beginnen, die auf ein Nach- I Mfleé f([1Iipr, fahren unentwegt ansteigenden Geschäfts- lassen? Er denkt gar nicht daran, freut Me ^ einmal eine schöne ausländische Au- unaen kann. lvie icüt wieder das 3EMi-
Botschafter v. Maltzan tötlich abgestürzt.
Tragischer Tod des Solschaßers v. Mchan. 5
, Absturz mit fünf Flugzeuginsassen. ' ^
Das Flugzeug „D. 585" verunglückte auf der Strecke Berlin—München in der Nähe von Schleiz. Der Flugzeugführer und die fünf Passagiere sind tot. Die Namen der Toten sind: der deutsche Botschafter Freiherr v. Maltzan bei den Vereinigten Staaten, Roü von der Reichsbahndircktion Berlin,/Prokurist und Berkehrsleèter der Deutfcken £ uff hausn v. Arnim. Flugzeugschüler
OSmer, Vordmonteur Feiler. Der Flugzeugführer Char- lett ist Friedensslieger, hat viele Hunderttausendc von Kilometern aus Streckenslügen gurüägclegt und ist in letzter Zeit besonders viel aus der Strecke Berlin—München geflogen. Das ^Flugzeug, eine Maschine des Typs Merkur, wurde Mitte Mai dieses Jâhres nach Prüfung durch die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt von den Dornier-Werken an die Deutsche Lufthansa geliefert und hat seitdem ohne jeden Zwischenfall Dienst getan.
Direktor Merkel von der Deutschen Lufthansa erklärte, daß das Flugzeugunglück bei Schleiz, das schwer ste in der Geschichte des deutschen Luftverkehrs, in seinen Ursachen vollkommen rätselhaft ist. Die Masckine ist technisch ausgezeichnet. Es wird berichtet, daß die Maschine ohne Flügel heruntergestürzt sei. Das würde das Unglück nur noch rätselhafter machen, denn die Tragflächen der Dornier-Maschine sind mit vier Streben befestigt und außerdem besonders stark verbolzt. Schleiz liegt bereits jenseits des Fichtelgebirges in mehr oder weniger ebenem Gelände und nach fachmännischer Ansicht wäre also eine Notlandung, falls sie dem Piloten erforderlich erschienen wäre, durcharis möglich gewesen. Sofort nach dem Dekanntwerden des Unglücks in Berlin sind drei Flugzeuge nach Schleiz abgeflogen; die Insassen haben die Aufgabe, die Einzelheiten festzustellen und die Ursache des Unglücks zu untersuchen.
Nach einem Augenzeugenbericht hatte das Flugzeug die Stadt überflogen, als der Führer versuchte, etwa ein Kilometer südlich auf der Straße nach Hof zu landen. Ehe dies gelang, sing das Flugzeug an zu trudeln und stürzte aus 100 Meter Höhe ab und grub sich, mit dem oberen Teil nach unten, tief in den Erdboden ein, während der abgebrochene linke Flügel unbeschädigt etwa 22 Meter abseits von der Unglücksstelle liegcnblicb. Da bei dem Sturz auch eine Feuersäule gesehen und ein heftiger Knall gehört wurde, so ist es möglich, daß das Unglück durch eine Motorexplosion hervorgerufen wurde. Der Führer und die Passagiere wurden unter den Trümmern begraben und gräßlich verstümmelt. Die Kabine mürbe vollkommen zertrümmert.
Gestern abend sind die Opfer des Flugzeugsungliicks in die städtische Leichenhalle in Schleiz übergeführt worden. Bisher hat sich noch keine einwandfreie Aufklärung ergeben. Die Frage, ob tatsächlich in der Lust ein Flügelbruch erfolgt ist, bleibt offen.
lionen-Geschüst mit der preußischen Regierung, und vertraut auf die Unerschöpflichkeit seiner Naturschätze wie feineâ Arbeitsertrages. Vertraut aber offensichtlich auch auf die Ehrlichkeit feiner Auleiheschulduer — weuu sie uicht gerade au der Weichsel sitzeu, wo bekanntlich die berüchtigte polnische Wirtschaft zu Hause ist. Solange er seine Tnschen vor Gläubigern dieses Schlages verschlossen hält, kann der amerikanische Geldgeber das Leben wirklich von seiner heiteren Seite ansehen. Wenn nur auch der deutsch-preußische Geldempfäuger zu der aleichen Weltauschauuug berechtigt wäre! Dr. Sv.
Anlerzeichnung der Schiedsgerichtsklausel.
G e n f. Reichsautzenminister Dr. Stres e m a n n hat, wie er in der Rede in der Völkerbundversammlung angekündigt hatte, die Klausel, die sich auf obligatorische Schied: ' sprechung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Hang bezieht, unterzeichnet. Man will die SchiedSgerichlS- klausel beut Reichütng sobald wie möglich vorlegen, damit eine schnelle Ratifizierung erfolgen kann.
Ein körperliches oder geistiges Versagen des Flugzeugführers ist nicht anznnehrnen.
Besonders tragisch wirkt die Nachricht, daß Freifrau v. Maltzan, die sich zur Kur in Partenkirchen befand und dort ihr achtjähriges Töchterchen bei sich hatte, ihrem Gatten nach München entgegengefahren war, um ihn dort bei der Ankunft im Flugzeug in Empfang zu nehmen.
