Lul-aer /Anzeiger
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Fulda, Dienstag, 22 November
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4. Jahrgang WWWWNNNW
Meine Zeitung für eilige Leser
M Der Reichstag tritt zu einer bis zu den Weihnachtsferien ycniDcn Tagung zusammen.
In Braunschweig bei der Tagung der Deutschen Volks- wtei umriß der Reichstagsabgeordnete Runkel die Stellung y Partei zum Reichsschulgesetzentwurs
* Pariser Meldungen nach beabsichtigen die Sowjetdele- „i^cn, bei der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz einen grundlegenden Abrüstungsplan vorzulegen.
' * In der englischen Kohlenindustrie ist wieder eine schwere griff ausgebrochen. ____________________
Englische Kohlensorgen.
Typisch englisch: 270 Bergarbeiter, die arbeitslos sind, Ärschieren aus dem Südwaliser Kohlenrevier in zwölf Tagesmärschen nach London und werden dort von einer pogen Menschenmenge erwartet, um eine D e monstra- - 0 n g c g e n die Behandlung der englischen
< 0 hl e n t r i s e int Parlament zu veranstalten. Dabei zehen die Arbeiterpartei und die Kommunisten zusammen sinter der Führung des radikalen Gewerkschaftssekretärs Look, der ja auch der Leiter des grossen Bergarbeiterstreiks im Jahre 1926 gewesen war, seitdem aber stark in den Hintergrund gedrückt worden ist. Die schweren Zusammenstöße, die vor einigen Tagen im Londoner Parlament er- schi sind, haben eben die englische Kohlenkrise als Hinter- §rnnb, ohne daß man dabei freilich vergessen darf, wie nahe England schon vor Neuwahlen steht. Das übt seinen Einfluß aus auf das Verhalten namentlich der ^Position, also der Liberalen und der Arbeiterpartei.
Die englische Kohlenkrise besteht nicht bloß, sie ist auch roch ständig im Wachsen. Der Sieg der Unternehmerschaft in dem großen Streik ist ein Pyrrhussieg gewesen, ■ obwohl es ihr damals gelang, die Achtstundenschicht ebenso dlirchzndrüÄen wie eine Lohnverkürzung. Die erste Folge
davon war, daß die l Mcht um 15—20 Prozent
Kohlenförderung sich pro Mann und rozent hob, daß also durch diese Vèr-
mchnmg der Erzeugung und durch die Lohnherabsetzung Ue Kosten der Förderung recht beträchtlich herunter- «drüMverdcn konnten, zumal der Miche Prozentsatz der ttÜMMegschaft im.englischen.Bergbau nicht wieder ein .gestellt wurde, auch kaum Aussicht hat, je wieder eingestellt werden zu können, da im Bergbau eine zwar langsame, «6er viel zu langsame Rationalisierung durchgeführt wird. Nachdem aber der W e l tk 0 h le n h u n ge r, der durch den monatelangen Ausfall der englischen Förderung her- borgcrufen worden war, allmählich sich hatte stillen lassen, trat der Rückschlag ein: Arbeitsstockungen nicht bloß, sondern vor allem auch die Auswirkung der Tatsache, daß die englische .Kohlenindustrie, um ihr ureigenstes Absatz- acbiet, nämlich das Ausland, zurückzuerobern, mit $ a m pfprei s e n gegen die hochgekommcue Konkurrettz »erging.
Wir haben das in Deutschland besonders verspürt, teril die englische Kohle bei uns im sogenannten „be- strittenen Gebiet" die deutsche Konkurrenz mehr und mehr aus d^M Felde geschlagen hat. Denn nicht bloß der kuglische Kohlenpreis ab Grube ist niedriger als der deutsche, sondern die englische Konkurrenz wird gegenüber -'sk rheinisch-westfälischen Kohle dadurch begünstigt, daß die 0 für die Verfrachtung von Essen nach Hamburg etwa echt Mark für die Tonne an Kosten zu bezahlen hat, Ehrend die englische Kohle dorthin zu befördern nur etwa •’n Mark kostet. Trotzdem lehnt die Reichsbahn die Ein- WüHfl ermäßigter Kohlentarife ab Der englische Kohlen- dreis in Hamburg ist immer weiter heruntergegangen und Nt jetzt etwa vier Mark unter dem deutschen Binnen- sdtenpreis. Bekanntlich wird freilich auch die deutsche «ohle im bestrittenen Gebiet weit billiger angeboten, doch "âht durch seine Umlage das rheinisch-westfälische Kohlen- »udikat wenigstens einen Teil der Kosten, die dieser Unter- ffled gegenüber dem Binnenkohlenpreis verursacht.
