Zul-aer /lnzeiger
krschelnt feöen Werktag. Bezugspreis: monak- li^ 2 Mark. Bei Llefeeungsbehinöerungen durch „höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Dahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Einsprüche. Verlag Friedrich Chrenklau, Zulöa, Mitglied des Vereins deutscher Feitungsver. leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. i6ooo
Nr. 34 — 1929
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zul-a- und Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
Ueüaktlon und Geschäftsstelle: Mühlenstrafte 1 ❖ Zernsprech.-flnschluß Nr.-S-
NachSru« der mit * versehenen Artikel nur mit Guellenanaadr .5ulSaer Nnneiarr'aeNaNet.
Fulda, Samstag, 9. Februar
Anzeigenpreis: xür Behörden, Genossenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Beklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Beklamezeile 0.60 Mark ❖ Bei Rechnungsstel» lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfoU aen ♦ Taa- und DlaNvorschriften unverbindlich.
yjuuftr^omf’»* »^■mji*» »""*■ ■e»-»• enaonaaB*» —— -- - ^*
6. Jahrgang
Um Deutschlands Zukunft.
L Lepara<ionskonferenz beginnt.
Am 1 1. Februar.
Die deutschen Sachverständigen füi die in Paris statt findende Reparativnskonferenz, Reichsbankprâsidcnt Dr Schacht und Geheimrat K a p l, sind von Berlin nach Paris gereist und nehmen dort im Hotel Astoria Wohnung, wo die Delegierten aller beteiligten Staaten Quartier erhalten Unterwegs schloffen sich den beiden deutschen Vertretern ihre Stellvertreter, Generaldirektor Bögler und Bankier Melchior, an Die Konferenz wird am Montag im „Goldenen Saal“ der Bank von Frankreich ihre Er- öfjNiingssihung halten und dann die weiteren Besprechungen in das Hotel Royal verlegen.
Ebenso wie das erste Dawes-Komitee, welches vor nunmehr drei Fahren in Paris versammelt war, hat auch diese zweite Konferenz von Sachverständigen ausschließlich W haftliche Aufgaben. Sie soll die Zahlungsfähigkeit d Schuldners Deutschland und die Mittel prüfen durch W che die regelmäßigen und für den Schuldner erträglichen Leistungen ermöglicht werden können. Nicht poli- ti'che sondern wirtschaftliche Erwägungen sollen in den Vordergrund gerückt werden, wenn auch die politischen Fragen vcrständlicherweise kaum ganz ausgeschaltet bleiben werden
Curtius über Oeutschtands Wirtschaftslage.
Auf einem Empfangsabend des Verbandes der auSWär- tiaen Presse, an dem die Spitzen der Reichs- und StacuS- rc ungen das Diplomatische Korps in Bertin und viele fr re honorable Persönlichkeiten leitnahmcn hielt Reichs U iftsminister Dr C u r i i u s ein Referat über die wirl- f iche Situation in Deutschland Er gedachte der deutschen C verständigen die zur ReparationSkonserenz nach Paris rr 'n Die Sachverständigen seien nicht Partewertrettr, sie sc vielmehr völlig unabhängig Die ReichSregterung könne vo Tr Konferenz nicht materiell Stellung nehmen Erft wenn
MMÄâ , dâ SachpMiändigen vorkieae. b«Mn« â Revaraiionspolittk Der Minister kam dann auf die
inneren Spannungen
b» Deutschland zu sprechen Der bayerisch-preußische Zwischenfall ist glücklich beigelegt Bleibt es aber nicht grotesk, daß die deutschen Länder untereinander in völkerrechtlichen Formen v ''ehren oder auch nicht verkehren? Und ist es nicht bedauer- ■ii daß Reich und Länder Prozesse gegeneinander füb ter v n? Aus diesem Zustande müssen wir so rasch wie möglich l -s Wir können es bei allseitig gutem Willen. Im A» ft ß an die Reparationâfrage erklärte der Master weiter
Die Versöhnung in Rom.
Men und der Papst einig.
Ein neuer Kirchenstaat.
Die endliche Lösung der römischen Arage — die Entfremdung zivischen dem Vatikan und der italienischen Re- gieruilg — ist jetzt nicht mehr zu bezweifeln Den beim Vatikan beglaubigten Gesandten wurde vom Kardinal- ftaatdfeketär die Mitteilung gemacht, daß mit der ttlalie- Ischen Regierung ein zweiteiliges Abkommen abgeschloffen worden fei Der eine Teil behandle die A u 8 s ö h n u n g zwlschei, Kirche und Staat, während der andere Teil auS drei Abschnitten bestehe und ein K 0 n k 0 r d u t zur Regelung der zukünftigen Beziehungen zwischen dem Vatikan und Italien enthalte. Der Vertrag sei im wesentlichen sertiggcstcllt, er soll Sonntag durch Muflolini und den stardinalstaatsfekretär Gasparri unterzeichnet werden.
