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Fulda, Dienstag, 4. Oktober

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4. Jahrgang

Ausklang der Hindenburg-Feier.

Ier ReichDräfibettl

beim Reichskriegerbund.

z Das Kyffhäuserfe st.

Einen glanzvollen Abschluß der Geburtstagsfeier des Reichspräsidenten bildete der Reichskriegertag, zu dem der KiHskriegerbundKyffhäuser" seine Angehörigen aus dem ganzen Reiche in Berlin versammelt hatte. .In langen Zügen marschierten die Kriegervereine Montag früh zum Stadion. 60 000 Mitglieder des Kyffhäuser­bundes hatten ihre Teilnahme angemeldet, doch wurde diese Zahl noch überschritten, denn Montag morgen trafen noch zahlreiche Sonderzüge aus dem Reich in Berlin ein, während das Gros der Teilnehmer sich schon am Sonntag cingefunden hatte. Ungezählte füllten die Zuschauerplätze. Ein Wald von Flaggen wehte im Winde. In der Ehren­loge hatten die alte Generalität und die obersten Kom­mandobehörden der Reichswehr und der Reichsmarine Platz genommen. Man sah Generalfeldmarschall von Mackensen, Generaloberst V. K l u ck, General Heye, Admiral Zenker, General V. T s ch i s ch w i H vom Reichswehrgruppenkommando I, den Kommandanten von Berlin, Severin, General Haß vom Wehrkreis III und Ver­treter der übrigen Wehrkreise und Truppenkommandos,

Huldigung vor Hindenburg.

Kurz nach 11 Uhr ertönten Hochrufe in der Ferne, die Musik intonierte und unter jubelnden Zurufen fuhren Reichspräsident v. Hindenburg in Marschallsuniform, neben ihm der Präsident desKyffhäuserbundes", General b L ü r n. in das Stadion ein. Die Fahrt aina langsam

Ore Fahrt zum Stadion.

Reichspräsident von Hindenburg begrüßt seiner Fahrt nach dem Stadion vor dem Branden­burger Tor den General von Horn. Neben ihm / im Wagen Reichskanzler Dr. Marx.

Front der Kriegervereine rundherum. Gefolgt von ^ichswehrminister Dr. Geßler, begab Hindenburg sich Mu in die Ehrenloge, wo er die Generalität begrüßte, ^nn nahm die Huldigungsfeier ihren Anfang.

- Eine Fahnenkompagnie der Reichswehr mit 36 Wien und Standarten des alten Heeres marschierte ins ein. Sämtliche ehemaligen Armeekorps waren W Fahnen und Standarten vertreten. Im Parade- " W marschierte die Kompagnie an der Ehrenloge vor- 5 und schwenkte in Front vor Hindenburg ein, präsen- W das Gewehr, und unter den Klängen des Präsentier- Asches senkten sich die alten Fahnen des ehemaligen vor Hindenburg als Huldigung. Dann erklang, Zehntausenden begeistert milgesungen, das ^ichlandlied.

tautet dem brausenden Jubel der Massen verab- ;^ sich Hindenburg von der Generalität, fuhr noch Ä unter dem Beifall der Massen um die Bahn und dann das Stadion. Die weitere Feier bestand aus ^Innnerungsscicr für die im Weltkriege Gefallenen. M»ufistft bildete die Nagelung der Fahnen mit dem lei Ä?cs Geburtstages des Reichspräsidenten mit Bilde geprägten Hindenburg-Fahnennagel.

* j

Das Festmahl beim Reichskanzler.

H »â dem am Sonntag abend vom Reichskanzler Dr. gegebenen Festessen waren sämtliche in Berlin an- Reichsminister, die Regierungschefs und Ge- bie p der Länder, das preußische Staatsministeruun, b°i Sekretäre des Reichs und Preußens sowie die Empfängen beim Reichspräsidenten beteiligten Behörden erschienen. Im Verlaufe des Ji. stJW der Reichskanzler eine Ansprache, in der er »ussuhrte:

ein tzâ^Ue beseelt nur ein Gefühl der Verehrung und 'WnL su , Dankes gegenüber dem Manne, der nach Einzeg,' Geschehnissen und Taten überreichen Leben, dessen dauernd in der Geschichte sortleben werden, ' '^ert hat. an seinem Lebensabend dem Ruf des

deutschen Volkes zu folgen. Immer mehr ist uns Reichs­präsident von Hindenburg zum Symbol geworden, zum Symbol des deutschen Wiederaufstiegs, der nur in treuer Pflichterfüllung und harter täglicher Arbeit langsam Schritt für Schritt erkämpft werden kann. In dieser Arbeit geht er uns als Führer voran. Wir können nichts /besseres tun, als in seinem versöhnlichen, sich selbst vei> gebenden Geiste unsere Arbeit für unser Volk zu ver­richten.

Gratulanten aus Böhmen.

Egerländerinnen in ihrer malerischen Tracht be­grüßen den Reichspräsidenten bei seiner Fahrt durch die Wilhelmstraße.

