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Iulöaer MzeLger

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Tageblatt für Rhön unS Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal ^Zuèöaer Kreisblatt

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Fulda, Samstag, 26- November

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4. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der russische Delegationsführer Litwinow stattete dem zischen Außenminister einen langen Besuch ab.

* In England wird ein Riesenluftschiff gebaut, das Appelt so groß ist wie: die bisherigen Zeppeline und vier Zwckwerke besitzen soll.

* Rußland hat in Warschau und in Kowno Noten über- teilen lassen, in denen auf die Gefahren des polnisch- liiauischcn Konflikts hingewiesen wird.

* In dem amerikanischen StäatsMangstis zu Folson revol- ticTtcn 2000 Strafgefangene, zu deren Bekämpfung Tanks, Artillerie und Maschinengewehre eingesetzt wurden.

In Teufels Küche.

Der entfernte Geliebte. Verdrießliche Tage in Genf. Großwahljahr 1928.

Es fängt nachgerade an, wieder recht ungemütlich in Europa zu werden. Noch ist nicht der zehnte Jahrestag der Waffenniederlegung nach dem großen Wettbrand vor- dei und schon vergeht kaum ein Tag, an dem nicht von der Möglichkeit, der Wahrscheinlichkeit, ja der Unausbleiblich- keit eines neuen allumfassenden Völkerkrieges gesprochen imb geschrieben wird.

Der alte Lloyd George, der angesichts des Her- mnahenden Wahlkampfes in England wieder ganz munter und lebendig geworden ist, findet, daß unter den in unentwegter Aufrüstung befindlichen europäischen Völ­kern Unglück gebraut werde wie in des Teufels Küche. Herr Briand wußte den Waffenstillstandstag nicht sinniger zu verherrlichen qls durch den Abschluß eines sogenannten ^renndschafts- und Schiedsvertrages. Sein Gegenpartner war diesmal das südslawische Königreich, dem es all­mählich etwas unheimlich geworden war im Anblick ge­wisser Machtgruppierungen in seiner näheren und weiteren Nachbarschaft und dessen Sehnsucht nach einem noch so entfernten Geliebten unter diesen Umständen verhältnis­mäßig leicht zu befriedigen war.

Aber die Tinte unter dieses vorletzte Verbrüderungs- bohnHent war noch nicht trocken geworden, als Herr MuWini plötzlich den biederen albanischen Bruder mit -Mâüenischer Lberschweugltchreit rn ferne Arnlè zog, um sich mit ihm ;,auf Tod und Leben" zu verbünden. Etwa gegen Kriegsgefahr, gegen Feinde ringsum? Gott vewahre, nur zur Erhöhung des allgemeinen Sicherheits- gefühls in Europa selbstverständlich, das sich doch gewiß aller Sorgen wird entschlagen können, wenn selbst ein so ichivaches Staatswesen wie dieses immer noch nicht recht ausgetragene Albanien der Anlehnung an eine leibhaftige Großmacht gewürdigt wird. So sollen vielleicht die argwöhnischen Leute, in Paris und anderwärts die neue Lage ausfassen; ob sie aber Herrn Mussolini diesen Ge­fallen tun werden, steht auf einem andern Blatt. Die Sieger von 1918 haben, so scheint es, seit Versailles das Mißtrauen in die wahre Gesinnung ihrer edlen Waffen­brüder von damals 3 um höchsten Regierungsgrundsatz er­hoben.

Wenn ihre Abgesandten um die nächste Monatswende mum wieder in Genf, zu neuem löblichen Tun zusammen- »römen, werden sie sich, auch dort wohl kaum anders als 3 Teufels Küche fühlen. Weniger um deswillen, weil N England und Frankreich nun auch Belgien zu einer Auswechslung seines Völkerbunddelegierten schreiten. M, nachdem die alte Koalitionsregierung in Brüssel Mein sozialistenreinen Kabinett Platz machen' mußte, -wer sie werden plötzlich eine russische Delegation zur Stelle finden, deren Mitglieder mit dem gewinnenden Schein, das die Herren aus Moskau immer zu zeigen ber^ Wit, wo es ihnen nützlich und angebracht erscheint, sich " dem Beratungstisch der Vorläufigen oder Vorbereiten- ben Abrüstungskonferenz niederlassen werden. Ihre ge- bümen und geheimsten Absichten lassen sich natürlich bor= At höchstens erraten. Nur soviel weiß man schon von chwinow und seinen Genossen, daß mit ihnen alles andere iw als gut Kirschenessen ist. Möglich, daß sie sich nur tN die Rolle beschränken werden, llnfrieben zwischen den Lestmächten zu säen, oder vielmehr, da in diesem Kränz- ün zwischen London und Paris, zwischen Brüssel und M ohnehin kein Mangel ist, mit der Harmlosigkeit, die Men so gut zu Gesichte steht, sein Wachstum nach Herzens- W zu beschleunigen. Wahrscheinlich aber auch, daß sie

