M-aer Anzeiger
Weint jeden Werktag. Bezugspreis: monat- H 2 Mark. Bei Dieferungsbehinüerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Zahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Kmedrich Ehrenklau, §ulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- tzger. Postscheckkonto: Zranksurt a. M. Nr.rSo»9 Jj>54 —1927
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Iulöa- und Haunetal »ZulSaer Kreisblatt
Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ Zernfprech-Rnschluß Nr.^SY
Sachdruck Ser mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe.Zulöaer Anzeiger"gestattet.
Fulda, Samstag, 29. Oktober
Tinzelgenpreks: §ür Behöröen, Genossenschaften, Sanken usw. beträgt âie Klemzeile 0.30 HIL, für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark <• Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ❖ Tag- und Platzvorschristen unverbindlich.
4. Jahrgang
M
Der Machtkampf in Rumänien
MM» in Belagerungszustand.
Mrauenserklärung für die Regierung.
Da der direkte Verkehr mit Rumänien gesperrt ist, nicht eigentlich Unklarheit darüber, wie die Verhält- K nun liegen.
Trotz mehrfacher amtlicher Beruhrgungsversuche über è ausländischen Gesandtschaften kann es seinem Zweifel fliegen, dass schwere, vorläufig anscheinend noch Nicht in offene Unruhen ausgelaufene Machtkämpfe das Land «tztoüen. Aus dem zunächstlregenden Belgrad hört mH, daß über ganz Rumänien der Belagerungszustar'.d Nhüngl' worden ist. In Belgrad zweifelt man nicht wen, daß die Bewegn«. g zugunsten des Prinzen Carol si) ausbrèite. Ministerpräsident Bratianu hat zahlreiche «nippen aus der Provinz rund um die Hauptstadt vcr- WMèlt. Man befürchtet, daß Bratianu ben Präsidenten N nationalen Bauernpartei, Maniu, der in so scharfer »eise im Parlament gegen den Ministerpräsidenten ans- ürcieii ist, verhaften lassen wolle.
” In der Kammer nahm in einer ausführlichen Rede "Merpräsident Bratianu zu der Verhaftung des frühe- im Staatssekretärs Manoilescu und zu der Lage in Manien Stellung. Bratianu führt' u. a. aus: Die Monale Einheit, die territoriale Unantastbarkeit unb Ä Krone sind ein Erbgut, das den Generationen $ narrte tarnt, aber über das sie nicht verfügen können. Wer ersucht, dieses Erbgut zu vernichten, ist ein Feind des -Mes. Wer durch irgendwelche Mittel versucht, dem Mmaßiger« Herrscher die Krone von« Haupt zu nehmen, 7 daher ebenfalls ein Feind des Staates. Diejenige««, («versuchen, durch eine Volksabstimmung oder Partei- amg oder auf andere Weise eine gesetzmäßige und gültig festgelegte Regierung umzustoßen, begehen eine Ming, die an der« gesetzlicher« Autoritäten zerschellen
Carol hat keine Avsprvche.
I Der Bergicht des früheren Prinze« Carol, fuhr Vra- © fort, war ordnungsmäßig unb die Thronbesteigung Ah Michaels unter einer Regentschaft gesetzmäßig pro- Amt. Es gibt also keine gesetzmäßige Mvglichke«t, auf Wt Verzicht zurückzukommen. Man kann auch feststellen, 4 die Kundgebungen Carols in der öffentlichen Mei- *! Rumäniens keinen Widerhall gefunden haben. Mar«
Die „Mafalda"- Katastrophe
WeSepchenen beim
1 „Mfa!da"-Llniergakg. »Haifischschwärme an der Unglücks stelle.
Rio de Janeiro sind jetzt zahlreiche gerettete legiere der „Principessa Mafalda" gelandet worden. P Geretteten sollen sämtlich wohlauf sein.
