ZulSaer /lnzeiger
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Nr. 35 — 1929
Fulda, Montag, 11. Februar
6. Jahrgang
Die Heparation$6onferenj beginnt
Erèsfnrlng der Asparationskonferenz
Alle S a ch v e r st ä n d i g e n ein getroffen.
Nachdem in den letzten Tagen außer den deutschen -Lachvcrständigcn Dr. Schacht und Geheimrat K a st l nebst ihren Stellvertretern alle zur Schuldenregelungs- ikoufercnz geladenen Delegierten in Paris eingetrosfen waren, darunter auch die Amerikaner, begann die Tagung der Konferenz mit einem Frühstück in der Bank von Frank- reich, das der Gouverneur der Bank gab und vor dem die erste Fühlungnahme zwischen den Sachverständigen statt- fand.
Dem Frühstück ging in dem Privatsalon des Gouverneurs Moreau eine Besprechung voran, in der die Wahl des Präsidenten der Konferenz und die Organisation des Bureaus besprochen wurde. Die offizielle Eröffnungssitzung wurde für Montag im Hotel Astoria angesetzt. Alle Sitzungen werden vertraulich und der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein
ZWS-'mottüiige Dauer?
Wahrscheinlich wird der Vorsitz dem amerikanischen ' Delegiert»» O w e n U 0 nug angeboten, der sich einer einmütigen Aussorderung kaum entziehen dürfte. Wie verlautet. ist über den Plan und die Art der Arbeit in den
"'w Einigung erzielt worden. Man ist in Paris der Überzeugung daß die Mehrzahl der Delegierten Gewicht darauf legen wird die Arbeit des Ausschusses" so schnell zn führen wie es der Umfang der gestellten Aufgabe und die Schwierigkeiten der Materie nur zulassen. Immerhin kann mit einer Beendigung der Konferenz kaum vor zwei Monaten gerechnet werden. Die halb» annkmic Agentur Havos glaubt Grund zu der Annahme M haben, daß die Sachverständigen zwei Unterausschüße 'einfet?™ würden von denen bei eine vor allem die Auf» ga.be lâ die Zahl und den Betrag der vorzusehenden M TO c i t
Dcntschsan , zti erörtern während der andere die gecianeten Mütel suchen sollte um die Flüssigmachung der deutschen Zahlungen zu gewährleisten
! Kas deutsche SchiEâpMem.
„Die deutschen Delegierten sitzen mit gleichem Recht und internationaler Autorität in einem Sachverständig-n- aremrum, dem mit dem Reparationsproblem ein deutsches Sancksalsproblem, eine europäische Frage ersten Ranges und die Aufgabe weltwirtschaftlicher Befriedung übertragen ist" — so umriß der deutsche Reichswirtschafrs- mmckter Dr. Curtius die historische Bedeutung dieser Konferenz zur Neuregelung des Dawes-Plans. Leider muß es gesagt werden daß sich die breiten Massen des deutschen Volkes kaum in ausreichendem Maße dieser Bedeutung bewußt sind oder bewußt gemacht wurden: hat es doch die Regierung sorgfältig vermieden, ihrerseits die Blicke des gesamten deutschen Volkes auf diese Stunde seines Schicksals zu richten.
Schon in ihren Ausgangspunkten stellen sich pte beiden Seiten einander gegenüber. Was Hachen die setzt in Paris zusammengekommenen Experten alis ihre Aufgabe zu betrachten, die sie lösen sotten? Frankreich, das — vorläufig noch — die geistige Führung auf der Gegenseite hat. will die Arbeit der Konferenz auf drei Punkte beschränkt wissen: Fixierung der endgültigen deutschen ^^^v^^, Festlegung der deutschen Iabresszabl'in- S"n und Prüfung der „Mobilisierungsmöglichkeiten" für knien Teil oder die ganze Schuld. Nicht aber sei, wie 5» Deutschland verlangt, zunächst einmal die LeisiungS- su 'igkeit des Schuldners zu prüfen. Es braucht gar nicht erst erwähnt zu werden, daß die deutsche Delegation gerade diese Prüfung als die selbstverständliche Poraus- !eUnng für die Verhandlung jener drei Punkte betrachtet M demgemäß die Untersuchung der deutschen Leiftungs- muigkeit als e r st e Ausgabe der Sachverständigen- wnferenz erklärt. Einfach hinnehmen will tue deutsche Delegation denn doch nicht, was Parker GMert über Deutschlands Finanz- und Wirtschaftslage berichtet hat, zumal es sich ia bei der Pariser Konferenz um die Fesi- legung von Bestimmungen handelt, die auf Jahrzehnte , "aus Geltung haben sollen. Ist doch and) in den Ab- rommen Amerikas mit seinen Schuldnern überall die är.vßtc Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit und -möglich genommen.
