Zul-aer /lnZeiger
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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg"
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Fulda, Mittwoch, 30. November
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4. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser.
Ü * In Gens beginnen die Beratungen der Vorbereitenden Miistungskommission, an der diesmal auch die Russen teil- I Amu.
I * Der Haushaltsausschuß des Reichstages nahm bei den k Kimberatungen des Besoldnngsgesetzentwurfes Anträge der ; Klschnationalen und der Volkspartei an, nach denen die Betze der Pensionierten und Hinterbliebenen mit Wirkung vom 10ktober 1927 ab neu festgesetzt werden sollen.
i * Zwischen Zentrum und Bayerischer Volkspartei wurden |j$t endgültige Abmachungen über die zukünftige Arbeiis- ! Mincinschast unterschrieben.
* Versuche zur Umbildung der litauischen Regierung sind ^scheitert. Polen hat zu dem Konfliktssall mit Litauen eine »undnote versandt, in der es seine friedlichen Absichten be» heuert.
* Auf den russischen Meeren herrscht ein Orkan. 177 Schiffe hub Boote werden vermißt.
' Traurige Berühmtheit.
In eines der trübsten Kapital, vielleicht das trübste, hi der Prozeß zurückgeführt, der bor einem Berliner Amtsgericht geführt wurde und so dramatisch mit der sofortigen Verhaftung eines Zeugen wegen Verdachts des Meineids endete. Denn hinter diesem Beleidigungsprozeß ciiob sich der Geist Schlageters, ging es um die frage, wer ihn den Franzosen in die Hände gespielt i)litte einst i m R u h r k a in p f. Nur einer von Sen beiden, tue sich gegen die Beschuldigung gewehrt hatten, die Ver- -riiter eines deutschen Volksgenossen gewesen zu sein, verließ den Saal. Als — Verurteilter. Der andere wurde Lhgesührt.
Jener durfte Hinallsgehen. Denn ihn, ben über- siihrten Verräter, vermag wegen seiner Untat ein deutsches Gericht nicht mehr zu packen. Davor schützt ihn die 81 mn e.ft i V, die 1924 wegen aller Geschehnisse während des Ruhrkampfes vor sich ging. Er geht hinaus mit ieui K a ! uszeichcn des Bruderinordes auf der Stirn.
er und der nun auch noch meineidig geivordenc Ktaoffc tragen die Blutschuld dafür, daß Schlageter von Franzosen erschossen wurde.
MßMre.. fi^w. ssIlueni luvv^^^.. ^- -^ ^«it, der auch im unbesetzten Deutschland um die Frage lobte, ob der „passive Widerstand" allein genügte oder biüch einen aktiven ergänzt werden müßte, ist vom Schick- I fol entschieden worden: Deutschland war uneinig selbst bi tiefer Zeit. Immer schon war gemunkelt worden, daß bei dem, was Schlageter erleiden mußte, Verrat im Spiel Mwesen sei. Verrat durch eigene Volksgenossen, die von deli Franzosen und Belgiern gekauft waren. Für klumpiges deutsches Papiergeld. Auch andere Verhaftun- IW, Mißhandlungen Deutscher 'sollten zur Ursache den pennt „Deutscher" gehabt haben. Und doch gibt es jedem, Idem deutsches Blut in den Adern rollt, auch jetzt noch Mchezu einen S t i ch i n s H e r z, aks festgestellt wurde, Ht; diese Gerüchte Wahrheit sind.