Von Augenzeugen werden jetzt noch erschüt- pn be Einzel h e i t e n über den Hergang der Kata- We bekannt. In einer dieser Darstellungen heißt es:
Es war am Abend des 25. Oktobers. Wir hatten M Fahrt. Die Decks waren von den Passagieren ge« I * die den tropischen Sonnenuntergang und die kühlen genießen wollten. Als die Dinerzeit herannahte, mau plötzlich aus dem Schifssinnern ein Krachen »7 das Rauschen einströmenden Wassers. Gleich darauf Dreine furchtbare Explosion, welche die Salons und ■ * Kabinen der 1. Klaffe zertrümmerte. Schmerzens- I erschollen. Das Stöhnen der Verletzten und der I Benden war furchtbar. Frauen beteten weinend vor I Madonnenbild, andere rissen ihre kleinen Kinder Es brach eine P a n i k aus und einige Passagiere I ^en über Bord. Schließlich gelang es dem Kapitän I die Passagiere zu beruhigen. Die „Mafalda" I "um dann noch 2% Stunden und ging um 8.40 Uhr I p Das elektrische Licht versagte sofort nach der Ex- I Dic Dunkelhett erhöhte den S chrek - I J ’ er Passagiere. Als die Rettuntzsdampfer an- I tönten waren, richteten sie die Scheinwerfer auf das IÄ so daß die Besatzung der Rettungsboote die um 17 jausenden Ertrinkenden sehen und bergen konnte. Ein ,'schiff «nachte uninittelbar neben der „Mafalda" 7 ?. die Übernahme der Passagiere zu beschleunigen. ■ ba WM der sinkenden „Mafalda" war aber bald so, I um Halietaur schnell durchschnitten werden mußten, I juw verhindern, daß das Rettungsschiff mit in die I würde. Der Kapitän wurde zuletzt auf der
I «!-«'^«-brücke gesehen. Als die „Mgfalda" umschlug, I C lebe Italien! Ein Augenzeuge will beobachtet I in dâe ein Schiffbrüchiger von einem gewaltigen Hai I iMrw » ^n hinabgcrissen wurde. Ganze Haifisch- I t^^ sollen an der NnglückSstclle erschiene,« und viele
bringt dem Zwischenfall lediglich ein aus Neugierde beruhendes Interesse entgegen.
Der Abgeordnete M iNt-., protestierte gegen die Verhaftung Manoilescus und verlangte Regelung des Falles vor einem Zivilgericht anstatt einem Militärgerichtshof. Er fordere den Ministerpräsidenten auf, zurilckzutrel.m, damit die dynastische Frage auf gesetzlichem Wege gelöst werden könne.
Im Senat wurde von General Avarescu, dem früheren Ministerpräsidenten, eine Erklärung verlesen, wonach die Volkspartei gegen die ungesetzliche Verhaftung des Staatssekretärs Manoilescu Protest erhebt, da die Regierung keinen Haftbefehl hatte und Manoilescu auch nicht auf frischer Tat betroffen wurde. (Manoilescu war bekanntlich der Agent des Prinzen Carol.) ■
In der Kammer würde nach der Erklärung des Mi- nèsterprâsidenten Bratianu eine Vertrauenserklärung für die Regieung angenommen.
Die Berliner rumänische Gesandtschaft teilt u. a. mit: Nach den bei der Pressestelle der Berliner rumänischen Gesandtschaft eingetroffenen Meldungen sind die Alarmnach- richten über Verhaftungen und Unruhen im Lande durchaus unbegründet. Die öffentliche Meinung hat sich beruhigt.
2Q0 Bauern verhaftet.
Ministerpräsident Bratianu, der während der letzten drei Tage uneingeschränkter Diktator war, hat die Aktion der Carlisten, diè zum Ziele hatte, in Bessarabien, in der Dobrudscha und in Siebenbürgen einen Aufstand zu organisieren, vorläufig unterdrückt.
In Kischinew und Umgebung kam es zu Zusammenstößen zwischen Militär und den Bauern, die davon benachrichtigt waren, daß Prinz Carol nach Rumänien zurückgekehrt und zum König proklamiert worden sei. Das Militär von Kischinew wurde rechtzeitig vor« dieser« Manifestationen verständigt und konnte den Aufstand noch unterdrücken. Es wurden 200 Bauern in Haft ge- nommen. _ .
Wie ein Budapester MiüegWaLt Ms Wana-M siopel meldet, haben drei Flugzeuge mit rumänischen Abzeichen die Stadt überflogen und etwa fünf Kilometer von der Stadt entfernt eine Landung vorgenommen. Nach kurzer Zeit setzten die Flugzeuge ihren Flug in westlicher Richtung fort. In der Stadt glaubt man, daß es sich un rumänische oppositionelle Politiker handelt, die aus Rumänien geflüchtet sind.
