Lulöaer Anzeiger
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^34 —1927
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg §ul-a- und Haunetal.Zulöaer Kreisblatt Reüaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernsprech-^nschluß Nr.W9
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Fulda, Donnerstag, 6. Oktober
4. Jahrgang
Meine Zeitung für eisige Leser
r !^iè Reichskanzler hat ein Rundschreiben zu einer Sonder- iMenz versandt, in der über das staatsrechtliche Verhältnis è» Reich und Ländern beraten werden soll.
» Das deutsche Flugzeug „D. 1230“, das den Atlantischen M überfliegen soll, hat seinen Flug wegen einer Panne zerbrochen.
- In Mexiko hat die Aufstandsbewegung zu scharfen Pimpfen und Maßregeln geführt. Der Aufruhr richtet sich ^pisächlich gegen die Präsidcntschaftskandidatur des Ge- Nia!s Obregon. 1
In einem kanadischen Bergwerk bei Ontario erfolgte ein" Meret Einsturz, durch den auch die Erdoberfläche in Mit- i-ibeü^aft gezogen wurde.
Die Diskonierhshung.
-.Von einem W i r t s ch a f t s p 0 l i t i k e r.'« *
To ganz überraschend kam die Erhöhung des Diskont- itzeè der Reichsbank denn doch nicht, wie vielerseits jetzt rhailptet wird. Man braucht sich nämlich nur etwas Mier die Ausweise der Reichsbank anzusehen, in denen it immer kürzer werdende Golddecke für den ständig »Menden Notenumlauf doch nicht verborgen bleiben m. Hier liegt auch die von keiner Seite bestreitbare Begründung für die Diskonterhöhung: die Devisen- >Mg für den Notenumlauf weist eine so geringe Höhe injivie nie zuvor. Neue Devisen müssen also herangezogen ■toben, besonders, da die Deckungszisser für Reichsbank- und Rentenbankscheine bereits auf unter 39 ge- Men ist, damit wieder den Stand vor der letzten Diskont- WÄhung (10. Juni) erreicht hat, von dem sie sich nicht Mbtträchtlich erholt hatte. Und in Wirklichkeit liegen ■ti Dinge so, daß der Reichsbankdiskont gar nicht mehr DAWbend war, sondern im freien Geldverkehr beträchtlich MW Sätze galten. Daraus erklärt es sich ohne weiteres, Wah der Kredit der Reichsbank besonders gern in Anspruch iMmmen wurde, ihr Wechselportefeuille schwoll allzu- lich^ damit auch immer mehr der Notenumlauf. Die ■e$M ist einfach an das EndeihrerTätigkeit Du/? ,§rc d i t h e r g a b e gerückt. Es war also- schon ie(u un bet Zeit, an Umkehr zu denken.
Zweck der Erhöhung des Reichsbankdiskonts ist es, 6 Anlage ausländischen Geldes zu fördern, also Devisen dMzuschaffen — was ja eigentlich gegen die Kredit- W Dr. Schachts verstoßen würde —, unb. zwar in der Mi des kurzfristigen Kredits. Aber was soll Dr. Schacht Wn, wenn die Reichsbank jetzt nur noch über einen üdisenschatz von 150 Millionen verfügt? Die Passivi- ’J unserer Handelsbilanz, die Dawes-Ver- Achtungen saugen ihm allzu schnell die Devisen fort und ’M daher alles daransetzen, unsere W ä h r u n g n i ch t "Gefahr geraten zu lassen. Bliebe noch der M einmal gewählte Ausweg der Kreditverknappung, J ® zwar zu sehr schmerzlichen, aber doch fegens- Mn Folgen führte. In gewissem Maße tritt diese schon Herbst ein, weil bestimmungsgemäß 2 90 Mil - u" nen R e n t e n b a n k s ch e i n e a u s d e rn V e r k e H i Uogen werden, an eine Erweiterung des Banknoten- Mufs aber nur dann gedacht werden kann, wenn die Eonterhöhung auf das ausländische anlagebedürftigc als st a r k e r Anreiz wirkt.
