Lul-aer Anzeiger
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5^230 — 1927
TageblaK für Rhön unö Vogelsberg-- §ulöa- unÄ tzounäl^MSaer KreLsblatt Reöaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernfprech-^nschluß Nr. 989 Nachöruck der mit * versehenen Artikel nur mit iDuellenongabe „Saldo er ^nzeiger"gestattet.
Fulda, Samstag, 1. Oktober
SM
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4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* ^ömtcde mußte bei seinem Abflug in Bagdad eine Not- vornehmen.
^ie neugegründete Elsässische Selbständigkeitspartei ber« -^ècht ihr Programm und vertritt darin das Recht auf die gische Sprache.
* ^ie Auleiheverhandlungen zwischen den amerikanischen Md polnischen Unterhändlern sind wieder ausgenommen Mden.
«Eine Sturmkatastrophe in der Mississippigegcnd wirkte bifondcrs in St. Louis verheerend. Es werden über hundert Lote gemeldet. ■
Der Amisschimmel.
Sie lochende Volksseele. — Kurzsichtigkeit über Übereifer?
Leichter KvrrupOonsgeruch.
unserer wirklich mcyt sehr erfreulichen Gegenwart es immer eine fröhlich begrüßte Aufheiterung des Da- -ins wenn die Kunde kommt, daß sich irgendeine Behörde In Stückchen geleistet" hat, das beim durchschnittlichen Äaenossen ein heftiges Schütteln des Kopses h-rvor-
Man lacht ein bißchen, ärgert sich cm bißchen, regt Mader nicht übermäßig auf, weil man weiß, dag Felp- â überall Vorkommen, in allen Beyorden der Welt. Mt bloß bei den Behörden, sondern auch anderswo, ^»m Men sind wir in Deutschland ein wenig stolz daraus, L bei uns solche Fehlgriffe vielleicht doch seltener surv als - B in den Vereinigten Staaten, die ja ore ^reihen Mniq in Erbpacht genommen zu haben glauben, daß sie hm Statue als Leuchtturm am Rewyorker Hafen aup [tèsten; allerdings kehrt sie dein Lande den Stücken zu.
Ärgerlicher wird cs schon, wenn der Kreis der „Be- »offenen" ein größerer oder ganz großer wird. ~nnu beginnt bekanntlich „d i e V ol k s s ec le zu ko ch e". To ich der Berliner Polizeiprastdent die Alurcht der Auto- droWenbesitzer, zu billigerent Preise als bisher tahcen zuM, in heftigem Kampf verhindert und kern Mensch weiß,darum das geschieht. Alles „kocht , die Autobesitzer, Ä Güsfenre und diejenigen Teile der Volksseele, Die Mck DrdfchtenâMo heranwinkèn: Es sind nicht gerade MM'ürdlgkeiten, mit benen man — natürlich nicht ' Mtlich — den Polizeipräsidenten nebst Verkehrsoepu- iition bebentt. Das schlimmste ist, daß man die Grunde ß' diese Maßnahme nicht kennt; man fühlt sich allzusehr / ic^icit^
Da rebelliert der „Untertanenverstand". Genau wie eine bis auf den Buchstaben getreue Ausführung von Achund Recht zum größten Unrecht werden kann, so treibt in der Verwaltung dieses an und für sich lobens- imte Verhalten manch' seltsame Blüte hervor. Ein eng- Wr Student versäumt es aus Krankheitsgründen nur zwei Tage, sein Auscuthaltsvisum zu verlängern. Di- Folge ist — Anzeige der Polizeibehörde bei der Staats- Wattschaft. Lange, hochnotpeinliche Untersuchung, Weßlich Gerichtsverhandlung und Bestrafung zu 50 Mark. Alles wegen der zwei Tage Versäumnis! Und * man ihm das Visum nun wirklich verläugern will, >'E cr die Strafe bezahlen; sonst kriegt er es nicht. Er ia>1 als» seine Berufung einlegen, weil er sonst als «lästiger Ausländer" ausgewiesen werden sann.
