Zulöaer /lnzeiger
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Nr. 5 — 1929
Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg
Zul-a- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt
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Fulda, Montag, 7. Januar
6. Jahrgang essssÄSS-B
Erohfürst Nikolaus f.
Wie HavaS aus Nizza berichtet, ist Großfürst Nikolaus Sonntag nacht im 73. Lebensjahre auf seiner Besitzung in Cap Antibes gestorben.
Der Name Nikolaus Ntkolaiewusch bringt uns nicht kiet- Ach und freundlich ins Ohr. Der Mann, der ihn trug, erschien «ns zu Beginn des großen Krieges als die Bertörperunß el »es Furchtbare«. das uns vom Osten her zu bedrohen schien. Mammulartig wälzten sich die ruffischen Heeresmaffen über Deutschlands Ostgrenze ins Ostpreußtsche hinein, um alles, was ihnen im Wege war, ntederzutrampeln Furcht und Grauen bezeichneten ihre Straße. und der sie führte, war b« Großfürst Nikolaus Nikelaiewitsch, der Teneraltsst- mus der russischen Armeen, von dem man sagte, daß er ein Feldherrngenie sei und daß er als starrer, unbeugsamer Vertreter des Allrussischen gegen deutsche- Wesen außer dem durch den Krieg bedingten „ossipellen' Haß noch einen Privat haß habe. Aber sein Ruhm war durchaus von dieser Welt und, wie alles Irdische, vergänglich Tannenberg und die Umkreisung der Ruffenheere an den Masurischen Seen und die Niederlagen in Galizien brachen dem Großfürsten daS Genick Sang- und klanglos verschwand er schon im zweiten Kriegsjahre — tm September 1915 war es - vom großen Kriegsschauplatz um den .Ehrenposten' eines VtzeköiilgS des Kaukasus' zu übernehmen Diese .Ovation' war eine Kaltstellung hohen Ranges Der Großfürst soll dann noch bei ber Abdankung oder Absetzung des Zaren Nikolaus 11 eine ge- wisse und, wie es heißt, etwas zweifelhafte Rolle gespielt haben, aber Beglaubigtes bat man bis letzt darüber nicht erfahren Auch das. was nach dem Kriege von seinen Herr» schaftsgelüsten und seinen Thronansprüchen gesagt wurde, walk zum großen Teil nicht mehr als Gerücht Man weiß, daß bei diesen Aspirationen auf einen Thron der bis ans weiteres nur „in der Idee' existieren dürfte, sich mehrere Linien und mehrere Großfürsten in Zeitungsartikeln befehden, und bte Partei, die den Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch aus den Zarenstuhl setzen wollte, soll sich eines nicht zu unterschätzen- den A"hanges erfreut haben Nur ein bißchen zu alt für «rHeikg,Äatie.r mochte der Großfürst vielen erscheinen öfter genannt wurde sein Name auch in Verbindung mit den „No- Vellen", die sich um die angebliche Zarentochter Anastasia spannen: Nikolaus tat diese Abenteurerin mit einer kühlen Handbewcaung *»« Schwindlerin ab. .I« ibrtiss
Ein Nachspiel zu Kyritz.
Freispruch der Angeklagten.
Vor dem Amtsgericht in Pritzwalk hatte« sich der Vorsitzende, Gutspächter von Jena, und der Geschäftsführer, Major a. T. Cordes, vom Landbund Ostpriegnitz wegen Aufreizung des Landvolkes zum Steuerstreik zu verantworten. Es handelt sich um dieselben Vorgänge am 12. März 1928, um die es sich bereits in dem großen Kyritzer Sensationsprozeß gehandelt hat, und außer dem Vorsitzenden und dem Staatsanwalt waren auch die Zeugen dieselben wie in Kyritz. Nur ist die Anklage wegen Aufreizung zum Steuer streik infolge einer Anzeige erst nachträglich erhoben worden und sie gewann ein besonderes Interesse dadurch, daß ein preußisches Gericht sich zum erstenmal mit diesem Vorgang zu beschäftigen hatte, der schon in verschiedenen Bundesstaaten eine Beurteilung mit sehr abweichendem Erfolg durch die Gerichte erfahren hat.
Die Aufforderung zum Steuerstreik, welche bte Staatsanwaltschaft zum Gegenstand der Anklage gemacht hat, soll in einer gleichlautenden Resolution enthalten sein, welche vom Reichslandbund in Berlin den Kreislandbündcn zur Verfügung gestellt worden war und an demselben Tage von zahlreichen Versammlungen im ganzen Reiche angenommen worden ist.
