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Arl-aer Anzeiger

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Nr. 22 1929

Fulda, Samstag, 26. Januar

6. Jahrgang

Aufbau und Raubbau.

Die HaupilandwirGastSkammer zur AgrarkrisiS.

Was dringend not tu.

Im Rahmen der landwirtschaftlichen Veranstaltungen in Merlin, die der kommenden Woche das Gepräge geben werden, hielt die preußische Hauptlandwirtschaftskammer, die Spitzenorganisation der Landwirischaflskammern im Reich, ih! elfte Hauptversammlung ab.

.. Me Tagung wurde durch den Präsidenten Dr. Dr. L e. H e^fn des mit einer Rede eröffnet, in der er davon ausging, daß die Landwirtschaft trog Erhöhung der Leistungen und der Verbesserungen der Qualität der erzeugten Produkte immer tiefer und in verstärktem Tempo

dem drohenden Zusammenbruch cntgegcngche.

Keine Provinz, keine Betriebsart und Betriebsgröße sei von der Krise verschont geblieben. Der Grad der Notlage richte sich nach den verschiedenen klimatischen, Absatz- und Verkehrsver- Hälinissen. Die Lebenshaltung insbesondere der bäuer­lichen Bevölkerung sei aus ein geradezu erschütterndes Niveau gesunken und der Siuudenlohn des Bauern liege weit unter ^eni des Land- und Industriearbeiters. Trotz dieses Raub- >) a u e s an Kraft und Nerven der landwirtschaftlichen Be­völkerung, trotz aller Einschränkungen sei die Verschuldung »eiter auf 13% Milliarden Mark gestiegen. Die Gründe der Unrentabilität seien in zu hohen Lasten und in zm niedrigen Vroduktenpreisen im Vergleich zu anderen Waren zu suchen. Die Steuern seien um das Vielfache, die sozialen Lasten um das Dreifache, die Zinsenlast von 600 Millionen in der Vor­kriegszeit auf über eine Milliarde heute gestiegen. Unerträg­liche Schul- und Wegelasten kämen hinzu. Die Produk- i e n p r e i s e seien der Geldentwertung nicht gefolgt; sie müßten durchschnittlich gegen die Vorkriegszeit um 50 Prozent höher liegen. Zur Abwendung des drohenden Unheils forderte der Präsident die Aufstellung eines grundlegenden Ä e n < a b i i f t ä i s p r o g r a m in e s. Los Rentabilitätspro- gramm, frühst müsse von dem Grdanten geleitet fein, die plan­lose, weit über den Bedarf hinâusgehende Einfuhr von Vieh, Fleisch und Getreide in einer dem inländischen Bedarf angepaßtcn Weise und auf einer Pretsbasis zu regeln, die für den Landwirt lohnende und für den Konsumenten tragbare Preise gewährleistet. Der Präsident hält es für durchaus mög» lich, daß dies ohne übermäßige Belastung des Staates und des Konsumenten möglich sein wird.

Darauf sprach Oberpräsideni a. D. Exzellenz v. B a t o ck i über

Hemmungen im MckisrationSwesen".

Er führte u. a. folgendes aus: Der Teil des Nahrungs- bedarfes des deutschen Volkes, der heute mit dem vom Aus- lande geliehenen Gelde ciugeführt wird, muß zur Verhütung schwerer Gefahren für bk Verbraucherschaft möglichst bald und ntöqlidjft vollständig aus eigenem erzeugt werden. Eines der > üchtigslen Mittel hierzu ist die Landeskultur, dèe Hebung der Kraft des deutschen Bodens. Planmäßige Melioration kann der Bauer und in der Regel auch der Großbetrieb nur im Genosse n sch aftswege mit Staatshilfe und lang­fristigen, zinsvcrbilligtcn Krediten der öffentlichen Hand durch­führen. Es ist zu fordern, daß baldmöglichst eine auf Sclüst- d.-rwaltung begründete, in enger Fühlung mit den Melio­rationsgenossenschaften arbeitende Organisation mit der Son­derausgabe der Ausnahme und Verteilung von Meliorati-

Landmanns

SehellSwürdigkttten«uWald»«»Feld

Die Berliner vierte Grüne Woche.

