Möaer /lnzeiger
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Nr. 37 — 1929 «»'«'-»SWSSWW^
Fulda. Mittwoch. 13. Februar
V. Jahrgang ■"■HBSHSBH9
Festfreude in Italien.
Der Papst als Souverän.
Nom ist beflaggl.
In der Peterskirche fand am Dienstag die Feier der siebenten Wiederkehr der Krönung des Papstes Pius' XL statt. In den Straßen wehen die Flaggen Italiens, der Stadt Nom und die mcißgclbe des Papstes Durch die geschmückten Straßen zog schon am frühen Morgen eine unübersehbare Menschenmenge zur Peterskirche Der Papst wurde mit stürmischem Jubel begrüßt. Die Kirche war bis aus den letzten Platz besetzt In der Diplomatenloge bemerkte man auch den König von Schweden Sämtliche faschistischen Gruppen von Rom waren mit ihren Fahnen erschienen. Nachdem die Feier im Innern der Kirche beendet war erschien, begrüßt von enthusiastischen Zurufen der Menge, während die Truppen die Ehrenbezeugung erwiesen, der Papst, umgeben von den Kardinälen und den i Würdenträgern des Hofes, auf dem äußeren Mittelbalkon der Kirche von wo er unter andächtiger Stille den Segen erteilte. Nach der Segenserteilung wiederholten sich die begeisterten Kundgebungen der Menge.
In allen Städten Italiens wurde die Nachricht von dem Abkommen zwischen Vatikan und Ouirinal mit ungeheurer Begeisterung ausgenommen Umzüge in den Strafen der Städte feiern das historische Ereignis und die Bevölkerung bringt Hochrufe auf den Papst, aus den König und aus Mussoliui aus. In den Kirchen werden in Anwesenheit von Vertretern der Behörden und faschistischer Verbände feierliche Gottesdienste abgehalten. Taitsende von .Huldigungsdepeschen wurden an den Papst, an den König und an Mussolini abgesandt Die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Häuser haben geflaggt und zeigten abends prächtige Illuminationen. '
Eine Ansprache PiW XL
Während Montag von beiden Beauftragten der Ver- f™C Hber,..&l£ LerföLnuna z-vischeu -bem Heiligen Siuhi und Italien im Lateran unterzeichnet wurde, empfing der Papst das römische Priesterkollegium und hielt eine Ansprache über das vor sich gehende historische Ereignis Er lehnte die vom Ausland- kommende Kritik ab. Einige behaupteten, die Kirche hätte zuwenig und andere, sie hane zuniel herausgeholt. Einige finden das Territorium nein denen müsse aber gesagt werden, daß gerade der Papst ein Gebiet so winzig wie möglich gewollt habe Er verhandelte als Vater mit seinen Kindern und wollte die Lösung erleichtern Auch galt es nachzuweisen, daß ihn kein irdischer Ehrgeiz treibt. Die Kirche begnüge sih mit einem Minimum, das die vorauszusetzende Souveränität real erscheinen lasse. Dieses Territorium ist klein, doch größer als die Welt.
Einzelheiten des Dertrapcs.