Das Ereignis der Versöhnung zwischen dem Papst und dem italienischen Königshaus und damit das Ende des fast sechzigfährigen Zwistes wird überall als ein A k t weltgeschichtlicher Bedeutung betrachtet und dementsprechend in allen Ländern gewürdigt. Der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche gibt die bisher aufrechterhaltene Auffassung, ein Gefangener im Vatikan zu >rin auf und der Heilige Stuhl tritt durch die italienischen Fugeständniffe wieder in die Reihe der souveränen --taaten ein Man erwartet in Genf daß das Abkommen Zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan als snt internationaler Vertrag in der üblichen Weise von der ualicnifcbcn Regierung im Sekretariat des Völkerbundes Zur Veröffentlichung und Registrierung übergeben wird. Der Staat Italien soll dem Papst voraussichtlich zwei -Milliarden Lire als Entschädigung zahlen.
Verkündung am Dienstag.
, Am nächsten Dienstag wird der Papst den Jahrestag leiner Krönungsfeier begehen, der in diesem Jahre auS- uahmsweise wieder zum ersten Male in St. Peter durch päpstliches Pontifikalamt gefeiert werden wird. Man stlaubt in Rom, daß während des Gottesdienstes der Papst vte Aussöhnung mit Italien urbi et orbi (der Stadt und vrm WrltkreiSs durch eine Anrede verkünden und zum «mluß her Feier wie in früheren Zeiten vor 1870 urbi et orbi den päpstlichen Segen von der äußeren Loggia der Mffadr von St. Peter erteilen wird
„. Unter Umständen wird die Bekanntgabe näherer ^nzelheitcn aus dem großen diplomatischen Empfang :r- Qm <n’ krn der päpstliche Thronasststsnt Fürst Colonna hS. m d- M geben wird zu dem außer den Verwandten »r^Vapstes alle Mitglieder des Kardinalkottegiums, die bm?.. .en- die Mitglieder des päpstlichen Hofstaates, die ;. "'. Heiligen Stuhl beglaubigten Vertreter des Diplo- ,)iUw n Korps, die Maltheserordensritter, das Vatri-- und die römische Aristokratie eiNgeladen werden.
d' " Nachprüfung ob die Deutsche Wirtschaft bei Beginn d- fn^ften ^wnngsiahres wieder ihren Normalstand erreich habe sei sehr schwierig Für viele Äirischaflszwk'ge sei leib
erkennen bag die Gelundung sich nicht in dem erwartetet Tempo vollzogen habe Das gelte insbesondere von der
deutschen Landwirt schuft
Weniger leicht werde sich Diese Nachprüfung aus anderen Ge bieten vollziehen Eine ans bloß siaiistische Größen aufgebaute « enntnis bringe Di? Gefahr der Eiufeiiigkeu mit sich Man d ist niemals nur das Obc^läcbenbild der Wirtschaft sehen Reben die zahlenmäßige Erfn, :ng müsse die unmittelbare An schauung treten Man dürfe ? ifp-elsweise bei der Betrachtung des Volkseinkommens nicht der TätMürm v.rfallen. die durch
Das Astoriayoiel in Paris.
das Eindringen ausländischen Kredits in Deutschland nahe Meg! werde Die Statistik lasse tn Gestalt von Löhnen sieten »teuern usw cm Vielfaches bei als Kredite in or beutfebe Wirtschaft hineingeslossenen Summe erkennen, ohn» daß ein Schluß daraus gezogen werden dürfe ob Damit cim Erhöhung des Volksvermögens hervorgerufen worden sei Wei
''ie deutschen Provinzen und aus das platte Land fomm- vr ii springe der Abstand von der Entwicklung weniger l/" giinstigter Zentren in Deutschland in die Augen Nur im Begleich mit der wirtschaftlichen Entwicklung der anderen in Betracht kommenden Länder könne man schließlich zu einem brauchbaren Urteil über die Lage der deutschen Volkswirtschaft gelangen.
Diese Veranstaltung hat um so größere Bedeutung, als seit 1870 kein ähnlicher Empfang siattgefundcn hat.
(Sin Rückblick.