Die beiden Angeklagten erklärten, daß es bestimmt nicht ihre Absicht gewesen sei, zur Verweigerung der Steuerzahlung aufzufordern. Sie hätten geglaubt, da damals Verhandlungen zwischen Reichsregierung und Reichslandbund schwebten, daß die ihnen zugestellte Resolution in der allgemeinen Richtung dieser Verhandlungen gelegen habe und darum keinesfalls gegen das StaatS- tnteresse gerichtet gewesen sein konnte. Insbesondere betonte der Angeklagte von Jena, daß er die Entschließung, „die Landwirte können keine weitere Zahlung leisten", dahin in seiner Ansprache absichtlich abgeschwächt habe, daß jeder zahlen müsse, der zahlen könne, daß aber niemand, der keine Einnahmen habe, zu zahlen brauche. Denn die Substanz, das Eigentum, sei durch die Verfassung geschützt. .
Nach dieser Erklärung ließ der Staatsanwalt die Anklage gegen Herrn von Jena wegen dessen Rede fallen, beantragte aber gegen beide Angeklagte wegen Abdruckes der Entschließung ohne abschwächenden Kommentar tm Landbundorgan statt der eigentlich verwirkten Gefängm»- strafen 350 bzw. 50 Mark Geldstrafe.
Nach langen gegenseitigen Plädoyers der Anklage und der Verteidigung, in denen es sich besonders darum handelte, ob die der Anklage zugrunde liegende, inzwischen von allen politischen Parteien sehr umstrittene Notverordnung aus der Inflationszeit vom September 1923 noch rechtsgültig sei, kam das Gericht zu einem F r e i s p r u ch beider Angeklagten. Zwar sei die Reichslandbundentschließung nach Ansicht des Gerichtes objektiv eine Aufreizung zum Steuerstreik. Subjektiv aber sei den Angeklagten kein Bewußtsein einer strafbaren Handlung nach- -uweilen aewesen. Die Notverordnung sei rechtsgültig.
I führte er feit den Friedensschlüssen ein Leben in Stille uno Zurückgezogenheit. Er trat nicht mehr in die große Welt । hinaus und lebte bald an der französischen Riviera, bald in Paris, auch hier in dem Weltftadttrubel, ein Einsamer, der er auch früher schon gewesen ist
Als Sohn des Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch des Ast-ren wurde Nikolaus Nikolalewiisch am 18. November 18 5 6 in Petersburg geboren: feine Mutier war eine oldenburgische Prinzessin Der Pater. der in Rußland wegen 'einer vielen galanten Abenteuer berüchtigt war und wegen seiner Vermögensvergeudung für längere Zeit unter Kuratel gestellt werden mußte, war einer der Söhne des Zaren Nikolaus I und ein Bruder des Zaren Alexander TT Nikolaus Nikolalewiisch der jüngere stand also zu Alexander HL, dem Söhne Alexanders II., tm Verwand»- schaflsverhällnis eines B e i i e rs Die vielfach ausgestellte Behauptung, er sei der Oheim des ermordeten Zaren Nikolaus II., der ein Sohn Aleranders III war, gewe'en, ist also unrichtig. Im Russisch-Türkischen Kriege, in dem sein Vater eine Zeitlang den Oberbefehl führte, um später gleichfalls abgesagt zu werden, wurde Nikolaus Nikolajewitsch der Jüngere Generalftabsoffizier Das war nach den Schlachten am Schipkapaß und bet Plewna Als Kommandeur des Leib- garderegtments bildete er den schwächlichen Nikolaus 11 „für i das Militärische" aus Da ihm eine Ehe mit einer Dame nicht fürstlichen Geblütes von Alerander III untersagt worden war, hieli er sich vollständig fern vom höfischen Leben Später heiratete er die geschiedene Fürstin Romanowsky. geborene Prinzessin Peirowitsch Nieaosch von '"fontenegro 1Mb wurde der Großsürst Geneeraladjumn: und Generaltnsp^kteur der russischen Kavallerie mit außerordenilichen Befugnissen und Wilhelm II machte ihn im August 1897 anläßlich eines Besuches in Petersburg zum Chet des Magdeburgischen Husarenregiments Nr 10 Der Großfürst stieg dann auf der militärischen Stufenleiter immer höher er wurde Vorsitzender des Landesverieidigungsrates und organisierte als solcher den ■ Krieg und wurde Oberkommandeur des Petersburger Militärbezirks. Aber auch .bürgerliche" Ehren wurden ihm zuteil: die Universität von Odessa machte ihn zum Ehrendoktor Die ihn kannten, erzählen, daß er ein Mann von nicht geringer Bildung gewesen sei, und daß man sich in allen Lebenslagen auf ihn habe verlassen können: kein Talent, doch ein Charakter
Wenn die Annahme der Angeklagten daß die Ent- schließung mit den damaligen Absichten der Reichs- ; regierung einig ging, richtig wäre, so würde dieses Urteil voraussichtlich der Ausgangspunkt zu zahlreichen weiteren, stark politisch gefärbten Prozessen bilden, in denen festgestellt werden müßte, ob eine Regierung mit ihrem er- klärten Einverständnis ihren Boykott durch die Staatsbürger empfehlen könnte.