Einst führte im Altertum beim Kampf um die Lher- kuopylen ein Verräter das persische Heer den eigenen »Alksgenossen in den Rücken und sein Name, Ephialtes, IMS zu trauriger Berühmtheit, schwand nie- Wals aus der Weltgeschichte. Jetzt geben im Gerichtssaal Mei Männer zu, Geld von den Franzosen dafür erhalten M haben, daß sie Deutsche in d i e H ä n d e d e r Fran I ° seil lockten. Bei einem gelang es, bei Schlageter, I anderen, die ^em nicht ganz so schweres Schicksal ■bitten, ebenfalls; an diesen Verrätern lag es nicht, daß »Mn die Hauptbeute entrinnen konnte, der Mann, den Urne beiden zu verklagen noch den traurigen Mut hatten. U'Mptzeügen gegen sie sind frühere französische Kriminal- Ufnmte, sind nicht etwa Deutsche, die durch die Ver- ■Wreten bedroht waren. Sind — französische UulNinatbeamte! Das macht dies alles noch schamvoller wlr uns Deutsche, noch — schmachvoller für jene beiden! U Gewiß, die Zeit jener Kämpfe ist vorbei; vieles von UM was geschah, blieb im Dunkel, fast möchte man sagen: K1 "nem wohltätigen Dunkel. Ungestraft mag wohl noch »^mancher in Deutschland herumgehen, dessen Opfer Wnelang in französischen Kerkern gelitten haben. Un- M uaft bleibt auch jetzt noch einer, dem die Larve vom UEi^t gerissen worden ist. Ihm aber sprach nicht nur das leucht das Urteil, — ihm spricht es ein ganzes Volk.
rbeiisgememschast Jenirum— Bayerische Volkspartei.
E n d g ü l t i g e s U b e r e i n k 0 m m e n.
U Ar Reichsparteivorstand des Zentrums hielt unter ' des Reichskanzlers Dr. Marx im Reichstags- -öe cine Sitzung ab. Die Verhandlungen beschäftigten m erster Linie mit den Richtlinien, die zwischen dem hud der Bayerischen Volkspartei über eine küns- ieia,^S""^gemeinfchast vereinbart worden sind. Der mi^IOt^ genehmigte. einstimmig diese Richt-
Se^Z111^6” Tagen waren die Richtlinien schon in Meist "s 11 r 0 von Vertretern beider Parteien auf- danil bon der Bayerischen Volkspartei 1 worden. Sie wurden jetzt für das Zentrum von Silben1 ? E'die Bayerische Volkspartei von bem Vor- ' ''0g. -speck, uuterzeichilet.
Fn Einheitliches Vorgehen.
^inbmm^itrmg dieser Richtlinien wird betont, daß die ^^tljch"s «n aus Dem Wunsche hervorgeäangèn seien, ein beut Euch ,s^/m/^"^",0olllische>i Fragest zu sichern, 1 -nulle brr WiederbersteNmtz,der polilifche» Einheit.
ur -usianunenarbeil wird bestimmt, daß die Arat»
Der Vorhang in Genf hebt sich.
Beginn der Abrüstnngskonferenz.
Ankunft der deutschen Vertreter.
Zu der für den 30. November anberaumten ersten Sitzung der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz ist der deutsche Gesandte Graf Bernstorfs, ferner der Völ- terbnnbreferent im Berliner Answärtigen Amt, Geheimrat v v n Bülow, Geheimrat V 0 n Weizsäcker sowie der ittilitärische Sachverständige Oberst von Bötticher in Gens eingetroffen. Ebenso ist angekommen die englische Abrüstnngsdclegation, darunter eine grosse Anzahl militärischer Sachverständiger, unter Führung des neu ernannten Delegierten Englands beim Völkerbitnd, Lord C u s h c n b n n , weiter der französische Völkerbund- referent Graf C l a n z e l. P a u l - B 0 n c 0 u r wird erwartet.
In Genf rechnet man allgemein damit, daß die diesmaligen Beratungen bis Mitte nächster Woche dauern werden. Die Wahl des chinesischen Gesandten in Paris, T s ch e n g l 0 h , zum Vorsitzenden der an die Abrüstungs- konferenz anschließenden Tagung des Völkerbundes soll feststehen.
Die Haltung Deutschlands.
Was die Stellungnahme Deutschlands zu den Ab- rüstungsberatungen anbelangt, so ist sie mehrfach und in entscheidender Weise von maßgebender Stelle umrissen werden.
Die deutsche Delegation wird mit Nachdruck eine aktive Wetterführung der Abrüstungsverhandlungen fordern und sich auch davon nicht abdrängen lassen, wenn von französischer und englischer Seite wieder die Forderung vorheriger grösserer Sicherung für beide Länder erhoben wird. Den» mit beut ewigen Gerede von genügender Silierung, die noch immer nicht erreicht sein soll, ist der ernsthafte Wille zur Abrüstung nicht zu vereinbaren.