Die Ausstellung der Grünen Woche, Berlin 1929, wurde in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm den Ehrengästen zu einer Vorbestchtigung zugänglich gemacht. Der Direktor des, Messeamtes der Stadt Berlin, Dr. Schick, begrüßte die Erschienenen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die diesjährige Ausstellung trotz der Notlage der Landwirt­schaft ein weiteres Wachstum zeige.

Dann eröffnete der Leiter der Grünen Woche, Hans Jürgen von Hake, mit einer kurzen Ansprache die Ausstellung, wobei er besonders darauf hinwies, daß die Veranstaltung in diesem Jahre unter dem Leitwert »Landwirtschaftliche Selbsthilfe" steht. ,

Die Ausstellung ist in diesem Jahre trotz der Fülle des dargebotcneii Anschauungsmaterials besonders glücklich und übersichtlich gegliedert. Die erste Halle wird von den Ständen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und der Landwirt- schaftskammer für die Provinz Brandenburg und Berlin bc» Herrscht. In glücklicher Ausnutzung aller suggestiven Mittel Ker Propaganda hat

die deutsche Düiigeriudustric

innen Begriff von der Wichtigkeit ihrer Erzeugnisse zu geben verstanden. Einen bedeutenden Raum nimmt notwendiger­weise auch in der n> i l ch w i r t s ch a f t l i ch e n Ausstel­lung die Propaganda ein, die in Deutschland ja im Ver­hältnis zu den Nachbarländern bisher noch tm Rückstände geblieben war. Innerhalb der GesaintauSstcllung gliedern sich neben der Milchveranstaltung noch drei besondere geschlossene Sonderveranstaltungen, nämlich die landwirtschaftliche Selbst­hilfe, die landwirtschaftlichen Meliorationen und die Er- vährung der Pflanzen.

Für die Hausfrauen

besonders ansprechend ist die Elektrowirtschast, welche die Galerie der zweiten Halle völlig für sich in Anspruch nimmt. Sie Elektrizität wird hier als »Mädchen für alles" vorgefüürt Mb den Hausfrauen gezeigt, wieviel Arbeit durch einen ein­fachen Druck auf den Knopf erspart werden kann. In der v

®"J V/d"en geschaffen wird. Für die Zuführung der Atittel kommen in erster Linie die Träger der Sozialversiche- rimg mit ihrer erheblichen Kapitalansammlung in Frage. Bei der heutigen Notlage der Landwirtschaft ist neben der Bereit­stellung ausreichender langfristiger Kredite die Bereitstellung genügender Mittel durch Reich und Länder zur Z i n s v e r - ? *11 Sun g und sur Zuschußgewährung an besonders leistungsschwache Genossenschaften erforderlich.

Als nächster Redner sprach Direktor Jany-Berlin über Nöte des Kartoffelmarktes".

Er führte u. a. aus: Die große Kartoffelernte des Jahre 1928 bat erneut zu Absatznötcn Veranlassung gegeben. Sie durch Begünstigung der Einfuhr ausländischer Kartoffeln noch zu vermehren, geht nicht an. Die Gefahren, die in dieser Hinsicht durch den Abschluß eines Handelsvertrages mit Polen droben, müssen in vollem Umfange erkannt und der Öffentlichkeit unterbreitet werden. Jede Umstellung aus landfremde Er- zeugnisse auch billiger zu erwerbende (polnische!) Kartof- sein birgt die Gefahr in sich, daß alle zum Schutze des Kar- tvj-elabsatzes ergriffenen Maßnahmen der Selbst- und Staats- Hilfe völlig entwertet werden.

Schließlich sprachen noch in zwei Borträgen Dr. Mar- teils, Königsberg, und Okonomieral Keiser, Berlin, über Probleme der Tierversicherung, insbesondere den Ausbau der Tierversicherungsverbände.