^editverteuerung — als Folge der Heraufsetzung Diskontsatzes — kann sich aber für den K 0 n s u - M ^en vorerst als eine recht segensreiche Maßnahme M Asstellen. Das drastischste Beispiel bot ja die Kredit- M'Mung 1924: ist der Kredit nämlich billig und aus- M,M vorhanden, so wird cs dem Warenbesitzer nicht ■ J etwaigem Überangebot oder gesunkener Nachfrage, einem Sinken der Preise einfach dadurch zu be- K, iM er unter Zuhilfenahme des Kredits „auf der Wnbleibt". Teurer Kredit aber zwingt dazu, die W öffnen, zwingt zu schnellerem Kapitalumsatz, zu W- ^ raschem Warenabsatz. Wir denken als Ver- MM" und Käufer noch mit stiller Wehmut und Sehtt- °* den ach so niedrigen Preisstand des Jahres M>,l^ders freilich liegen die Dinge in der Land- vUf deren Betriebsform ja nur einen ein- Kapitalumschlag ermöglicht. Dort werden die ■ ’J ’V’ Steifen durch die Diskonterhöhung zwei- vermehrt werden, besonders da die beab- M.utefinanzierung durch die Reichsbank wohl d'Esem Jahre meist auf dem Papier stehenbleiben eine der Ursachen, weswegen das M Z ^rtèfeuille der Reichsbank derart angeschwollen ■Stufe 7^?elhaft die ist, daß zwecks Mobilisierung der AnWechsel eingereicht worden sind.
■Mr gibt also die Diskonterhöhung nur der nicht KV iÄcrtb«n Tatsache Ausdruck, daß auf bem Geld- I^s^. sehr scharfe Anspannung besteht. Wch l.J'-S oder vielmehr gerade darum läßt sich auch riUttlhirsW daß am Horizont unserer Wirtschafts- ■ten tzkle Wolken aufsteigcn. Unsere wich- » i' San^n ^-En Ivie Kohle und Eisen sind im großen Wtuntg.^uf den Jnlandsabsatz beschränkt; dazu gärt W'üter iwk/^"öerall in der Arbeitnehmerschaft und der oor uns sicherlich ein Anschwellen der Be- V ^° rvst^ OWkert bringt. Die Aussichten sind also nicht
Niu "^uß der Reichstagsfraktion des Zentrums.
Um?„ ^uliurausschuß der Reichstagsfraktion des Lid »^^sessnf n ^ichstag unter dem Vorsitz des Abgeord- An^^s' Schreiber zu einer gemeinschaftlichen ^uI»^Udiâaz ,vorigen der Zentrumssraktion des Preu- ^ ruskmmen, um über das Rcichsschulgcsetz zu
Der deutsche Qaeanflug unterbrochen.
Oie Aufgaben der „O.1230".
Im Schwi mm flugzeug nach Amerika.
Die öffentliche Meinung ist den Ozeanslügen nicht mehr hold. Es ist nicht bei dem einen Unfall von Nungesser rind Coli geblieben, mehr als. ein Dutzend tapferer Piloten sind in Sturm und Wellen umgekommen und jede Suche nach ihnen war vergebens. Soll man unter diesen Umständen überhaupt noch einmal ein derartiges Wagnis beginnen? so fragt die Welt.
Die Piloten des Schwimmflugzeuges „D. 1230*, die jetzt einen neuen Atlantikflug beginnen, vertrauen auf ihre Maschine. Der Unsicherheitsfaktor ist um ein erhebliches Maß vermindert worden, denn die Flieger planen (abgesehen von der Zwischenlandung in Amsterdam) in Lissabon, auf den Azoren und in Neufundland Station zu machen. So ist denn die größte Wasserstrecke, die sie zu überteueren haben (Azoren—Neufundland) nicht größer als 2500 Kilometer, d. h. nicht viel mehr als halb so groß wie die von Neufundland nach Irland, die man bisher immer zurückzulegen versuchte. Aber noch weitere günstige Momente kommen den Piloten der „D. 1230" zugute. Das Flugzeug hat eine Funkempfangs- und S e n d e - station, die auch gebraucht werden kann, wenn die Maschine auf dem Wasser treibt und der Motor stillsteht. Ebenso besitzt die „D. 1230" eine drahtlose Peilein- t i dj t u ng , die zur Orientierung dient und einst Eckener bei dem Flug mit dem Luftschiff „Z. R. 3" außerordentlich half. Selbstverständlich führen die Führer auch mehrere Gummiboote und Gummiballons mit sich, um bei einem Defekt des Flugzeuges einige Zeit rudern zu können.
