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Arl-aer Anzeiger

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Nr. 306 1027

Fulda, Samstag, 31. Dezember

4. Jahrgang

Meine Zeitung für eilige Leser.

* Ler Reichswehrminister sowie die Chefs der Heeresleitung und der Marineleitung haben in besonderen Erlassen zum Jahresschluß den Truppen der Reichswehr und der Marine ihre Anerkennung und ihre Glückwünsche ausgesprochen.

61 Für daS besetzte Gebiet ist die freie Fahrt für deutsche Luftfahrzeuge unter bestimmten Bedingungen zugestanden worden

* Die Erven eines gewissen Erich Mansfeld aus Braun­schweig haben 30 Millionen Mark zu bekommen und werden gesucht. '

* Das Zentralerekutivkvmttee in Moskau hat die Sowjet- sührer Rakowski, Preobraschenski und Kamenew ihrer sämtlichen Ämter enthoben.

Die große Abrechnung.

Ehrliche Rechenschaft. Die erlösende Kugel. Barbarei in Rußland. Lästige Ausländer.

Wieder ist ein Jahr überstanden und wieder legen deutsche Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit allenthalben ehrliche Rechenschaft ab über Erfolge und Fehl­schläge, die wir auf dâs Konto des abgelaufenen Jahr­gangs in Politik und Wirtschaft, in Kultur und Literatur zu verbuchen haben.

Der Abschluß scheint, im ganzen genommen, etwas günstiger auszufallen, als wir es seit dem Zusammen­bruch von 1018 bisher erlebt haben; und ebenso dürfen wir feststellen, daß in anderen Ländern, zum Teil sogar auch aus der Siegerseite, bei dem gleichen Anlaß weniger Ursache zur verhältnismäßigen Zufriedenheit gegeben ist DaS Zeugnis jedenfalls dürfen wir uns ausstellen, daß die Fortschritte, die wir verzeichnen können, erreicht worden sind trotz der Bemühungen unserer ehemaligen Feinde, nicht dank der freundlichen Absichten, die sie an­geblich uns gegenüber hegen - vielleicht mit einziger Aus­nahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika, denen die große Entfernung von dem eigentlichen Schauplatz MjâNÜ^ rafrhen eine unbefangenere Würdigung achkrietzsvcrhältnifse ermöglicht hat, als namentlich unsere unmittelbaren Nachbarstaaten siè über sich ge­wonnen haben.

Daß wir freilich noch lange nicht über dem Berge sind, weiß bet uns jedes Kind. Schon hat die Zahl der Arbeitslosen im Reich wieder die Million über­schritten, und wenn man die Jahresberichte der Handels­und Jndustriekammern daraufhin durchgeht, ob von diesen unzweifelhaft sachkundigen Stellen schon an eine wirkliche Festigung unserer Gesamtlage geglaubt wird, so überwiegen wohl überall die Mahnungen und Warnungen durchaus gegenüber den positiven Momenten, die zu ver­zeichnen find. Und daß auch der Generalgewaltige Parker Gilbert, der zurzeit in Amerika von feiner anstrengenden Überwachungstätigkeit in Deutschland wieder einmal etwas ausruht, uns in seinem letzten Jahresbericht mit erhobenem Zeigefinger an die unver­mindert fortbestehenden Gefahren unserer finanzpolitischen Entwicklung erinnerte, liegt uns allen noch einigermaßen in den Knochen. Dazu dann zu guter Letzt Herr P 0 i n'- c a r é , der es für richtig hielt, uns die 132 Milliarden Kriegsschulden ins Gedächtnis zurückzurufen, die seine Repko einmal lang, ach gar lang ist es her als unsere vermeintlichen Schadenersatzverpflichtungen feier­lich festgesetzt hat. Genug, wir haben einige Schwierig­keiten, die man vor uns aufgetürmt hat, immerhin über­wunden, müssen aber nach der Jahreswende mit noch größeren Schwierigkeiten rechnen, die für uns nicht nur in Frankreich in Bereitschaft gehalten werden.