Landwirischafi und ^Reparationen.
Eine Rede des ReichSernährungsministerâ Dietrich.
Bei der Landesversammlung der Deutschen Demo» kratischen Partei Württembergs in Stuttgart ergriff auch der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Dietrich das Wort. Er führte u. a. aus, daß heute das große Problem der Kriegsabrechnung drohend vor uns stehe. Man muß bezweifeln, sagte er, ob Deutschland dem bevorstehenden Kampfe gewachsen ist, zumal es bis jetzt noch immer nicht gelungen ist, in Berlin eine Reichs- regierung, die sich auf eine Mehrheit stützt, zusammenzu- bimgen. Der Bericht des Reparationsagenten eröffnet für uns bei der Lösung der Reparationsfrage wenig günstige Aussichten. Wenn man aber die Entwicklung der Neparationsfrage in den letzten zehn Jahren verfolgt, wird man doch hoffnungsfreudiger. Aus den 132 Milliarden bei den Londoner Abmachungen sind heute bei einer Kapitalisierung unserer Jahreszahlungen auf Grund des Dawes-Planes nur noch 40 Milliarden verblieben. Wir dürfen hoffen, bei den kommenden Verhandlungen noch unter diese 40 Milliarden herunterzukommen. Deutschland darf sich nie dazu hergeben, die Schulden der anderen Nationen an Amerika zu übernehmen und dann selbst bei Amerika betteln zu gehen.
Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging Reichsminister Dietrich auf die schwierige Lage der Landwirtschaft ein, wobei er erklärte, daß die zahlreichen Forderungen, die sein Vorgänger Schiele jetzt als Präsident des Reichslandbundes ausstelle, Schiele als Minister ja selbst hätte ausführen können. Nicht mit einem Notprogramm, sondern mit einem Programm auf lange Sicht könne die Agrarkrise behoben werden. Für die Notlage des Großgrundbesitzes in Ostelbien habe er volles Verständnis. In erster Linie treibe er aber Bauern- Politik. Die znsammenbrcchende deutsche Zuckerrübe n i n d u st r i e habe er aus ihren Schwierigkeiten herausgezogen. In der polnischen Frage versuche er andere Wege einzuschlagen dadurch, daß Deutschland einen Teil der polnischen Produkte zwar hereinnimmt, aber in einer Form, daß nicht die Preisgestaltung deutscher Produkte zerschlagen wird. Zur Kreditpolitik erklärte der Redner, daß sechs Milliarden Mark, die an^. Ausländsanleihen hereinkamen, in der Defizitwirtschasr i der Landwirtschaft verbraucht und verschwunden sind. >
Kleine Zeitung für eilige Leser
♦ Da sich England, Frankreich Italien und Belgien über die Auswahl ihrer Sachverständigen zur Schuldenregelungs- konserenz geeinigt haben sollen die Ernennungen in den nächsten Tagen erfolgen
* Retcdsiagsabgeordneier Pros D. Dr Kahl sprach in einem Vertrage die Meinung aus daß die Abschaffung der Todesstrafe im neuen deuIschen Strafrecht fast sicher sei
* Der Führer der Anlhroposophtschen Gesellschaft, Dr. Unger wurde in Nürnberg von einem Geisteskranken erschossen.
* Ein Teil der aus Kabul geretteten deuischen Frauen und Kinder hat bereits die Heimreise aus Bombay angetreten.
Der Gaskrieg.
Gegen das immer größere Kaliber moderner Kanonen, gegen die immer stärkere Durchschlagskraft ihrer Geschosse fand der Weltkrieg mannigfachen Schutz: Unterstände, Panzer, dünne Besetzung des zur Verteidigung ausgewählten Geländes. Gegen das Gas aber, wie es namentlich in den letzten Zeiten des Weltkrieges verwandt wurde, gab es praktisch keinen Schutz mehr. Und in den zehn Jahren nach dem Weltkrieg ist die chemische Entwicklung nicht zum Stillstand gekommen, auch nicht die Erfindung und Erzeugung neuer Giftgase, denen gegenüber die im Weltkrieg verwandten noch sozusagen harmlos waren.