Natürlich ist eine Umgehung des Konfliktes L i i a u - en — Polen kaum möglich. Kommt die Frage nicht schon in ben Abrüstungsbesprechungen aufs Tapet, so ist bei der Ratstagung hierzu die Notwendigkeit schon durch den Appell gegeben, den Litauen nach Genf gerichtet hat. In Deutschland besteht selbstverständlich lebhaftes Interesse für die Erhaltung der Selbständigkeit Litauens. Dieses
tionen des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei im Reichstag eine freie Arbeitsgemeinschaft bilden: die Fraktionen bleiben selbständig. Bei besonders wichtigen Fragen sind ge- meiyschaftliche Sitzungen der Vorstände itub der Fraktionen selbst vorzuziehen. Diese gemeinschaftlichen Sitzungen werden nach Vereinbarung der Vorsitzenden der beiden Fraktionen ein» berufen und geleitet. Zwischen der Landtagssraktion der Bayerischen Volkspartei und den Zentrumsabgeordneten des Bayerischen Landtages wird im gleichen Sinne eine engere Fühlungnahme herbeigeführt. Weiter wird in den Vereinbarungen festgelegt die Regelung der Beziehungen der Partei-
von Guèrard Domkapitular Leicht
die Vorsitzenden der Fraktionen des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei im Reichstag
Organisationen und der Parteipresse in der Pfalz und im rechtsrheinischen Bayern und die Regelung der gemeinsamen Durchführung der Landtags- und Rcichstagswahlen. Ein paritätischer Ausschuß trifft alle Maßnahmen zur Verständigung im Falle von Zwist und Streitigkeiten oder Mißverständnissen. Auch in K o m m n n a l v er t r et u n g e» soll die Arbeitsgemeinschaft durchgeführt iverden.
Der Einigung sind längere Verhandlungen vorausgegangen, die sich hauptsächlich um die Mandatsverteilung in der P salz drehten. Dort sind beide Parteien ziemlich gleich an Wählerzahl. Nunmehr sollen die politischen Wahlen in der Pfalz mit einer gemeinsamen Liste durchgeführt werden: für die Landtagswahlcn trägt diese Liste das Kennwort „Bayerische Volkspartei", für die Rcichstagswahlen „Zentrum und Bayerische Volkspartei". Bei der Aufstellung der gemeinsamen Wahlliste sind beide Parteien gleichberechtigt. Auf die Reichs- tagsliste kommt an erster Stelle ein Kandidat der Bayerischen Volkspartei und an zweiter Stelle ein solcher des Zentrums.
Litauen—polen.
Keinen mbilhüng der Regierung iu K o wn 0
Allem Anschein nach find die Berhandknngeii über eine den verschiedenen innenpolitischen Wünschen mehr gerecht werdende Umgestaltung der litauischen Regierung g, scheitert. Wenn man den aus Kowno selbst kommenden Mitteilungen Glauben schenken darf, ist eine Änderung
Land bildet die letzte Brustwehr vor einer vollstäirdigen Einschliessung Ostpreußens durch polnisches Gebiet, das ja auf der anderen Seite durch den von ihm besetzten Korridor die Abschnürung vollenden würde.
Das russische Maisel.
Was werden die Russen Vorschlägen? So forschen die Neugierigen seit der Ankunft der Sowjetdelegation und manche Leute tun recht unterrichtet, wenn sie den Mos- kauern diese ober jene erstaunlichen Pläne zuschreiben.
Es heisst also, der Volkskommissar Litwinow werde der Vorbereitenden Abrüstungskommission weitgehende Abrüstungsvorschläge unterbreiten. Auf jeden Fall soll die Sowjetdelegation entschlossen sein, über den 3. Dezember hinaus in Gens zu bleiben, um zur Teilnahme an politischen Besprechungen zur Verfügung zu sein. Die russischen Vorschläge würden in einem allgemeinen Nichtangriffspakt und einer Rüsinngsherabsetzung von etwa 50 Prozent gipfeln. Ein französisches Blatt meldet knapp, die Russen würden beantragen, in den Rüstungen aller Nationen solle ein zehnjähriger Stillstand eintreten. Während dieser Zeit müssten alle Ausgaben für Heer, Flotte und Lnftschisfahrt auf die Hälfte herabgesetzt werde».
