Erscheint seien Werktag. Bezugspreis: monatlich 3 Mark. Bei Llefsrungsbehmöerungen üurch „Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen öem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Chrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeltungsser- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a.M.Nr.iLoos
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg | Zulöa- unö Haunetal ^Zulöaer KreisölaS Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 * §emsprech-Knschlnß fir.9$9 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit GueUenangabe Fuldaer Fnzeiger'gestaüet.
ssenschas.
0.30 mr., k., für die /o.isme., /-nunggstel- ^en zu erfol- unverbindlich.
Nr. 7. — 1929,
Früda, Mittwoch, 9. Januar.
Jahrgang.
Kleine Zeitung für eilige Lesèr
* Der deulsche Botschafter von Hoesch hat sich von Paris nach Berlin begeben, um mit den maßgebenden Regierungs- stellen über die kommende ReparalionSkonferenz zu konferieren.
* Zwischen den deutschen und polnischen Eiseninteresienten ist eine vorläufige Übereinkunft über die Behandlung der gegenseitigen Eisenaus- und -einsuhr erzielt worden
* Das amerikanische Flugzeug „Queftion Mark" hat einen Retbrddauerslug zuriickgelegt, indem cs über 150 Stunden in der Lust blieb
* Tn Chile wurde durch einen Ausbruch des Vulkans Lalbneo die Unigebung des Berges völlig verwüstet Große Crniebestände und viel Vieh fielen den Lavaströmen zum Spier
Wohin geht der Weg?
Ob wirklich das Wort: „Was lange währt, wird gut* auch auf den neuen Reichshaushalt zutrifft, dessen Beratung und Fertigstellung nun endlich beendet ist? Man weiß bisher nur das eine: der Haushalt bringt Steuererhöhungen, und darüber freut sich höchstens der Neichssinanzminister. Weniger aber die Steuerzahler. Und wenn der Haushalt fertig ist, so ist er es nur theoretisch: denn man weiß aus vielfältiger Erfahrung, daß der Reichstag bei der Etatsberatung immer außerordentlich „gebefreudig" ist, dort die Ausgaben in der Regel erhöht Werben und der Reichsfinanzminister sich dann den Kopf darüber zerbrechen darf, wie er für Deckung der neuen Ausgaben sorgen soll.
Bestimmte Anträge der Deutschen Volkspariei schon aus der Letzten Vorweihnachtszeit sollen ja dieser Ausgabefreudigkeil des Reichstages feste Grenzen setzen, — aber gegen diese Anträge hat sich schon sehr erheblicher Widerstand geltend gemachl, weil sie das Etatsrecht des Reichstages einschränken. Das ist gewiß richtig, wird aber deswegen nicht ganz verwerflich. Im übrigen wären derartige Vorschläge nicht notwendig, wenn die Einschrän- knnabon außen durch eine liniere Mäßigung ersetzt würde mit dem Ziel, den immer noch nicht balancierenden MMshaushalt nun durch neue Ausgabenbewilligungen oder -anträge nicht völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Natürlich ist dazu eine Regierungsmehrheit mit festgeschlossener Zusammenfassung und genau bestimmter Marschroute notwendig, eine Maßnahme, die durchzuführen politische Aufgabe der nächsten Zeit sein wird, nm spätestens bis zum 22. Januar, dem Tage des Zusammentritts des Reichstages und des Preußischen Landtages, zu klaren Mehrheitsverhältnissen zu gelangen.
Fragt sich nur, ob das möglich sein wird. Der neue Parleivorsitzende des Zentrums, Tr. K aas, hat sich über die derzeitige innenpolitische Lage in Ausdrücken geäußert, die zum mindesten zu verstehen geben sollen, daß die Aufstellung einer ganz genau bestimmten Marschrichtung unbedingte Voraussetzung für die an und für sich zu erstrebende Große Koalition sein soll. Das Zentrum müsse wissen, wohin die Reise geht. Der Vorstoß, den gleich nach Neujahr die Teutsche Volkspartei — wenigstens in Teilen ihrer Presse und offenbar aus außenpolitischen Gesichtspunkten heraus — gemacht hat, ist wieder zum Stehen gekommen, nicht zuletzt, weil der Reichskanzler, also der Träger der zwischenparteilichen Verhandlungen, erkrankt ist und wohl erst Mitte des Monats nach Berlin zurückkehrt. Die Frage der Deckung des Defizits im Haushalt durch Steuererhöhungen ist ja innerhalb der Parteien noch längst nicht geregelt, weil die Bahertsche Volkspartei von einer Heraufschräubung der Biersteuer ebensowenig wissen will wie das Zentrum und die Deutsche Volkspartei die Erweiterung und die Er- HDMg der Erbschaftssteuer zu schlucken bereit sind Andere Differenzen kommen hinzu und so mehren sich die Stimmen, die lieber den augenblicklichen Zustand einer sehr losen parlamentarischen Bindung erhalten wissen wollen, als die Gefahr einer offenen Krise — und das noch kurz vor Zusammentritt der Sachverständigenkon f c r c n z für die Revision des Dawes-Planes! — herauszubeschwören. Ist doch z B. einer der wichtigsten Steine des Anstoßes, nämlich die Beteiligung der Dent-, scheu Volkspartei an der P r e u ß c n r c g i e r u n g, auch nicht einen Zentimeter aus dem Wege gerückt.