’ Wenn auch nicht damit zu rechnen ist — Amerika wir ^ch niemals darauf einlassen —, daß nun die Neu- i regel ring der deutschen Tribützahlungen einfach nach der ^i'mtung hin erkolgt. Deutschland die Abtragung der utteraiUierien Schulden an Amerika zu übertragen, so bat W doch die Gegenseite dahin schon längst geeinigt, daß die iivr, nb endgültig aufzuerlegende Summe zunächst "undestons so hod) sein muß. als jene Schulden in ihrer Uefamtheit betragen. Frankreich und Belgien verlangen lorner noch eine Entschädigung für die Summen, die sie zwecks Wiederaufbau der zerstört»» Gebiete aufgewandt staben wollen, außerdem noch die Übernahme jener Kosten "''^Deutschland die beidm Staaten durch Pensionen und Renten an Kricgsbcschödigte und -Hinterbliebene verursacht werden. Das alte Wort „Der Deutsche wind alles urzahlen" soll also bis zum letzten F-Bunkt ansgafübrt werden — und hierfür w-rd die Leistungsfähigkeit Deutschlands einfach als vorhanden betrachtet.
™ Ebenso ist man von dem Grundgedanken des DaweS- tzlanes — Deutschland soll seine Zahlungen aus dem i wirklichen Überschuß feiner VolkSwirtschaÜ leisten — ganz ""° aar abaefonuuett. Die damals allzu optünistisch
voraüsgesagte Steigerung des deutschen' Exports weit über den Import hinaus ist n'cht einaetret-n. konnte auch gar nicht eintreten. weil sich gerade unsere Hnuptglänbiaer durch ständige Erhöhung ihrer Zollmauern immer stärker gegen das Eindringen deutscher Waren absverrten. Weltwirtschaftliche Umschichtungen taten ein übriges. Das rückt auf der Bariser Konferenz die Arage in den Vordergrund, nicht bloß wieviel, sondern vor allem w i e gezahlt werden soll. Also der „Transfer". die Übertragung der deutschen Tributzahlungen an die Gegnerstaatcn. Darüber hat man ia gar keine Erfahrungen, weil Deutschland — was übrigens auch im Auslande aar nicht bestritten wird — dicken Transfer durch Aufnahme von Milliardenanleihen ermöglichte, damit Teile seines Volksvermögens hingegeben hat, seine Verschuldung also st ä n d i a steigerte. Werden Überschüsse aus der
Die Bant von Frankreich,
in der die Eröffnungssitzung Der Reparationskonferen» stattsinvet.