Was an solchen Behauptungen Wahres ist, wird sich bald zeigen. Die russische Delegation selbst bewahrt äußerste Zurückhaltung. Litwinow hat bem Generalsekretär des Völkerbundes, D r n m m 0 nd , einen Höflichkeitsbesuch abgestattet. Anschließend suchte Litwinow den Direktor der Abrüstungssektion des Völkerbund- sekretariates aus, mit dem er eine Unterredung über den Stand der Abrnstungsverhandlnngen sowie die Tagesordnung der bevorstehenden Sitzung der Abrüstungs- kommifsion hatte. Ferner hatte der deutsche Graf Bern st 0 r f f eine Unterredung mit Litwinow. Wegen der Anwesenheit der Russen hat das Völkerbundsekretariat große Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Zulassungskarten sämtlicher Pressevertreter müssen mit der Photographie des Inhabers versehen sein Man will verhindern, daß sich etwa jemand unter mißbräuchlicher Benützung einer Pressekarte in das Völkerbundhaus oder den Sitzungssaal Eingang verschafft. Die Meldung, daß die Bündesbehörde der Sowjetdelegation zugesichert habe, während ihres Aufenthaltes in der Schweiz jedem russischen Emigranten die Einreise zu verweigern, soll nicht richtig sein.
des Kabinetts nicht mehr wahrscheinlich, und die Armee soll geschlossen hinter dem Staatspräsidenten Wolde- nraras stehen.
Die Absicht bis zu dem Präsidenten vorgedrungener Offiziersdeputationen wird damit erklärt, daß sie Äußerungen ihrer Besorgnis, aber auch ihrer Treue von sich geben wollten.
Eine polnische Jiundnoie.
Die polnische Regierung hat, auch in B e r l i n, eine Rundnote an die Mächte gerichtet, in der sie die ihr nachgesagten feindlichen Absichten gegen Litauen als nicht eri- stierend darstellt. Polen versichert, es verfolge keinerlei Absichten gegen die politische Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit der Litauischen Republik. Es habe einzig das Ziel im Auge, in friedlichem Geiste normale, gut nachbarliche Beziehungen mit Litauen anzuknüpfen. Die polnische Regierung hofft, daß die Regierungen alles tun werden, was in ihrer Macht steht, um dem von der litauischen Regierung beharrlich proklamierten Kriegszustand ein Ende zu machen. Litauen behaupte hartnäckig, es befinde sich mit Polen im Kriegszustände, weil dieses Wilna in Besitz habe. Das sei nach polnischer Ansicht ein einzigartiger Zustand, bem ein Ende gemacht werden müsse.
Von deutscher Seite ist eine schriftliche Antwort auf die Note nicht beabsichtigt, da die Frage der litauischpolnischen Beziehungen in der nächsten Woche Gegenstand der Verhandlungen vor dem Völkerbundrat in Genf sein wird. — Polen wird die Russennote in der litauischen Anaeleaenbeit ebenfalls nicht beantworten.
Um die Chorzow-Werke.
Seit langer Zeit schwebt zwischen Deutschland und Polen der Streitfall über die Chorzow-Werke. Das Deutsche Reich hat vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag Klage erhoben zur Rechtsfeststellung. Es handelt sich bekanntlich um die Auslegung zweier von dem Ständigen Internationalen Gerichtshof erlassenen Entscheidungen, in denen der Gerichtshof die polnischerseits erfolgte Beschlagnahme der Chorzow- Werke für widerrechtlich erklärte, und um Zurückweisung einer polnischen Beschwerde dagegen.
Bei der jetzigen abermaligen Verhandlung im Haag bestritt der deutsche Vertreter Dr. Kaufmann die polnische Auffassung, wonach der Sinn der bisherigen Entscheidungen so ausgelegt werden müßte, daß Polen das Recht behalten habe, auf gerichtlichem Wege den zwischen der deutschen Regierung und den oberschlesischen Stickstoffwerken abgeschlossenen Kaufvertrag und die Eintragung der Stickstoffwerkc als Eigentümerin der Chorzow-Werke für ungültig erklären zu lassen. Der polnische Vertreter bestritt die Zuständigkeit des Gerichtshofes, was Professor K a u f m a n n abwies.
Der Gerichtshof erklärte darauf die öffentliche Verhandlung für geschlossen und trat in eine geheime Beratung ein.