Einzelbild herunterladen
 

Zulöaer /lnzeib^T

EvMemt jeden Werktag. Bezugspreis: monat­lich 2 Mark. Sei Lleferungsbehmöerungen -urch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Lrie-rich Ehrenklau, Kulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Feitungsver» lchzer. Postscheckkonto: Zeankfurt a. M. fir.J6<w

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt

Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-Anschluß Nr.9L9

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zulâaer Anzeiger"gesta«et.

Anzeigenpreis: §ür Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt Sie Kleinzeile O.ZVMk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.9c Mk. u. alle anderen 015 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen < Tag- und Platzoorschristen unverbindlich.

Nr. 3021927

Fulda, Dienstag, 27. Dezember

4. Jahrgang

Atempause.

. Unsere Altvordern umkleideten die Zeit zwischen Weihnachten und den Tag der Heiligen drei Könige mit besonderem Nimbus; die heiligen zwölf Nächte nannten sie sie. Es war eine Zeit des Friedens, der besinn­lichen Vertiefung in die Natur mit ihren Geheim­nissen. Kampf und Streit mußten ruhen, denn die höheren Gewalten, so glaubte man, herrschen gerade in dieser Zeit über das,kleine Menschlein. Ihnen hatte er sich zu beugen. Ein wenig von diesem Frieden, von dieser Selbstbesinnung ist auch jetzt noch übriggeblieben. Die Zeit zwischen Weih­nachten und Neujahr wenigstens läßt das so rasend pul­sierende Leben der Gegenwart vielfach in einem etwas langsameren Tempo arbeiten. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, die Bilanz zu ziehen. Auch das ist eine Art der Selbstbesinnung, der Rechen- schaftsablegung sich selbst gegenüber.

Sie haben ihren Schimmer verloren, diese zwölf Mächte, wenn langsam die Sonne sich wendet, der Mensch sich tiefer verbunden fühlt mit der still ruhenden winter­lichen Natur. Der größte Teil der Ruhe und des Friedens, die diese Natur den Menschen gab, ist vorbei und es blieb nur die Sehnsucht nach ihr. Das wesentlichste aber, um die Jahreswende den Blick in das eigene Innere und auf das zu lenken, was man geleistet und was man verab­säumt hat, haben wir aus jenen glücklicheren Zeiten hin­übergerettet in die unruhvolle Gegenwart. Zögernd wird mancher vielleicht herantreten an diesen Akt der Selbst­besinnung, an diese Rechenschaftsablcgnng vor sich selbst und über sich selbst. Und wie es eines ehrlichen Kaufmanns Pflicht ist, ehrlich die Bilanz zu ziehen über das Erreichte und Nichterreichte des vergehenden Jahres, so mig auch das deutsche Volk sich als Volk einen Augenblick prüfen, ob es vorwärtsgekommen ist im Laufe des vergangenen xzahres^ Ehrlich muß diese Prüfung sein, nicht getrübt durch Selbsttäuschung, Phrasen und Schlagworte. Denn tonst verstreicht die Zeit der heiligen Nächte nutzlos und wertlos für die Seele unseres Volkes. Nicht bloß für den Geschäftsmann, nicht bloß für den Politiker und den Staatsmann ist solche Selbsttäuschung, solche freiwillige oder unfreiwillge Unehrlichkeit gegen sich selbst oft genug der Ausgangspunkt schwerer Fehler, vielleicht sogar des tiMM^^

Die Zeit der heiligen Nächte soll und kann für uns aber auch noch etwas anderes sein: eine kurze Zeit des Atemholens, eine Zeit seelischer Entspannung, eine Zeit des Friedens und der Ruhe. Noch wirft der Wcihnachtsbaum seinen friedenbringenden Schatten über diese Zeit, noch strahlt in sie hinein der Schein der Weib- nachtskerze. Atemholen aber nur gleichsam als ein innerer Anlauf zu weiterem Vorwärtskommen. Richt wie eine leblose Maschine ist der Mensch, daß er ununterbrochen und in surrendem Gleichmaß die Arbeit leistet, die ihm auserlegt ist. Er bedarf dieses Atemholens gerade und das ist vielleicht der letzte und der tiefste Rest seines Ver- bundenseins mit der Natur in der Zeit, wenn die Natur schläft, sich nur leise zu neue m Leben r ü st c t.