° berühmte Welttribüne des Genfer Friedenspalastes K erneuter Propaganda für ihre weltrevolutionären Be- ^uifle ausnutzen werden, um sich nach den heftigen iMteikämpfen in ihrer russischen Heimat wieder einmal

außen hin als erfolgreiche Vorkämpfer gegen Kapita- IMs und Imperialismus hervorzutün. Herrn Cham- I de* ja nur schweren Herzens in den Abbruch der I somatischen Beziehungen zum Sowjetstaat gewilligt .-^erwarten einige v è r d r i e ß l i ch e! T a g e in der hi??3, Und wenn die neue Abrüstungskonferenz auch

ebenso auf der Stelle treten wird, wie ihre Vor- cs getan haben, so werden sich für den I recht unerfreuliche AussiclsteN eröffnen.

I ii* ; JD^e gar die ttberzeugung unserer Väter, daß man mter um den Frieden auf dem Balkan nicht zu deuche, für das neue Europa auch bereits zu den Bundenen Dingen zählen?

I : *

>ver^?!!.^"^ nur, was aus dem großeu Wahljahr 1928 I iviiklj^, N'nßte, wenn das Pulverfaß an der Unteren Donau I eth[Ds.7ov erst nach dem Verbrausen der Wiuterstürme I ^nqinn^l1 sollte. In Deutschland soll der Reichstag, in I liiert Unterhaus, in Frankreich die Kammer er- I At Ja1Das wird einen erheblichen Lärm geben; I ^aenp,,,^B,wgar schon mehr, als es ruheliebenden Leuten I '^. Sollten die Balkanvölker 'roü aenua feüv

Unsichere europäische Lage.

SpannilligSAMk-e am Halfan und in Litauen.

Italien und Polen drangen vor.

Der plötzliche Tod des mächtigsten Mannes in R u - mänien, I. I. C. Bratianus, hatte schon die politische Welt in Erregung versetzt, zumal bei der umstrittenen Frage der Thronfolge die an den Tod Bratianus sich unter Umständen anknüpsenden Folgerungen nicht zu übersehen sind. Aber auch andere Momente im augen­blicklichen Widerspiel der diplomatischen Unternehmungen verschiedener Länder sind kaum geeignet, die öffentliche Aufmerksamkeit von der vermehrten Spannung abzu­lenken, die sich namentlich an zwei Punkten zeigt erstens am Balkan, auf den zweifellos, seit längerer Zeit I t a I i eit seine Blicke wirft, zweitens aber in Litauen, das gegeuwärtig von Polen in einer Weise beobachtet wird, die geeignet ist, Verdacht zu erwecken.

Das ilaliemsch-albümsche Bündnis.

Ä n g e b l i ch e i n A b w e h r b ü n du i s.

Der in Tirana vom albanischen Außenminister Ilias Bei Brioni und dem italienischen Gesandten in Tirana, Ugo Sola, unterzeichnete Vertrag über das Defcnsiv- bündnis zwischen Italien und Albanien hat sieben Ar­tikel und ein Borworll Darin wird erklärt, daß Italien Und Albanien in dem Wunsche, die zwischen beiden Staaten bestehenden Bande der Solidarität zu belrüstigen nttd zu entwickeln und jede Anstrengung zu machen zur Beseitigung etwaiger Gründe, die den zwischen ihnen und Mit den anderen Staaten b:stehLnden Frieden stören könnten, übereingekommen sind, durch den Vertrag ein Abwehrbündnis abzuschließen, dessen einziger Zweck in der Sicherung einer Polttck der friedlichen Entwicklung m^ ML ma Albaniens sichert und seinen Beistand bei Durchführung etwaiger Pläne gegen die übrigen Balkanländer.

Der Vertrag selbst bestimmt gegenseitige Unterstützung, Beachtung und gemeinsame Wahrnehmung der Interessen, unwandelbares Verteidigungsbiindnis für vorläufig 20 Jahre, Beistand im Angriffsfalle zum Widerstand und zur Genugtuung, Verschmelzung des Schicksals beider Länder aus Gedeih und Verderb. Einige Phrasen über Liebe und Sorge zum Frieden können den Ernst der Abmachungen nicht verdecken.

peinliche Üeberraschung in Frankreich.

