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Lulöaer /lnzeiger
SÄÄ^ÄÄ Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Zulöa- und Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
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Fulda, Donnerstag, 10. November
4. Jahrgang
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.Wndnisvertrag Belgrad—Paris
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gleiche Thema bespricht, gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Frankreich sich seiner Verantwortung als Großmacht bewußt bleiben und daß der gesunde Menschenverstand in Jugoslawien die Oberhand behalten werde.
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KleinerZeitung für eilige Leser.
* Das internationale Abkommen über Abbau der Ein-un8 Ausfuhrbeschränkungen ist in Gens von 18 Staaten unterzeichnet worden, darunter auch von Deutschland. .
i * In Westdeutschland streiken zurzeit 55 000 Textilarbeiters 1 * Sn der Stadtverordnetensitzung zu Worms kam eS während einer Debatte über Straßenbenennungen zu Prügeleien zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten.
* In Paris wird in den nächsten Tagen ein Bündnis-- werden Frankreich und Jugoslawien unterzeichnet
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D a s v e r st i m m t e I t a l i e n. » -
In Paris wird in diesen Tagen ein wichtiger poli- Uer Akt vollzogen werden, nämlich die Unterzeichnung ines Bündnisvertrages zwischen Frankreich und Jugo- Wien. Der jugoslawische Außenminister Marinkowitsch §t sich bereits nach Paris begeben, nachdem er vorher W jugoslawischen König in Audienz empfangen wor- m ist. Nach dem Empfang gab der Außenminister Irenevertretern gegenüber über den Vertrag eine dahin- chnde Erklärung ab, daß dieses Abkommen einen Zu- Wd festlegen soll, der bereits während des Welt- lieges geschaffen worden ist. Frankreich und Süd- lawien hätten sich auch ohne schriftlichen Vertrag immer lls Verbündete betrachtet. Damit die ganze Mt und auch das südslawische Volk wisse, woran man ei, wolle man jetzt das tatsächliche Verbündeleuver- «liNis auch rechtlich feststellen.
Der Vertrag wird, wie ein Belgrader Blatt mitzu- tileii weiß, neun Punkte umfassen. Beide Staaten ver- Wu, sich danach, sich gegenseitig nicht zu überfallen, -im Invasion auszuführen und sich auf keinen Fall kgmscitig zu bekriegen. Erne Ausnahme machen die Iltionen des Völkerbundes und gewaltsame Verletzung é Freundschaftspaktes seitens eines Bertragsteil- chiers. Beide Staaten verpflichten sich, alle Streit- lsgcn friedlich auf diplomatischem oder dem SchiedS- chtsweg zu lösen. Falls eine Vertragsseite von dritter c überfallen wird, werden sich beide Staaten unver- W über eine Aktion verständigen, die beide Staaten halb des Bereiches des Bölkerbundpaktes zur Vereng ihrer legitimen Interessen und der Friedens- vmge zu unternehmen hätten. Beide Staaten werden 'Meruer verständigen, falls eine Änderung oder der einer Änderung des heutigen europäischen Zu- IweaWchtigt ist, und überhaupt Gedankenaustausch Mn europäischen Fragen pflegen und sich gegenseitig eilungen über Abkommen mit dritten Staaten wen. Es heisst dann weiter, der Pakt, der keine Rechte Völkerbundes verletze und dem europäischen Frieden werde vom Völkerbund registriert und sei zu irreren.
Fu der Öffentlichkeit Frankreichs und Jugoslawiens urleilt man den Abschluß des Vertrages wohlwollend. 01 allem wird darauf hingewiesen, daß der Vertrag derlei aggressive Absichten gegen irgend jemanden habe. ‘Wn ist man in der Presse Italiens, gegen das ja »beinntiere die Abmachungen zwischen Belgrad und w zu gehen scheinen, aufs schwerste über beide Länder unstet. Worte wie „Heuchelei, Störenfried" erscheinen dczug aus die vertragschließenden Länder in den °-ten der italienischen Zeitungen und man ist be* oers auf Frankreich böse, das mit diesem Bündnis- M Italiens Bestrebungen nach der Vorherrschaft i dem Balkan entgegentritt. Wie gereizt die italienische M ist, mögen folgende Ausführungen des in Rom Einenden Blattes „Lavoro d'Jtalia" beweisen. Das 'M schreibt:
Frankreich stachelt Jugoslawien gegen Italien auf, 6er jugoslawische Minister des Äußern wird ver- ", mit diesem Vertrag die Opposition glauben zu m. daß Jugoslawien nicht isoliert sei. Aber Jugo- lCn gibt sich Illusionen hin; denn alle seine Ver-- ' g?gen Italien Stimmung zu machen in Tirana, Weit, Sofia und Athen, sind mißlungen, weil diese Angesehen haben, daß Jugoslawien einen anti- b'uschen Block gründen will. Der Weg zum Gleichst auf dem Balkan wie an der Donau geht aber , wird immer über Rom ßcben. Wer diese Realität, dem italienischen Siege und dem Untergang bMbitrgifcßen Monarchie folgt, ignorieren will, 111,1 Enttäuschungen erleben. „Tribuna", die das
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F»r schweren Entscheidungen."