Heilige Nächte nicht ganz ist verschwunden und soll verschwunden bleiben der tiefe Sinn, der in diesem from­men Glauben lag. Ausruhen, Aleryhoisu, Selbstbesinnung und Friede nach außen hin werden der Inhalt dieser kurzen Zeit bleiben, bis das Leben der Gegenwart uns wieder ganz umfängt, Körper und Seele wieder bis zum letzten in Anspruch nimmt und zerreibt.

Ergebnis der Wahlen

zur Angestetttenversicherung.

Amtliche V e r ö s.fe n t l i ch u ir g.

Das Ergebnis der Wahlen zur Angestelltenversiche- ruttg aus 1172 Bezirken (wobei nur noch drei Bezirke lallten) ist folgendes: Deutschnationaler Handlungs- gchilfenverband (D. H. B.) Vertrauensmänner 1631, Er­satzmänner 2499, Stimmen 273 111; sonstige Verbände des Gesamtverbandes deutscher Angestelltengewerkschaften <Gedag-Verbände) 29 4 bzw. 711 bzw. 144 225; Gewerk- ichaftsbund der Angestellten (G. D. A.) Vertrauens­männer 917, Ersatzmänner 1851, Stimmen 241161; son- » "btgusschußverbände: 128 bzw. 306 bzw. 42 643; zusammen: 2970 bzw. 5368 bzw. 701 110:. Freier Angestelttenhund (A. F. A.): Per- Lk nu. ^' Ersatzmänner 1605, Stimmen 270 075;

Ji bzw. 238 bzw. 5830.

Auswertung älterer Gèaatsrenien. der Reichsregieruilg vor dem Reichsrat.

Vor bat sich in seiner letzten Sitzung und 'ilbföf^ dem Gesetzentwurf über Aufwertung und ähnlicher Renten hm abschließend befaßt. Der Gesetz- Ä Grundsätze der Aufwertuugs- S ^ nach Auffassung der Reichs- auch die Interessen des der heutigen Seit alTm^ "ach den Anschauungen Kelten als erloschen ^ werden muß, Einzelheiten mir >/ 7er ^wtzentwurf ist zuvor tn aßen gesprochen worden m^miM^ Staatsregierung durch- cinstlmmung iüd)\n^ sterbet eine restlose über« «cidhsrcQtcritnah^ werden können, glaubte Die leit einer9baldigen dringenden Notwendig- 'Mehciitninrf m Regelung dieser Materie den W«Ä Reichst als **«* '

Weihnachisansprache des Papstes.

Vor den Kardinälen.

Der Papst empfing das. Kardinalskollegium, um die Wünsche der Kardinäle zur Weihnacht und zum neuen Jahr entgegenzunehmen. In seiner Erwiderung erinnerte der Papst in Erwähnung der Ereignisse des zu Ende ge­henden Jahres an die Fortschritte des Missionswerkes in Belgien, Deutschland, Frankreich, Polen, Bolivien und Peru, ferner an die Einsetzung des ersten eingeborenen Bischofs in Japan und schließlich an die Vorbereitung eines eucharistischen Kongresses in Australien. Aber, so fuhr der Papst fort, es wurden auch Schmerzensschreie ge­hört aus verschiedenen Teilen der Welt, so in den letzten Zeiten aus Mexiko, Rußland und China, von wo Nachrichten über sehr traurige Ereignisse, über so bei­spiellose Barbareien eingetroffen sind, daß man kaum glauben kann, daß sich nicht alle Völker dagegen mit dem Ausdruck des Abscheus und der Verdammung er­heben werden. Dann spielte der Papst darauf an, daß einige Gruppen fortführen, dem päpstlichen Stuhl poli­tische Absichten zuzuschreiben, v. h. Gedanken, von denen auch nicht einer ins Bewußtsein des Pastes gedrungen sei. Schließlich beglückwünschte der Papst Italien lebhaft vor allem wegen der ständigen Fortschritte im Hinblick auf die religiöse Unterweisung. Der Papst beendete seine An­sprache mit der Erteilung des Apostolischen Segens.

potiüfche AunSschâ

Deutsches Heich

Ausbau des deutsch-französischen Handelsvertrages.