Von den vier Piloten interessiert wohl am meisten bis einzige. D a m e, die das Unternehmen mitmacht. Es ist dies die österreichische Schauspielerin Lilly Dille n z , Tochter eines bekannten Kunstmalers und Gattin eines Wiener dlrchitekten. Sie unternimmt die Reise in vollern Einverständnis mit ihrem Gatten und will überdies durch ihren Mut zeigen, daß die Frau in der heutigen Zeit den Männern nicht nachsteht^ Das. kleine Österreich ivill dem großen Bruderstaate Deutschland auch bei diesem Unternehmen, von dèm die Welt sprechen wird, gern zur Seite stehen. Wie es heißt, sollen einige Freunde der Schauspielerin sich auch finanziell an dieser Atlantiküüer- guerung beteiligt haben, um den guten Willen Deutsch- Österreichs zu betonen.
mach dem Start in Norderney nahm man eine Zwischenlandung in Amsterdam vor, um sich dort noch einmal über die Wetterverhältnisse orientieren zu können. Diese Landung ist auf Anraten der Deutschen Lufthansa und der Junkerswerke geschehen und sollte zeigen, daß es bei diesem Flug auf einen Langstreckenrekord durchaus nicht ankömmt. Das Ziel der Fliegerei im 20. Jahrhundert ist nicht mehr das Erreichen von Rekorden, sondern es sollen vielmehr der Beweis für die absolute Sicherheit der Aeronautik geschaffen und Erfahrungen für den ständigen Atlantikflugverkehr gesammelt werden.
26000 schriftliche Glückwünsche an Hindenburg.
Bei dem 80. Geburtstage des Reichspräsidenten sind an seine Adresse rund 4000 Gratulationsdepeschen und 22 000 briefliche Glückwünsche eingelaufen, wie nach jetzt erfolgter Zählung festgestellt wurde.
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Die Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken und Hindenburg-Jübiläumspostkarten, die seit dem 96 September in Umlauf sind,/erfreuten sich in der ersten Vertriebswoche einer überraschend großen Nachfrage. Viele Postämter hatten bereits am Geburtstage ihren gesamten Vorrat an Markenheften, Postkarten sowie an 25- und 50 Pfennig-Marken ausverkauft. In Berlin war der Straßenverkauf auf der Feststraße zum Stadion ant Geburtstage äußerst lebhaft. Die freiwilligen Helfer, die sich hierfür zur Verfügung gestellt hatten, konnten große Bestände restlos absetzen. Auch die Länder und Provinzen haben mehrfach telegraphisch große Mengen für den außcrpostalischen Vertrieb im Reich nachgefordert.
Der Regent von Äthiopien an den Reichspräsidenten.
Berlin. Der Thronfolger und Regent von Äthiopien, Ras Tasari Makonue», hat dem Reichspräsidenten seine Glückwünsche zur Vollendung seines. 80t Lebensjahres^ n^st fernen besten Wünschen für Gesundheit und langes Leben drahtlich übermittelt.
Mich und Lander.
Die Befugnisse beider Teile.
Bei der Länderkonferenz, die unter Vorsitz des Reichskanzlers durch die bei Gelegenheit des Hindeuvurg-Geburtstages in Berlin versammelten Lüilder- minifter und Staatspräsidenten stattfand, bildeten beu Hauptteil die Erörterungen über das staatsrechtliche Verhältnis zwischen Reich und Ländern.
Es wurde bei der Mimsterberatung schließlich einstimmig ein Beschluß gefaßt, eine Sonderkoufcrenz clnzu berufen, die über die Fragen weitcrverhandeln soll. Zur Ausführung dieses Beschlusses ist dem Vernehmen nach bereits ein Rundschreiben von der Reichskanzlei aus versandt worden. In dem Rundschreiben werden geeignete Persönlichkeiten zur Übernahme von Ausführungen zu
r0.1230^ über dem Atlantischen Ozean.
London. Das Flugzeug „D. 1230", das Amsterdam im Laufe des Mittwochs wieder verlassen hat, wurde um 11 Uhr 30 Minuten über dem Atlantischen Ozean unter 46" 23’ nördlicher Breite und 6° 50’ westlicher Länge gesichtet. Es flog in Richtung auf Kap Finisterre.
In Seenot.
wtb. London, 6. Okt. (Reuter.) Aier liegt eine Nachricht vor, daß das Zunkers-Flugzcug D 1230 auf der Höhe von Santa Cruz ins Meer gefallen sei.. Auf S.O^.« Rufe hin, ist ein Kriegsschiff abgeschickt worden, um das Flugzeug aufzusuchen. Zwischen Kap Mondego und Santa
Cruz wird eifrig nach dem Flugzeug geforscht.
