Zul-aer ^n^cigcr
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ßr. 276 — 1927
Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenftraße 1 ❖ Zernsprech-^nschluß ttr.9ö-
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Fulda, Freitag, 25. November
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4. Jahrgang
Aus Rumänien.
Die vorläufige Nachfolge.
Sofort nach dem Hinscheiden Bratèanus trat der Ministerrat zusammen und fasste Beschlüsse zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, da die Erregung in der Hauptstadt natürlich stark anstieg bei der Todesnachricht. Vintilie Bratianu, der Bruder des Vec- ftrbencn, hat vorläufig die Ministerpräsideutschaft über- mmmen.
Im Laufe des Donnerstagvormittags wurde in Bukarest wieder die Depeschenzensur verhängt. Sämtliche Kgierungs- und öffentlichen Gebäude wurden militärisch Acht. Bei den Garnisonen in der Provinz wi^rde der Mrmzustand verkündet, doch herrscht zunächst überall Ruhe.
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3 C. Bratianu
«bc 1864 als Sohn des 1891 verstorbenen rumänischen Naatsmannes Joan Bratianu geboren. Dem Vater Bra- limiu, der von 1876 bis 1888 mit kurzen Unterbrechungen Ministerpräsident war, verdankt Rumänien die Unabhängig- bit und die Königswürde. Dem Sohn Bratianu verdankt das Sand die Entwicklung zum Groß-Rumänien. Seit -1895 Abgeordneter, wurde Bratianu der Jüngere 1897 Minister des Innern. 1910 übernahm er die Leitung der Liberalen Partei und wurde gleichzeitig Ministerpräsident. Als solcher erwart ri im Jahre 1913 von Bulgarien die Dobrudscha. Sein« Politik führte am 27. August 1916 zum Eintritt Rumäniens in den Krieg an der Seite der Alliierten. Da Bratianu bc Kricgsschlutz nicht alle Forderungen durchsetzen konnte, trat I im Dezember 1919 zurück. Nachdem das Kabinett Tak« Enescu im Januar 1922 unterlegen war, bildete Bratianr m neues Kabinett. Im März 1926 machte Bratianu einen siMnett Averescu Platz. Averescu, der sich nur als Platzhallei ft Bratianu erwies, machte schon im Juni 1927 dem Prin- W Stirbcy Platz. Der kranke König berief bald Bratian' erneut zur Kabinettsbildung.
Das TeAment Vratianus.
^wta t e ft. Das Testament Bratianus wurde geöffnet. Es betrifft nur Familienangelegenheiten. Bratianu hat die Nutnießung seines Vermögens seiner Gattin vermacht, wäh- rmd sein Sohn Georges Bratianu das Besitzrecht an dem Vermögen erbt.
Die innenpolitische Lage in Rumänien.
Bukarest. Das Exekutivkomitee der Liberalen Partei ist infammengctKten. Wie man versichert, wird die Führung 1er Spartet einem leitenden Komitee aus drei Mitgliedern ibertragen werden. Als voraussichtlicher Führer der Partei Ard entweder Vintila Bratianu oder Duca genannt. Die i'mgcbildclc Regierung soll, wie angenommen wird, nur voc- läufigen Charakter haben. Ein neugcbildelcs Kabinett werde sich aus die Mitarbeit von Maniu stützen.
Deutsches Beileid.
Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann Hal » den rumänischen Minister des Äußern Titulescu das Wende Beileidstelegramm gesandt: „Die Nachricht vor & Hinscheiden des Herrn Ministerpräsidenten Bratianu .'^ch tief bewegt. Ich bitte Euere Exzellenz, mein ^"chtrgstes Beileid entgegenzunehmen und dieses auct « Königlich Rumänischen Regierung übermitteln zu
Der eiserne Mann.
»Wehe dem Volke, dessen König ein Kind ist."
. Auf Rumäniens Königsthron, der erst vor sechsund- Mig Jahren errichtet ist, sitzt solch ein Kind, sitzt ein Msjähriger. Um ihn herum wirbeln die Intrigen, Äsen skrupellose Machthaber, wird mit allen Mitteln, »eine politische Korruption zu erzeugen pflegt, um diese 'âcht gerungen. Und draußen — jetzt noch draußen — N einer als Kronprätendent, dessen Aussichten durchaus M schlechte sind. Eine eiserne Hand, die in der Wahl Kampfmittel noch weniger bedenklich, noch skrupelloser Ä meisterte bisher das Chaos, den — Bürgerkrieg. M diese Hand ist jetzt erschlafft. Bratianu, Rumäniens Alsterpräsident und wirklicher Beherrscher, ist ganz gestorben.