Schiffbrüchige angcfallen worden sein. Das Wasser soll stellenweise rot von Blut gewesen sein. über
die Zahl der Toten
geben die Meldungen noch immer auseinander. Nach einem Bericht der Berliner Generalagentur der italienischen Gesellschaft, der das untergegangene Schiff gehörte, sollen sämtliche Passagiere gerettet worden sein, während 20 Mann der Besatzung in den Wellen den Tod gefunden haben. Nach anderen Meldungen soll sich die Zahl der Ertrunkenen auf etwa 350 belaufen, da die drei Dampfer, die an der Unglücksstelle als erste erschienen, nicht alle Passagiere hätten ausnehmen können. Die Ungewißheit, die über dein Schicksal der „Mafalda"-Neisen- den noch schwebt, wird hoffentlich bald behoben werden können. Festzustehen scheint, daß der Kapitän der „Mafalda" bei der Katastrophe ums Leben gekommen ist. Besonders tragisch ist auch der Tod des Telegraphisten der „Mafalda". In seinem letzten drahtlosen Telegramm gab dieser an die Außenwelt bekannt, daß er i n d e r R a d i o k a b i n e e i n g e s ch l o s s e N sei und nicht wisse, was um ibn vorgehe. Er habe den Befehl erhalten, dauernd um Hilfe zu rufen.
Ein italienischer Dampfer gestrandet.
Der italienische Dampfer „Jsaldo" ist bei den Scilly- Jnseln auf einen Felsen gelaufen. Siebzehn Mann de: Besatzung Würben durch ein Rettungsboot geborgen. Man versucht, den elf Mann 3» Hilfe zu kommen, die noch an Bord geblieben sind.
Kritik an dem Verhalten
der „Principeisa Mafalba";Offiziere.
wtb. Buenos Aires, 29. Oktober. „La Nation" veröffentlicht aus Riv de Janeiro Nachrichten, wonach gelandete lleber- lebende der „Principefka Mafalda" ihren Unwillen über die Schweigsamkeit der Offiziere des untergegangenen Schiffes äußerten. Den Fahrgästen der ersten Klasse sei von dem Ernst der Lage keine Kenntnis gegeben worden und die „Principesia Mafalda" sei gesunken, ehe sie Gelegenheit hatten, sich in Sicherheit zu bringen. Die großen Verlusste gerade unter diesen Fahrgästen seien dieser Schweigsamkeit zuzuschreiben.
Meine Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident v. Hindenburg besichtigte die in Berlin veranstaltete Werkstoffausstellung.
* Die Verhandlungen über den Anschluß Waldecks an Preußen sind zum erfolgreichen Abschluß geführt worden. Der Anschluß soll am 1. April 1929 erfolgen.
* über ganz Rumänien ist der Belagerungszustand verhängt worden. Die Regierung erhielt ein Vertrauensvotum in der Kammer.
* Augenzeugen der „Mafalda"-Katastrophe gaben-erschütiernde Einzelheiten von den Schrcckcnsszenen wieder, die sich bei der Bergung der Passagiere abspielten.
Die Großen Md die Kleinen.
Banken und Sparkassen. — Um die Auswertung von Bankguü haben. — Sucht nach Geld. — Ncgierungssorgcn.
Sind die Zeiten gut oder sind sie schlecht in Deutschland? Die Weisen, die Sachverständigen und die — anderen, die sich dafür halten, streiten sich dauernd um die Frage, ob wir uns wirklich eines innerlich gesunden und dauerversprechenden Aufschwung zu erfreuen haben oder ob wir nach jahrelangem Daniederliege«« unserer Wirtschaft jetzt nur durch eine Scheinblüte hindurchgehen, deren vergänglicher Charakter sich nur allzu rasch herausstellen werde.
