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Etscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Sahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag ZrieSrich Threnklau, Zulöa, MitglieS des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Krankfurt a. M. Ht. 16009

jlr. 263 1927

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Iul-a- und Haunetal >§ulöaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 14 Zernsprech-^nschluß ilr.989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .ZulSarr finzeiger'glstattet.

Fulda, Mittwoch, 9. November

Anzeigenpreis: Kür Behörüen, Genoffenschaf.

ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 IHL, für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvocschriften unverbindlich.

4. Jahrgang

Meine Zeitung für Mge Leser.

'Fm Reichstagsausschuß für das Wohnungswesen feilte Mjustizminister Dr. Hergt mit, daß borläufig nicht daran kM werde, eine Erhöhung der Mieten vorzunehmen.

I Die Berliner Börse war nach dem schwarzen Montag pifier gut erholt, es gab Kursgewinne von 5 bis 15 Prozent. ^ Herzog Viktor von Ratibor, der wegen fahrlässiger Tötung seines Kutschers aus einer Jagd angeklagt war, ist vom Murgcricht in Ratibor freigesprochen worden.

Sir Verßhuldung der Landwirißhaß. I In der Antwort der Reichsregierung auf Parker »Merts Memorandum nimmt die ganze Lage der deut­schen Landwirtschaft an sich und im Kreis der gesamten Volkswirtschaft einen breiten Behandlungsraum ein. Sie ist eben keineFrage" mehr, sondern eine Tatsache, und das schlimmste an dieser Tatsache ist die weitgehende Herschuldung, die besonders deswegen so gefährlich ist, weil zudem leider nur ein Teil, und zwar der weitaus kleinere, in l a n g fristigen Realkrediten fundiert ist. Nach dem Stande vom 1. Juli dieses Jahres war die Höhe dieser Schulden rund 2,5 Milliarden. Entfällt doch über- danpt ein Drittel des gesamten landwirtschaftlichen Realkredits auf Hypothekendarlehen von 1000 bis 3000

Kark, soweit er der Rentenbanttreditanstall entstammte, md über 50 Prozent der Gesamtsumme auf Betriebs- gröéen bis 20 Hektar, also auf den Klein- und Mittelbesitz. Sie zweite Hülfe brachte dann die Golddiskontbank mit so daß jetzt überhaupt dwirtschaftlichen Real-

Me Wohnungsnot in Deutschland

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Viel schlimmer ist es, wie gesagt, daß der Großteil der ulben kurzfristiger Natur ist, einen Pers«na!kredit bar* 11, der aus den laufenden Erträgen nicht abzudecken ist mindestens schon nach Berechnung der Reichs- erung rund 4,5 Milliarden beträgt. Hier liegt der hu des Problems und es ist darum verständlich. Mftrabe ibn jetzt der Führer des Reichslandbundes aus «r Bcâer Laguug auch in den Mittelpunkt seiner usfichrungen stellt. Zu der Gefahr, die eine solche iesensumme kurzfristigen Kredits an sich ja schon barstes», gesellt sich die zweite: der Zwang zu hoher Verzinsung. Und richtet sich denn die Aktion, zu der man auS allgemein- dolkswirtschaftlichem Interesse Herunterdrückung des OstensLebenSmittel" auf der Einfichrseite Unserer Han­delsbilanz auch die Hilfe der Regierung in Anspruch nimmt, auf diese beiden Punkte: Umwandlung des Pec- Mlkredits in langfristigen Kredit und damit auch auf Msverbilligung. Der Prozeß der Umschuldung hat sich »bet auf Grund des Ernteaussalls und der Diskont- rhöhung der Reichsbank in letzter Zeit viel langsamer Wogen als im ersten Halbjahr und dabei bleibt die lrage leider mehr als offen, wieweit die neu ausgenomme- w Personalkredite überhaupt im Betrieb erzcugungs- oidernb zur Verwendung kamen oder ob sie nicht ein* °H M Abdeckung ausgelaufener Steuer- usw. Schulden Willett.