Die Welt ist sich klar darüber, welch' furchtbare Waffe dieses Giftgas bedeutet, furchtbarer noch dadurch, weil es im Luftkrieg eine Verwendung finden kann, die die gesamte Bevölkerung des angegriffenen Gcbiets treffen könnte, und zwar mit fast blitzartiger Überraschung und mit einer Wirkung die man sich verheerend und entsetzlich genug gar nicht vorstellen kann. Ein heute ausbrechender Krieg kann morgen die Bevölkerung ganzer Länderstriche, ganzer Großstädte und Industriegebiete restlos vernichtet bab--n mit Hilfe einer Luftflotte, die überraschend oder nach Niederkämpfung des gegnerischen Luftschutzes siegreich eindringt. Und wie gering die moderne, seit Kriegsende wohl sicherlich vermehrte, aber nicht vervollkommnete Wirkung des Luftschutzes ist das haben die englischen Manöverangriffe auf London klar bewiesen. Darum sind die großen Militärmächte eifrigst dabei, diese Waffe gegen die eS für die angegriffene Bevölkerung einen Schutz bisher nicht gibt, aufs energischste auszu- gestalten, stets auf modernstem Fuß zu halten. Daran wird sich auch kaum etwas ändern wenn jetzt in Frankfurt am Main eine Tagung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit die ganze Furchtbarkeit des Gaskrieges in und nach dem Weükrieg breit zur Darstellung bringt Wenn der eine Redner z. B erwähnt daß es heute etwa zwei Dutzend Giftgase gibt, die für kriegerische Zwecke verwendbar sind so zeigt das schon zahlenmäßig die Nachkriegsentwicklung auf diesem Gebiete. Selbst das Hilfsmittel der Gasmaske wird hier unbrauchbar, weil jedes ein- eine Giftgas eine besondere Patrone in der Gasmaske verlangt, außerdem eine Reihe von diesen Gasen ihre tödliche Wirkung nicht durch die Almungsorgane, sondern durch Hautverbrennungen erzielen, wogegen nun wieder ein besonderer Schutzanzug nötig wäre. So ist man sich — nicht bloß auf der Frankfurter Tagung — absolut klar darüber, daß es für die Millionenmassen der Bevölkerung einen Schutz gegen den Gasangriff einer siegreichen Luftflotte des Gegners nicht gibt. Den Bau von Untere ständen für die Bevölkerung auch nur vorzuschlagen, ist phantastisch.
Nun ist ja durch den Völkerbund grundsätzlich die Abschaffung des Gaskrieges beschlossen worden — nur haben von einigen dreißig Staaten dieses Abkommen bisher nur etwa acht, aber nur militärisch ganz unwichtige, ratifiziert. Die Vereinigten Staaten z. B., die ja gar nicht zum Völkerbund gehören, haben dieses Abkommen ebensowenig angenommen wie England, Frankreich, Italien und Rußland.
Bei einer internationalen Überwachung der chemischen Industrie — die sicherlich überhaupt nicht gebilligt werden würde — käme auch nichts heraus, wett eine ganze Reihe der Giftgase bei der Erzeugung sonstiger chemischer Produkte eine erhebliche, teilweise ganz unentbehrliche Rollo spielen. Also auch da ist praktisch nichts zu machen, zumal die großen Militärmächte sich diese Waffe gar nicht rauben lassen wollen. Die ficinen übrigens auch nicht — und das ist, wie heute die Dinge auf Grund des Versailler Vertrages nun einmal liegen, für Deutschland von eventuell katastrophaler Bedeutung, weil wir uns bisher nicht eüt = mal gegen derartige Angriffe der Kleineren schützen können. Mit gleichen Mitteln uns zu wehren ist ja in jenem famosen „Friedens'vertrag verboten und bte deutsche Reichshauptstadt liegt nur eine kleine Flugstunde von der polnischen Grenze entfernt! Gerade Polen aber hat schon in Warschau regelrechte Übungen im Gaskrieg veranstaltet. Da sollten auch wir in Deutschland die Flinte nicht gleich ins Korn werfen.-sondern ebenfalls versuchen, uns so weit wie irgend möglich und im Rahmen der verfügbaren Mittel mit dem Gedanken eines Schutzes gegen Gasangriffe vertraut zu machen. Besonders deswegen, weil die Hoffnung darauf, daß einmal der Gaskrieg nicht bloß theoretisch, sondern praktisch abgeschafft wird, etwa dieselben Erfüllungsaussichten hat wie bc* ganze Abrüstunasgedanke.
Varker Gilbert in Washington.
Washington. Der Reparauonsagem Parker Gilbert ist hier eingetroffen, um mit Scpaeiefretär Mellon über bte Reparalionsfrage zu beraten. In den nächsten Tagen wird er auch mit Präsiden: Coolidge und dessen Nachfolger Hoover beraten. Parker Gilberi steh: nach wie vor auf dem Staut« punft, daß sein letzter Berich:, der in Deuischland so viel Aufsehen erreg: hat, als unparteiische Meinungsäußerung gedacht gewesen fei.