!z Der Regentschaftsrat, den der unlängst verschiedene 1 Aanenkönig Ferdinand dem Sechsjährigen nach seinem i aur Seite stellen ließ — die Köniainwitwe Maria
Gutsches Schulrecht in Oberschlesien.
^.A" deutschen Eltern in dem an Polen gefallenen Teil
■ ë steht das vertragsmäßige Recht zu, ihre mteii deutschsprachigen Mindcrhcitsschulen uitter- '/'lassen. Dieses Recht wird ihnen seit langer Zeit Mischer Seite planmäßig zu entziehen versucht. 'iisis/.,/' ^""Parteiische Präsident der Gewischten Kow- ^irdx ^stoberschlesicn, der Schtseizer Calonder, "sucht ^^ um eine Entscheidung in Schulsachen Gilbet n?? ^” Zusteht. Er hat nämlich die schulpflichtigen «brit* w ’,re Sprachangehörigkeil zu prüfen. Sein Es .'Zugunsten der Deutschen ausgefallen.
Eschen L?"delte sich um die beantragte, aber vom pol5 abgölchnte Errichtung einer Minder-
1 S:bei. . w G i r al t 0 Witz. Im November 1925 I Mschm/ . Aräge auf Errichtung der deutschen Mindcr- I ^r»^- em^ Sechs Monate später wurden die
" ” "^ der die Woiwodschaft geladen und dort
hatte keinen Anteil an der Macht, die sie so heiß erstrebte - , bestand aus dem Prinzen Nikolaus, einem Onkel des allzu jungen Carolsohnes Michael, dann aus dem obersten Kirchenfürsten Rumäniens und aus dem Präsidenten des Kassationshofes, also dem höchsten richterlichen Beamten. Aber zu sagen hatten alle diese drei Männer so gut wie gar nichts, denn Bratianu herrschte, und man weiß, daß er sich am wenigsten davor gescheut hätte, Rumänien zu einer Republik zu machen, wenn er es zur Erhaltung feiner Macht für notwendia befunden hätt . Nichts zu sagen
F. I. C. Bratianu -h Vintilie Bratianu
hatte auch die Königinwitwe Maria, so wenig, daß es in den letzten Tagen noch hieß, sie wolle sich in ein Kloster zurückziehen. Das wird sie jetzt Wohl bleibenlassen.
Es ist eine riskante Sache, zu prophezeien, aber — vielleicht ist Ionel Bratianu gerade zu rechter Zeit gestorben. Der Widerstand gegen ihn wuchs. Nicht in der Armee, auf die er sich doch verlassen konnte trotz- mancher Sympathien, derer sich in ihr der Kronprätendastt Carol, immer noch erfreut. Diese Sympathien hielt Bratianu mit eiserner Hand nieder. Aber auch der Regentschaftsrat machte ihm Schwierigkeiten, namentlich Prinz Nikolaus, der wohl an eine Gefährdung des Thrones durch Bratianu glaubte. Und dann kam die schwere moralische Niederlage, die das Diktatorentum des Ministerpräsidenten in dem Prozeß gegen den Vertrauensmann des Prinzen Carol, den Obersten Manoilescu, erlitten hat. Aus dem Angeklagten wurde der Kläger, der gegen die mit allen Mitteln arbeitende Herrschaft Bratianus schwerste Anklagen erhob. Und-was diese Niederlage zu einer noch schwereren machte, war die Tatsache, daß das Gericht, vor dem jener Vertrauensmann Carols stand, ein Militärgericht gewesen ist. Das ivar ein überaus harter Schlag für den Diktator. Mit der parlamentarischen Opposition, die recht stark ist, obwohl bei rumänischen Wahlen mit allen Mitteln der Bestechung, Gewalt und sonstiger Beeinflussung gearbeitet wird, war Bratianu ziemlich fertig geworden. Freilich hatte auch sie ihm schärfsten Kampf angesagt. Die Gärung, der Widerstand unter der Decke der Gewalt stieg immer weiter. Und dabei war Bratianu ein — Liberaler!