Nurchsühnlna des iandVirtschasiiichen Aotprogramms.

Aufklärungen durch den Reichsernährungsminister.

Im Reichstagsausschuß für die Durchführung deS landwirtschaftlichen Notprogramms gab Reichsernäh­rungsminister Dietrich einen Überblick über die 10,5 M illionen Mark zur Förderung des Absatzes für Milch und Mollereierzeugntsse sei im großen und ganzen bereits verfügt. Bei der Regelung des Absatzes handelte es sich in erster Linie um eine Zusammenfassung der bestehenden Verbände. In fünf großen Wirtschaftsgebieten sei der

Versuch der Zentralisierung

gemacht worden, und zwar in Nordostdeutschland ein­schließlich Mecklenburgs, Ostpreußens, Brandenburgs und Schlesiens, in Schleswig-Holstein, in Westfalen, im Rhein­land, in Oldenburg und Ostfriesland, im bayerischen und württembergischen Algärr, in Baden, Hessen, in der Pfalz und im südwestlichen Preußen. Die Verhandlungen ver­sprächen Erfolg. Von den für die Gewährung von Zu­schüssen zur Erbauung von Lagerräumen usw. zur Ver­fügung gestellten Mitteln in Höhe von einer Million seien bis jetzt 900 000 Mark zugesagt und rund 142 000 Mark überwiesen worden. Für die

Beschaffung von Betriebsmitteln

seien niedrig verzinsliche Darlehen von 2% Millionen Mark zugesagt worden. Für Geschäftsaufwandszwecke lägen Zuschüsse in Höhe von 790 000 Mark vor. Die Zins­verbilligung für Molkereikredite sei im wesentlichen durch­geführt. Die für den Obst- und Gemüsebau ausgeworfenen acht Millionen seien größtenteils ihren Zwecken nutzbar gemacht worden.

Musterschau.

Gartenbauabteilung herrscht dieses Jahr die Rationalisierung und Normierung. Es ist gelungen, aus 100 verschiedenen Gewächshaustypen fünf Normalmodelle herzustellen und. ebenso hat man aus 64 Typen der Frühbeete drei ausgewählt und als normal erklärt. Eine wohlverdiente Beachtting findet die für den Obstbau so wichtig gewordene Abteilung der Sortierung uni Verpackung. Die

Forstwirtschaft

ist in diesem Jahre nicht wie früher in allen ihren umfassen­den Betriebszweigen vertreten, sondern man bat eine volks- erzieberische Spezialabteilung errichtet:Schutz des W a l d e s a l 8 W i r t s ch a f t s g u t." Jeder soll hier lernen, daß der Wald uns allen gehört und daß jeder zu seinem Schutze verpflichtet ist. Für das große Publikum besonders anziehende Ausstellungsgegenstände sind ein Flugzeug ru Originalgröße mit der Vorrichtung zun, Giftstreuen gegen Waldschädlingc und ferner auch noch eine in natürlicher @rögc aufgeführte brandenburgische Bauernkate mit Feld­scheune, in der die Vor- und Nachteile der verschiedenen Be- dachungsarten dargestellt werden.

Die dritte Halle ist den Ausstellungen von lebenden Zieren, die während der Grünen Woche abwechseln, Vor­behalten. Vorläufig hat die Geftügelausstellung des Vereins Cupria mit prachtvollem Rassegeflüge! hier ihren Einzug ge- halten. Schließlich landet der Besucher in der letzten Halle, in der

großen Deutschen Jagd- und Internationalen Schießsport- ausstellung.