Der gesamte Vertrag zwischen Italien und dem Papst umfaßt 27 Artikel. Hervorzuheben daraus ist, daß die katholische Religion ausschließlich Staaisreligion ist. Der neue Vatikanische Staat wird ausschließlich vom Heiligen Stuhl ohne Ein- niischung der italienischen Regierung verwaltet, über die in der vatikanischen Stadt wohnenden Personen übt der Heilige Stuhl die vollen Hoheitsrechte aus Besondere Vorrechte werden allen kirchlichen Würdenträgern gewährt, auch wenn sie nicht in der vatikanischen Stabt wohnen, ebenso den Mitgliedern des päpstlichen Hofes. Italien anerkennt das Recht des Heiligen Stuhls, gemäß dem internationalen Recht Ge- sandlschafien zu schicken und zu erhalten. Italien errichtet beim Heiligen Stuhl eine Botschaft und der Heilige Stuhl beim italienischen Hofe eine Nunziawr Aber der Heilige Stuhl behält es sich vor, seine moralische und geistige Macht in die Wag- W'e zu werfen in wichtigen internationalen Fragen. Die vatikanische Stadt wird stets und ewig als
neutrales und unverletzbares Gebiet
?u betrachten sein. Der Heilige Stuhl erklärt endgültig die römische Frage für erledigt und anerkennt den italienischen Staat unter der Regierung des Hauses Savoven mit Rom als Hauptstadt
Das Konkordat besteht aus 45 Artikeln. Es wird darin bestimmt, daß alles, was mit dem heiligen Charakter Roms im Widerspruch steht, vom Italienischen Staat vermieden und nicht erlaubt werden wird. Die Seelsorgesreiheit wird garantiert coezüglich des Eherechts wird die Wirkung der rein kirchlichen Ehe anerkannt. Alle Urteile der geistlichen Gerichte werden am erkaiun. Die finanzielle Regelung besteht in der direkten Überweisung von 750 Millionen Lire und einer Milliarde in Slaatsrenten an den Papst.
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„-Zur Feier des Jahrestages der päpstlichen Thronbesteigung und der Proklamierung des neuen Papststaates fand Dienstag ui der Hedwigskirche zu Berlin ein feierliches Hochamt statt. Das von Nuntius P a c c e l l i zelibriert wurde. Als Vertreter oeè Reichspräsidenten war Reichspostminister Schätzel, >ur den Reichskanzler Staatssekretär Dr Pünder, für den Reichsaußenminister Dr. Stresemann Staatssekretär Dr. von Schubert. für den preußischen Ministerpräsidenten Braun und
vreußische Slaaisministerium Staatssekretär Weismann eriauenen. Ferner sah man den preußischen Landwirtschafts' Wuier Dr. Steiger Auch daS Diplomatische Korps war fast b°uviblin anwesend
Mussolini hat vom Oberbürgermeister von Köln, Dr Adenauer, ein Glückwunschtelegramm erhalten, in dem ge- agi wird, der Name Mussolini werde in goldenen Buchstaben “ bte Geschichte der katholischen Kirche eingetragen.
Die Versöhnung.
. Man mag zu den innenpolitischen Methoden Musso- Mts stehen wie man will, man kann auch loben oder verrufen, was alles unter seiner Leitung im faschistischen Mlien geschieht — niemand wird bestreiten können, daß ? Lösung der „römischen Frage" ein großer Erfolg auch Mussolinis ist nicht bloß des Vatikans. Möglich gc-
worden ist das nur durch die Stellung die der Faschismus und damit das neue Italien eingenommen hat zur katholischen Kirche im allgemeinen und zum Papsttum im besonderen. Während früher gerade die italienische Regierung es war die die Souveränität des Papstes zwar kormell anerkannt prakti'ch sich aber zahlreiche Eingriff- ^, diese Souveränität gestattet hatte - man denke ax zahlreiche Fälle im Kriege als der Vatikan gezwungen wurde, sämtliche dort amtierenden deutschen Geistlichen zu entfernen er außerd-m auf iwli-nische Veranlassung
Der Laleranpalast, in dem dir Abmachungen zwischen dem Vatikan und Italien unterzeichnet wurden.
zum Völkerbund nicht zugelollen wurde —. Hat Mussolini aus ein gutes Verhältnis zu dem Haupt der katholischen Kirche größtes Gewicht gelegt sich auch manches Wort der Mißbilligung seiner Kolitis das von dorther kam ohne 'eben großen Lärm gefallen lassw. Fand er doch auch bei '-iner E n t d e u l s ch u n g s p o l l 1 i k in Südtirol immer weniger Unterstützung durch den Vatikan. Aber Mussolini bat mit der weltlichen Schule in Italien, die von der wüberen liberalen Regierung eingerichtet war gründlich Schluß gemacht war ia überhaupt heftigster Gegner des ifnftpnHrben Pib»rasfsmus der ferner aavr-n ftnHrif*'«. Entwicklung gemäß das Papsttum als Hindernis der italienischen Einigung bekämpft hatte und dann auch nach dem Falle des Kirchenstaates, aus weltanschaulichem Gegensatz heraus diesen Kampf fortsetzte
Der innenpolitjlche Erfolg den Mussolini durch seine Nachgiebigkeit erzielt bat - die ibn übrigws nicht viel fastet —. ‘ ist vor allem der. daß er nun sicherlich auf
Deutschlands LeistUMfähigkeit.