Wollen wir aber den Abstand ermessen, der unser Land von anderen, angeblich vorgeschritteneren Völkern trennt, so brauchen wir nur, zum Beispiel, zum Vergleich den Abschiedsbrief herauzuziehen, den der ehemalige russische Botschafter in Berlin, Dr. Joffe, an seinen Freund Trotzki gerichtet hat, ehe er sich die erlösende Revolverkugel in die Schläfe jagte, Danach haben die Dowjetgewaltigen in Moskau es mit ihrem Gewissen für vereinbar gehalten, diesen in ihrem Sinne hochverdienten Vorkämpfer der Räterepublik mit allen Mitteln in den tob zu treiben, weil er es ablehnte, sich ihren Befehlen blindlings zu untertverfen. Man schickte ihm Amtspro- feuore» ins Haus, denen er sich zur ärztlichen Unter- Mchung stellen mußte, man verweigerte ihm, nachdem er

Jankes Vermögen dem Sowjetstaat zur Verfügung gestellt hatte, die nötigen Gelder zu einer Aüslandskur, von der allein vielleicht noch Rettung von schwerer Krank- Wt zu erhoffen war, ja, man sperrte ihm die heimischen Apotheken, die ihm wenigstens noch einige Linderungs- mtttel gegen Die seine Gesundheit zerrüttenden Schmerzen hätten liefern können, so daß ihm wirklich zuletzt gar nichts luerej mehr ubrigblieb, als dieser grausamen Folter Ech.Frertod ein Ende zu machen. Ein Einzelfall, könnte

lleU' nach dem man den Gesamtkulturzustand eines großen Volkes nicht abmessen dürfe. Aber Herr Joffe war offenbar her Meinung, daß ein Land, in dem solche Poli- ' . "^n zur Herrschaft gelangt sind, hoffnungslos hi^hi ^ Verfallen sei, und wir haben kein Recht, ^^uuo sein Urteil als verfehlt oder auch nur ^ey^eben abzulehnen. Nein, wenn ein großes rheinisches Blatt bei der Beurteilung unserer TheatervcrhSltnisse von heute jungst davon gesprochen hat, daß das deutsche nt de" letzten JahrenV c r p l e. Habe, so mag man darüber streiten ob es mit ^o" "lcht über das Ziel Hinallsgeschossen habe; aber auch wenn man es vollständig unterschreiben wollte, WitManb^^ n^' gellen $cgteWfig Smèthoden in

ând denn doch eine so ungeheure Kluft bestehen, daß

Kundgebungen zum Neuen Jahre!

An Heer und Marine.

Von Wehrminifter, Heereschef und Marinechsf.

Auch bei Schluß dieses Jahres haben die leitenden Männer ihre Anerkennung und ihren Dank an Deutsch­lands kleines, aber pflichtbewußtes Heer und an die Marine bei Beginn des neben Zeitabschnitts aussprechen wollen. Aus den Erlassen geht hervor, wie sehr die höch­sten Kommandostellen die ernste Arbeit zu schätzen wissen, die in der Truppe geleistet wird. Die Angehörigen der Reichswehr und der Flotte dürfen überzeugt sein, daß die Wertschätzung, die ihnen ihre obersten Befehlshaber ent­gegenbringen, im ganzen Polke einmütig geteilt wird. Wir geben nachstehend den Wortlaut der erlassenen Kund­gebungen wieder:

An die Reich skw ehr!

Ne Reichswehr wird weiter ihr? Pflicht tun wie bis­her und den Glauben an Deutschlands AusstiLg stärken helfen. Dank und herzlichen Neujahrswunsch jedem An­gehörigen der Reichswehr.

aer Dp. «; - ß l c r, Reichswehrminister.

v. Hindenburg. Dr. Geßler.

An das Reichs Heer!

Men Angehörigen des Reichsheeres spreche ich für die treue Pflichterfüllung im vergangenen Jahre Dank und Anerkennung aus und rufe ihnen zum Jahreswechsel ein herzliches Glückauf zu.

gez. Heye, General der Infanterie und Chef der Heeresleitung.

An die Reichs marine!