Natürlich wird auch die Opposition der Rechten dem jetzigen nur locker zusammengefügten Reichskabinett und seiner Mehrheit parlamentarische Schwierigkeiten genug machen. Angekündigt ist dies auch schon, und gerade bei den kommenden außen- bzw. reparationspolitischen Debatten ist eine solche Opposition eben vom Standpunkt der Regierung aus zu benutzen. Sind doch selbst im Zentrum gewisse Bedenken gegen die Methoden unserer Außenpolitik laut geworden, sprechen von einer stärkeren Betonung des deutschen Fnteressenstandpunktes und lehnen jede Verschleierung der für Deutschland leider bestehenden Ungunst der Lage durchaus ab. Wir sind in Deutschland immer viel zu sehr geneigt, Vorgänge außerhalb unserer Grenzen gleichfalls durch eine Art parteipolitischer Brille oder nach dem Schema einheimischer Partetgrundsätze zu betrachten und zu beurteilen. Was natürlich immer zu einer verzerrenden Betrachtung und in die Irre gehenden Beurteilung führt. Noch sind wir in Deutschland leider auch längst nicht so weit, die eigenen außen- und rcpara- tionspolitischen Fragen ohne jene.Brille zu betrachten, obwohl es sich dabei nicht um das Wohl und Wehe einzelner Parteien, um die Richtigkeit oder Falschheit ihrer politischen Anschauungen und Grundsätze, ihrer Worte und Taten handelt, sondern um das Schicksal des ganzen deutschen Volkes.
Botschafter v. Hoesch in Berlin.
Vorbereitung zur
Reparationskonfereuz.
Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, trifft am 9. Januar in Berlin ein und wird sich einige Tage in der Neichshauptstadt aufhaltcn. Botschafter v Hoesch wird dem Reichsaußenminister bei dieser Gelegenheit Bericht erstatten über die Stellungnahme der französischen Regierung in der Frage der Sachverständigenkommission und mit verschiedenen Stellen Rücksprache über die Einberufung und Zusammensetzung der Sachverständigenkommission nehmen.
Vor seiner Abreise aus Paris hatte Botschafter v. Hoesch eine längere Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand. Es soll dabei nicht nur über die politischen Fragen gesprochen worden sein, die sich auf die Reparationen und die Sachverständigenkonferenz beziehen, sondern auch über die Organisation des „Ausschusses für Schlichtung und Feststellung", der nach der Räumung des Rheinlandes in der militärischen Zone eingerichtet werden soll.
Bevorstehende Ernennung.
In Paris wurde amtlich mitgeteilt, daß die Ernennung der alliierten Sachverständigen durch die Repara-
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Die enttäuschten Kroaten.
Nach der Umwälzung in Belgrad.
Wenn auch die ersten Meldungen über den Staatsstreich von rückhaltloser Zustimmung der Kroaten sprachen, lassen die später durchgedrungenen Berichte die angebliche Zustimmung doch schon in zweifelhafterem sichre erscheinen. Die Miuistcrliste enthält durchweg Persönlichkeiten, die den kroatisch.n Forderungen auf Selbständigkeit im Jugoslawischen Staat entgegenstehen. Man I soll sich in den Kreisen der Kroaten jetzt nach Bekanntgabe der Auflösung der Gemeindcauionomie und aller kroatisch- ! nationalen Parteien, Vereine und Organisationen vollkommen darüber im klaren sein, daß das absolutistische Regime weit davon entfernt ist, auch nur einen Teil der kroatischen Wünsche zu erfüllen.