Bekanntlich hat Prinz Carol am 31. Juli, zehn Tage nach dem Tode König Ferdinands, seinen Thron verzicht wieder zurückgenommen. Daß die Regierung Bratianus erst vor ein paar Tagen die sogar viermal erfolgte Verzichtleistung veröffentlichte,, blieb im rumänischen Volke ohne Eindruck; denn dort unten, im Halborient, nimmt man es nicht so genau mit dem Halten eines gegebenen Wortes, namentlich dann nicht, wenn — Bratianu den moralisch Entrüsteten spielt. So wird denn der Kampf um die Erbschaft beginnen. Vorläufig hat des Verstorbenen Bruder, der im bisherigen Kabinett Finanzminister war, das Portefeuille des Ministerpräsidenten übernommen. Was er bisher leistete, hat bewiesen, daß er wohl kaum die starke, brutale Persönlichkeit ist wie sein verstorbener Bruder. Gewiß hat er im Parlament noch die große Mehrheit hinter sich; aber derartige Machtkämpfe spielen sich außerhalb des Parlaments ab. Wird er also der Erbe seines Bruders auch bleiben?. Wird es die Königinwitwe werden oder Prinz Carol, der jetzt noch draußen steht, aber seine Stunde wohl sicherlich für gekommen hält? Prophezeien ist eine mißliche Sache, besonders aber dann, wenn es sich um Entwicklungen *uf dem Balkan handelt.
nach ihrer Muttersprache befragt. Hierbei erklärten nc meistens, daß sie Deutsch und Polnisch als ihre Muttersprache ansehen. Aus Grund dieser. Feststellung der Woiwodschaft wurden nur vier Anträge für gültig, 38 für ungültig erklärt; zwei waren zurückgezogen worden. Die Ungültigkeit der-38 Anträge wurde damit begründet, daß die deutsche Sprache nicht die Muttersprache der Kinder sei. Calonder stellte in seiner jetzigen Entscheidung fest, daß dieses Verfahren der Woiwodschastsbebörde als ein Versuch zu betrachten sei, einen Druck auf die deutsche Minderheit auszuüben, die ohnehin schon einem schweren Kampfe ausgesetzt sei. Ferner erblickt der Präsident aber auch eine Beeinflussung bezüglich der Geyser Vereinbarungen darin und bestimmt daher, daß die Minderheitsschule in Giraltowitz unverzüglich zu eröffnen sei. Calonder stellte sich auf den grundsätzlichen Standpunkt, daß bei der Anmeldung zur Minderheits- schule lediglich die persönliche Erklärung des Ertiebunasberechtiäten erfnrberlt* sei
Meln^Zeikung für eilige £efA
* Auf. der Reise nach Genf zur Abrüstungskonferenz trafett die rusilschen Volkskommissare Litwinow und Lunatscharski m Berlin ein und statteten dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann einen Besuch ab. ■ .
* In Oberschlesien fällte der Präsident der Gemischten Kommipion, Calonder, eine Entscheidung zugunsten der deutschen Minderheitsschulen. -
- * Iw Englischen Unterhaus kam es bei Beratung des Arbclislosenversicherungsgesetzes zu großen Lärmszenen, die zum Ausschluß von vier Abgeordneten führten.
Das Michsehrenmal.
Drei Wünsche werden erfüllt. <
Die Frage der, Errichtung eines Reichsehrenmals für dix im Weltkriege gefallenen deutschen Soldaten, die im vorigen Jähre zu lebhaften Erörterungen Veranlassung gab, ist jetzt wieder ausgetaucht und soll eine überraschendr Lösung finden. Man erinnert sich, daß seinerzeit eine große Mehrheit des deutschen Polkes dafür eingetreten' war, daß das Ehrenmal bei Berka in der Nähe ■ von Weimar errichtet werde. Daneben gab. es aber ansehnlrche Minderheiten, die anderen Plänen das Wort redeten. Das preußische Ministerium und andere traten für die Reichshauptstadt als Stätte des Ehrenmals ein, während man im Rheinland sich das Ehrenmal für die Rheingegend wünschte.
