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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- unö Haunetal ♦ Duldest Krersblatt
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Fulda, Samstag, 24. Dszemder
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4. Jahrgang
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Meine Zeitung für eMge Leser.
* Mich der Landtag in Mecklenburg^Strelitz hat sich infolge düs Staatsgerichtshofurieils über die Wahlrechtsbeschränkunge» aufgelöst.
* In Sachsen, Bayern und Thüringen find zum WeihnachtS» feste eine größere Anzahl von Begnadigungen erfolgt.
* Der russische Volkskommissar des Kutzern, Tschitscher>»y veröffentlicht eine scharfe Erklärung gegen die chinesische Nangkingregierung und droht Vergeltungsmatzregeln weg«» der in Kanron geschehenen Russcnbedrängungen an.
Stilles Hoffen.
Die stabilisierte Lira. — Radikale LälfibarkeitSsteusr. Ein Anfang.
Man ist ja an allerhand Überraschungen schon fast gewöhnt, seit Italien von Mussolini beherrscht wird! Aber die Stabilisierung der Lira ist eine Überraschung angenehmer Art. Sie stand ja schon seit etwa zwei Jahre» ziemlich fest, die arme, unglückselige Lira, nachdem sie bis auf den sechsten Teil ihres Wertes gesunken war. Damals hatten wir Deutschen uns gerade an der Rentenmark ansgerichtet und wer nach Italien zog, der lebte dort billig, herrlich und in Freuden. Nachdem die Fremden uns in der schrecklichen Inflationszeit ausgepumpt uns aus gequetscht hatten, konnten endlich auch wir den Italienern und Franzosen dies ein wenig vergelten. Aber leider dauerte für uns die Freude nicht lange, denn Mussolini hat es tatsächlich fertig bekommen, die Lira wieder ein bißchen in die Höhe zu bringen. Das war ein Experiment, das sehr interessant wurde, weil mit brutaler Energie durchgesetzt wurde, was in anderen Jnslations-- landern nicht erreicht werden konnte: die rückläufige Anpassung der Preise an die gestiegene Lira. Wehe dem Hauswirt, der nicht die Mieten entsprechend herabsetztek Gefängnis oder gar Verbannung war die rasch verhängte Strafe, überall der Zwang, den Preis der Waren stcht-- bar zu machen, überall schärfste Preiskontrolle und — die Waren verschwanden nicht. Bet uns in Deutschland sind ja solche und ähnliche Verordnungen und Maßnahmen von der steigenden Inflation schnell genug fortgespült worden; die steigende Lira und der feste Glauben, daß sich dieses Steigen fortsetzen würde, ließen aber jede Hoffnung darauf verschwinden,.die alten hohen Preise jemals wieder erzielen zu können. Nicht einmal murren durfte der italienische Geschäftsmann, der für seine Waren einen geringeren Preis erzielte als den, für welchen er sie gekauft hatte! Öffentlich kam die Unzufriedenheit nicht zum Wort. Man hielt sich au die Fremden! Wer in diesem Jahre in Italien war, der weiß, daß vielfach enorme P r e i s e verlangt wurden, freilich auch hier nur bei solchen Waren, deren Preise nicht behördlich festgesetzt waren. Das hat aber auf den Fremdenverkehr geradezu verheerend eingewirkt, viele, viele Tausende sind der „bella Italia" ferngeblieben.
Nun ist die Lira endgültig stabilisiert worden, genau wie die Reichsmark auf Goldfuß gestellt. Freilich wird man ebenso wie in Deutschland vergeblich darauf hoffen, ein Goldstück wieder einmal in die-Hand zu bekommen. Im übrigen war Italien schon immer das Land des — oft sehr schmutzigen — Papiergeldes, aber gerade auf diesem Gebiete haben wir ja einst jede „Konkurrenz" weit aus dem Felde geschlagen.