Bei der Zugendkundgebung

am Sonntag im Berliner Stadion vor Hindenburg dankte der Reichspräsident den Schülern mit folgenden Worten:

Habt vielen Dank, liebe Kinder, für die schönen Lieder, die ihr mir hier vorgesungen habt und die mich herzlich erfreuten. Ihr habt gesungen von der Freude an der Heimat und der Liebe zum Vaterlande. Laßt diese Worte nicht nur auf euren Lippen sein, behaltet sie auch im Herzen. Haltet fest am Vaterlande und weiht ihm eure beste Kraft. Das wollen wir heute geloben, in- -em wir zusammen ausrufen:Deutschland, unser ge­liebtes Vaterland, hurra, hurra, hurra!"

Begeistert stimmte alles ein. Auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten waren die Kinder, die an der Feier teilgenommen hatten, aus einem besonderen Fonds des Reichspräsidenten gegen Unfall versichert. Der Abtrans­port ging ohne jede Störung vor sich.

Zu Ruhestörungen laut es Sonntag nur an einzelnen Stellen in Berlin Im ganzen wurden 268 Personen wegen Ruhestörung, Nichtbefolgung polizeilicher Anord­nungen usw. zwangsgestellt. Die meisten gehörten der Kommunistischen Partei und deren Hilfsorganisationen an. Fünf Personen gehörten dem Stahlhelm an. Acht Personen werden wegen Verdachts des Landsriedens- bruchs dem Richter vorgeführt werden.

*

Glückwünsche fremder Regierungen.

Unter der Menge der eingegangenen Depeschen be­findet sich auch eine Reihe von Glückwünschen fremder Staatsoberhäupter. So haben gratuliert: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der Prä­sident der Republik Österreich, der Reichsverweser von U n g a r n, der König von Schweden, der König von Norwegen, der König von Dänemark, der König von Bulgarien, der König von Spanien, der König von Siam, der Bundespräsident der Schweiz, der Präsident von Lettland, der Prä- sindent von F i n n l a n d, der Präsident von Danzig, der Präsident von L i b e r i a, der Minister des Äußerem von China und der Pap st.

Von den inländischen Ehrungen seien noch hervor­gehoben: Der preußische Innenminister hat der Polizei­unterkunft zu H a n n 0 v e r am Waterlooplatz den Namen Reichspräsident von Hindenburg" verliehen. In dem Kaserueitgebäudc der Polizeiunterkunst hat Hindenburg als Leutnant 1867 bis 1873 in Garnison gelegen. Die Stadt Rathenow hat beschlossen, die Ringstraße nach den beiden Reichspräsidenten zu benennen. Der Teil bis zur Friedrich-Wangel-Straße erhält den Namen Hindes burg-Ring, der andere Teil Friedrich-Ebert-Ring. Em besonders warm gehaltenes Telegramm ging auch vom Verein Deutscher Zeitungsverleger ein. ^

Reichspräsident von Hindenburg an das deutsche Volk.

Reichspräsident von Hindenburg läßt folgenden Erlaß

UCLiumii^uvn»

'nem ganzen Baterlandc, von Angrhorrgen aller Schickten des deutschen Volkes und von zahlreichen Deutschen Zstscits unserer Grenzen, die mb mit der alten Heimat in rücken Taaen besonders verbunden fühlten, sind mir zu meinem -A Geburlstage viele tausend Glückwünsche und Sei* tr-uer Gesinnung beschert worden. .. .

Kleine Zeitung für eilige Leser.

' * Reichspräsident v. Hindenburg nahm Montag im Berliner) Stadion eine große Huldigung des Reichskriegerbundes entt gegen.

* Zwischen Dr. Stresemann und dem litauischen Minister­präsidenten Woldemaras haben Besprechungen stattgefunden, die zum Abschluß eines Vertrages zwischen beiden Ländern führen sollen.

* Zwei deutsche Flugzeuge wollen von Liflabon aus noch in diesem Jahre den Atlantik in Etappen überqueren.

* Der berühmte schwedische Naturforscher Svante ArrheniuN ist in Stockholm gestorben. ________________________________

Meinem Geburtstagswunschc, durch die Schaffung neuer' Mittel die große deutsche Schuld abtragen zu helfen, die wir allen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen gegenüber tragen, ist dirrch die aus allen Kreisen unseres Volkes und von den Deutschen im Auslande bereitwilligst gegebenen Beträge zur Hindenburg-Spende im Herbst erfreulicherweise Rechnung getragen worden.

Der Reichspräsident dankt sodann in dem Erlaß allen denen, die am Geburtstag seiner gedacht haben, insbesondere der deutschen Jugend für die eindrucksvolle Huldigung int Stadion zu Berlin. In diesen verschiedenen Kundgebungen sehe er nicht nur die Ehrung seiner Person, sondern das ge­meinsame Bekermtnis zum Vaterlande, zur Mitarbeit des deutschen Volkes, das trotz aller Not und Sorge des Tages hier freudigen Ausdruck fand. Weiter heißt cs:Möge ein jeder, der gestern meiner in Worten und Grüßen gedacht hat, am feiner Stelle an diesem Werk der Einigung Mitarbeiten und an der Erreichung dieses großen Zieles, in dem unsere Zu^ kunft liegt, mithclfcn."