'Mngen des Reichsministers a. D. Emminger.
â^agsabgeordneter Emminger, der frühere „■MMinifter, sprach in einer Versammlung der
Volkspartei in Jmmenstadt über das Thema:, if I weren Entscheidungen". Er führte aus, daß man !clc Segeln auf eine Regierungskrise zu- (5 's den letzten Ausschußsitzungen des Reichs- man gesagt, es werde nichts helfen, der werde in den nächsten Wochen oder n (I " " f g e l ö ft werden. Deutschland habe aber n ^M' nicht vorzeitig Wahlen heraufzubeschwören;
sei ein Wcltwahljahr, in dem auch Jigten Frankreich ihre Parlamente und die Ver- tet aten ihren Präsidenten wählten. Alan solle ^rt) Ausgang dieser Wahlen abwarten und sich . Der Redner warnte davor, auf die 'Men ?J - V' Tagung allzu große finanzielle Er- 'Meitsirf ^^n. Am allerwenigsten würde durch die «lieb eiJ/r eingespart werden, im höchsten Falle !' ^ ^ Million Mark. Trotzdem stehe die Ge-
itc Dic ^M vor der Türe. Brächte der
"Èjiaat H eine Linksregierung, so werde der Ein- Mein " orei Jahren verfassungsmäßige Wirklich-'
Feindliche Schwestern.
" Sie lieben sich wirklich nicht mehr, die beiden „lateinischen Schwestern", die sich doch schon vor dem Weltkrieg gefunden hatten, um gemeinsam auf Beute a u s z u - gehen. Die Schwestern konnte man auch nach dem Kriege auf manch' feierlichem Plakat sehen, das Italien und Frankreich Arm in Arm geeint darstellte. Damit ist's vorbei, seit Mussolini eine nur auf italienische Jnteressen- wahrnehmung gerichtete Politik treibt. Im westlichen Mittelmeer wollte man sich die französische Hegemonie nicht gefallen lassen und im östlichen schielte man nach Kleinasiens Küsten. Und nun kommt die Kunde, daß zwischen Frankreich und Jugoslawien ein überaus enges Bündnis geschlossen wird, dazu noch in betont feierlicher Form. Mit militärischen Klauseln und Schiedsgerichtsbestimmungen. Also: so intim wie nur möglich. Und — so überflüssig wie möglich, da man ja auch schon vorher ein Herz und eine Seele war. Aber — die römische Zeitung, die das meldete, wurde, obwohl sie amtliches Organ ist, sofort „beschlagnahmt" — dieses Bündnis sei ein ganz regelrechtes und ausschließlich gegen „gewisse Dritte" gerichtet. Also: gegen Italien, darüber gibt man sich in Rom keinerlei Illusionen hin.
Wenn man boshaft sein will, so kann man den betont- feierlichen Abschluß dieses Bündnisses als eine französische Antwort auf die Tangerdemonstration betrachten, die Italien vor einer Woche veranstaltete. Mussolini bekommt außenpolitisch die Arme doch nicht frei; denn nun wird Jugoslawien, mit Frankreich hinter sich, vor allem in der a l b a n i s ch c n F r a g e, diesem „Brenn"punkt der widerstreitenden Interessen, etwas lautere Töne riskieren können. Denn Italien sitzt ziemlich in der Zange; sein einziger „Bundesgenosse" auf dem Balkan, nämlich Rumänien, ist aus Gründen innerer Zwistigkeiten zurzeit neutralisiert, Griechenland und die Tschechoslowakei aber unter französischem Einfluß eng miteinander verbunden.