' Gallige Gemüter murmeln: „Das dient zur Hebung
1 F rem denvcrkehrs , über die so viele und so 1 M Reden gehalten werden!" Gewiß, eine Ausnahme , "Rt cui derartiges Fehlgreifen; aber leider findet gerade i W ein Fehlgreifen ein besonders lautes, unerwünschtes i ^a. Durchaus nicht immer sind Kurzsichtigkeit oder Uber- M, krampfhaftes Sichanklammern an den Buchstaben I ^bloß der „unteren Instanzen" schuld, wenn derartig l «ireuliche Vorkommnisse sich ereignen; auch die oberen I durchaus nicht „frei von Schuld und Fehle".
1 uns in Deutschland wird eben — und daran hat M.^aatsumwälzung tvenig geändert — doch wohl etwas I biete behaupten: zuviel — „regiert", werden auf ■ ? «eise Dinge erledigt, die man viel besser nicht durch I soehörde bearbeiten ließe. Diese Mahnung richtet I nicht etwa bloß an Reich und Länder, sondern I noch mehr an die Kommunen. Ein Beispiel: Die I b^rdnetenversammlung einer schlesischen Stadt I ^Bt das öffentliche Anschlagwesen nicht mehr an ■ beiden ortsansässigen Buchdrucker zu verpachten, I bisher geschehen war, sondern in eigene Regie I kWä Sollte man das Anschlagwesen aber doch I verpachten, dann sollte keiner dieser beiden Buch- I da,nr in Frage körn men, sondern — ein „Ren- I lhch,'?bwohl der bisherige Pächter weitaus das höchste y machte.
1 diese, höchst überflüssige Kommunalisierung,
I s blc Privatwirtschaft geschädigt wird? Zudem I jetzt ^?^u allzu leicht Vorwürfe laut, daß — wie man I y/v'dder in Berlin behauptet — zwischen Stadt- I !èniieu u.^ solchen Betrieben Beziehungen entstehen I „ dulen leichte n K 0 r r u p t i 0 n s g ein ck I lüetbch säilgt die Sache an, überaus ernsthaft. I yCn^t-V ?™cë, was an mehr oder weniger scherz- I Ren ^.Musen geschieht, wird rasch vergeben Und ver- I Rier , ""r Deutsche ja auf unser Behvrdeutunl ob I Meit, rstolz sind; dort sollte darum alles ge- I tlW" hs^ stch feruzuhalten, was „Gelegenheit zur
J‘n »^nizelos schwer erkrankt.
it^^iÄ^ ."er Spezialärzte, sind an das .Krankenlager ■ des irühJ10^' Kreta gerufen worden, da sich der Zu- AMei, Ministerpräsidenten sehr verschlimmert hat.
Sturmkatastrophe am Miffiffippi.
St Loms vom Lmado verwWeè.
über 10 0 T0te. n
Nachdem erst vor einigen Tagen Japan und dann die Philippinen von einer Sturmkatastrophe heimgesucht waren, kommt nun die Nachricht, daß St. Louis und die Mississippi-Missourigegend grauenvoll verwüstet ist. Ein Tornado entsteht dann, wenn der aus Nordwesten kommende kalte Luftstrom den' von Südwesten nach Nordosten strömenden heißen in der Flanke trifft. Bei der großen Schnelligkeit dieser Strömungen entsteht ein Luftwirbel, der eine ungeheure vernichtende Kraft entwickelt.
Der Tornado erreichte eine Stundengeschwindigkeit von 90 Meilen und war von heftigem Regen begleitet. Außer Saint Louis wurden vor allem die Nachbarorte Granite City und Venice heimgesucht. Außerdem ist die Ortschaft Rudy (Arkansas) nahezu völlig vernichtet worden. Allein in St. Louis sind Tausende von Häusern völlig zerstört worden. Der Eigentumsschaden wird aus 75 Doüarmillionen geschätzt.
Die Drahtverbindungen sind teilweise unterbrochen, so daß die Welt über das ganze Ausmaß der Katastrophe nur langsam unterrichtet werden kann.
Zur Wirbelsturmkatastrophc nm Mississippi.
Der Himmel hatte sich bei Eintritt des Tornados verdunkelt und durch die Luft wirbelten große und kleine Gegenstände, Dächer wurden abgedeckt, Telegraphennrasten und Automobile umgeworfen, Tausende von Bäumen entwurzelt; kleine Häuser wurden durch die mörderische Gewalt des Tornados wie Pappe zu- sammeuggedrückt, die Fußgänger auf der Straße zu Boden geworfen. Unter den Trümmern wurden viele
Das Elsaß fordert Eeldstverwaltuag.