Notgelandet?
wtb. Paris, 6. Okt. „Petit Parisien" meldet aus Lissabon: Infolge einer Panne auf der Höhe von Kap Roca sah sich das Junkers-Flugzeug D 1230 gezwungen, auf Santa Cruz zu landen. Nachdem es Hilferufe ausgesandt hatte, schickte die Regierung sofort Hilse ab.
Das Ende der „Miß Columbia^.
Der Ozeanflieger Levine hat nicht nur einmal PeB gehabt. Als er den Rückflug von Paris nach Newyork antreten wollte, verließ ihn sein altbewährter Freund Chamberlin. In Frankreich sand er keinen Piloten, der das Flugzeug „Columbia" zurück nach Amerika steuern wollte, und er entführte das Flugzeug dann selbst nach England. Aus dein Atlantikflug wurde auch hier nichts, und der nun in Aussicht genommene Ostindienflug endete, bereits in Wien. Jetzt wollte Levine in Rom Mussolini' und den Papst für seine Pläne interessieren, aber noch ehe das gelang, ist er in der Nähe' von Ciampino bei Röm ab gestürzt. Das Flugzeug ist stark beschädigt, die Insassen sind glücklicherweise mit heiler Haut davon- gekommen. An eine Wiederherstellung der „Miß Columbia" kann aber nicht mehr gedacht werden.
Die Weltflieger wieder in Detroit.
Brock und Schlee, die seinerzeit von Detroit aus über den Atlantik nach England geflogen sind und dann den. Kontinent bis nach Japan in Etappen überflogen haben, sind nunmehr in Detroit gelandet und haben ihre Weltreise beendet. Allerdings haben sic von Japan aus nicht mehr das Flugzeug benutzt, da ihre Frauen und Kinder sie angefleht haben, doch nicht den waghalsigen Pazifikflug zu unternehmen. Die Leistung, von Detroit in west östlicher. Richtung bis nach Tokio zu fliegen, steht aber in der Fluggeschichte bisher einzig da und verdient auch Anerkennung. .
der Angelegenheit ersucht, welche die Sonderkonferenz beschäftigen wird, die Frage: Soll größere Einheitlichkeit des Reiches herbeigeführt oder das staatsrechtliche Eigenleben der Länder mehr betont werden ?
Der Ausgangspunkt zu dem Vorgehen ist nach verschiedenen Mitteilungen nicht beim Reiche zu suchen, sondern die Anregung ging von den Ländern aus. Der regierende Bürgermeister von Hamburg,, Petersen, wies darauf hin, daß der bestehende Zustand nicht länger andauern könne. Der preußische Ministerpräsident vertrat die Anschauung, daß die jetzige Entwicklung natur- notwendig zum Einheitsstaat führen müsse. Der bayerische Ministerpräsident Held trat für die völlige Wiederherstellung der Finanzhoheit der Länder ein und forderte vollständige Aufgabe der Erzbergerschen Fmanz- reform. Die Länder müßten in Finanzfragen die frühere Selbständigkeit haben. Dagegen traten die Vertreter Messens, Lübecks und Mecklenburg-Schwerurs oem hamburgischen und preußischen Standpunkt bei. In Hessen soll übrigens seit längerer Zeit der Gedanke erörtert werden, Hessen als Reichsland erklären zu lassen.
Die Deckung der Besoldungserhöhung.
Die zuständigen Reichsratsausschüsse setzten die Ve- ratungen über die Frage der Besoldungsreform fort. An der Mittwochsitzttng nahmen auck die Finanzminister der Lander persönlich teil, um zu versuchen, die Frage der Aufbringung der Mittel für die Durchführung der Pc- soldungsreform zu klären. Auch fand nochmals eine Kon- ferena des Reichsfinanzministers mit den Finanzmirlistcrn der Länder statt, deren Beratungen ebenfalls der finanziellen Deckung der Besoldungsvorlage galten. Von den Vorschlägen, die zur finanziellen Entlastung der Länder gemacht worden sind, sind folgende zu erwähnen: Der Ertrag der Ge- tränkcstcuer soll ausschließlich den Ländern zugute lammen. Die H a u s z i n S st euer soll in stärkerem Umfange zur Deckung deS allgemeinen Finanz- bedarfes herangezogen werden. Unter Umständen soll die 11 m s a $ ft c u e r erhöht werden.
Preußen und Sachsen sind bereit, für ein halbes Jahr die Mehraufwendungen der Bcamtenbesoldung selbst zu übernehmen. Die anderen Länder erklären sich aber zu dieser Leistung nicht fähig.