Das Ganze ist ein großer Erfolg Frankreichs, das damit seinen Einfluß auf dem Balkan befestigt, fast unerschütterlich gemacht hat. Es ist seltsam, daß England, das doch seit undenklicher Zeit gerade den Südosten Europas ■ als wichtiges Interessengebiet betrachtet hat, dort jetzt eigentlich völlig ausgeschaltet ist. Diplomatische Ungeschicklichkeiten wie das Schreiben Lord Rothermeres taten dabei den Rest. Natürlich wird man in Paris und in Belgrad jetzt liebliche Schalmeienlieder blasen, wie außerordentlich dieses neue Bündnis dazu beitrage, den Frieden Europas zu bewahren. Das tun sie ja immer und itaten sie immer, wurden und werden als Friedensschützer so lange ausgegeben, bis der — Krieg da ist. Cs wäre vielleicht ein guter Witz, dieses Bündnis als ein „Balkan-Locarno" zu bezeichnen. Nur will die italienische Presse wissen, das französische Auswärtige Amt habe nach Rom eine scharfe Mahnung gerichtet: Die Geduld Frankreichs, das so lange Rücksicht auf die gespannten italienisch-jugoslawischen Beziehungen genommen habe, sei an ihrem Ende a n g e l a n a t und man hoffe, daß Italien nunmehr seine übertriebenen Forderungen im mittleren und im östlichen Mittelmeer herabsetze. Das klingt deutlicher und ist auch durchaus nicht unwahrscheinlich.
Es geht also wieder einmal recht lebhaft zu im Getriebe der europäischen Außenpolitik; die Linien schneiden sich in bisweilen recht unerfreulicher Weise. Und bezeichnend ist es, daß das Mittelmeer den Schnittpunkt dabei abgibt. Das ist auch eine Folge des Weltkrieges, der das Schwergewicht aus der Nordsee dorthin verschob, wo jetzt die Bündnisse und Gegenbündnisse aufeinanderstoßen oder nebeneinander hergehen.
Iegrenzung der Reparationspflicht.
E n g l i f ch e S t i in m e n.
Der Wirtschaftssachverständige Sir Josiah Stamp, der seinerzeit dem Dawes-Ausschuß angehört hat, erklärte in einer Rede in Manchester: r
Der Zeitpunkt rückt schnell heran, wo man darüber entscheiden muß, tyas man von Deutschland an Reparationen sowie Zinsen verlangen will, die nur in Gütern gezahlt werden können. Amerika muß eine maßgebende Rolle bei der Entscheidung spielen. E s i st u n - möglich, unbegrenzte Zeit mit Teillösungen f 0 r Lz u s a h r e n , wie dies gegenwärtig geschieht. Solche Methoden können eine Weile betrieben werden, müssen aber schließlich versagen. Diese Tatsache würde keine große Wichtigkeit haben, wenn nicht der schließliche Zusammenbruch auch politische Folgen haben würde.
Das Blatt „Financial Times" unterstützt diese Bemerkungen in einem Leitartikel und sagt: Der Tag der Abrechnung kann aufgeschoben werden. aber, ob die Periode kurz oder lang ist, sie kann nicht endlos fort- dauèrn, wenn es überhaupt einen erfolgreichen Repara- tionsvlan geben soll.
Genfer Handelsabkommen unterzeichnet.
Schluß der Handelskonferenz.
Dienstag hielt die Diplomatische Handelskonferenz ihre letzte Sitzung ab und wurde dann geschlossen. In dieser Sitzung fand die Unterzeichnung des geschlossenen Übereinkommens statt. Es unterzeichneten allerdings nur 18 Staaten, obwohl 35 vertreten waren. Ihre Unterschrift leisteten Deutschland, Österreich, Belgierl, Großbritannien, Bulgarien, Dänemark, Ägypten, Finnland, Frankreich, Ungarn, Italien, Japan, Luxemburg, Holland, Rumänien, Siam, die Schweiz und die Tschechoslowakei. Die übrigen 17 unterzeichneten nicht. Von den 55 Völkerbundstaaten waren 32 (dazu drei Nichtmitglieder) vertreten und 17 (dazu das Nichtmitglied Ägypten) haben unterschrieben. 15 anwesende Völkerbundmitglieder unterschrieben nicht und 23 Völkerbundstaaten waren nicht erschienen. Rußland hatte das Erscheinen abgelehnt, Spanien war nicht anwesend, Jugoslawien und Polen unterschrieben nicht. Mehrere außereuropäische Rohstoffproduzenten fehlten oder unterschrieben nicht, wie Australien und Chile.