Volkswirtschaft auch künftighin nicht erzielt, bleibt also auch in Aufurth die Ausfuhr zuzüglich der Zinsen für die Ausländsanleihen hinter dem W»rt der Einluhr zurück, dann geht Deutschland immer größerer Teile seines Vermögens an das Ausland verlustig weil wir eben tue Tr'butzahlnngen aus der Substanz b»wer>stelligen müssen. um unseren Verpsiichtimacn uachzukommen Da ist nicht an dem wachsend»» Widerstand vorbeizugehen, der tetzt auch von Frankreich und Belgien dm deutschen Sachlieferungen immer stärker eutgegengestellt wrrd. Man will Geld, aber keine Ware
Das sind andeutungsweise die Hauvtprobleme, die der Konwrenzarbeit unterliegen. Aber diesmal — das darf weder sie noch das davon betrogene Leutzchland vergessen - handelt cs sich nicht wie 1924 nur um einevor- läusige sondern um eine endgültige Re g elu n g der Lasten. die von den Sicgerstaatcn auf die schultern des deutschen Volkes gelegt worden und.Zwar hat der Revarationsagent versichert baß der ^.âs-Tlau -gut funktioniere", aber das ist nur
Deutschland weiß man ein anderes Lied davon zu ungen, wie diese dauernde Blutabzapsung aus den.Körper iunserer Volkswirtschaft gewirkt hat Und wie er bi.' zur volbgen Blutentleerung weiter wirken muß. wenn man "' Var^- setzt nicht mehr Rücksicht als bisher aus die Leistungs sähigkeit dieses Körpers nimmt.
Ksaliiionswirrwarr.
Zwecks Wetterführung der interfraktionellen Verhand- lungen über die Regierungskrise waren Vertreter Der preußischen Landtagspartecen von Volkspartei bt. Sozialdemokratie zusammengetreten; dabei nahmen die Auseinandersetzungen über die Umbildung des Preußenkabinetts an Schärfe eher noch zu. Auf der emen Seite verlangte die Sozcaldemokratre jetzt für steh bret S j 6 e • einen Ministersessel hatte der Ministerpräsident Braun der Volkspartei zngesagt. Zu allgemeiner Über- raschung teilte nun der Zentrumsvertreter Dr. Heß mit. sein Parteivorsitzender habe der Deutschen Volksparte, auf Veranlassung der preußischen Zentrumsfraktion schon vor einiger Zeit einen ihrer Ministersitze im Preußenkabinett angeboten um dadurch die Durchführung der Koalltions- verhandlungen zu erleichtern, aber die volksparteilichen Führer Dr S t r e s e m a n n und Dr. Scholz seien daraus nicht eingegangen. Infolgedessen und wegen der jüngsten Vorkommnisse im Reichskabinett sei jetzt natürlich ^^ ^Di'ese^Müteilung erregte großes Aufsehen; auf der einen^ Seite verlangte die Sozialdemokratie, daß interfraktionell entschieden werden müßte, welcher Partei ein even- tuca vom Zentrum zur Verfügung gestellter Mmlstersitz zuzuerkennen sei, andernfalls erklärte der deutschsv"üs- varteilichc Delegierte, daß seine Parte, von jenem Angebot a b s 0 l u t n i ch t s w i s s e , das sonst sofort angenommen worden wäre. Dr. Stresemann und Dr. Scholz haben inzwischen auch bereits die Versicherung abgegeben, daß ein derartiges Angebot ilMen niemals u b er - mittelt worden sei. Der Lientrumsvorsitzende Dr. Kaas behauptet es an den Reichskanzler Müller abgegeben zu haben und man beschäftigt sich jetzt damit, diese dunkle Geschichte zu klären: die Landtagssraktion der Deutschen Volkspartei beschloß zunächst an der Forderung von zwei M l n i st e r s i tz e n unbedingt sestzuhalten.
Meine Zeitung für eilige Leser
* Die Pariser ReparauonSkonsercnz ha, mit einer vorläufigen Fühlungnahme der ernannten Sachverständigen begonnen Die offizielle Eröffnungssitzung ist für Montag an» beraumt
* 3m HaushallSausschnß Des Rclchsiagcs gab Reichs«iißcii- minifter Dr Stresemann Ausschlüsse über Den Maßstab in dem die Ausgaben des Auswäriigeu Annes in den letzken Jahren gewachsen sind
* 3m ,Fmmenren"-Prozeß wurde Das Urteil geföNi Tie beiden Hanpiaugeklagieii Veib und Vaß wurden zu zehn bzw. fünf Atonalen Gefängnis verurteilt Sie übrigen Angeklagten wurden kreigelprochen
* Du Wirren in Bombav verstürben sich bedeulend und sollen ihre wirkliche Ursache in Den andauernden Arbeilsstreitigkeiten in der dortigen Teililiiidustrie und im Engländerhab haben
Der Krirssächlungspalt der Ostens.