Hier ist innerhalb der Ausstellungshalle ein Schießstand ein- oerichtet. wo das Publikum dem Wettschießen von 16 Schützen als Zuschauer und Richter beiwohnt. Nicht weniger als 900 Gehörne und 140 Geweihe, alles ausgesuchte Trophäen aus Deutschland und allen Weltteilen, werden vor« geführt Eine Grönlandausrüstung mit einem echten grön- ländischen Kajak dürste in der Zeit der Nordpolexpeditionen besonders aktuell sein. Sonderschauen bilden in dieser Ab- leilung die Fischerei und der Angelsport sowie die Waffen- spiclkunst mit ihren schönsten und modernsten Erzeugnissen, Für malerische Pracht hat hier die noch nie gezeigte

Ausstellung von 150 alten Schützengilden

gesorgt, die aus ihrem Besitz zum Teil 200« und 300jährige Banner, Königskrtten, Prunkbecher, Königsscheiben und einen alten Fahnenprunkwagen beigesteuert haben.

So ergibt sich schon beim ersten Besuch, daß die dies­jährige Berliner Grüne Woche es verstanden hat, die Kon­kurrenz ihrer ausgezeichneten drei Vorgängerinnen siegreich zu schlagen und sich selbst auch diesmal wieder zu überbieten.

Deutschlands ältester Schützenbundeswage», der auf der »Grünen Woche" ausgestellt ist.

Die Lage in Afghanistan.

Times" meldet: Die Lage in Afghanistan ist nach wie vor chaotisch. König Aman Ullah setzt die Mobilmachung seiner Streitkräfte fort. Die Schinwaris halten das Land um Jelalabad herum besetzt und haben auch Dakka im Besitz. Es ist unbekannt, ob die Ehilzais in der Umge­bung von Ehalzanis sich König Aman Ullah oder dem Emir Habib Ullah anschlietzen werden, oder ob sie auf eigene Hand vorgehen werden. Die Schinwaris haben endgültig erklärt, daß sie den Emir Habib Ullah nicht an­erkennen werden. Ferner meldetTimes", der neue Emir Habib Ullah habe bereits bewiesen, daß er keine Erfah­rung in den Regierungsgeschäften habe. Znfolgedesien sei ein erheblicher Umschwung in der Stimmung zu Gunsten des Königs Aman Ullah eingetreten, dessen Arbeit für die Wohlfahrt Afghanistans selbst nach seiner Absetzung bes­ser bekannt werde als während seiner Regierung. Ande­rerseits habe ihm seine Flucht großen moralischen Schaden zu gefügt.

Preußenkaffe und Michslandbund.

Eine Verständigung.

Von der Preußischen Zcntralgenossenschaftskasse und dem Reichslandbund und seinen genossenschaftlich«, Unternehmungen wird folgendes mitgeteilt:

Die zwischen der Preüßenkasse und dem Reichsland- bund und seinen genossenschaftlichen Unternehmungen seit längerer Zeit geführten Verhandlungen haben zu einer Gesanttverständigung geführt. Es ist damit die finanzielle Voraussetzung für die beiderseits erstrebte Vereinheit­lichung des gesamten ländlichen Genossenschaftswesens in­soweit geschaffen und die ruhige Abwicklung der Geschäfte der genossenschaftlichen Unternehmungen dès Reichèlaud- bundes gewährleistet. Die Vereinbarungen werden bet Aufsichtsbehörde der Preüßenkasse und den zuständigen Organen des Reichslandbundes und seiner genossenschaft­lichen Unternehmungen unverzüglich unterbreitet werben.

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Kleine Zeitung für eilige Leser

_ * Im Reichstag fam cs vor Beginn der Verhandlungen über das Steuervereinheitlichungsgejctz abermals zu schwere«, durch die Kommunisten wegen der Donnerstagvorgänge ver­ursachten Unruhen.

* Der Reichsrat genehmigte den Gesetzentwurf zu dem Vertrag über die Ächtung deS Krieges (Kellogg-Pakt).

* Vor dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages referierte Reichsaußenminister Dr. Stresemann über die Ergebnisse der Besprechungen von Lugano.

* Die Preußische Hauptlandwirtschaftskammer hält in Berlin ihre elfte Hauptversammlung ab.

* Bei einem Einbruch in ein Berliner Postamt wurde» für 830 000 Mark Wertzeichen gestohlen.