Nun hat dieser Tage das Reichskabinett sich von neuem mit der Ehrenmalsfrage beschäftigt und Beschlüsse gefaßt, die allen Wünschen gerecht werden wollen. Berka bleibt nach wie vor für das „eigentliche" Reichsehrenmal in Aussicht genommen, aber Berlin und der Rhein sollen darum nicht zu kurz kommen: in Berlin soll die ehemalige Hauvtwache Unter den Linden zu einer Gedenkhalle umgestaltet werden ynd der Rhein soll wahrscheinlich bei Ehrenbreitstein gleichfalls sein Ehrenmal bekommen, aber erst dann, wenn er ganz frei sein wird. Endgültig sind' diese Entscheirmngen • des Reichskabinetts noch nicht und - der Reichstag dürfte noch einiges mitreden; wahrscheinlich, werden die Führer de Parteien gehört., werden.
Liiwmsw bei Giresemann.
Auf der Reise nach Genf.
Die Delegation Sowjetrußlands zur Vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf ist abgefahren. Rußland nimmt zum erstenmal an den Abrüstungsberatungen teil und man sieht diesem Ereignis mit besonderer Spannung entgegen.
Die russische Abordnung wird geführt von dem stellvertretenden Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, und nimmt den Weg über B e r n. Litwinow ist dort in Begleitung des Volkskonimissars für das Unterrichtswesen, Lunatscharski, bereits eingetroffen. Litwinow besuchte alsbald das Auswärtige Amt und stattete dem Reichsaustenminister Dr. Stresemann einen Besuch ab.
Ein solcher Besuch ist selbstverständlich und bedarf keiner Begründung. Die durch die Äuslandspressc daran geknüpften Gerüchte, Litwinow wolle mit Dr. Stresemann ein gemeinsames Vorgehen der deutschen und der. Sowjet- delegation auf der Genfer Konferenz besprechen, sind natürlich nach jeder Richtung hin unbegründet. Deutschlands inGenf einzunehlnende Haltung steht seit langem fest
Litwinow und Lunatscharski setzen Freitag die Reise nach Genf fort.
Rußlands Asie Armee.
Mann 1 ch a f t.s bestand und K 0 st e n am f w a n bj
Kürzlich hatte der englische Kriegsminister Worthington E v a n s Erklärungen in bezug auf die Gesamtstärke und die Kosten der russischen Roten Armee? abgegeben. Diese Angaben werden nun von'einer maß-^ gebenden Seite in Moskau durch eine Veröffentlichung^ als unrichtig bezeichnet.
In der Veröffentlichung heißt es: '
„Die Ang«rbeu Worthington Evans entstellen den wahren! Sachverhalt Die Stärke der Roten Armee einschließlich deS gesamten Personalbestandes der Marine und der Luftflotto beträgt 5 62 Ü0.0 M a n n. Die militärischen Ausgaben d?« Sowjetunion betrugen im Jahre 1924/25 420 Millionen Rubel,' int Jahre 1926 27 634 Millionen Rubel. Das Militärbudget für 1926'27 betrug nur M Prozent von den militärischen Ausgaben der zaristischen Regierung im Jahre 1913. Dagegen nnb die militärischen Ausgabe n Englands von 860 Millionen Goldinbel im Jahre 1913 auf 1115 Millionen/ Rubel im Jahrè 1926 gestiegen. In die von Evans für die englischen militärischen Ausgaben genannte Zisser von-41 Millionen Pfund Sterling, sind riesige Ausgaben für die Marines und die,Luftflotte sowie manche andere 'militärische Ausgaben: Nicht mit inbegriffen. Bei Erhöhung des gesamten Staatsbudgets der Sowjetunion für 1921 25 um 26,5 Prozent ist das^ Militärbudget um 10 . Prozent gestiegen. Im Jahre. 1926/27 ist das gesamte Staatsbudget der Sowjetunion um. 29,7 Prozent gestiegen, während das Militärbudget - um 17 Prozent gewachsen ist Der. Anteil de^ Militärbudgets am gesamten Staatshaushalt der Sowjetunion von 14 Prozent für 1924/25 .ist für 1926'27 auf 12,7 Prozent zurück- gegaiigen. Dagegen verausgaben die Nachbarn der Sowjet-- Union für militärische Zwecke ungefähr 20 bis 35 Prozent des Staatshaushalts." -