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Der Italiener wird die Stabilisierung der Lira mit einem heiteren und einem nassen Auge betrachten und innerlich ziemlich heftig schimpfen. Wir Deutsche aber haben gottloD' noch immer das Recht, laut zu schimpfen! Das wird auch reichlich besorgt. Sehr Häufig sogar mit Recht. Ein besonders beliebtes Thema dabei ist die L u st b a r k e i t s st e u e r. Genau wie der Italiener zum großen Teil mit der Herabsetzung der Warenpreise der steigenden Lira nicht folgte und sich dadurch vielfach schweren Schaden bereitete, führt ein leider sehr häufiger städtischer Bureaukratismus praktisch zu schweren Schädigungen, weil die Lustbarkeitssteuer viel zu hoch ist. Drastisches Beispiel dafür ist die große Protestversammlung, die — ein weltbekannter Zirkus in Dresden veranstalten ließ. In der sächsischen Hauptstadt gibt es nämlich einen wunderschönen großen Zirkusbau mitten in der Stadt; der Zirkusunternehmer ist auch da, aber er kann ke>.ne Vorstellung veranstalten, weil die Lttstbarkeitssteuer tym leben Gewinn radikal wegnimmt. Natürlich bedeutet ^ auch eine Schädigung für die Geschäftsleute, die von öem Auftreten des Zirkus sich große Vorteile versprechen tonnten.. .Und daß eS der deutschen Filmindustrie alles andere als erfreulich geht, hat auch in der oft viel zu hohen seinen Grund. Das bedeutet auch wieder
Schädigung nach den ver- ^ te" hm: der Kampf gegen die amerikanische CSS s° 9ut wie hoffnungsloser. In den es keine Lustbarkeitssteucr, dafür
Filmindustrie zu einer riesigen Höhe mäßig^dovd" ^ b? Zahl der Kinotheater Verhältnis- Hnb ti ^ -ns beispielsweise in Deutschland, weil ebenTe Ä ^ilm hat sich die Welt erobert, Verwertung den’nS und seine massenhafte Welt machte Film zum billigsten der Kanipf gegen iim auch England, hat den bestimmt m ^ organisiert, indem Filme bürg& Zur Hälfte einheimische Deutschland noch M«1 So weit sind wir in kommen. Infolgedessen ^1 auch kaum dazu los geblieben 'in her ^ Versuche ergebnis- breiteren Platz zu uns einen lieb, daß sie dle %tÄ schreien natur-
-ustbarrettssteuer nicht herabfetzen können;
Russische Drohung Nach China.
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Die Ereignisse in Kanton.
In Moskau hält die Entrüstung über die kürzlich in Kanton erfolgten Maßnahmen gegen Vertreter der Sowjetregierung an, zumal Gefangennahme und Hin- richtung von beamteten Russen berichtet wurde. Der Volkskömmisiar Tschitscherin veröffentlicht jetzt eine scharf gehaltene Erklärung gegen die Nankingregicrung in China, die de« Anlaß zu der rufsenfsindrichsu Vc- wegung gab.
Tschitscherin sagt zunächst, das Bolkslommissariat für auswärtige Angelegenheiten habe bereits wiederholt feststellen müssen, daß, wenn sich an irgendeinem Orte oeS Erdballes eine Revolutionsbewegung entfaltet, die Gegner der Sowjetunion ständig erklären, sie sei von Agenten der Sowjetunion hervorgerufen worden. In bezug auf China suchten nicht allein die reaktionäre Presse, sondern auch Regierungsmitglisdör kapitalistischer Länder schon längst die gesamte nationale Bewegung als ein Ergebnis der Sowjetpolitik und der Tätigkeit von Sowjeèagenten hinzustellen. Diesen Weg schlugen sie konterrevolutionären Generale ein, die den gewaltigen Aufstand der revolutionären Arbeiter Kantons in Blutströmen ertränkten. Während sie in den Straßen Kantons die Leichname zu Tods gefolterter Arbeiter tu Bergen türmten, gingen sie mit besonderer Gehässigkeit gegen die in Kanton weilenden Sowjetbürger vor, die in erster Linie sich unter den zahllosen Opfern befinden. Über den tragischen Tod deS Sowjetvizekonsuls Chassis lägen Nachrichten aus den verschiedensten Quellen vor und an der Zuverlässigkeit dieser erschütternden Nachrichten könnte kaum ein Zweifel bestechen.
Erwärmung
Szatleis, Tauwetter und Hochwasser. Die F-lgen des Witter uugsumschwu nzs.