Dem Vorsitzenden des Zollausschusses der Französi­schen Kammer wurde vom Landwirtschafts- und vom Handelsininister mitgeteilt, daß der in Vorbereitung be­findliche Zusatz zum deutsch-französischen Handelsvertrag, der die landwirtschaftlichen und gewisse industrielle Er­zeugnisse betrifft, in der Kammer sogleich nach Wiedcrzu- sammentritt im Januar cingebracht werden würde, Deutsch-fchwrdischsS AKkommru über Handelsvertreter.

Das durch Notenaustausch zwischen dem deutschen Auswärtigen Amt und der schwedischen Gesandtschaft in Berlin am 31. Dezember 1925 auf ein Jahr abgeschlossene und durch Notenwechsel vom 20. Dezember 1926 auf ein weiteres Jahr verlängerte Abkommen über die Ver­meidung der Doppelbesteuerung von Handelsvertretern deutscher bzw. schwedischer Firmen ist bis zum 31. Dezem­ber 1928 verlängert worden.

Neichsetat 1928 im Reichstag.

Der vor einiger Zeit bekanntgewordene Haushalts- Plan des Reiches für 1928 ist dem Reichstag zugegangen. Die zunächst veröffentlichte Übersicht ist inzwischen in einzelnen Punkten überholt. Sobald die Überarbeitung fertiggefteßt ist, wird das Material dem Haushaltsaus­schuß des Reichstages übergeben. Der Haushaltsausschuß wird am 10. Januar erneut zusammentreten und sich dann sofort mit dem neuen Etat besann.

Staatsausgabenverminderung in Thüringen.

Zwischen Vertretern des Reichsfinanzministeriums, des thüringischen Landesfinanzamtes, des Städtever­bandes und des Finanzministeriums fanden Verhandlun­gen zwecks Übernahme der Landessteuerverwaltung auf das Reich statt. Atan will auf diesem Wege den Verwal­tungsapparat in Thüringen wesentlich vereinfachen und dmnit die Staatsansgaben vermindern. Man kam jedoch zu keiner Einigung und will nunmehr erst die Stellung­nahme des Reichsfinanzministers abwarten; die Verhand­lungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden.

Spende für die Deutsche Kriegsblindenstiftung.

Die Deutsche Kriegsblindenstiftung für Landheer und Flotte teilt mit: Fürst Lichnowsky, der Verfasser des WerkesAuf dem Wege zum Abgrund", hat die Bestim- nurug getroffen, daß alle Honorarerträgnisse aus diesem Werke zugunsten der Kriegsblinden verwendet werden sollen. Die erste Zahlung des Verlages in Höhe von 10 000 Mark konnte bereits vor dem Weihnachtsfest ihrer Zweckbestimmung zugeführt werden.

Mecklenburg-Strelitzer Landtag ausgelöst.

In einer von allen 35 Abgeordneten und der Re­gierung besuchten öffentlichen Vollsitzung des Mecklen­burg-Strelitzer Landtages verlas der Landtagspräsident Foth eine Erklärung, in der er die Entscheidung des Staatsgerichtshofs vom 17. Dezember bekanntgab. Durch den Spruch sei dem Landtag hr Rechtsgrundlage ent­zogen worden; er müsse daher daraus neu Schluß ziehen, daß er durch den Spruch des Staatsgerichtshofes sich als aufgelöst zu betrachten habe. Die Arbeit des Land- tages sei damit beendet. Hierauf wurde die Sitzung ge­schlossen.

Badischer Einspruch gegen Wahlgesetzänderung.

Nachdem der Staatsgerichtshof in Leipzig die Ände­rung der Landtagswahlgesetze in Hamburg, Hessen und Mecklenburg-Strelitz für verfassungswidrig erklärt hat, weil sie mit den Vorschriften über die Gleichheit des Wahl­rechts und über das Wahlgeheimnis in Widersvruch siede, hat der Landesverband der Volksrechtspartei nunmehr die Entscheidung des Staatsgerichtshofs über die von ihm beim Badischen Landtag und beim badischen Staats­ministerium geltend gemachten verfassungsrechtlichen Be­denken gegen das Gesetz zur Änderung des SLndtogswaM- gesetzes angerufen.

Frankreich.