In Agram ist bei dem früheren Abgeordneten der Kroatischen Bauernpartei Pernar und bei dem früheren Abgeordneten der Kroatischen Föderativen Partei Dr. Pawelitsch und bei mehreren führenden Leuten der Kroatischen Nationalpartei Haussuchung abgehalten worden. Es wurde nach Beweisen staatsfeindlicher Aktionen gesucht. Die Zeitungen, die eine Mitteilung über die Haussuchungen brachten, wurden beschlagnahmt. ; Pribitschewitsch, der in Agram angekommen ist, lehnte jede Stellungnahme zu den Maßnahmen der Diktaturregierung ab, war aber sehr verstimmt, weil seine Koalitionsgenossen von der kroatischen Radttsch-Partei die Dinge mit einem Optimismus betrachten, den er nickt teilt.
Vorstoß der Gegner Aman Mahs.
Ein Fort bei Kabul erobert.
Aus Kalkutta erfährt man, daß die afghanischen Aufständischen ein Fort vier Meilen von Kabul erobert haben und die Hauptstadt mit eroberten Geschützen der Regierungs- truppcn bombardieren. Ein nächtlicher Angriff auf die Stadt werde binnen kurzem erwartet.
Im ganz entgegengesetzten Sinne sagt eine amtliche Meldung aus Kabul, die allmähliche Wiederherstellung der Verbindungen auf den Landstraßen in Afghanistan werde durch die Tatsache erwiesen, daß Lastwagen und Kamelkarawanen von Ali Ahmed nach Dschellalabad gekommen seien. Wie verlautet, habe sich König Aman Ullah zur Aufhebung der allgemeinen Dienstpflicht sowie des Verbots für die ausländischen Mullahs, das afghanische Gebiet zu betteten, bereit erklärt. In Kandahar und Gbazri sei alles ruhig.
Zr'els $er Denischnationalen.
Graf Westarp zum Gilbert-Bericht.
In Charlottenburg sprach Graf Westarp über die „Aufgaben der bcutfdnmtionalen Reichstagsfraktion im kom- menben Jahre" Er stellte die Reparalionsverhandiungen in den Vordergrund. Der Pessimismus über ihren Ausgang ! sei gerade zum Jahreswechsel durch den Berich! des Repara- ' tionäagenten wesentlich bestärk, worden Der Bericht sähe mehr einem Anleiheprospekt als einer objektiven Betrachtung I der wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten ähnlich. Der Reparationsageni wünsche einen baldigen Abschluß der Revision Mit seinem Bericht habe er dieses Ziel nicht gefördert. In Deutschland seien Gilberts Ausführungen auf I schroffen Widerspruch aus allen Lagern gestoßen, der ebenso : unverhülli von allen Seiten zum Ausdruck komme wie die vom Reichspräsidenten den fremden Diplomaten beim Neu- jahrsempfang ausgesprochene Enttäuschung und Bitterkeit über die noch
nicht vollzogene Rheinlandrâümung.
1 In dieser Lage sei von deutscher Seite kurzentschlossenes einheitliches Handeln das Gebot Der Stunde Alle Stände, Handel Banken und Industrie wie Landwirtschaft und Mittelstand, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer seien gleichmäßig betroffen und müßten einheitlich vertreten werden Bei den geringen Aussichten für eine feste Regterunaskoaltiton habe Die Deutschnaltonale Bolf épartet Die Aufgabe, die aus ihrer CppofinoiWfteshmg sich ergebenden Möglichkeiten der Einflußnahme auf den Gang Der Repa râ llonsverhand- ütngen voll auszunutzen, ferner müsse sie alles tun, um im Lande die Erkenntnis von der Notwendigtett einer ge- icklossenen Rechten zu verbreiten.
tionskommission vorgenommen wird, die zu diesem Zweck am 10. Januar Zusammentritt. Die Sachverständigen sind bereits durch die Regierungen bezeichnet. Ernannt werden: für Frankreich der Gouverneur der Bank von Frankreich. Moreau, und der frühere Direktor der Schuldenabteilung, Parmentier: für England Sir Josiah Stamp und Lord Revelsloke. beide Direktoren der Bank von England; für Italien Tirelli und Professor Suvitsch: für Japan Mori, früher Finanzattachö an der Londoner Botschaft, und der Untergouverneur der Kaiserlichen Bank, Aoki. B e l g i e n hat noch feine Auswahl getroffen. In Betracht kommen die beiden Finanzsachverständigen Francgui und Terlinden.
Deutschlands Sachverständige.