Der Schneemann hat für einige Zeit von unâ Abschied genommen. Tauwetter allüberall bis zur Weichsel, nur in Ostpreußen herrscht noch gelinder Frost. Der Kber- gang
Den 24 Grad Kälte auf ü Grad Wärrne, die Temperaturänderung um 30 Grad in zwei Tagen hat natürlich unliebsame Folgen: die Flüsse zeigen Hock- waffcr, die sauberen Straßen sind zu schmutzigen Gassen geworden, schlimmer aber noch ist das Glatters, das oen Verkehr behindert und zahllose Unfälle gefordert hat. Leider sind auch mehrere Todesfälle zu beklagen..
In Chemnitz, Zwickau und Plauen kamen vier Personen so unglücklich zu Fall, vaß sie an den Folgen ihrer Verletzungen in den Krankenhäusern starben. Von den Berliner Rettungsämtern wurde in 90 Fällen ärztlicher Beistand geleistet; schwerere Fälle, die eine über- führung der Verunglückten in Krankenhäuser zur Folge gehabt hätten, sind jedoch nicht zu verzeichnen gewesen. An der Straßenkreuzung A n d e r n a ch—Weißenthurm— Miesenheim kam ein Mietauto aus Hönningen aus dem Glatteis ins Rutschen und überschlug sich. Ein Kaufmann aus Hönningen geriet unter das Auto und war sofort tot.
Wie ans Husum gemeldet wird, ist die Lage dort nach sein Nachlassen des Frostes eher schlechter geworden. Pellworm ist völlig abgeschnitten; der Wagenverkehr ist unmöglich geworden, auch die E i s b 0 0 t p 0 st ist st i I l - gelegt. Im Husumer Postamt häuft sich die Brief- und Paketpost für die Inseln. Der Plan einer Flugzeugverbindung wurde wegen zu hoher Kosten aufgegeben. Glücklicherweise herrscht aus den Inseln keine Lebensmittelnot.
In der Gegend von Dittersbach und Lauban (Schlesiens herrscht ein ungeheurer F ö h n st u r m von 30 Sc-- kundeumeter, was einer
Stundengeschwindigkeit von 100 Kilometer gleichkommt. Die ungeheure Stärke des Sturmes läßt sich besonders daraus erkennen, daß er auf einer Station rangierende leere Eisenbahnwagen glatt u m- legte. — Die Mosel ist von 45 Zentimeter auf 2,42
allzu gering und die Ausgaben längst nicht deckend seien die Steuereinnahmen. Aber diese Vernunft wird zum Unsinn, wenn die Steuer zu wirtschaftlichen Schädigungen führt, den Geschäftsleuten allzusehr die Kehle zudrückt. Schließlich i>t es doch nicht die höchste Lebensaufgabe, Geld nur deswegen zu verdienen, damit man recht viel Steuern zahlen kann.
Man hat ja nun den Steuerdruck durch die Senkung der Lohnsteuer wenigstens ein ganz klein bißchen gemildert. Stilles Höffen zieht in die Gemüter der Steuerzahler ein, daß diesem Anfang doch reckt bald eine Fortsetzung folgen würde. Man hört ja so allerhand, aber die Kunde ist zu schön, als daß man an sie glauben könnte. Das wichtigste an der Lohnstcuersenknng ist ja ivohl. daß man die Höhe der Abzüge, die gemacht werden dürfen, doch ein ganzes Stück noch heraufgesetzt hat. Ein Anfang, hoffentlich wenigstens ein Auiana!
Tschitscherin macht England vrranèWortlrch.
Die Hetzereien seitens der imperialistischen und weiß- gardiftischen Gruppierungen Schanghais, Hongkongs und anderer sehr wichtiger Mittelpunkte der Kolonialpolitik in China und die ganz unzweifelhaft zutage getretene A n- regung aus London, die sodann von Lobpreisungen der englischen Presse bekräftigt wurde, haben die fast entscheidende Rolle bei der Entfesselung dieser Ereigniss» gepieltâ Die englische imperialistische Reaktion sei als die wichtige treibende Kraft des Kantoner Blutbades und der an Sowjetbürgern verübten Gewalttaten, Morde und Ausweisungen zu erkennen. Die Sowjetregierung erblicke in den unerhört barbarischen Akten der chinesischen Konterrevolution und der hinter ihr stehenden Kräfte den Ausdruck einer Offensive gegen die Sowjetunion.
Vergeltung angedroht.
