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Nr. 3941927 &®»!^^^

Fulda, Donnerstag, 29. Dezember

4. Jahrgang

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Kleine Zeitung für eilige Leser

* Washingtoner Nachrichten besagen, daß die dortigen poli­tischen Kreise sich ernsthaft mit einer Begrenzung der deutschen Neparationsschuld im Zusammenhang mit der allgemeinen Herabsetzung der europäischen Schulden beschäftigen.

* Spanten soll mit Frankreich ein Abkommen geschlossen haben, nach dem die bisherigen spanischen Ansprüche in Tanger aufgegeben werden.

* Das gespannte Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Meriko hat sich wesentlich gebessert und man er­wartet vollständige Aussöhnung.

* In der chinesischen Provinz Swantuna herrscht Hungers­not, die vier Millionen Menschen mit dem Tode bedroht.

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Ein trostloses Bild.

Die Misere der deutschen Wohnungsnot ist ja ein geradezu unerschöpfliches Thema, ist eine der schlimmsten, viele behaupten sogar die allerschlimmste Ktiegsfolgc- erscheinung. Denn vor dem Kriege war ja der Wohnungs­bedarf nicht bloß gedeckt, sondern sogar überdeckt; zwei Prozent aller Wohnungen bildeten leerstehend eine dem Hauswirt schmerzliche, den Mietermassen aber willkom­mene Reserve. Jährlich wurden 200 000 neue gebraucht, wurden an die 50 000 abgerissene oder aus anderen Gründen dem Wohnbedarf entzogene Wohnungen durch Neubauten ersetzt und dieser Gesamtbedarf konnte fast spielend gedeckt werden. Gewaltig war die wirtschaft- liche Bedeutung des Baugewerbes. 1912 be­schäftigte dieses Gewerbe und die unmittelbar mit ihm zusammenarbeitenden Industrien an drei Millionen Ar­beiter, hatte einen Umsatz von sechs Milliarden und er­schien als Erzeuger bzw. Durchgangsstation für 30 Pro­zent der deutschen industriellen Gesamterzeugung, war volkswirtschaftlich also von allergrößter Bedeutung.

Eine Denkschrift der ReiÄsregierung demonstriert aufs deutlichste, wie weit, ach wie weit wir jetzt von jenen so angenehmen Zuständen der Vorkriegszeit entfernt sind. Allein der jährliche Zuwachsbedarf von rund 200 000 Wohnungsuchenden ist geblieben, aber das ist auch wirk- w*^- ötw-wtfrigeT- Denn e s-"f e l) I e n s a st eine Mil­lion Wohn u N g e ri und es besteht kaum Aussicht, diesem Mangel in absehbarer Zeit Wzuhelfen. Nur ein­mal erst, nämlich 1926, ist es gelungen, wenigstens den Zu­wachsbedarf zu decken, aber die Reichswohnungszählung im Mai d. I. ergab, daß 600 000 sog.zweite oder weitere Haushaltungen" bestehen, also solche, die mit einer ande­ren Haushaltung zusammen geführt werden. Und es gibt rund 350 000weitere Familien" ohne eigene Wohnung und ohne Hauswirtschaften, also z. B. Eheleute, die bei den Schwiegereltern des einen Teiles wohnen und überhaupt keinen eigenen Hausstand haben, ihn aber selbstverständ­lich brennend gern haben möchten. Besonders schlimm liegen die Verhältnisse in den Großstädten, aber auch auf dem platten Lande und in den kleinen Landstädten sieht es trostlos genug aus. Das ist verhängnisvoll für eine gesunde B e v ö l k e r u n g s p 0 l i t i k, die sich der massen- hasten Abwanderung vom Lande in die Stadt entgegen» werfen will; dabei spielt natürlich die Wohnungsfrage eine sehr erhebliche Rolle.Kein Hüsung/ aber nicht aus schlechtem Willen, sondern aus einem nicht zu bewältigen­den finanziellen Unvermögen heraus. Da die Hauszins­steuer laut Vorschrift der meisten deutschen Länder nur an Ort und Stelle zu Darlehnszwecken verbraucht werden darf, mußte das Reich einspringen; aber die in den drei Jayren 1924 bis 1926 mit 60 Millionen Reichsunter- stützung errichteten rund 30 000 Landarbeiterwohnungen sind nur ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein.