Die neugebildöie EWerpariei.
Zwei Rassen.
< In ihrer soeben erschienenen Nummer veröffentlicht „Die Zukunft", das Organ der vor einigen Tagen in Straßburg gegründeten Autonomistenpartei (Partei für Selbstverwaltung), das Programm für die Arbeit der Partei.
Das Programm spricht sich für Zusammenarbeit und Vereinigung der Völker aus. Es stellt fest, daß die Elsaß- Lothringer ein aus zwei Rassen zusammengesetztes Volk bilden, das das Recht hat, über die Art und Weise seiner politischen Existenz zu bestimmen. Dieses Recht wird am besten garantiert durch die Selbstverwaltung, bestehend in der Schaffung einer effaß-lothringischen Volksvertretung mit gesetzgeberischen und aussührenden Machtbefugnissen. Die Partei wendet sich gegen den Vorwurf des Separatismus, da die Selbstverwaltung Elfaß-Lothringens im Rahmen des französifchen Staates verwirklicht werden könne, wenn dieser feinen guten Willen und sein politisches Können zeige. Das Endziel der Partei sei die Schassung eines freien Elsaß-Lothringen, das zu den Vereinigten Staaten von Europa gehört und als Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich dient.
Die Partei erblickt in den freundschaftlichen Beziehungen Elsaß-Lothringens zu allen Völkern die Gewähr für eine glückliche Zukunft. Sie weist jede feindliche Einstellung gegenüber Frankreich zurück, sie wendet sich lediglich gegen den französischen Staat, der Mißbräuche zulasse, die die elsaß-lothringische Bevölkeritng schädigten.
Für deutsche Sprache.
Aus den zahlreichen einzelnen Punkten, die als erstrebenswert im Programm ausgeführt werden, sind herbor- zuheben:
Die elsaß-lothringische Rasse und Art muß ausrcchlcr- halten und gefördert werden. Die deutsche Sprache muß die Grundlage des Un 1 errichts werden und den ersten Platz in der Schule, im öffentlichen Leben, iit der Verwaltung und in der Kirche einnehmen. Die Verwaltung des Landes muß den Bedursnissen des Landes entsprechen und an ihrer Spipe müssen Leute stehen, die dem Lande selbst entstammen. Die WiederetyMrun- der Schöfsen- gerichte mirb gefordert; die Schwurgerichte müssen ihre Ver
Menschen begraben, die sich nicht mehr rechtzenlg ttt Sicherheit bringen konnten. Unter den Verletzten — es dürften wohl 1000 sein — befinden sich viele Schulkinder Fünf Minuten lang tobten so die entfesselten Natur- gewalten über St. Louis. Durch den starken Regen erhöhte sich noch die Notlage der Opfer.
Besonders schlimm wirkte sich die Katastrophe in einem Viertel aus, wo gleichzeitig ein Feuer ausbrach. Der Brand verbreitete sich mit Riesenschnelle und bald stand ein ganzer Straßenteil in Flammen. Der Tornado selbst wütete am schlimmsten auf der Hauptverkehrsader des Südostens von Saint Louis, wo insgesamt acht Häuserblocks völlig zerstört wurden.
Nach weiteren Meldungen über die Orkankatastropüe ist besonders Rudy (Arkansas) schwer heimgesucht worden. Dieses ehemals wohlhabende Obstzüchterdorf liegt jetzt in Ruinen. Von 35 Wohnhäusern stehen nur noch 12 sowie 5 Läden und die Eisenbahnstation.
St. Louis gehört zu denjenigen Städten der Vereinigten Staaten (es zählt über 500 000 Einwohner), die mit den größten Prozentsatz deutscher Bevölkerung haben. Auch gehört es zu den wohlhabendsten Städten der Union.
Ms der Tornado sich kaum ausgetobt hatte, ließ deL Regen nach und es war wieder heller Sonnenschein, als ob sich nichts ereignet hätte. Aber die Hilferufe der zahllosen Verletzten, die noch stundenlang zu hörew waren, belehrten jeden, der mit Heiler Haut 'davongekommen war, wie grausam die Natrrrgewall hier gewütet hatte.