In Paris ist der Abschluß dieses Vertrages säst der einzige Gegenstand der Blätterbesprechungen. Er wird allgemein als Antwort auf den kürzlich entstandenen jugo­slawischen Vertrag aufgefaßt.Echo de Paris" schreibt: Der Vertrag von Tirana ist ein Gefahrzeichen aus zwei Gründen. Er zeigt, daß die italienische Regierung eine Revanche sucht. Der Vertrag erschwert jeden italienisch- jugoslawischen Ausgleich, ja schließt ihn vielleicht sogar ganz aus. Wenn jetzt die Belgrader Regierung den

Die HeschadigisK Auslandsheuischen.

b H e ii e r Plan der Rcichsregie r u n g.

Ist den Kreisen der.durch den Krieg geschädigten Aus­ländsdeutschen, die zum Seil; unter Verlust ihres ganzen,. Besitztums aus ihren früheren Wohnsitzen Vertrieben wurden, herrschte schon lebhafte Unruhe wegen der Festsetzungen des sogenannten Liquidations- gesctzeH die sie für nicht genügend erklärten. Diese Un- ,ruhe ist noch vermehrt worden, nachdem der ursprüngliche Plan/ 'Reichsbähnvorzugsaktien für diesen Zweck im Auslände zu verkaufen, an den Bedenken des Repara- tiousagenteu gescheitert ist. Die Mittel für die Durch- sührpng des Entschädigungsgesetzes, das bem Reichsrat Vyrliegt, sollen nach dem neuen Plan zwar wieder auf dem Wege über die Eisenbahnvorzugsaktien beschafft werden, aber nicht durch den Verkauf, sondern ledig­lich aus den normalen Zinserträgen dieser Ber- mögenswerte.

. Etwa 50 Millionen Mark Zinserträge fommen aus ben im Besitz des Reiches befindlichen 770 Millionen Mark derartiger Vorzugsaktien. Nach dem Entwurf des Eütschadlgung'sgesetzes soll etwa eine Milliarde Mark für die Geschädigten aufgewendet und in längstens zehn Jahren verteilt sein. Die kleinen Beträge sollen alsbald ansgezahlt werden. Deshalb würden die 50 Millionen nicht ausreichen und es wird erwogen, für diesen Zweck im ersten Jahre noch etwas über 100 Millionen Mark Ver­stärkung aus dem ordentlichen Reichselat zu nehmen.

in dieses europäische Konzert auch «och ihr Kriegs- und Rachegeschrei einfallen zu lassen? Nun, Deutschland kann diesen kommenden Entscheidungen noch verhältnismäßig am gelassensten e.ttgegenharren, denn der Lebensfaden des Reichstages reicht noch bis zum Dezember nächsten Jahres, was von dem englischen und dem französischen Parlament nicht gesagt werden kann. Wir haben es also in unserer Hand, die wilden Geister in Belgrad und Bukarest, in Athen uiib Sofia sich austobën zu lassen, wenn es ihnen so beliebt. Wir können, diesmal wenigstens, warten.

®r. Sk.

Völkerbündrat mit den beiden Verträgen besagen und> ihren Inhalt als Übernahme des Protektorats Italiens! über Albanien hinstellen sollte, so steht man vor einer, ge­wissen internationalen Krisis. Der französische Minister-- rat soll bereits längere Besprechrrngen angesichts der neuern, Lage abgehalten haben.

. A 1

Polnische Gelüste auf Litauen.

Eine Note Rußlands.

Als.vor einigen Tagen Marschall Pilsudski Haksi über Kopf aus Wa.rfchau nach W i l n a, der den Litauern, bekanntlich von Pole«, entrissenen Stadt, abreiste, sanw man in ßitaueir nicht ganz ohne Betroffenheit über dem Zweck dieser -Reise nach, zumal gleichzeitig der polnisches Gesandte. in M o s k a u in Wilna erschien.

<Lm polnischer Hanöffreich geplant?

Offen witd in Litauen behauptet, die Reise des mittlerweile nach Warschau zurückgekehrten Marschalls PU- sudski habe der Vorbereitung eines H a n d st r e i ch s gegen die litauische Unabhängigkeit gegolten. Auch in Lettland beurteilt man die Lage in Litauen mit großen Bedenken, da auch eine Anzahl litauischer Bewohner selbst die polnischen Bestrebungen begünstigen. Aus Wilna kommt die Äkachricht, daß die litauischen Emigranten, die dort mit Pleschkaitis an der Spitze mit polnischer Hilfe den Vormarsch nach Kowno vorbereiteten, ihre sämtlichen Kräfte mobikisicren. Die litauischen Emigranten aus Riga wurden telegraphisch nach Wilna berufen.