Noch nicht einmal der Zuwachsbedarf gedeckt und doch sind in den gleichen drei Jahren für Darlehen von vem Realkreditinstituten der Arbeitgeberorganisationen, den Ländern und den Gemeinden, nicht zuletzt vom Reich, etwa vier Milliarden Mark zur Förderung des Wohnungs- ueubaus hergegeben- worden. Trotzdem ist die Zahl der im Baugewerbe tätigen Personen gegen 1912 stark zurückgegan­gen; freilich hat sich die Zahl der Betriebe recht stark er­höht. Der Punkt, um den sich alles dreht, ist und bleibt ja die Ärebitfrage. Zweitstellige Hypotheken sind ja aus privater Hand so gut wie gar nicht zu erhalten und dort, wo das möglich ist, sind die Zinsen einfach mordend. DerBauindex" ist gegen 1912 um etwa 60 Prozent ge­stiegen und die Löhne der Bauarbeiter sogar noch höher, aber nur die der Hilfsarbeiter, während die Löhne der Maurer und der Zimmerer, also der -gelernten Arbeiter, nur etwa 20 bis 25 Prozent höher sind als im Frieden. Dabei vermag ein Bauherr, der früher seine 20 bis 25 ^Prozent des Gesamtkostenbetrages für den Neubau Her- geben konnte, heute in der Regel nur 10 bis 15 Prozent bafür aufzubringen, so daß die Darlehnsfrage für ihn noch orennender wird. Dabei diese Überorganisation auf dem Baumartt, nämlich die Unzahl häufig kleiner und kleinster, also finanziell nur schwacher Baugenossenschaften und -vereme, die zum Teil leider auch ein sehr merkwürdiges, oen^ Staatsanwalt interessierendes Geschäftsgebaren aitf* weisen, alle über durch ihre Überfülle zur Verteue­rung d e s Bauens beitragen.

. um so trostloser, weil so gar lerne Aussichbda zu sein scheint, aus diesen Wirren heraus- Zukommen. Dder doch: die Denkschrifttröstet" sich damit, di!, sich spätestens 1935 der Geburtenrückgang geltend A.A^"rde, der m infolge des Krieges selbst und seiner len Begleiter]Meinungen, vor allem der Hunger- bio m emgetreten ist; dann werde sich alles, alles .w 'M U '

örtlich etwas eigenartiger Trost!

Not ohne Ende in China.

Der chinesische Niedergang.

Millionen M e n s ch e n h u n g e r n.

Die unermeßlichen Gebiete im Innern Asiens, unter dem Begriff des Chinesischen Reiches zusammengefaßt, können die sie seit Jahren durchwühlenden Katastrophen nicht überwinden. Ein grausiges Geschick läßt sie alle irdischen Plagen erleiden, Unfrieden, Bürgerkrieg, Ver­armung und Auflockerung aller Sitten; jetzt gesellt sich als natürliche Folgerung noch eine gewaltige Hungers­not dazu. Die verschiedenen Anführer und Regierungen bekämpfen einander, das Ausland steht drohend an den Pforten.

Neue Unruhen in Kauton.

In Kanton, dem Sitz der Nankingregierung, sind er­neut Unruhen ausgebrochen. Kürzlich erst wurden durch rücksichtslose Maßnahmen gegen die Kommunisten rus­sischer Herkunft, die für den letzten Ausstand verantwort­lich gemacht wurden, dessen letzte Wehen niedergeschlagen. In einem Vorort wurden über zwanzig Häuser durch Feuer zerstört, das anscheinend durch Brandstiftung ver­ursacht worden ist.

Die Militärbehörden haben alle für die Bekämpfung des Aufstandes nötigen Maßnahmen ergriffen. 31 Kom­munisten wurden enthauptet. Die Truppen des russen­freundlichen Generals Feng haben in Stärke von 40 000 Mann den Gelben Fluß überschritten. In der Provinz Tschili hat Feng die Stadt Woânsu besetzt. Marschall Tschiangkaischek soll sich mit der Absicht tragen, nach Kan­ton zu reifen.'

Der zukünftige ÄölkerSundpalaft in Genf.

Ein von je einem Engländer, Franzosen, Italiener, Spa­nier und Belgier besetzter Ausschuß des Völkerbundes hat in einem internationalen Wettbewerb für den Bau eines Völker- bunvpalastes den Entwurf des französischen Architekten Henri Paul Nenot zur Ausführung vorgesehen. Noch ein zweiter Entwurf wurde preisgekrönt und Nenot soll sich nun, ehe er den Bau aussührt, mit den anderen Preisträgern in Ver­bindung setzen. Aus ihrer gemeinsamen Arbeit soll bann der neue Völkerbundpalast erstehen.

Heparaiionsbegrenzung notwendig.

Wachsende Einsicht in Amerika.

Übereinstimmend melden Newyorker Blätter aus Washington, daß in politischen Kreisen die Überzeugung wachse, die Festsetzung der Neparationsschuld Deutschlands müsse erfolgen, und zwar in Verbindung mit der Frage der interalliierten Kriegsschulden. Der Bericht Parker Gilberts, der die Notwendigkeit einer Festsetzung der Re­parationen berume, hat die stattfindenden Erörterungen der Frage wesentlich gefördert.

jedenfalls bricht sich die Überzeugung Bahn, daß die Lösung des Reparationsproblems von den günstigsten wirtschaftlichen und politischen Folgen begleitet sein würde. Bei einer solchen Lösung denkt man an eine er- hebliche Herabsetzung sowohl der deutschen Reparations­schuld als auch der amerikanischen Forderungen an die Alliierten.