Besonders schwere Sorgen machen überaus vielen Miuirten die demnächst fälligen Rückzahlungs- °tpfl i ch t u n g e n. Man kann sie auf 700 bis 750 Pionen schätzen, so daß es nur eine geringe Erleichte- M darstellt, wenn von 233 Millionen nun vorerst 175 flotten illiquider Rentenbaukwechsel überall dort nicht Mieden werden sollen, wo dadurch die Weitersühruug -' Betriebes gefährdet wird. Weitere 260 Millioneu Am der Rentenbankkreditaustalt sind bis zum 1. April . .gestundet worden das alles sind Notmaßnahmen, «'ne großzügige Aktion mit dem Ziel einer gründlichen Duldung, so, wie sie dem Wesen der landwirtschaft- n Setriebgform entspricht. Die gespannte Geldlage, ipate Ernte, mangelnde Verkaufsfähigkeit des Ge- alles kommt zusammen, um dio schon an und Wt/m Pcrsonalkredit liegende Gefahr noch zu ucw »®3 bedarf hiernach einer Konsolidierung des aus Wh Erträgen nicht rückzahlbaren Teils der schweben- ^Pild in langfristige Realkrcdite; dabei wird die Setzung von Auslandsgeld nicht zu umgehen sein, rationellen und ergiebigen landwirtschaftlichen wt°n kie Wege zu ebnen und damit die Voraus- « eme Verminderung der Lebensmitteleinfuhr, Belebung des inländischen Absatzmarktes für ge* Erzeugnisse und für eine verstärkte Aufnahme nndlschen Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt zu .erklärt die Negierungsdenkschrift in ihrer Ant- loifts, Parker Gilberts Vorwürfe. Die Erkenntnis ^ent'a: es gilt, sie ohne Verzögerung in Taten um-

Die Frage der WohAlWwirtMast.

Vorläufig keine Mieterhöhungen.

Im Reichstagsausschuß für Wohnungswesen gab eS Wieder bei Beratung der Gesetzentwürfe über Abänderung des Reichsmietengcsetzes bzw. des Mietersckmtzgesetzcs eine be­achtenswerte Debatte, die die Lage des Wohnungswesens in Peutfchlcmd behandelte. Der sozialdemokratische Abgeordnete LiptNssi trat für die Schaffung eines dauerhaften sozialen Mietrechts ein. Die Herausnahme der sogenannten großen Wohnungen und der gewerblichen Räume aus der Zwangs­wirtschaft habe schwerste Folgen gehabt.

Bis zum Jahre 1935 seien noch 200 (MM Wohnungen notwendig.

Der kommunistische Abgeordnete H ö l l e i n schilderte die Not­lage aus dem Gebiet des Wohnungswesens. So würden Schuppen, Scheunen und Eisenbahnwagen als Wohnungen zugewtesen und ein großer Teil der jetzt noch betvohnten Wohnungen sei gesundheitsschädlich und würde nur wegen des großen Mangels polizeilich nicht geräumt.

Neichsjustizmimster Hergt,

der sodann in die Debatte eingriss, wandte sich gegen Ge- dartkengänge des sozialdemokratischen Redners, der schon jetzt die ordentliche Gesetzgebung im Bürgerliche,t Gesetzbuch im Sinne der geltenden Notgesetze umgestalten möchte. Das würde die Verewigung des heutigen Notrechts als Dauerrecht

bedeuten. Auf Grund völlig anormaler Wohnungsverhältnisse wolle man also für alle Zukunft ein Dauerrecht festlegen, das sogar in einzelne» Punkten eine Verschärfung der gegen­wärtigen Notbestimmungen enthalte. Hiergegen müsse sich die Reichsregierung wenden. Zunächst müsse Deutschland aus der bestehenden Wohnungsknappheil heraus fein. Dann, in Leiten regulärer wirtschaftlicher Verhältnisse, könne die Frage erwogen werden, ob und inwieweit eine Änderung und Er­gänzung der mietrechtlichen Vorschriften des Bürgerlichen Gefetzbuches zweckmäßig und geboren fei. Zum Gesetzentwurf selbst teilte der Reichsjustizministcr mit, daß nach den Berichten fast aller deutschen Länder besondere Erschwerungen aus Anlaß der Novelle nicht eingetreten seien. Es handele sich im Wesentlichen um eine Vereinfachung eines bisher 11111= stündlichen» schwerfälligen und so fff piefigen Verfahrens. An den materiellen Grundlagen des> bcsichenden .MictstzsÄutzsS andere die, Vorlage überhaupt nichts. Sie stelle ein Kom­promiß dar, das