. Bezeichnend ist es, daß der jetzige englische Kohlenpreis S’ Ausland 25 Prozent unter jenem liegt, der vor dem MarbeUerstreik gefordert wurde; daß aber schon dieser N Kampfpreis war, geht auch daraus hervor, daß die "'che im März 1926 nur desivcgen so niedrig waren, ?5- ja die Bergwerke damals noch geldliche Untere Zungen von der cnglifdten Regierung erhielten. Und ^weiteren geht daraus hervor und ist es eine selbst von ^Arbeiterschaft Englands nicht bestrittene Tatsackre, daß Bergwerke so gut'Ivie durchweg mit Verlust arbeiten;
Südwales, einem Revier, dessen Kohle geradezu H^Weltmonopolstellung hat, ist der Preis niedriger als Selbstkosten betragen.
.Das ist aber für die Lage der englischen Bergarbeiter K^gen besonders entscheidend, weil nach dem Streik, Revier besonders, ein sehr geringes Lohnmini- '^Oesetzt worden ist, das im Falle eines gewinn- .
Absatzes allerdings durch Zuschläge erhöht irvnw Pl^- Damals hatte inan gleich solche Zuschläge
^ ' !"e. ü^b aber infolge des Ausbleibens der Ge- M-'i ^^Odien abgebaut worden und die Bergarbeiter- W crnf das Lohnminimum beschränkt — vorläufig W Q ^nn die Unternehmerschaft ist entschlossen, auch èic 9 h?? n ?i l u i m u m h e r u n t e r z u d r ü ck e n , und ^ie ni^o^erschaft, deren Streikkassen völlig erschöpft, sind, bit[ J/H36^ in ihrem Streikrecht durch die Gewerschafts- thi°,'^ordentlich beschränkt ist, sieht sich zu einer Gegen- erbeiter "H außerstande. 250 000 arbeitslose Berg- Hai, __ r ein Viertel der ursprünglichen Gesamtbeleg- Kist Hj ?"Z ein tragischer Beweis für die Schwere der '" für ? ■ ? englische Kohlenindustrie selbst muß jetzt Wen. ho,? , Einzelschicksale verhängnisvollen Gang ^ Beir--^^ bic deutsche hat zurücklegen müssen, als sie ^ve rationalisierte.
Hochsaison der Innenpolitik.
ZufamMniM des Reichstages.
Wichtige Entscheidungen bevorstehend.
Der Reichstag beginnt soeben wieder nach längerer Pause seine Arbeiten. Zu einer Menge bedeutsamer, grundlegender Fragen der inneren Politik werden die Abgeordneten Stellung zu nehmen haben. Die Diskussion über das Warnungszeichen, das kürzlich der Reparations- agent Parker Gilbert gab, ist noch nicht abgeschlossen. In enger Verbindung damit stehen die endgültige Erledigung der BeaurtenbesoldungS- frage, die im Interesse der Sparsamkeit erforderliche V e r w a l t u n g s r c f 0 r nl , an die sich wieder das umstrittene Problem des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern schliesst
Eine der schwierigsten Angelegenheiten ist dann noch der seit Wochen im Bildungsgusschutz des Reichstages beratene Entwurf des N e i ch 8 s ch u l g c s e tz e s. Und schließlich eröffnen sich Aussichten auf die N e » w a h ! d e 8 Reichstages im nächsten Fahr. Schon heute macht sich Nervosität in dieser Beziehung bei den Parteien bemerkbar und an einzelnen Stellen malt man bereits eine vorzeitige R c i ch s t a g s a u fl ö s u n g oder gar eine Regierungskrise, die dem deutschen Volke zu Weihnachten beschert werden könnte, deutlich genug an die Wand.
Grund genug zur Behebung des politischen Fntec- esses. Dem Reichstag ist auch der Gesetzentwurf über hie Schaffung des e n d g ü l t i g e n R e i ch s w i r t s ch a f t s- rats ^gegangen. Er soll nach der Vorlage aus 151 ständigen Mitgliedern bestehen, die von der Reichsregierung auf Grund von Vorschlägen der Vertretungen der Unternehmer, der Arbeitnehmer und sonst beteiligten Volkskeise oder auf Grund von Ernennungen durch d'.e Reichsregierung oder den Reichsrat einberufen werden. Aber das ist wohl kaum ein Anlaß zur Erregung, die dagegen bei den Auseinandersetzungen über das Schul- g c f e tz hohe Wellen schlägt.