Lebten wir in sozusagen normalen Verhältnissen, dann müßte die Tatsache allein, daß die Summe der Spareinlagen in Preußen ständig ansteigt, im Monat September zum Beispiel abermals um mehr als 54 Millionen auf über 2,7 Milliarden Mark angewachsen ist, jeden« Streit über den Stand unserer Wirtschaft eigentlich ein Ende bereiten. Denn ein 60-Millionen-Volk, das wenige Jahre nach dem gewaltigsten Zusammen- bruch, den die Weltgeschichte kennt, nun schor« wieder Monat für Monat aus seinen kleinen Sparerkreisen ganz nette Beträge beiseitelegt und so die innere Kapitalbildung langsam zwar, aber doch in unentwegtem Fortschreiten antreibt, ein solches Volk braucht den Mut gewiß nicht sinken zu lassen. Aber man weiß ja, daß ,wir von normalen ^Verhältnissen noch sehr weit entfernt und. oaß im Gegenteil unsere A n s l a n v s v e r p s l i cht u » - gen vom nächsten Jahr ab eine neue Stei - gerung erfahren werden und daß unsere Abhängigkeit von fremden Geldgebern in unaufhaltsamer Vermehrung begriffen ist. Unb nun kommen plötzlich die Großbanken und eröffnen einen regelrechten Wettbewerb um diese kleinen Sparer, die sie den öffentlichen Sparkassen abspenstig machen möchten. Zunächst in Berlin wollen sie vom 1. November ab richtige „Sparkon- t e n" aufmachen, unter Festsetzung von Bedingungen, dre günstiger sein sollen als diejenigen der Sparkassen. Nach außen hin bestreitet man natürlich, daß cs hic: auf einen regelrechten Kampf um neue Kundenkreise abgesehen sei; vielmehr beruft man sich darauf, daß ja auch die Sparkassen ihren eigentlichen Geschäftskreis mehr und mehr ausgedehnt und allerhand Kreditunternehmunge« finanziert hätten, die sonst immer als den Banken vorbehaltene Wirtschaftsausgaben galten. Was also sei natürlicher, als daß die Banken nun auch ihrerseits die bisher gegenüber den Sparkassen innegehaltene Grenze überschritten? In Wirklichkeit aber darf man wohl aus diesem Werben der Großen um die Gelder der Kleinen den Schluß ziehen, daß die Banken ihre flüssigen Gelder gern auch um die zurückgelegten Sparbeträge der kleinen Leute vermehrt sehen möchten, um den Anforderungen des Wirtschaftslebens nach allen Seiten hin mehr als bisher gewachsen zu sein. Vielleicht müssen wir doch wieder früher, als man es heute noch voraussehen mag, zu inneren Anleihen schreiten, da soll auch die Geldkraft des kleinen Mannes den Banken zur Verfügung stehen. Aber das Vertrauen dieser Kreise zu Den geschäftlichen Grundsätzen der Banken hat in ben letzten Jahren manchen harten Stoß erfahren, insbetandere hat die Ablehnung jeder Aufwertung von Bankguthaben viel Erbitterung geichaffen, während die Sparkassen doch wenigstens einigen Ersatz für die in der Glut der Juflationssonne fortgeschmolzenen Einzahlungen zu leisten sich verpflichtet haben. Immerhin wenn der Sparsinn unserer Bevölkerung fortan sogar von zwei Seiten her ständig ermuntert und durch einen gesunden Wettbewerb in den Zins- und Ruckzahlungsbedingungen gefördert wird, so kann da» Publikum damit gewiß zufrieden sein.
t *
Übersehen wir aber auch nicht, daß neben diesem gesunden Spartrieb sich mehr und mehr eine geradezu krankhafte Sucht nach unrechtmäßigem Erwerb von größeren oder geringeren Kapitalbeträgen in Deutschland festsetzt; leider in vielen Fällen auf Kosten beschworener oder dienstlich gelobter Beamten- und Ange- stelltentreue. In diesen Tagen ist erst ein Bl a g i st r a t»- rat eines der Groß-Berliner städtischen Bezuke zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden wegen roteber- holter Amtsuntcrschlagung in seiner Stellung als Dezernent beim Wohnungsamt Kreuzberg
von zahlreichen Fällen, in denen staatliche oder stadtnche Beamte sich in den letzten Wochen vor Gericht wegen schwerer Vermögensverbrecheu zu verantworten hatten.
tu
Spare in der Seit, so hast Du in der Not!