auch dem Mieter wertvolle Vorteile

bringe, Wie beispielsweise die Ausrechnnngsmöglichkeit, die BierteljahrSkündlgungSfrist, die Einschränkung sristloser Kündi­gungen usw. . .

: Der Minister verwies zum Schluss seiner Ausführungen auf die bereits durch die Reichsregicruug abgegebene Er­klärung, wonach die gesetzliche Miete weder am 1. April 1928 noch überhaupt in absehbarer Zeit erhöht werden solle. Es liege also irgendeine Veranlassung zur Beunruhigung in der Bevölkerung nicht vor.

Der Abgeordnete B e y t h i e n (D. Vp.) warf den Links­parteien vor, daß sie

die Sozialisierung des Hausbesitxes

erstrebten. Nach Wie vor geht die Tendenz der Deutschen Volks- Partei dahin, den Zwang abzuschaffen. Aber soweit hat sich die Lage des Wohnungsmarktes noch nicht geklärt, daß wir einer radikalen Aufhebung der Schutzgesetze zustimmen können. Die vor kurzem abgeschlossene Wohnungszählung zeige, daß im Deutschen Reiche mindestens 900 000 Haushaltungen nicht im Besitze einer eigenen Wohnung sind. Auch Wenn man bedenkt, daß ebenfalls in der Vorkriegszeit viele Haushaltun­gen eine eigene Wohnung nicht erstrebten und dies für die Jetztzeit gleichfalls als zutreffend annimmt, so bleiben minde­stens 600 000 Haushaltungen, für die eine eigene Wohnmöglich- teit nicht vorhanden ist. Deshalb müssen Wir zurzeit noch in der Abschaffung der SÄutzbestimmungen vorsichtig sein. Der Redner wandte sich dann gegen den

atz ebenfalls eigene Woh

t heillosen Bureaukratismus

aus dem Gebiete der Wohnungszwangswirtschaft und führte «. a. aus, daß z. B. in Berlin nur 93 000 Haushaltungen eine Wohnung erstreben, während in den Wohnungslisten 250 000 Wohnungsuchende eingetragen waren. Überall dort, wo ohne Schaden für die Volkswohlfahrt die Freiheit in der Woh- nungspolitik wieder eingesührl Werden könne, wird die Volks- Partei aus die Abschaffung des Zwanges drängen, der nichts weiter bedeute als die vermummte Sozialisierung und die Vernichtung des Eigentumsbegriffs. Abgeordneter Steiniger (Dtn.) begrüßte es, daß in der neuen Gesetzesvorlage m

. der Eigentumsbegriff wieder anerkanut

werde. Auch er trat dem Vorredner vollkommen bei, daß so­lange Schlttzbestimmungen für die Mieter vorhanden sein müßten, Wie Angebot und Nachfrage auf dem Wohnüngs- markt sich nicht einigermaßen decken. Im übrigen polemisiert« ''sozialdemokratische Wo-nungSpoliM iribatattgebot des Neubaues von 8000 Woh- .... . . * ±J> abaeiebsit hätte. Abgeordneter Silber- schmtdt l^oz.» wm« dL ^ ii-nt des früheren

Rechtszustandes der völligen Freiheit des Besitzenden für «n- erträglich halten. Heute fei es notwendig, die Wohnungs­normen so umzugestalten, daß aus der Wohnung wirklich ein Heim werde. Danach vertagte der Ausschuß die weitere

der Redner gegen die die u. n. das ^rtbata

mt^u in Berlin

Aussprache.

