Mlöaer ^n^cigct
Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich S Mark. Der âferungsbehknöerungen Lurch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen Sem Bezieher keine Ansprüche. Verlag KrieSrich Chrenklau, ZulSa, Mitglied öes Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Krankfurt a. M. M.4Ü009
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulöa- und Haunetal *Möaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ❖ §ernfprech-Rnjchluß Nr. HS- Nachdruck der mit * versehenen Mikel nur mit Quellenangabe ,§ulâaer flnzeiger"gestaSet.
Anzeigenpreis: §ür Behörden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 Ulf., für auswärtige Tlustraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark ❖ Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Sagen zu erfolgen ❖ Tag- und platzvorschristen unverbindlich.
112— 1927
Fulda, «unstuq, 14. Mai
4. Z^hrgang
Kleins Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg ist von der Universität Kraz die Würde eines Ehrendoktors der Staatswissenschaften verliehen worden.
* An der Berliner Börse entwickelte sich Freitag infolge riesiger Kursstürze eine Panikstimmung.
* Die Londoner Polizei hat in russischen Bureauräumen eine Haussuchung vorgenommen. Rußland hat gegen diese Aktion Protest eingelegt.
HmWek Mb $eÄer.
Der Vater will seine liebsten Kinder verstoßen. Er fühlt sich von ihnen schlecht behandelt; sie dächten nur noch an ihr eigenes Fortkommen und überließen ihn der Pein, der Not, der Sorge um seine alten Tage. Er klagt sein Leid vor aller Welt, die aber wiederum reichlich mit sich selbst beschäftigt ist und gerade nur so mit einem halben Ohr hinhört, weil es — die Reichshaupt- jt a ö i ist und ihr Oberbürgermeister, Herr Böß, die das allgemeine Mitgefühl für sich in Anspruch nehmen. Der Deutsche und der Preußische Städtetag sind richtige Kinder der Stadt Berlin. Aber ob sie nun ihrem Erzieher über den Kopf gewachsen sind oder ob nur die schlechten Zeiten ihnen jede Rücksicht auf andere aus- getrieben haben, seien es selbst ihre eigenen Väter, die letzte Vorstandssitzung beider Gemeinschaften mußte in Koblenz ohne das Berliner Stadtoberhaupt abgehalten werden, das bislang von ihnen immer als geborener und zugleich auch als erkorener Führer verehrt worden ist. Aber die beweglichen Klagen des Herrn Böß, man höre schon gar nicht mehr auf die finanziellen Beschwerden der Neichshauptstadt, man sei anscheinend sogar froh, sich auf ihre Kosten aus dem großen Staats- und dem noch größeren Reichssäckel bereichern zu können, gleichviel, ob die Berliner Steuerzahler daraufhin noch mehr geschröpft werden müßten, als es ohnedies schon seit Jahren der Fall sei, — sie fanden in Koblenz eine recht WistedMckhme. Man bleibt dabei, daß andere Leute auch an sich denken müßten und daß Berlin an der Suppe, die ihm eingebrockt wurde, sogar selber mitgekocht habe. Der Magistrat der hochwohllöblichen Haupt-'und Residenzstadt will darauf, ehe er wirklich, wie die Stadtverordneten oder wenigstens ihre Linksparteien es verlangten, das Tischtuch zwischen sich und den beiden Städte- tagen zerschneidet, noch einmal zu gütlichen Verhandlungen seine Zuflucht nehmen.