Hier nimmt die M c u t, ch e V 0 lkspartei eine ausschlaggebende Position ein und deshalb lenkt sich der Blick augenblicklich nach B r a u n s ch w e i g, wo der Zentralvorstand der Deutschen Polkspartei zusammen- aetreten ist. Braunschweig ist übrigens zurzeit lebhaft n Bewegung gesetzt durch die am 27. November vor sich gehenden Neuwahlen für den Landtag.
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Die Tagung der BsLtspariei.
Die Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen > Volkspartei, zu der u. a. Reichsminister a. D. Dr. S ch 0 l z, Reichsminister Dr. Curtius, Geheimrat Professor Dr. i Kahl und zahlreiche Mitglieder der Länderregierungen - und -Parlamente, im ganzen über 300 stimmberechtigte Mitglieder des Zentralvorstandes erschienen sind, wurde Montag vom Parteivorsitzenden, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, eröffnet. Zu Beginn der sachlichen Ver- banbUtngen berichtete
Die englische Kohlenkrise ist aber nych mehr: sie ist ein Ausdruck der gewaltigen Weltüberprodusi t i 0 n an Kohle, deren Auswirkung sich in Deutschland jetzt noch nicht so bemerkbar macht, weil bei uns infolge der wirtschaftlichen Hochkonjunktur die einheimische Kohlenerzengung durch die deutsche Industrie selbst sehr stark in Anspruch genommen wird. Freilich ist es ungewiß, wie lange wir diesen Auswirkungen noch entgehen werden.
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Operation ohne Betäubung.
Sir Alfred Mond beschäftigt sich in einem sehr ausführlichen Brief an die „Times" mit der gegenwärtigen unbefriedigenden Lage im Kohlenbergbau. Nach seiner Ansicht ist die Notwendigkeit der Reorganisation, sowohl was den Absatz als auch die finanzielle Basis und den Export anlangt, so dringend und so umfassend, daß die Unterstützung der Regierung unbedingt notwendig sei. - Was gegenwärtig im Bergbau vorgehe, sei nichts anderes als eine Operation ohne Betäubng. Die unwirt- s ch a f t l i ch e n Schächte v e r b l u t e n langsam. Die Bergarbeiter feien arbeitslos, bis sie in irgendeinem anderen Berufe Unterschlupf fänden. Produktion und Verbrauch ständen in keinerlei Zusammenhang. Bergbau- besitzer und'Bergarbeiter könnten viel tun, ' um diese Schlüsselindustrie auf eine gesunde und permanente Grundlage zu stellen. Die Regierung dürfe aber nicht übersehen, daß sie nicht untätig beiseite stehen könne.
Der Städtetag ß< 9?n Dr. Schacht.
Berlin. Der Deutsche Städtctag teilt mit^aft der Präst- osnt des Deutschen. Dtädlctages, . Dr Muter!, in Beantwortung der Bochumer Ausführungen Dr. Schachts, Die sich mit der Finanzpolitik Der Städte beschäftigten, in München eine Rede gehalten hat, in Der er aussührtc, daß eine Persönlichkeit, Dte an führender Stelle im wirtschaftlichen Leben stehe, die ia!-. sächlichen finanziellen Zusammenhängc besser wissen musste. Die in der Bochumer Rede des Rhichsbankpräsidemen .enthaltenen'Äußerungen seien deshalb unbegreiflich, ym übrigen wird Präsident Dr. Muler: in der in den nächsten Tagen er-' scheinenden Ausgabe des „Stäbtetag" «Mitteilungen des Deutschen Städteiagcs) ausführlich zur Bochumer Rede des Neichsbankpräsidentsn Stellung nehmen.
^eichstagsabgeordneier Funsel über das Schulgesetz.