Bis zum Jahre 1870 war der Papst selbständiger Souverän gewesen und hatte über ein Gebiet geherrscht, das etwa halb so groß wie Bayern war Mii dieser Herrschaft über den Kirchenstaat machte der erste König deS geeinigten Italiens, Viktor Emanuel, ein Ende und beschränkte den Papst auf Vatikan und Peterskirche. Er machte dem Papst Versprechungen, aber die genügten der Kurie nicht, und so herrschte immer eine Spannung zwischen Vatikan und Ouirinal. Der Papst verließ seit dieser Zeit den Vatikan nie. Ein Symbol war ek, daß jeder neugcwahltc Papst den Segen immer von der inneren Loggia der Peierskirche aus spendete Mit diesem Brauch soll am Dienstag gebrochen und die äußere Loggia wieder benutzt werden.
Die Peterstirche in Rom.
Kleine Zeitung für eilige Leser
♦ Für die ant Montag, den 11. Februar, in Paris zu eröffnende Reparationskonscrenz sind die meisten ausländischen Delegierten schon cingctroffen.
* Reichstag und Preußischer Landtag werden in der nächsten Woche wegen des Karnevals keine Vollsitzungen abhalten.
* RcichSwirtschhftsminister Dr. Curtius machle in Berlin bemerkenswerte Ausführungen über die deutsche Wirtschaftslage mit Rück sich i auf die beginnende ReparatioiiSkonfercnz.
* Am Dienstag soll in Rom die feierliche Verkündigung der Aussöhnung zwischen dem Papst und Italien ftattfinbciu'
IWI"- Woche WB 2t Stiraar Hs 3. W
Arbeiis^chuh vor dem 'HeWaa.
(44 Sitzung.! CB Berlin, 8. Februar.
Zuerst aab Präsiden! Löbe Die offizielle Mitteilung deck lleichskanzlers vom Rückiritt des Ministers b n n ® u r a r b besannt und teilte bann mit, bah Der Aba. Stöcker <K -mm.) ihm eine Erklärung überreicht habe, die außerhalb der Tagesordnung zur Verlesuim aelangen sollte. Die Geneümigung baut habe er niesn erhalten fHört! hört! bei den Kommunisten.! Die Erklärung enthafte eine Menge Vorwürfe, Anschuldigungen und yerbö-htinunaen gegen den amtierenden Präsidenten wegen der gestern erfolgten Ansschlüffe kommunistischer Abgeordneter, die nach der Geschäfisordnuna einer Besvrechung durch den ^eieMtag nicht unterworfen fei. Da es sich aber in diesem Falle um ihn selbst bandle und der Vorwurk einer subjektiven parteilichen Entscheidung erhoben werden könnte, fei er bereit, dem Ältestenrat die ent^eih'-na über die Verlesung der Erksärunn zu übertragen. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Gesetzentwurf über die Verlängerung b^r GeltunaSdaner deS Meistbegünstianngsver- trages mit Paragua» bis 30. Tum b. I Da Abg. Stöcker iKomm! unter Hinweis auf die nicht einaebaUene Frist gegen die Beratung Widerspruch erhob, mußte die Vorlage abaese^t werden
Die Sera unq des Arbeitsfcbutzqesehes wird fortgesetzt. Abg Fahrenbrach (Ztr) erinnert an die umfangreichen Vorarbeiten, die bereits der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns für das Arbeitsschutzgesetz geleistet habe, und sprach diesem den Dank feiner Fraktion aus. Er erklärte weiter, die Zeit für die dauernde gesetzliche Festlegung des Achtstundentages sei längst aefommen Der Widerstand mancher ©tagten gegen die Ratifizierung des^, Washingtoner Abkommens dürfe Deutschland nicht hindern, schon vor der Ratifizierung von sich ans eine gesetzliche Regelung vorzunehmen Bei den jetzt in Paris beginnenden Reparations- Verhandlungen sollten die Sachverständigen beachten, daß jede Erschwerung der deutschen Ausfuhr auch eine fortschrittliche Entwicklung der deutschen und internationalen Sozialpolitik gefährde.
Abg Rädel (Komm.! erklärte den vorliegenden Gesetzent- Wurf des sozialdemokratischen Arbeiisministers für noch schlechter als ben Entwurf des früheren Burgerblocks
Abg. Schneider-Berlin (Dem Vezelchnei Die Vorlage at8 einen bebeutfamen Forijchrili auf Dem Gebieie Des Arbetterschutzes Die Wirlschatt iei gegenwärtig in bebrängter Lage, aber vis-Lage Der Arbeitnehmer sei noch weniger rosig.