Dank und Anerkennung für die im verflossenen Jahre geleistete pflichttreue Arbeit. Beste Wünsche für eine kräftige, gesunde Weiterentwicklung auch im kommenden Jahre zum Wohle unseres Vaterlandes.

gez. Zenker, Admiral und Chef de- Marineleitung.

wir sie ruhig und mit gutem Gewissen als völlig unüber­brückbar bezeichnen dürfen.

Auch die französische Regierung schließt das alte Jahr mit einer großen Abrechnung. In Elsa ß und in L 0 t h- t in ge n hat sie Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die Autonomisten in Bewegung gesetzt, läßt sie bei den an­gesehensten Mäunern^ des Landes, auch bei katholischen Priestern, beschlagnahmtes Dokumentemuaterial zu Bergen häufen und zeigt sich entschlossen, diesmal ganze Arbeit zu machen. Nachdeui schon vor einigen Monaten deutsche Zeitungen gewaltsam unterdrückt worden waren, mit der Begrimdnng, daß sic in einer fremden Sprache geschrieben seien, mußte man darauf gefaßt fein, daß schließlich die ganze Vogcsenbevölkerung eben wegen ihrer deutschen Abstammung von Paris aus als lästige Ausländer behandelt werden würde. Jetzt sind wir soweit und das schöne Land wird nun endlich die Segnungen dieser französischenKultur" sozusagen aus erster Hand und am eigenen Leibe gründlich fennenlernen.

Herrn Poincârö, der sich einen Augenblick geneigt zeigte, diesen Fremden gegenüber mildere Saiten aufzu- ziehen, ist es mit seinen jetzigen Maßnahmen offenbar in der Hauptsache mehr darum zu tun, die Wahlen in diesem Lande auf seine Art vorzubereiten. Ein bißchen Hetze gegen Deutschland, denkt er wohl, hat in Straßburg immer noch zum Ziele geführt. Wer weiß, ob er sich nicht gerade in b/i e f e m Punkt irren wird so gut er sonst auch die französische Volkspsyche zu beurteilen mit den Jahren gelernt hat. Dr. Sh.

Freie Lustschtt im beschien Gebiet.

Unter bestimmten Bedingn n gen.

Die Rheinlandkommission hat die Luftfahrt srei- »cgeben, wenn die in einer Verordnung vom 17. August 1926 festgesetzten allgemeinen Bedingungen beachtet werden Für jedes Überfliegen des besetzten Gebietes muss die Genehmigung der Rheinlandkommission cingehott werden. . , .

Diese Genehmigung wird für die Handelslmien er- icift durch Beglaubigung der von der Reichsregierung

Renjchrsempsang beim Reichspräsidenten

Am 1. Januar beginnt der feierliche Empfang des in Berlin beglaubigten Diplomatischen Korps und der Spitzenbehörden des Reiches und Preußens beim Reichspräsidenten vcn Hindenburg um 12 Uhr mittags. Im Neichspläsioentenpalars versammeln sich die Botschafter und Gesandten unter Führung ihres Doyens, des päpstlichen Nuntius Pacelli, der dem Reichspräsidenten die Wünsche der fremden Diplomaten zum neuen Jahre für ihn und für das deutsche Volk über­mitteln wird. Reichspräsident von Hindenburg wird mit einer kurzen Ansprache antworten. Dann erscheint daS vollständige Reichskabinett, als dessen Sprecher Reichskanzler Dr. Marx die Wünsche für Hindenburg und zum Wohle des deutschen Volkes ausdrücken wird. Auf die Reichsregierung folgen die Präsidien des Reichstages und des Reichsrats. der Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft und der Neichsbankpräsident. Die Wehrmacht wird durch den Reichswehrminister Dr. Geßler, den Ches der Heeresleitung, Genera! Heye, und den Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, ver­treten fein. Für die preußische Staatsregierung wird Ministerpräsident Braun dem Reichspräsidenten seinen Glückwunsch zum Ausdruck bringen.

Zwischen dem Reichspräsidenten und dem österreichischen Bundespräsidenten wird zum neuen Jahr der übliche Te'egrammwechsel stattfinden. Beide werden die Wünsche ihres Volkes an das Bruder­volk für das kommende Jahr zum Ausdruck bringen. Auch die Stadt Berlin wird ihre Glückwünsche dem Reichs­präsidenten übermitteln.