In der Öffentlichkeit ist die Meldung verbreitet wor den, daß Parker Gilbert mit der deutschen Antwort auf sein Memorandum unzufrieden sei. Wie von zuständiger deutscher Stelle mitgeteilt wird, ist von einem derartigen Urteil Parker Gilberts nichts bekannt. Das Memoran­dum soll ja auch die Grundlage für weitere Verhandlungen bilden und erfordert sicherlich auch von feiten Parker Gilberts cm eingehendes Studium.

«ifa« Schahsekretär hinter Gilbest.

le Gruâagx für weitere Verhandlungen.

^Hekvm^^^anische Schatzsekretär Mellon, der in einer di,,!! ^renz nach seiner Ansicht über das Memo tter ßii«; ^eparationsagenten gefragt wurde, erklärte: tit ^ ,.?" Memorandum spricht für sich selbst. Die !> komm»» Aberts jp jn erster Linie gegen staatliche »et. ^""^ Anleihen zu u-rproduktiven Zwecken ge« £lam wie Ä 3 Deutschlands eigenstem Interesse, so ? ^orwii>k"!Ä.^^ du wirtschaften, damit es sich gegen ^en Vu* ^11 kann, nicht alle erforderlichen und ^ (tentXren0uö'n 3ur Erfüllung seiner Verpflicht

Sin ziveiterMittelsmann Carols verhastel

Ein Brief Frau Lupescus.

Die rumänischen Militärbehörden verhafteten an der ungarisch-rumänischen Grenze den rumänischen Marine­offizier Theodoru Roman. In seinem Besitz sollen Briefe des Prinzen Carol und andere ihn belastende Schriften gefunden worden sein. Theodor«, der im Auto von Paris kam, wurde unter starker Bedeckung nach Bukarest gebracht.

In den Akten über den Fall des verhafteten Partei­gängers des Prinzeil Carol, Manoilescn, spielt u. a. auch ein Brief eine Rolle, den die bisherige Freundin Carols, Frau Lupescu, von Paris aus an ihre Eltern gerichtet hat. Frau Lupescu teilt darin mit, daß sie umgczogeu ist und eine neue Wohnung in der Rue Frödöric Passy in Neuilly für Seine genommen hat. In Zukunft seien alle Personen, die Briese zu übergeben hätte», an diese Adresse zu schicke». Frau Lupescu schärft ihren Eltern ein, größtmögliche Diskretion zu wahren und Lenteu, die nach ihr fragten, zu autworten, Frau Lupescu sei nach der genannten Wohnilng über­gesiedelt, es ginge ihr sehr gut. Weiter heißt es:Herr Mauoilescu, der diesen Brief überbringt, wird euch ein- geheuderc Aufklärung geben. Ich bitte, Euch nicht zu be­unruhigen, und da ich Girre Gefühle für Euren Herrn den Herrn für uns alle, die wir unser Vaterland lieben kenne, bitte ich Euch, Mauoilescu getreulich zu gehorchen. Auch müßt Ihr, falls man Euch zur Polizei rufen und befragen sollte, ob cs wahr ist, daß tät nmge- zogen sei, antworten:Jawohl, unsere Tochter hat uns aas geschrieben. Weitere Einzelheiten wissen wir nicht." Im Anschluß daran legt Frau Lppescu ihren Eltern strengste Verschwiegenheit und Vorsichtsmaßnahmen ge­genüber den Hausangestellten und den Nachbarn ans Herz.