Hindenburgs Beileidstelegramm.
Reichspräsident von Hindenburg hat an Freifrau v. Maltzan folgendes Telegramnr gerichtet: „An dem schweren Unglück, das Sie so plötzlich betroffen hat, nehme ich herzlichen Anteil und bitte Sie, den Ausdruck meines tiefempfundenen Beileids entgegenzuuchmen. Das Deutsche Reich verliert in Ihrem in so tragischer Weise ums Leben gefommenen Gatten einen der fähigsten Diplomaten und hervorragendsten Vertreter, dem ich stets ein ehrendes Gedenken bewahren werde."
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Der Diplomat Maltzmr.
Der jetzt auf so tragische Weise ums Leben gekommene Botschafter Freiherr von Maltzan hat ein Älter von 50 Jahren erreicht. Der Botschafter verbrachte in Deutschland einen längeren Urlaub und wollte am 7. Oktober über Paris nach Washington zurückkehren. Freiherr v. Maltzan widmete sich nach Vollendung seines juristischen Studiums und nach kurzer Gerichtstätigkeit dem diplomatischen Dienst. Hierfür war er in Südamerika, Oslo, Petersburg und Peking tätig. 1917 war er Beauftragter des Reichskanzlers im Großen Hauptquartier. Nach dem Um- strirz leitete er die Rußlandabteilung im Auswärtigen Amt, wurde 1921 Ministerialdirektor, 1922 Staatssekretär. An dem Abschluß des Rapallo-Vertrages wirkte er sehr aktiv mit. 1925 ging er als deutscher Botschafter nach Washington, wo er der Nachfolger Dr. Wiedtfelds war und 'n -ürz'ster Zeit eine
,11 verhaften wußte. Wie geschickt Maltzan als Diplomat war, kann man aus einem von .ihm abgesagten Telegramm ersehen, in dem er die damalige Reichsregierung auf die bevorstehende japanische Kriegserklärung aufmerksam machte und das trotz strengster Nachrichtensperre auch tatsächlich in Berlin ankam. Dieses Telegramm lautete: „Meine Verlobung mit Miß Butterfly wird täglich erwartet, bitte informiert Eltern." Die Kunde von dem plötzlichen tragischen Tod des Botschafters hat sowohl in Deutschland wie auch in Amerika starke Teilnahme erweckt.
Die Beisetzung des Freiherrn von Maltzan.
Freiherr von Maltzan wird laut „Germania" in einem Familiengrab in Groß-Luckau bei Vollratsruhe in Mecklenburg- Strelitz beigefetzt werden. Der Tag der Beerdigung steht noch nicht fest.
Die Teilnahme am Tode Maltzans in Washington.
wtb. W a f h i it g f 0 n, 24. September. Die deutsche Botschaft wurde von Bekanntwerden des tödlichen Unfalles des Miffions- chefo bis in die späten Abendstunden von offiziellen Vertretern der amerikanischen Regierung und des diplomatischen Corps ausgesucht. Präsident Coolidge sandte seinen Adjutanten, Staatssekretär Kellogg, und sämtliche Referenten des Staatsdepartements gaben Beileidskarten ab. Unter den ersten Kon- dolentcn erschien der französische Botschafter auf der deutschen Botschaft, und sprach dem Geschäftsträger Dr. Kiep, zugleich mit der Bitte um Uebcrmittluug an die Gattin des Botschafters von Maltzau und an die deutsche Regierung, wärmste Teilnahme aus. Der britische Botschafter sandte ein herzlich gehaltenes Telegramm. Senator Borah rühmte die Popularität von Maltzan und bedauerte den großen Verlust, den beide Länder durch seinen Tod erlitten haben. „Société de Presse" veröffentlicht die Veileidtelegramme des Präsidenten Coolidge sowie Kelloggs Kommunique und fügt hinzu, Deutschland werde aus diesen spontanen und ganz ungewöhnlichen Kundgebungen des offiziellen Amerika ersehe«, wie sehr hier die Arbeit eines deutschen Berufsdiplomaten geschützt wurde. Es sei zu hoffen, daß sein Nachfolger mit gleichem Geschick die Fäden ausnehme» werde, die ein grausames Schicksal Freiherrn von Maltzan aus der Hand riß.
Eine Enlschlietzunr; des Llbrüslunxsausschusses.
wtb. Genf, 23. September. Der Abrüstungsausschuß hat gestern mit der Annahme der Auslcgungssormel über den Schlußabsatz der Entschließung zur Abrüstungs- und Sicherheitsfrage und des von de Brouckère erstattete» Berichts, seine Arbeiten abgeschlossen. Die Auslegungsformel stellt fest, daß es „in dem vollen unb freien Ermessen der Regierungen liegt, die eine geeignet erscheinende Antwort" auf die vonr Rate erbetenen Auskünfte aus „jene Maßnabmen zu erteilen, die sie zur Unterstützung der Empfehlungen oder Beschlüsie des Rates in bestimmten von ihm anzugebenden Fällen zu ergreifen Wert wäre".
Der neue Staatssekretär im preußischen LandwirtschaftS- miniftenum.
Berlin. Wie der Staatsauzeiger bekanntgibt, ist der biS- berige Regicruugspräsidcnt Haus Krüger in Lüneburg zum Staatssekretär im preussischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen nud Formen ernannt.