*
Aber damit nicht genug. Auch aus einer anderen Magistratsecke weht es heftig und gewitterhaft ins Reich hinein. Der preußische Wohlfahrtsminister will nicht seine Genehmigung dazu geben, daß eine amerikanische Aankengesellschaft mit der Bebauung eines namhaften städtischen Geländes beauftragt wird. Mit rund 25 000 Klein- und Mittelwohnungen wollen bekanntlich die Herren Amerikaner binnen Jahresfrist den Schöneberger Teil der Reichshauptstadt „aufforsten" und sie versprechen natürlich, um ihr Angebot zum Ziele zu führen, bas Blaue vom Himmel herunter: rasche Bauausführung, verhältnismäßig billige Mietpreise und schließlich über- gang des -ganzen Wohnraumes in das Eigentum der Stadt. Der Magistrat und namentlich sein Sladtbau- wei-ter waren schon drauf und dran, den Plan zu ge- uehmigen, der Widerspruch des Wohlfahrtsministers aber glitte bis jetzt nicht überwunden werden. Begreiflich, daß w Berliner Baugewerbekreise von dem übergreifen Mcnkanischer Unternehmungslust auf den deutschen Bau- «larkt nichts weniger als entzückt sind; begreiflich auch, daß °ie zuständigen Staatsinstanzen über den unmittelbaren Wn hinaus, der durch Verwirklichung der Bebauungs- Mne für Berlin und die Berliner entstanden wäre, auch * weiteren Folgen zu berücksichtigen haben, die damit ” den gesamten deutschen Baumarkt, für die Preis- ^vicklung der Baumaterialien usw. eintreten müßten. Ztt dem Berliner Magistrat kann man es wiederum wohl Mühlen, daß er sich in seinem Selbstverwaltungsrecht Ermäßig eingeengt glaubt, wenn er nicht einmal in W.oh- "'Wfragen, oder richtiger gesagt: in der Verfügung über ."bebautes städtisches Gelände, nach eigenem Gutdünken schalten und walten dürfen. Wieder einmal machen also hier die Erfahrung, daß sich wohl in der Theorie auch in verlockend klingenden Verfassungssätzen .^Zhand schöne und ideale Bestimmungen formulieren daß aber hart im Raume Dinge Zusammenstößen, °bald es darum geht, aus Worten Taten entstehen zu
Man fühlt sich gekränkt im Berliner Rathaus, und wirft der preußischen Regierung Engherzigkeit ^' Kurzsichtigkeit vor. Aber vielleicht findet man etwas in der Beobachtung, daß eben diese preußische Re- Ä9 stch auch ihrerseits wieder beschwert und verletzt W durch das Verhalten der R e i ch s r c g i e r u n g , die Feindseligkeit gegen den größten deutschen Einzel- Mn seine materiellen wie auch gegen seine poli- W Interessen beschuldigt.
*
luirÄsÄ Preußen und das Reich! Hier schon gar nicht mehr mit kleinkalibrigen oder mit hier wird schon fast mit Kanonen
° »eldhaubitzen hinüber- und Herübergefchossen. So- S am Platz der Republik, im Reichstag, und m der. im Landtag, die gleiche n und in der Regierung vertreten b»(l »lies, wenn auch nicht besonders gut, so doch leidlich und friedlich. Seit dem Bestehen der
Regierungsmehrheit bei der Relchsregrerung aber I Leibungen auf allen Wegen und Stegen. An I " -llen zur Berftänbiauna sollte es doch eigen;.nh
Ärach an der Börse.
Kiesigtzr Kurssturz in Berlin.
Schließung der Börse erwogen.
Der in den letzten Wochen ziemlich unbegründet auf sämtlichen Effektenmärkten in die Höhe getriebene Kursstand ist jetzt zusammengebrochen. An der Berliner Börse spielten sich Freitag angesichts der anhaltenden Kursrückgänge die wildesten Szenen ab. Der Börsenvorstand tagte dauernd, um über geeignete Maßnahmen zur Verhütung des Äußersten zu beraten. Kurseinbußen in Höhe von 10 % und darüber bildeten die Regel, vielfach waren die Notierungen uni 30 % rückläufig; am ärgsten war der Kursrückgang von Schultheiß, dieses Papier ging um rund 80 % zurück. Der Börsenvorstand prüfte daraufhin sofort die Frage, ob die Börse zu schließen sei. Man kam jedoch zu dem Beschluß, den Verkehr weiter stattfinden zu lassen, jedoch mit der Einschränkung, daß bei Kursrückgängen über ein gewisses Ausmaß die Kurse nicht mehr noliert werden sollen. Die Panikverkäuse sind allgemein. Von draußen wie von den Depositenbanken wurde sehr stark verkauft.
Me Gründe des Zusümmendruchs sind darin zu suchen, daß die Berliner Banken allgemein die Vörsenkredite stark einschränkten. Die Mitglieder der
hüben wie drüben gewiß nicht fehlen. Aber unter umständen sind die Verhältnisse nun einmal stärker als der beste Friedenswille. Preußen lebt schon mit Hamburg auf mehr als bloß gespanntem Fuß; jetzt fordert es auch das Reich zu schweren Redekämpfen heraus. Das ist natürlich ein sehr unerfreulicher Zustand, dem wohl nur dadurch ein Ende zu machen sein wird, daß entweder die Parteigruppierung.im Reich wieder derjenigen in Preußen angeglichen oder umgekehrt in Preußen eine neue Regierung gebildet wird, die mit derjenigen im Reich in gleichem Schritt und Tritt marschieren kann. Das eine wie das andere aber läßt sich natürlich nur unter schweren Kümpfen möglich machen. Danach wissen wir ja wohl ungefähr, was uns die nächsten Wochen und Monate einmal wieder bringen werden.