TerLitwinow-Vertragunterzeichnet.
Im Volkskommissariat deS Auswärtigen in Moskau raub die Unterzeichnung des Protokolls statt, durch das der Kellogg-Pakt zwischen Sowjetrußlano, Polen, Rumänien, Estland und Lettland vorzeitig in Kraft gesetzt wird. Die Unterzeichnung wurde durch eine Rede des Stellvertretenden Volkskommissars des Auswärtigen, Litwinow eingeleitet, auf die der polnische Gesandte in Moskau Patek, antwortete. Die lettische Regierung hatte noch im letzten Augenblick ihren Gesandten in Moskau bevollmächtigt, das Litwinow-Protokoll zusammen mit den Vertretern der anderen Mächte zu unter- eidmen.
Des Ozeanhezwirrgers leh^e Fahri.
Trauerfeier für Freiherrn v. Hünefeld.
Im Dom in Berlin fand die Trauerfeier für Freiherrn v. Hünefeld statt. Draußen stahlblauer Himmel, herrlicher Sonnenschein; im mächtigen Dom eine riesige andächtige Menschenmenge; vor dem Altar eine Fülle von Kränzen und Schleifen; zu beiden Seiten des Sarges die Ehrenwache, an der Spitze Hauptmann Köhl und Major Fitzmaurice Nach dem Einzug der Fahnen und dem Gesang der Gemeinde hielt Hofprediger a. D. T ö r i n g die Trauerrede, in der er den verstorbenen Helden als einen tief gläubigen Menschen feierte. Ter Redner mahnte daran, daß das deutsche Volk aus dem Leben Hünefelds den Glauben wiedergewinnen möge, den Glauben an ein großes Vaterland, für das Hünefeld gestorben sei. Nach dem Semeinbegefang „Wohl dir, du Kind der Treue . . ." verlas Domprediger Döring Hünefelds Gedicht „Pilgers Gebet". Unter den ergreifenden Orgelklängen „Ich hatt' einen Kameraden . . .' senkten sich die Fahnen zum letzten Male über dem Sarg. Nach
Am Grabe v. Hünefcws.
dem Auszug der Fahnen wurde der Sarg hinausgciragcn, während am Himmel zahllose Flieger dem Verstorbenen die letzten Grüße brachten. — Im Auftrage des Reichs- präsideuten legte Oberleutnant v. d. Schulenburg einen Kranz am Sarge nieder. Zahlreich waren die Behörden vertreten. Der ehemalige Kaiser hatte seinen Adjutanten, Aèajor von Selles, entsandt, der einen Kranz niederlegte.
Nach der Trauerfeier im Dom wurden die sterblichen Überreste des Freiherrn v. Hünefeld zum Steglitzer Friedhof übergeführt. Trotz der grimmigen Kälte waren die Straßen von einer überaus zahlreichen Menschenmenge gefüllt. Der Landesverband des Stahlhelms Groß-Berlin sowie Krieger- und Regimentsvcreine hatten an der Gruft Ausstellung genommen. In dem langen Trauergefolge sah man neben v. Hüneselds Ozeanflugkameraden Hauptmann Köhl und Riajor Fitzmaurice eine große Zahl von Abordnungen. Unter Trauerklängen wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Währenddessen freisten Flieger zum letzten Gruße über dem Friedhof. Die Trauerrede hielt Pfarrer Rieser, Südende. Er führte allen Anwesenden noch einmal die Person des Verstorbenen und seine großen Taten vor Augen. Nach ihm nahm Geheimrat Stimm ing vom Norddeutschen Lloyd im Namen des Norddeutschen Lloyds, des Ringes Deutscher Flieger und der deutschen Luftsahrverbände das Wort zu einem ergreifenden Nachruf. Mit einem Ehrensalu 1 über das Grab des Fliegerhelden endete die eindrucksvolle Trauerfeier. Nach der Beisetzung drängte sich eine viel- hundertköpfige Menschenmenge zur Grabstätte, um dlè unübersehbaren Kranzspenden zu besichtigen.