Notwendige auch aus diesem Wege gesichert gewesen fei durch die Hegemonie Preußens, das mit der Macht auch die innere Berechtigung zur Führerrolle besessen habe, da die deutsches Lebensimereffen sich mit den seinigen deckten. Damit sei Deutschland gewissermaßen zu dem Zustand zurückgekehrt, den es in seinen besten Zeiten besessen hatte, als der König feilte- Mitfürsten überragte und beherrschte durch seine Hausmacht. Bismarck selbst habe die Möglichkeit und die Notwendigkeit einer weiteren Entwicklung in der Richtung auf größere Ein­heitlichkeit mehrfach betont, eine Entwicklung, die denn auch durch die Natur der Dinge herbeigeführt worden sei. Durch­brochen sei sie von der Revolution vor neun Jahren, die von allem den bisherigen Preußischen Staat zerstörte. Schon vor­her aber sei die preußische Führung unsicher geworden, leiew (in Preußen selbst) die alten Traditionen und Einrichtungen erschüttert worden, vor allem die Seele des Staates, das starte regierende Königtum, vor anderen Kräften gewichen.

Wer heute dem Vorbilde Bismarcks folgen wolle, darf, nicht an schlichte Rückkehr zu früheren Formen denken, aus denen der Geist entwichen sei. Auch Bismarck bat weder 1848. noch 1866 an Restauration des absoluten Königtums gedacht nachdem es einmal gefallen war. Was heute notwendig sei zur Festigung des Reichsaufbaues durch Umgestaltung deS Verhältnisses von Reich, Preußen und den anderen Ländern, das solle und müsse geschehen, auch wenn cs Opfer koste, und gleichviel, wie es sich benenne.

Lehren aus der deutschen Vergangenheit.

Die Führcrtagung des Reichslandbundcs.

Im Rahmen der Führcrtagung des Reichslandbundes sprach Professor Dr. HÄler-Tübingen überLehren aus der deutschen Vergangenheit, insbesondere der Bismarck-Zelt, für den künftige» Ausbau des Reiches". Er wies nach, daß für Bismarck selbst der Bundesstaat nicht das ursprüngliche Ziel gewesen sei, vielmehr ein Kompromiß zwischen Ideal und WirMÄk-it, zu hm man sich hätte verstehen können, weil das

9er Herzog von Ratibor freigesyrvchen.

Das Ende des Jagdprozesses.

Nach zweicinhalbstündiger Berarung wurde Herzog Viktor von Ratidor mangels ausreichender Beweise für eine Fahr­lässigkeit auf Kosten der Staatskasse f r e i g c s p r 0 ch e n.

über Den Verlauf deS lehren Vcrhandluugstagcs wird gemeldet: Einige Schießsachverständige wurden vernommen, um über die Fahrlässigkeit des Herzogs, der auf den Kutscher anstatt auf das Wild geschossen bat, ihr Urteil abzugcben. Dieses .$ nicht einheitlich, die meisten Sachverständige» sind aber der A»- id)t, daß bei eingetretener Dunkelheit eine Verwechslung eines Tieres mit einem Menschen wohl möglich war. Fest steht ferner daß sich der Kutscher gegen die vorherige Vereinbarung in die Schußlinie begeben hat. Der Verstorbene hat, wie die Kran- kenhausschwcstern berichte», angegeben, er habe einen Förster gesltcht und sich zu Weit vorgewagt. Das alles wäre nicht fg schlimm gewesen. Wenn nicht seine

Wunde am Schienbein schlecht verbunden ' gewesen wäre. Er ist an Verblutung gestorben, obwohl der BluU Verlust nach Angabe der Ärzte nicht übermäßig groß gewesen ist Er war vorher schon hcrzleidcnd.

Der Staatsanwalt erblickt in dem Falle des Kutschers eine fahrlässige Tötung und beantragt gegen den Herzog von Ratibor vier Monate Gefäuguis. Das Gericht könne aus den Stand eines Angeklagtcu niemals Rücksicht nehmen. Der Herzog habe

bei schlechter Beleuchtung vorschnell geschossen.

Somit sei Fahrlässigkeit erwiesen. Nach dem Staatsanwalt nahm der Herzog selbst noch einmal das Wort, ver­teidigte sich und bedauerte den tragischen Fall. Unter großer innerlicher Bewegung führte er aus, daß er seit 23 Jahre» den Kutscher in seinem Dienst gehabt hätte und ihm daher Fahrlässigkeit einer solchen treuen Seele gegenüber völlig fern* gelegen habe.