Dr. Sv.
VmchsuHmß mMer Vureauräume in London.
Ein Protest des russischen Geschäftsträgers.
Die Beziehungen zwischen Rußland und England sind aufs neue schwer getrübt. Der Grund hierfür liegt in dem Vorgehen der Londoner Polizei, die plötzlich eine Durchsuchung der im Londoner Geschüstsviertel liegenden Bureauräume der russischen Firma Arcos vorgenommen hat, die alle russischen Geschäfte zwischen England und Rußland vermittelt. Die Geschäftsräume der russischen Handelsdelegation, die unter dem Schutz der diplomatischen Exterritorialität stehen, blieben von der Haussuchung unberührt. Trotzdem ist man in Rußland über das Vorgehen der Londoner Polizei stark erregt und der russische Geschäftsträger in London ist beauftragt worden, beim englischen Außenminister einen formellen Protest gegen die Durchsuchung der russischen Bnreanrümne cinzulegen.
Ein Grund für das Vorgehen der Londoner Polizei ist bisher noch nicht bekannt geworden, doch wird in Londoner Kreisen angedeutet, daß für die Durchsuchung außerordentlich wichtige Gr ü n d e vorliegen. Einige Londoner Blätter glauben, daß es sich hier um einen Kampf gegen russische Propaganda in England handele, während andere von Abschriften britischer amtlicher Dokumente sprechen, die in den russischen Bureaus vermutet wurden.
Die „Westminster Gazette" weist darauf hin, daß bannt zu rechnen ist, daß in kurzer Zeit ein A b b r n ch d e t Beziehn ngen zwischen WrMriiaknien und Sowjetrußlaud erfolgen wird. Sollten die Vorgefundenen Dokumente beweisen, daß interuatisnare Unregelmäßigkeiten vorgekommen find, so mkb die britische Regierung das Handelsabkommen mit Rußland fündigen. Eine solche Aktion würde, so mini das Blatt, der SowjeLrcgiermrg die Fortsetzung der diplomatischen Beziehungen schwierig machen.
Die Durchsuchung der russischen Bureauräume, an der ein großes Aufgebot von uniformierten Polizisten und Detektiven beteiligt ist, ist noch nicht abgeschlossen, sie soll noch einige Tage dauern. Alle Bureaumöbel werden einer eingehenden Durchsuchung unterworfen und auch die Angestellten mußten sich einer Leibesvisitation unterziehen. Verhaftungen fanden bisher nicht statt.
Mr desW-WiaW ZerßÄdtzüW.
Die Besprechungen Dr. Stresemanns mit Dr. Olszowskk.
Jm Anschluß an eine in Beuchen abgehaltene Ost- markeutagung, auf der auch Neichsjustizminister Dr. Hergt das Wort ergriffen hatte, fühlte sich die polnische Regierung gedrängt, gegen die Ausführungen; die auf dieser Veranstaltung gemacht worden sind, Einspruch 31t erheben. Ursprünglich bestand der Plan, diesen Einspruch in eine Protestnote zu kleiden. Diese Absicht ist jedoch dann plötzlich wahrscheinlich auf das Wirken des polnischen Gesandten in Berlin bin aufaeaeben worden. Vielmehr hat
Vereinigung von Berliner Banken und Bankiers (Sterne pelvereinigüng) sind nämlich untereinander übereinge- kommen, die zu Report- und Lombardzwecken (Fristver- längcrungs- und Leihgelder) und zur sonstigen Beleihung von Effekten gewährten Gelder allmählich, aber erheblich heraSzusstzen. Sie werden deshalb zunächst die börsen- mäßige Termingeldhergabe bis Mitte Juni um 25 % vermindern und an den darauffolgenden Terminen weitere Einschränkungen vornehmen. Der Kundschaft gegenüber wird im gleichen Sinne Verfahren werden. Die Preußische Staatsbank (Seehandlung) teilt mit, daß sie sich mit ihren Maßnahmen in voller Übereinstimmung mit dem Vorgehen der Stempelvereinigung betreffend Herab- fetzung der Report- und Sombarbgelber befindet. — Auch die Reichskreditgefellfchaft A.-G. wird sich dem Beschluß der Stempelvereinigung anschließen.