X Protestentschliestung gegen das Hindenburg-Plakat. Die Ständige Delegation der französischen Friedensgesell­schaft hat in einer Sitzung auf Vorschlag des früheren Ab­geordneten Le Foyer eine Protestresolution gegen- das Hindenburg-Wahlplakat desEcho de Paris" angenom­men, dessen Erscheinen nicht nur zu der gerechten Ent­rüstung der Freunde des internationalen Friedens, son­dern auch zu Vorstellungen eines ausländischen Botschaf­ters Veranlassung gegeben habe. Richt energisch genug werde solchen Versuchen entgegengetreten, Mißverständ­nisse, Argwohn und Feindseligkeit zwischen den Völkern zu säen.

X Poincarè verlangt 132 Milliarden von Deutschland. Bei einer Aussprache in der Französischen Kammer über den Bericht des Reparationsagenten Parker Gilbert nahm auch Poincars das Wort und behauptete, die Höhe der deutschen Verpflichtungen, sei von der Reparationskom- mission endgültig festgesetzt worden. Die Kommission selbst hat jetzt nicht mehr das Recht, diese Ziffer zu ändern. Poincard stützte sich dabei auf eine Angabe des Abg. Dubois, der früher als Vorsitzender der ReparationSkom- mission angehörte. Dieser hatte behauptet, die deutschen Verpflichtungen seien am 21. April 1921 endgültig auf 132 Milliarden festgesetzt worden. Der Dawes-Plan habe diese Entscheidung in keiner Weise aufgehoben. Die Behauptung ist natürlich in stärkster Weise anfechtbar. Aber für Poincara genügt alles, wenn es nur irgendwt für Deutschland abträglich erscheint.

Nordamerika.

X Keine Erschwerung deutscher Einfuhr. Aus Washing­ton wird eine Erklärung des Staatssekretärs Mellon ge­meldet, daß die amerikanischen Maßnahmen gegen di< deutsche Stahleinfuhr, wie eine eingehende Untersuchung ergeben habe, nicht gerechtfertigt seien. Unter diesen Um ständen komme vorläufig eine Anwendung der Anti dumpinggesetzes (gegen Preisunterbietungen) nicht ir Frage.

Aus Zn- und Ausland

Berlin. Reglerungsprüsient Dr. Budding, Marienwerder Mt den Spezigiauflrag von der. Regierung erhalten, all Reichs- âd Staalskommissar im Haag den oberschlesi scheu S ch n l k 0 n f l i k 1 zum Austrag zu bringen.

Berlin. Der Reichsarbeitsminister hat in den Vorstanl der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen Versicherung an Stelle der ausgeschiedenen Herren Ministerial direktor Dr. Frick (Preußen) und Staatsrat Dr. Rohm-' (Bayern) die Herren Ministetialrm Geb Reg-Rat Dr. Kügle- (Preußen) und Ministerialrat Dr Ziegler (Bayern) berufen.

Berlin. Reichskanzler Dr Marx hat an den Oberbefehls Haber des Gruppenkommandos II, General der Jnfanleri, Reinhardt (Kastel), zum bevorstehenden Ausscheiden aus den aktiven Dienst im Reichsheer ein Dankschreiben im Namen bei Reichsregierung gerichtet.

Hamburg. Der dritte Afa-Gewerkschaftskongrej wird in den Tagen vom 1. bis 4. Oktober nächsten Jahres Hamburg stattfinden.

Hamburg. Die B i s m a r ck j u g e u d der Deutschnatio nalen Volkspartei veranstaltet vom 28. bis 30. Juli 1928 ihi Reichstreffen in Hamburg.

Bern. Der Bankrai beschloß die Beteiligung der Schwei, zerischen Natronalbank an Dem internationalen Stabilistc, rungskredit zugunsten der Bank von Italien, ^daris. Die angeblichen Absichten Frankreichs, Anfanc 1928 zum Goldstandard zurückzukehren, werden von zu. standiaer Stelle als unbegründet erklärt.

Neue Uniform für die Lerchswehf.

xM deutschen Heere werden gegenwärtig Versuche zur Einführung neuer Uniformen gemacht Der neue Uniform« rock hat einen offenen Halsausschnitt, der bei schlechter Witte- rung geschlossen werden kann. Zum Ausgehanzug soll weißeS oder feldgraues Hemd mit Sportkragen und feldgrauem Schlips gestaltet sein. Zu diesem Rock wird ein neuer ein­reihiger. am Halse offener Mantel getragen. Unser Bild zeigt einen Reichswehrsoldaten in der neuen blusenarligen Uniform mit Sporlbemd und Schlws.