Saint Louis. Vis jetzt sind 84 Tote geborgen worden. Die Zahl der Verletzten betrügt über 500. Unter den etwa 5000 zerstörten oder beschädigten Gebäuden sind zahlreiche öffentliche Gebäude, darunter 7 Schulen. Man schätzt den Sachschaden auf über 10 Millionen Dollars.
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Stürme und Anweiter in England.
Auch England ist erneut von einem heftigen Sturm heimgefucht worden, der teilweise von Gewittern und Wolkenbrüchen begleitet war. Aus allen Teilen deS Landes werden neue Überschwemmungen gemeldet. Die E rnte, die vielfach schon durch Fäulnisschwergelitten hatte, ist jetzt an vielen Stellen vollständig "zugrunde gerichtet worden. Infolge der Überfchwemmungen ist Geflügel zn vielen Tausenden ertrunken.. Da zahlreiche Landstraßen überschwemmt sind, haben verschiedene Motoromnibuslinien eingestellt werden müssen. In der Nähe von Carlisle wurde die Eisenbahnstrecke durch einen Bergrutsch geringeren Umfanges, den der Regen verursacht hatte, unterbrochen. Der Sturm im Kanal verursachte Verspätungen der Dampfer. Zahlreiche Fahrzeuge waren gezwungen, in den Häfen Schutz zu suchem In den Seebädern an der Südküste wurden die Strand- anlaaen von schweren Sturzwellen heimgesucht.
handlungen in deutscher Sprache suyren. ^re Sirasanpancir müssen reformiert und die Todesstrafe muß abgeschafft: werden. Die elsaß-lothringischen Eisenbahnen müßen Eigentum des elsaß-lothringischen Volkes werden. Elsaß-Lothringen muß seine Staatsbank sowie seine Postvcrwaltung Haber»- Die Bodenreichtümer müssen Eigentum des Volkes werden. Vereinigung der elsässischen Soldaten in eigenen Formationen, die im Elsaß stehen, mit Kaders in deutscher Sprache. Eine Arbeiterkammer muß gegründet werden, um die Zahl der Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermindern. Eine vollkommene Reform der Steuern muß erfolget!. Eine besondere Zollzone für das Elsaß muß eingc- sührt werden. Besondere Schulen für die Landwirtschaft, das Handwerk, die Handelsangestellten und mittleren Techniker. Das Stimmrecht für die Frauen. Entschädigung der Opfer des Krieges, der Opfer der Revalorisierung des Vertrages. Von 1919 und der Inhaber deutscher Kriegsanleihen.
Die Cefangenenrevolte in Toulon.
Der „Matin", der über die Vorgänge in Toulon weitere Einzelheiten berichtet, stellt fest, daß das Marinegefängnis außerordentlich überfüllt war. Die Revolte soll entstanden sein, weil die Gefangenen auf bisher ungeklärte Weise erfuhren, daß ein Teil von ihnen nach einm der Forts gebracht werden sollte, weil sie sich in anmaßendem Ton beschwert hatten. Die Gefangenen verschanzten sich darauf und ergaben sich erst nach einer längeren Belagerung durch die Gendarmerie. „Matin" berichtet außerdem über einen Zwischenfall an Bord eines Kreuzers, wo die Mannschaft das Esten zuriickwies und besseres Esten verlangte. Der Kommandant des Schiffes ließ die Wortführer der Besatzung festnehmen und an Land bringen. 25 Matrosen wurden an Bord des Schiffes selbst in Haft gesetzt.
Reichskanzlerreise ms Sesetzlr Gebiet.
Vom 1 0. b i s 12. Oktober. -
Der schon angekündigte Aufenthalt des Reichskanzlers Dr. Marx im besetzten Rheinland wird sich vom 10. bis 12. Oktober erstrecken. Der Kanzler unternimmt die Reise in seiner Eigenschaft ahs Minister für die besetzten Gebiete. Am Montag, den 10. Oktober, wird in K 0 blc n z eine Besprechung mit dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete stattsinden. Sodann wird der