Mit dem Abkommen sollen die Anregungen der Welt- Wirtschaftskonferenz ihrer Verwirklichung nähergeführt werden. Die Unterzeichnung stellt den gemeinsamen Willen einer großen Anzahl von Staaten zur gemeinsamen Regelung von Fragen des internationalen Handels dar. Von deutscher Seite wird der Ausgang der Konferenz als ein Erfolg bezeichnet.
Die WohnungsZwangswèrischast.
Beratungen im Reichstagsausschuß für Wohnungswesen.'^^
Reichsjustizminlster Hergt hat im Reichstagsausschuß' für Wohnungswesen nochmals die Stellungnahme der Regce- rung zur Behandlung der so überaus schwierigen Frage der Wohnungswirtschast in Deutschland Dargelegt. Nachdem er schon kürzlich darauf hingewiesen hatte, daß die Reichsregierung nicht daran denke, in absehbarer Zeit eine Erhöhung der Mieten vorznuchmen, ging er noch einmal aus die grundsätzliche Seite der Zwangswirtschaft ein, zu der er als Auffassung der Regierung folgende Feststellungen machte:
Jede Zwangswirtschaft beeinträchtige das durch die Verfassung gewährleistete Eigentumsrecht und die ebenfalls garantierte Veriragsfreiheil. Sie lähme die Privatinitiative, rufe Unsicherheit und Verärgerung hervor und wirke nachteilig aus die gesamte Volkswirtschaft ein. Mißlich sei ferner der mit jeder Zwangswirtschaft verbundene große Verwaltungsapparat sowie die nicht zu leugnende Versuchung einer mißbräuchlichen Benutzung solcher Einrichtungen. Als j
besonders nachteilige Folgen
seien zu bezeichnen: die Unlust des Privatkapitals, Geld für Bauzwecke herzugeben, die dadurch stockende Neubautätigkeit, die Nachteile für die mit der Bautätigkeit in Verbindung stehenden Handwerksbetriebe, die Diskreditierung des Ver- mietergewerbes und dergleichen. Allerdings sei die Zeit für eine völlige Aushebung der Wohnungszwangswirtschaft noch nicht gekommen. Immerhin müsse dem Ziele
der freien Wirtschaft schrittweise zugcstrcbt werden. Durch die Wiedereinführung des KündigungsbegrisfI werde der Grundsatz des Privateigentums des Hausbesitzes wieder stärker und in programmatischer Form betont.
Hackfrüchie und Wintersaaten im Reick
91 n f a n g Nove m b c r.
Durch die vorwiegend trockene Oktoberwitterung haben im größten Teile des Reiches, namentlich in Mittel- und Süddeutschland, die Feldarbeiten gutr Fortschritte gemacht. Von den Hackfrüchten sind die Kartoffeln fast überall geborgen, mit Ausnahme in den Küstengebieten. Die Zuckerrübenernte, die häufiger durch Arbeitermangel erschwert wird, ist im allgemeinen Zwch im Gange. Infolge verspäteter Ernte erleidet die Feldbestellung mit Wintergetreide nicht selten eine starke Verzögerung. Ziemlich weit zur ü es ist namentlich noch die Aussaat des W i n t e r w e i z e n s, und zwar hauptsächlich aus schweren Böden, die durch die nunmehr eingetretene Trockenheit nicht selten verkrustet sind.
Der Stand der jungen Wintersaaten läßt zurzeit eine allgemein zutreffende Beurteilung noch nicht zu. Vielfach ist die junge Saat noch nicht aufgelaufen. Aus diesem Grunde ist den Saatenstandsnoten vorerst nur ein beschränkter Wert beiznmessen. Soweit die Saaten bereits grünen, zeigen sie durchschnittlich einen normalen Stand.
Die Wiesen konnten in günstigen Lagen noch ausgiebig für den Weidegang genutzt werden. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 — gut, 3 = mittel, 4 gering ergibt sich im Reichsdurckychnltt folgende Be- gutachtung des Saatenstandes: Wiutcrweizcn 2,8 (November 1926 = 2,8), Winterspelz 2,6 (3,0), Winterroggen 2,9 (2,9), Wintergerste 2,7 (2,6).