Bei diesen Kreditbeschränkungen sahen sich zahlreiche Bankkunden genötigt, große Effektenbestände abzustoßen, und die unausbleibliche Folge war dieser schwarze Tag an der Börse, durch den Spekulanten und auch das Laienpublikum, das sich an den Börsengeschäften beteiligte, ungeheure Verluste erlitten. In den Gesprächen an der Börse wandte man sich erregt gegen die Politik der Reichs- bank, die einen Druck auf die übrigen Banken zur Kreditbeschränkung ausgeübt habe.
der polnische Gesandte in Berlin, Dr. Olszowski, dem deutschen Außenminister einen längeres Besuch abgesiattet, in dessen Verlauf die Tagung in Beuthen ausführlich besprochen wurde. Das Ergebnis dieser Besprechung ist in einer gemeinsamen Kundgebung niedergelegt, in der darauf hingewiefen wird, daß der polnische Llnßen- Minister durch seinen Gesandten wegen der Beuthener Kundgebung Vorstellungen erhoben shabe, da diese Kundgebungen die Bestrebungen Polens und Deutschlands erschwerten, eine wirtschaftliche Verständigung zwischen beiden Ländern zu schaffen. Weiter ließ der polnische Außenminister bitten, daß Notwendiges unternommen werde, um in Zukunft einer etwaigen Störung der Ver- standigungsbestrèbungen zu begegnen.
Reichsminister Dr. Stresemann hat darauf erwidert daß die deutsche Politik Polen gegenüber keine Änderung erfahren habe. Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland seien durch die in Locarno getroffenen Abmachungen geregelt, die im Wege des Ausgleichs- oder Schiedsverfahrens eine friedliche Erledigung von Differenzen zwischen Deutschland und Polen gewährleisteten. Diese Grundlage unseres Verhältnisses zu Polen sei durch die Erklärung der heutigen Reichsregierung ausdrücklich bestätigt.
Wenn der polnische Außenminister sich durch Kundgebungen, anläßlich der Tagung in Beuthen beunruhigt fühle, so sei das teilweise auf entstellte und übertriebene Pressenachrichten, teilweise auf Mißverständnisse dessen, was gesagt worden ist, zurückzuführeu. Je mehr der Wille der verantwortlichen Regierung darauf gerichtet sei, eine Politik friedlicher Verständigung zu führen, um so weniger dürfte den Kundgebungen, die auf der einen oder anderen Seite stattfanden, eine übertriebene Bedeutung beigemessen werden. Die deutsche Regierung habe ihrerseits wiederholt Mitteilungen über Kundgebungen in Polen erhalten, ohne dagegen Beschwerde einzu- legen. Es sei klar, daß beide Regie rungen Sorge tragen müßten, um Störungen ihrer gemeinsamen Bestrebungen zu begegnen.
Deutsches Reich
Der ReichSrat gegen Einschruickung der Kriscufürsorge.
Der Reichsrat befaßte sich mit einer Verordnung des Arbeitsministers über die Einschränkung der K r i sensu r s 0 r g e für Erwerbsl 0 f e. In der Verordnung war für das Baugewerbe und dessen Hilfsgewerben, für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gärtnereien, Verviel- fältigungsgewerbë und Hausgewerbetreibende die Krifen- fürsorge wegen der gebesserten Lage des Arbeitsmarktes aufgehoben worden. Außerdem sollte sie in einzelnen Bezirken beseitigt werden, in denen die Erwerbslosigkeit keinen großen Umfang mehr hatte. Der Reichsrat beschloß in namentlicher Abstimmung mit 41 gegen 26 Stimmen, die Vorlage abzulehnen. Die Vertreter der preußischen Provinzen stimmten sämtlich mit dem Staatsncknisterium gegen die Verordnung. Weiter wurde ein Gesetzentwurf über die E i n f u h r s ch e i n c angenommen, der bestimmt, daß bis zum Ablauf des 31. Juli bei der Ausfuhr von Roggen, Weizen, Spelz, Gerste und Hafer Einfuhrscheine nicht erteilt werden.
Keine RcichSwehroffiziere bei der Stahlhelmkundgebung.
Eine Berliner Zeitung hatte gemeldet, daß an der Stahlhelmlundgebung auch Offiziere der Reichswehr als Ehrengäste teilgenommen hätten. Wie von unterrichteter Seite hierzu mitgeteilt wird, trifft diese Behauptung nicht zu. Die verabschiedeten Offiziere tragen ein besonderes Abzeichen auf der Schulter, das offenbar von bem Berichterstatter übersetzen worden ist.
Aus Zn- und Busiarw
Graz. Anläßlich der Hundertjabrseier der Universität hat die juristische Fakultät dem Reichspräsidenten v 0 n H i n d e u - b n r g die Würde eines Ehrendoktors der Staatswissenschaften verliehen.