Newyorks Bürgermeister an Deutschland.

Bürgermeister Walker von Newyork, der bekanntlich vor einiger Zeit in Deutschland weilte, hat folgenden 'Nèuftkhrsgruft an da? deutsche Bott übermittel: Es be­reitet mir große Freude, der Bevölkerung Berlins sowie dem gesamten deutschen Volke zum neuen Jahre viel Glück und alles Gute zu wünschen. Die Bevölkerung der Stadt Newyork, unter der sich viele Bürger deutscher Her­kunft befinden, schließt sich mir, dessen bin ich sicher, in diesem Wunsche an. Möge daS neue Jahr die Freund­schaftsbande, die unsere beiden großen Nationen ver, knüpfen, weiter starten!

*

Neujahrstundgebung deS Kyffhöuserbunde'.

. Der Präsident des Deutschen ReichskriegerbundeS Kyffhäuser", General der Artillerie a. D. von Horn, wendet sich in einer Neujahrskundgebung an die Bundes- angehörigen, in der daraus hingewiesen wird, daß der Bund als Träger der Tradition das Große der Vergan­genheit in eine große deutsche Zukunft hinüberleiten will. Dies will der Bund im Mitschaffen an der Gegenwart tun. In der Pflichterfüllung am Vaterland und der Treue zum Volke will der Bund gegen die seit neun Jahren den nationalen Aufstieg hemmende Unmoral und innere Zer­setzung kämpfen. Die Farben Schwarz-Weiß-Rot sind für den Kyffhäuserbund nicht nur Vergangenheit und Gegen­wart. sondern vor allem auch Zukunft.

oder von den Landesregferungen erteilten Genehmigung. Diese Beglaubigung erfolgt auf den Namen der Unter­nehmungsgesellschaft und mit Gültigkeit für bestimmte Zeit. Für die übrigen Luftfahrten lautet die Genehmigung auf den Namen des Luftfahrers und bat je nach den Fällen für eine oder mehrere Reisen Gültigkeit. Die Ge­suche um Genehmigung oder Beglaubigung müssen Namen, Vornamen, Staatsangehörigkeit des Fahrers, die wesent­lichen Merkmale des Lustsahrzeuges, seine Nationalität, Eintragungsnuminer, Unterscheidungszeichen, die Fahrt­linie und den wahrscheinlichen Zeitpunkt des Überfliegens, unter Umständen auch geplante Landungen angeben, ferner, ob das Luftfahrzeug mit Einrichtung zur draht­losen Nachrichtenübermittlung versehen ist. In diesem 8alle ist die Stärke der Einrichtung, die Wellenlänge und endungsart anzugeben. Das überfliegen der Artillerie- schießstände Griesheim, Bellingen im Kreise Bitburg unb Ludwigswinkel ist verboten. Wird die Genehmigung oder Beglaubigung verweigert, so ist der Grund anzu­geben. Verboten ist die Beförderung von Waffen, Kriegs­munition, Sprengstoffen, giftigen Gasen und Brieftauben,

Oie Geschastssührung her Reichspost.

Vorschläge des deutschen Groß- und Überseehandels.

Der Reichsverband des deutschen Groß- und Übersee« Handels hat nunmehr auch zur Frage des R e i ch s p 0 st, finanzgesetzes Stellung genommen.

? . Dtt deutsche Großhandel hält an seinem grundsätz­lichen Standpunkt dahingehend fest, daß große Unter­nehmungen des Reiches nach wirtschaftlichen Gesichts­punkten verwaltet und möglichst frei von parlamen­tarischen Einflüssen gehalten werden sollen. Eine Ände­rung des Reichspostfinanzgesetzcs sei nicht erforderlich, dagegen müsse eine stärkere Einflußnahme der Wirtschaftskreise auf die Arbeiten des Verwal­tungsrats der Deutschen Reichspost sichergestellt werden. Es sei daher anzustreben, daß eine Änderung der Aus- führungsbestimmungen des Gesetzes dahin erfolgt, daß die Benennung der Wirtschaftsvertreter durch die Spitzen- organisationen vorgenommen wird.