Im Namen der Sowjetregierung prstestiert das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten vor der ganzen Welt gegen die Ausschreitungen der chinesischen Konterrevolution. Die Sowjetregierung behält sich daS Recht vor, alle Maßregeln zu treffen, die sie für notwendig erachten wird angesichts der blutigen Verbrechen, die in Eüdchina gegen die Sowjetunion verübt wurden. Diese beftialtfdjen Akte können nicht ungestraft bleiben.
Chinesische Äußerung.
Der Außenminister der Nankingregierung. C. C. Wu, hat die vor einigen Tagen an diese gerichtete Note Tschi- tscherins mit der Erklärung beantwortet, daß die Sowjetkonsulate in China sich nicht mit Konsularangelegenheiten, sondern mit kommunistischer Propaganda besaßt hätten, vor allen Dingen in Kanton. ES sei daher nötig gewesen, die Sowjetkonsulate in China aufzuheben und das Personal anszuweisen. Die Mitwirkung der Konsulate an der; dortia^u Unruhen fei nachweisbar.
WWSL«8SLVM^ -- um 30 Grad.
Meter gestiegen. Der Fluß steigt jede Stunde um zehn Zentimeter.
Jedenfalls wird eâ zu Weihnachten warm sein. Die Sportler werden diese Tatsache bedauern, die Obdachlosen werden sie begrüßen.
Das WstLer im Ausland.
In Polen hat eine neue Kältewelle eingesetzt, die sich nach den Wetterberichten tn den nächsten Tagen noch verstärken soll. In Krakau wurden 26 Grad Kälte verzeichnet; im übrigen Polen schwankt die Temperatur zwischen 10 und 14 Grad unter Null.
Im Gegensatz zu dem Witterungsumschlag in Westeuropa dauert die große Kälte in Ungarn noch immer an. In Budapest zeigte das Thermometer in den Morgenstunden minus 24 Grad und selbst in den Mittagsstunden noch 15 Grad unter Null.
In Italien sollen sich infolge des anhaltenden kalten Wetters die Wölfe aus dem Appenin in die Nähe der Wohnungen gewagt haben. So wurden in der Provinz Nom in Rocca Giovane in der Nähe des Sabiner- gutes des alten Dichters Horaz zwei Wölfe erlegt.
Auf aßen Flüssen in Holland herrscht infolge des Tauwetters schwerer Eisgang. Viele Inseln an der holländischen Küste sind feit Tagen von jedem Verkehr abgeschnitten.
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. Zweihundert Meilen östlich der Lobosinsel wurden fünf gewaltige Eisberge gesichtet.
GngZische Thrsnrsöe. -
Verlesung d u/r ch den König im Parlament.
Die Sitzungsperiode der beiden Häuser des Parla- ments wurde geschlossen mit einer Thronrede, die der König km Oberhaus verlas. In der Rede heißt es:
Mit Befriedigung haben wir das ständige Wachsen des Einflusses des Völkerbundes und den zunehmenden Anteil, den er bei der Beilegung internationaler Streitigkeiten und der Aufrechterhaltung des Friedens hat, beobachtet. Die letzte Tagung des Völkerbundrates bedeutete einen weiteren Schritt auf diesem Wege.
Die Regierung wird weiterhin ihre Politik auf einer loyalen Zusammenarbeit mit dem Bölkürbunde aufbauen. Daß es nicht gt htngcu ist, bei der Dreintächiekonferenz in Genf zu einem stbereinfommen bezüglich der Flatten- rüstung zu gelangen, ist bedauerlich, jedoch hat trotz dieses vorübergehenden Fehlschlages die Regierung nicht die Absicht, ihr Marinebauprogeaumr zu erweitern.
Sodann wird in der Rede mit Befriedigung festgestellt, daß jetzt mit allen alliierten Ländern Abkommen über die Kriegsschulden abgeschlossen worden sind, außer mit Rußland. Die Arbeitslosigkeit zeige in einzelnen Teilen des Landes erfreuliche Zeichen der Besserung, gebe jedoch in anderen Teilen noch Grund zur Beunruhigung. Ein großer Fortschritt sei im Verlaufe des vergangenen Jahres auf dem Gebiet der Bekämpfung der Wohnungsnot erzielt worden; in England und in Wales wurden seit dem Waffenstillstand mehr als eine Million Häuser neu gebaut.
Beide Häuser des Parlaments würden nach der Thronrede auf den 7. Februar vertagt.