Er kam sofort Vv.f. die drei Fragen, die eine Sonderstellung der Partei erforderten, auf das Problem der Schulfor- m e n, das Problem des geordneten S ch u l b e 1 r i e b e s und die Schulaufsicht. Das Problem der Schulformen des Entwurfs umfasse für die Deutsche Volkspartei wiederum zwei Probleme: die Frage der Bekenntnisschule und die Frage der Gemeinschaftsschule In der öffentlichen Diskussion trete die Beratung der Bekenntnisschule zunächst zurück hinter der Forderung im Entwurf selbst, um anch der Gemeinschaftsschule die Vorzugsstellung zu sichern, die ihr nach der Verfassung und Verfassungsabstcht zukomme Nach wie vor, erklärte der Redner, steht die Deutsche Voitsparrci auf dem Boden ihres Programms, wonach
Bekenntnisschule und Gemeinschaftsschule
von ihr gesichert und gefördert werden sollen, überall da, wo sie nach Herkommen und Beschulungsbedürfnis Heimat- charakter haben Wir wollen Der Bekenntnisschule ihren Besitzstand bei Der Umwandlung sichern; sie zu erhalten, ist dann die Sache Der bekenntnistreuen Erziehungsberechtigten. Die Deutsche Volkspartei hat eine Reihe von Anträgen gestellt, Die von den Regierungsparteien angenommen sind. Die Furcht vor einer Konfessionalisierung des Gesamtunterrichts ist dadurch gegenstandslos.' verschwunden auch der Schein einer dogmatischen Bindung des Unterrichts nach der Annahme eines volksparteilicheit Abänderungsantrages durch die Regierungsparteien Die Erhaltung der alten Bekenntnisschule in neuer Form ist gesichert Was die seitherige christliche
Simultanschulc
betrifft, so wird ihre Erhaltung von fast allen Kreisengefordert. Wir lehnen die im Entwurf vorgesehene sechsjährige Schonfrist und auch die zwölfjährige Schonfrist des Reichsrals ab, weil nach unserer Auffassung Artikel 174 Der Reichsverfassung keine Schonbestimmung, sondern eine Ichutzbestimmung enthält Die Deutsche Volkspartei wird deshalb dafür eintreten, daß in Den Gebieten des Reiches, in Denen eine nach Be- kenntnifsen nicht getrennte Volksschule gesetzlich oder nach Herkommen besteht, es bei Dieser Rechtslage verbleibt Auch die Stellung der Deutschen Volkspartei zur christlichen Gemeinschaftsschule ast kulturell bedingt. Dahin wird ihre Forderung gehen, daß neu cin^uridttenbe Schulen als Gemeinschaftsschulen einzurichten sind/ soweit nicht die Erziehungsberechtigten Der Mehrheit Derjenigen Kinder, Die Der neuen Schule zügefühn werden, eine andere Schule beantragen
Zu einer prinzipiellen Stellungnahme nötigt auch noch die Regelung dèr Einsichtnahme in Den Religionsunrerrichl von feiten der Religionsgesellschaften. Die Deutsche Volks- Partei lehnt nach Tradition und innerer Einstellung eine Beaufsichtigung des Religionsunterrichts durch andere als staatliche Organe ab. Das bedeutet keine Stellungnahme gegen die Kirche, deren wertvolle Miterziehungsarbeit sie immer anerkennt, aber Die Schule ist des Staates!
Die obersten Stellen sollen entsprechend dem Entwurf das Recht Der Einsichtnahme erhalten, dies aber unter Ausschluß der Übertragung Dieser Befugnis aus Nachgeordnete kirchliche Stellen Die Deutsche' Vo'-sparlei wird auch fordern, daß vor Fertigstellung des Gesetzes die Kosten frage und Die Beteiligung Der Stine i n D e n an Der Umwandlung und Neueinrichtung von Schulen prinzipiell geregelt wird Die Deutsche Volkspartei, schloß Der Redner, lehnt jeden Versuch ab, sie für ein Scheitern des Reichsschulgesetzes verantwortlich zu machen.
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I^erchsverkehrsminister a. O. Grömr 60 Jahre.
Am 22. November vollendete Reichsverkehrsminister a. D. Gröner sein W.. Lebensjahr. .Gröner ging aus der militärischen Laufbahn hervor, .während der er auch größtenteils in Eisenbahnsragen tätig war. Im November 1918 wurde er als Nachfolger des Generals Ludendorff Erster General-
guartier....ir.ci. Ende Novemver schied er aus ..ein Militärdienst aus und war dann vom 25. Juni 1920 bis 13. August 1923 Reichsverkehrsminister. Große Energie entfaltete Gröner bei der Lösung Der infolge des Zusammenschlusses der deutschen Eisenbahnen entstehenden Aufgaben. Es ist das Verdienst von Gröner, den Wiederaufbau Der durch Die starke Anspannung in Den Kriegsjahren sehr hcrmüergewirtschasle- ten Deutschen Eisenbahnen gefördert zu haben.
Die kirchliche Trauuns der Prinzessin Viktoria > mil Subkoff.
_ Bon n Im Palais Schaumburg fand die Traun na der Schwester des früheren Kaisers, der Prinzessin Viktoria'von Schaumburg, mit dem Russen Tiibkoif statt. Die Traun na mürbe "«ch griechisch^ Ritns durch den russischen Bischof in Wiesbaden, Alamatoff, voraenömmcn.