Gegenüber bereits laut gewordenen bestimmten Meldungen wird in Berlin betont, daß eine Entscheidung Über die Ernennung der deutschen Sachverständigen für den Reparationsausschust bisher noch nicht gefallen ist Auch ist zu diesem Zwecke noch keine SiNnng des Reichskabinetts anberaumt worden Es ist jedoch der ganzen Sachlage nach nicht daran zu zweifeln daß die formelle Ernennung in den nä^st-n Tagen zu erwarten sein dürfte Es dürften a"ber dem Reichsbankvrätidenlen Schacht ante*- Umständen die bereits genannten Herren Melchior, Bögler und Beramann in Frage kommen.
Seulsch -polnisches Ellenübereinkommen.
V o i l ä u s i g e Festsetzungen.
Nach verschiedenen Meldungen liegt ähnlich wie für den deutsch-polnischen Holzvertrag jetzt auch für denjenigen Teil des allgemeinen Handelsvertrages, der die Eisen- wirtschaft betrifft, ein geme nsamer Komprnmiß- Vorschlag der Jnteresseiiten beider Länder vor. Zu dieser Nachricht erfährt man von untcrriWieter Seite, daß tatsächlich Verhandlungen zwischen den beteiligten Jndnftric- vrganisationcii gepflogen worden sind, daß die Regierungen sich das Ergebnis dieser Verhandlungen aber noch nicht zu eigen gemacht haben. Immerhin wird cs als wünschenswert bezeichnet, daß durch solche private Fühlungnahme der Hauptbeteiligtcii eine Grundlage geschaffen wird, die die amtlichen Verhandlungen über diesen Teil des Handelsvertrages erleichtert.
Wie weiter verlautet sollen nach ben vorläufigen Vereinbarungen die deutschen Eisensnnditaie in Zukunft nach Polen nur noch Walzprodukte liefern können, die von den polnischen Hütten nicht hergestelli werden Entsprechend der Höhe dieser deutschen Lieferungen soll auch die den polnischen Hütten zu gewährende Einsuhcmenge erhöbt werden die grundsätzlich mit 50000 Tonnen jährlich festzusetzen wäre. Die polnischen Syndikate haben sich außerdem verpflichtet, keine Waizprodnkte. außer Röhren, nach bestimmten Ländern auszuführen, die für die deutsche Ausfuhr Interesse haben. Andererseits sollen die polnischen Hütten jährlich 16b 000 T-nrnen Schrott aus Deutschland erhalten. Nach Übernahme dieser Vereinbarungen in den Handelsvertrag soll der Beitritt der polnischen Hütten zur Rohstahlgemeinschaft möglich sein.
Einwanderung nach Amerika.
Sperre vom 1 7. Januar ab ausgehoben.
Das Berliner amerikanische Generalkonsulat gibt amtlich besannt, daß von Donnerstag dem 17 Januar 1929, 9 Ubr vormittags an wieder Vormerkungen für Einwanderungsvisa nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika von Personen, die der deutschen Quote zugerechnet werden, d H. Personen, die im Gebiete des jetzigen Deutschen Reiches geboren sind auf allen amerikanischen Konsulaten in Deutschland angenommen werden. Neue Regjstrierungsformulare, auf denen die Anträge eingereicht werden müssen, sind bei allen amerikanischen Konsulaten sowie bei den meisten Schifsahrtsgesellschaften von Montag dem 14. Januar 1929, 9 Uhr vormittags, an erhältlich. Es werden nur Anträge aus neuen Formularen angenommen.
politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Wünsche der höheren Beamten.
Bei dem Bundestag des Reichsbundes der höheren Beamten in Königsberg wurde eine Entschließung angenommen, die eine Reihe von Wünschen aufzählt. Die Höhere Beamtenschaft habe noch nicht 80 Prozent ihrer Frixbensbesoldung erreicht; die einheitliche Besoldungs- rcgelung sei von einem Tei! der Länder durchbrochen worden. Mit besonderem Nachdruck wird auf die Schädigung hütgewiefen, die die höheren Beamten des besetzten Gebietes durch den fast restlosen Abbau der Grundzuschläge erlitten hätten Weitere Wünsche betreffen die Gleichstellung der Anwärter mit den Festangestellten und Besserungen des Wohnungsgeldes, namentlich der Beamten in Neubanwohnungen.
Für gültig erklärte Reichstagswahlen.
Das Wahlprüfungsgericht des Reichstages trat unter Vorsitz des Reichslagsabgeordnelen Dr. Bell (Ztr.) zu einer