* 1 ' Serj

Die amerikanische Presse zur Hindenburg- Geburtstagsfeier.

Washington, 3. Oktober. Die Zeitungen bringen ausführ^ liche Beschreibungen der Hindenburgfeiern in Berlin. Alla Schilderungen sind außerordentlich freundlich und voll Be­wunderung für die große Liebe, die der Reichspräsident im deutschen Volke genieße, und die den Parteihader vollkommen habe vergessen lassen. (

Das beste Geburtstagsgeschenk.

Eine französische Zeitung ' e die Berliner Hindenburg-Feier alseine Kundgebung vor allem des nationalen Ehrgeizes". Nicht mit Unrecht, wenn als das Ziel dieses Ehrgeizes, als Wiederaufstieg die Befreiung des deutschen Gebietes hingestellt wird!; Hatte doch der Reichspräsident gerade das Gedenken an unsere Volksgenossen in den besetzten Gebieten zum Aus­gangspunkt feiner Rede gemacht, mit der er aus dem Glückwunsch des Reichskanzlers antwortete. Sie ist mehr als nur erke Dankesrede, sie ist eine Botschaft, eine Mahnung an dasdentscheVolk. Und wenn jetzt die Festesklänge verrauscht sind, so sollten nicht die Ge­danken zerrinnen, denen Hindenburg in seiner Rede Aus­druck gab; sie stellen ja einen noch höherennationalen Ehr­geiz" dar als die nur rein äußere Befreiung Deutschlands, die Befreiung nämlich des deutschen Volkes vom üblem G e i st des Unfriedens und inneren Haders,

Ein Mann wie Hindenburg darf von sich sagen, daß er stets nur seine Pflicht tat, daß die Arbeit seines ganzem Lebens immer dem Vaterlande galt und gelten wird, das weiß die Welt. Auch er ist in seinem Handeln und Wollen trotzdem auf manchen Widerspruch gestoßen: und er weiß, daß die Gegensätze bestehen und bleiben werden, die sich auf die Verschiedenheit der Ansichten über Ver­gangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands grün­den. Aber über allem steht doch, vielmehr sollte stehen, die Sorge um das Schicksal des allen Gemeinsamen, des Vaterlandes also. Die abgeklärte Lebensweisheit des greifen Reichspräsidenten vermag mit Recht nicht ein- zusehen, warum denn die Austragung der Gegensätze nun in diesem Rahmen und nur in diesem Rahmen möglich sein sollte, um einen gerechten Ausgleich herzu- stellen. Hindenburg weist auf die zwar sehr naheliegende, aber leider so wenig Wirklichkeit werdende gegenseitige Achtung vor der Meinung des andern hin. Daß man den politischen Gegner für einen Schurken oder Dummkopf hält, ist ja in Deutschland unumstößlicherGrundsatz" und erklärt zum großen Teil das Persönliche, häufig recht wenig Sachliche der Auseinandersetzungen zwischen dem Parteien. Ein I n - s i ch - g c h e n , ein wenig Selbst­zucht wäre wirklich das beste Geburtstagsgeschenk, der beste Nachklang der Hindenburg-Feier, namentlich wenn sie zur Achtung vor dem Suchen nach neuen Wegen u n d vor der großen Vergangenheit unseres Volkes führen würde. Ob seine Mahnung Erfolg haben wird und sein ^ Wunsch, daß der Geist der Einmütigkeit wachsen möge?«

Hindenburg selbst, so betonte der Reichskanzler in seiner Glückwunschrede, ist ja das beste Beispiel dafür, wie die Selbstüberwindung und die Zurückstellung noch so leidenschaftlicher Gegensätze hinter die große gemeinsame Aufgabe des Wiederaufbaus erfolgte. Und daß Hinden-, bürg durch seine selbstlose Hingabe an die Pflicht, an betr Dienst für das Vaterland nun zum Träger, zum Fanal dieses Einigungsgedankens wurde und bleiben wird. Marx wies and) auf das ständige Bemühen des Reichs­präsidenten hin, alle Kräfte zusammcnzufassen im Innern ebenso wie zu einer von der Zustimmung des gesamten Volkes getragenen Außenpolitik. Dienst am Staat und für den Staat ist Pflicht und niemand, der dazu bereit ist, soll zurückgewiesen werden, wenn ihn nicht eigensüchtige Zwecke treiben.

Gewiß sind wir in Deutschland noch weit, wert vom diesem Ziel entfernt, aber nach dieser Richtung wirkt die Persönlichkeit Hindenburgs einfach, dadurch, daß er da ist,