Der alte Streit um Wilna, entstanden durch den Hand­streich des polnischen Generals Zeligowski im Jahre 1920 auf die Stadt, der von Litauen niemals anerkannt wurde rind dessentwegen sich beide Länder heute noch offiziell im Kriegszustand befinden, hat immer wieder zu Reibereien geführt. Litauen hat erst im Oktober dieses Jahres eine Beschwerde wegen Polen an den Völkerbund gesandt. Die -Uäch.ste KatLsitz«,p^ ,'sG-tzMrt»L»e--^e-i«,i!N^---

Rußland greift ein.

Die Sowjetrepublik ist keineswegs geneigt, etwaigen Ausbrüchen der Machtgelüste Polens in Ruhe zuzusehen, und hat bereits Stellung genommen.

Der Gesandte der Sowjetregierung in Warschau hat der polnischen Regierung eine Note über den polnisch- litauischen Streitfall überreicht. DemGloS Prawdy" zufolge ist die Note im gleichen Sinn gehalten wie die letzthin in derJswestija" erschienenen Ausführunge» über die gleiche Frage. Die Note hebt nach dem Blatt insbesondere die ernste Gefahr hervor, die dem Fried«, drohen würde, wenn Litauen seine Unabhängigkeit ver- lieren sollte.Gazeta Warszawsla" erfährt, daß auch i» Kowno eine Note der Sowjetregierung über den polnisch- litauischen Konflikt überreicht wurde.

Nahezu alle Blätter in Warschau verzeichnen das Gerücht, daß außer dem Minister des Äußern Zaleski, der am 2. Dezember nach Genf reist, auch möglicherweise Marschall Pilfudfki selbst in Genf erscheinen werde, um den polnischen Standpunkt in der litauischen Frage per­sönlich zu verteidigen.

Dsuischer Reichstag.

(347. Sitzung.) CB. Berlin, 25. November.

Die Reichshaushattsrechmmg für 1926 wurde dem Rech­nungsausschuß überwiesen. Es folgte die erste Beraimig des Gesetzentwurfes über die

Krankenversicherung der Seeleute.

" Reichsarbeitsminister Dr. Brauns begründete die Vor­lage und stellte fest, daß cs sich um die Erfüllung einer alten Förderung handele Bisher seien die Seeleute hinsichtlich der Krankenversicherung anderen Arbettnehmern aeaenüber rechi- lich benachteiligr gewesen Die neue Seemannskrankenkaffe paffe sich den vorhandenen Instiuitionen an Ihre Eigenart ist aber durch besondere Vorschriften gesichert Der Entwurf schafft, abgesehen von der Krankcnfürsorge. ehu geschloffen^ Berussversl cd e r u n g der Seeleute.

Abg. Schumann (Söz.) trat für die Beseitigung der noch immer bestehenden Seemannsordnung ein. Für die sties- ntütteilidK Behandlung der Seeleute sei cs bezeichnend, daß sie'erst jetzt einer Krankenversicherung teilhaftig werden sollen. Der vorliegende Entwurf sei Der erste Schrill zur Wieder­gutmachung des lUnrechrs Aber auch dieser Entwurf bringe den Seeleuten viele Enttäuschungen und bedarf wesentlicher. Verbesserungen tm: Ausschuß

Abg Neddermeyer (Komm.) beschwert sich darüber, daß die Seeleute hier wieder schlechter und anders behandelt iverdeil sollen wie hie Arbeiter auf dem Lande. Das geschehe nur 'm Interesse der Reedereien

Die Vorlage wurde dem Ausschuß überwiesen und Da3, Haus vertagte sich aus Donnerstag, den 1. Dezember.

As $eWe GHuie.

. . Bettin. Im DikdungSauSschuß des Reichstages wurde der der sorlgesehten Beratung des ReichsschulgescyeS der <5.5, Der Die wcltliwe SÄule behandelt, mit Drei Änderungsau- ^rage» der RMerunvSpartklen angenommen. In der Haupt- -gcije besagt Der Paragraph:Die bekcnniPsfrcie Schule ist tut solche KiiiW .bestimmt. Die keinem Bekenntnis augeböten oder, soweit sie einem Bekenntnis angeboren, nach dem Mile» der Erziehungsberechlttzten , vorn. Religtousunterrich: ahge» ipelDct sind und nicht an einer Gemeinschaft^ oder Bekennt^ .lisschule erzogen werden sollen.. Sie steht jedoch ans be­sonderen Gründen auch anderen Kindern offen ^urch Die «iifiia&me solcher Kinder verliert die Schule ihren (SWafter