Abg Beier (Wttufchanspnriet' hätt Den Ramen, des Gesetzes für falsch. Denn Die Arbeit werde dadurch nicht geschützt Es müßte Arbettszeitschutzgeiey heißen Beunruhigen könnte in Der Rede Des Arbettsmimflers Die Ankündigung so vieler neuer sozialpolittscher Gesetze
Abg Schwarzer (Baner. Vp.i hielt Die Krtttk deS Vorredners für zu Ichars Zatfächlid) erfülle das vorliegende Gesetz ^,war nicht die Hoffnungen Der Arbeitnehmer, aber auch nicht Die Befürchtungen Der Arbeitgeber Zu begrüßen seien Die im Gesetz enthaltenen Schuybestimmungen für jugendliche und weibliche Arbeiter
Aba Stöhr (Rai.-So;.! erflärte seine Freunde müßten noch viel schärfer dieses Gesetz tierurteilen, das Die Arbeitnehmer aus baâ bitterste enttäusche
Abg Dörfer <Soz.> bedauerte, daß auch aus diesem Gesetz die Landwirtschafi ausgenommen sei Die Landarbeiter würden immer als Arbeiter zweiter Klaffe behandelt
Abg. Tantzen (Dem., äußerte gegen Die Vorlage Bedenken vom Standpunkt des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes aus Die Beschränkung Der Arbeitszeit fei kaum erträglich für die Handwerksbetriebe: sie werden mit der Land- wirtschaftsarbeit aus Dem Gesetz ausgenommen werden. — Die Vorlage wurde dem Sozialpolitischen Ausschuß über- wtefen.
<§rwerbslosenfürsorge.
Es folgt die Wetlerberalung der Anträge zur Erwerbslosenfürsorge. In Der Aussprache beantragte Frau Abg. Teusch (Ztr.!, daß den Gemeinden die Mehrkosten ersetzt werden müßten, die ihnen aus Der weiteren Ausdehnung der Krisenfürsorge entstehen. Die Regierung müsse ganz klar sagen, wie sie die Ausdehnung Der Krisenfürsorge auf alle Berufe durchzuführen gedenke.
ReichsarbettSminister Wiffell erklärte, grundsätzlich fei Die Regierung bereit, dem AuSschuß- antrag entsprechend die Krisenfürsorge auf alle Berufe aus- jubeßnen. _ Die Regierung sei natürlich durch Den Beschluß nicht ermächtigt, das erst kürzlich beschlossene Gesetz über Saifonarbeiterfürforge aufzuheben.
Abg. Schultz Bromberg (Dtn.i hielt die Verhandlungen tin Haushallsausschuß nichi für einwandfrei
Abg. Auffhäuser (Soz.t wies Den Vorwurf zurück, daß die Sozialdemokraten einen Beschluß durchgesetzt hätten, von dessen Undurchführbarkeit sie überzeugt wären. •
*
Die Abstimmung im Reichstag.
Nach weiterer unwesentlicher Aussprache, langen persönlichen Bemerkungen und einer längeren Geschâstsordiiiiiigs- debatte schritt man zu Den Abstimmungen. Im allgemeine« blieb es bei der Ausschutzsaffung.
Krach aus der RetchStagStr'büne.
Abgclehnt wurde dann her von den Kommunisten und Nationalsozialisten aufgenommene sozialdemokratische Antrag, die Bezugsdauer auf 52 Wochen zu verlängern. Als Vizepräsident von Kardorff dieses Ergebnis mitteilte, erhob sich ein Tribünenbesucher und hielt minutenlang unter stürmischem Beifall der Kommunisten und anderer Tribünenbesucher eine Schimpfredc gegen 6ic Sozialdemo- traten. Vizepräsident von Kardorff verließ den Präsidrmcn- fib. womit die Sitzung zunächst unterbrochen war. Tic Red« von der Tribüne wurde fortgesetzt. Des ganzen Hauses bemächtigte sich eine starke Unruhe, da auch die kommunistischen Abgeordneten mit heftigen Angriffen auf Die Sozialdemokraten einstürmten. Nach einiger Zeit erschienen Kriminalbeamte und entfernten die demonstrierenden Tribüncnbcsucher gewaltsam.
Hierbei kam es noch zu Handgreiflichkeiten, da sich Die Demonstranten mit aller Kraft gegen Die Entfernung wehrten. Einige Demonstranten wurden infolgedessen an Kops und Füßen gepackt und einfach über die Bänke geworfen Auf dem Gang hinter der Tribüne und auf der Treppe setzte sich der Kampf mit den entfernten Demonstranten noch fort.
Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde der Rest der Vorlage nach Den Ausschußvorkchlägcn erledigt und das Haus vertagt sich auf Montag- Den 18. Februar.