Die Überlegungen sollen sich bereits zu dem folgenden prinzipiellen Programm verdichtet haben:

1. Deutschland müsse gesagt werden, welchen Teil der Reparationsrechnung die Alliierten bezahlt zu erhalten er­warten. 2. Nachdem Deutschland und die Alliierten sich über diese Summe geeinigt hätten, müßten weitgehende finanzielle Transaktionen unternommen werden, um die sofortige Zahlung durch Deutschland zu erleichtern. 3. Nach jer Finanzierung und Fundierung der deutschen Zah­lungen habe eine Revision derjenigen Summe zu erfolgen, aus die die Vereinigten Staaten und ihre Schuldner sich jetzt geeinigt hätten.

In einer vor dem amerikanischen Wirtschaftlichen Ver- band gehaltenen Rede regte Professor Eddie von der Uni­versität Chikago die internationale gemeinschaftliche Zu- fantmenlcgung aller Goldreserven der W e l t an. Er erklärte, der Plan, der durch die ungenü­gende Erzeugung neuen Goldes verursachten schlechten Ge­schäftslage abzuhelfen, werde die Gründung einer Inter­nationalen Goldliga nach sich führen.

Keine Gefährdung des deutschen Eigentums.

Im Zusammenhang mit ben Plänen deutscher Ver­sicherungsgesellschaften, ihre Geschäftstätigkeit in Amerika wieder aufzunehmen, meldet dieNewyorker Staats- zeitung", der Verwalter des ehemals feindlichen Eigen­tums habe erklärt, es bestehe keinerlei Gefahr, vaß die Vereinigten Staaten sich jemals an dem in Amerika befindlichen deutschen Privatbesitz schadlos halten könnten, selbst bann nicht, falls Deutschland etwa seine sich aus dem Dawes-Plan ergebenden Verpflichtungen nicht ein* ballen sollte.

Hungersnot in Schaotung.

Die Provinz Schantung wird von steigendem Mangel an Nahrungsmitteln beunruhigt. Die einlaufenden, von Europäern bestätigten Berichte lauten erschütternd. Hilfe aus China selbst ist kaum zu erwarten.

Tatsächlich sind vier Millionen der Bevölkerung nahe am Verhungern. In 35 von den 107 Bezirken der Pro­vinz sind weniger als 10 Prozent der Ernte eingebracht worden, während in 30 anderen Bezirken der Betrag sich zwischen 10 und 40 Prozent bewegt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt bereits von Baumrinde und Spreu.

Der schlimmste punkt ist noch nicht erreicht.

Früher wohlhabende Bauern verschleudern ihre Vieh­bestände für geringfügige Beträge, um auszuwandern. Die Lokalbehörden geben der Dürre und dem Heufchreüen- sraß die Schuld an der Hungersnot. Wie die Europäer erklärten, ist sie aber hauptsächlich aus den Vürgerkrè g, das Banditentum und die drückende Besteuerung zurüll- zusühren. Hilse vom Ausland wl.d bringet.b g.brau. ,t. Die Truppen und die Banditen verschärfen noch die Not­lage im Hungerbezirk und machen es dabei unmäg.ich, Hilfsmaßnahmen unter ausländischer Leitung durchzu­führen, wie etwa den Bau von Straße» uub Kanälen. Ähnliche Verhältnisse herrschen in Tamingfu im südlichen Tschili, wo nur 20 Prozent der Ernte emgebracht werden konnten.

Französisch-spanisches Tanaeradkommen.

Spanien verzichtet.

J.N bey Verhandlungen zwischen Frankreich und Spanien über eine Abänderung des Tangerstatuts, die in den letzten Monaten auf diplomatischem Wege geführt wurden, ist angeblich eine prinzipielle Einigung erzielt worden. Wie verlautet, hat Spanien auf seine Forderung nach Einverleibung Tangers in die spanische Zone verzichtet und sich mit der Leitung der Polizei und der Beteiligung an der Hafendirektion von Tanger ! begnügt. Das Abkommen zwischen. Frankreich und Spanien über Tanger soll alsbald in seinen Einzelheiten fcstgelegt und im Laufe des Januars unterzeichnet werden. Die erzielte Einigung wird England und Stallen mit­geteilt werden, wobei Italien aufgefordert werden soll, sich an der Verwaltung der Stadt und der Zone von Tanger zu beteiligen.

Da bisher keine amtlichen Nachrichten vorliegen, muß dieser Bericht über das Zurücktreten Spaniens von feinen bisherigen Ansprüchen einstweilen mit der not­wendigen Vorsicht ausgenommen werden. Jedenfalls dürfte der jetzige Madrider Diktator Primo de Rivera einen schweren Stand bei der Verteidigung dieser politi­schen Schwenkung in Spanien haben.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Verlängerung des Kohlenabkommens mit Frankreich.

Aus Paris wird mitgeteilt, daß die Verhandlungen zwecks Erneuerung der Kölner Abmachung über die Kohlen- und Kokslieferungen als Reparationsleistungen, die am 31. Dezember ablauscn, zu einer Verständigung geführt hätten, durch die die Abmachung nach erfolgter amtlicher Billigung durch die französische und die deutsche Regierung bis zum 31. Januar 1928 verlängert werde. Deutsch-griechische Handelsbeziehungen.

Der griechische Minister des Äußern Michalakopulos erklärte nach einem Ministerrat. daß die Verhandlungen mit dem deutschen Gesandten Renner in diesen Tagen

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