Die Schuldenberatung in Pari-.
Die Sachverständigen der bese ligten Staaten ver- sammelten sich Dienstag im Hotel Georg V. zur zweiten Vollsitzung. Bcre ts gestern war man in die sachlichen Beratungen eingetreten und die Hauptvcrtretcr aller Länder brachten in großen Zügen ihre Forderungen dox Für Deutschland erklärte Dr Schacht, daß die deutschen Zahlungen innerhalb der deutschen Leistungsfähigkeit bleiben müssen und daß die deutsche Leiftungsfähigkeft deshalb Gegenstand ernsthafter Prükuna fein müsse. Ma»
Vwen Avuag.
ist sich darüber einig, daß bei der Tagung die Vertraulichkeit soweit als möglich gewahrt werden soll und daß fein stenographisches Protokoll ausgenommen wird, sondern nur die tatsächlichen Beschlüsse ausgezeichnet werden.
Der französische Sprecher Moreau wies darauf hin der jetzige Dawes-Plan liefere genügend Erträgnisse, um Frankreichs Kriegsschulden und die Wiederaufbaukosten zu decken. Lediglich Deutschland habe ein Interesse daran, die Höhe seiner Schulden endgültig bestimmt zu sehen. Deutschlands Aufgabe sei es, Vorschläge für eine End- lösuna zu macken. Frankreich sei bereit, diese Vorschläge
seinen Wegen die italienische Geistlichkeit nicht mehr als Gegner oder nur laue Verbündete, sondern als Freunde finden wird. Das war auch bisher schon vielfach der Fall aber der Vatikan hielt sich abseits wenn er es auch an einzelnen Zeichen der Geneigtheit nicht fehlen ließ. Fast immer nahmen Geistliche zum Beispiel an den Faschistenfeiern jeder Art aktiv teil, auch dort, wo es sich nicht bloß um Gedächtnisfeiern für die Gefallenen des Weltkrieges handelte. Wie sich die Dinge jetzt namentlich in Südtirol, wo die deutschstämmigen Geistlichen scharfe, vielleicht die einzigen offenen Gegner der Jtalie- nisierungspolitik sind unter dem Zeichen der Versöhnung zwischen Papsttum und Mussolini entwickeln werden, hängt nicht zuletzt von dem künftigen Konkordat ab. das zwischen beiden abgeschlossen werden soll: ist doch z. B. im Konkordat mit Polen vom Vatikan zugestanden worden, daß der Staat die Versetzung von Geistlichen „au 5 Gründen des Staatswohls" verlangen kann. Daß man auch dem Staate Mussolinis dieses grundsätzliche Zugeständnis machen muß. ist vielleicht als selbstverständlich zu erwarten.
In P a r i s bat man die Lösung der römischen Frage mit gemischten Gefühlen betrachtet. Frankreich, diese „älteste Tochter der katholischen Kirche", bat sich ja seit Napoleon ITT. der in den sechziger Jabren dem Papsttum allerdings nur für kurze Zeit nochmals den Kirchenstaat gerettet hatte — der Abzug der französischen Besatzungstruppen aus Rom. durch die deutschen Siege notwendig gemacht, ermöglichte 1870 dem sardinischen König Viktor Emanuel I. die Erstürmung der „Ewigen Stadt" —, immer als Protektor des katholischen Missionswesens im Orient, vor allem in Vorderasnn gefühlt und reiche politische Erfolge daraus gezogen: daß es z. B. heute im Besitz von Svrien ist, hat es nur als eine Frucht dieser Politik zu betrachten. Aber gerade Mussolini, der mit Frankreich keineswegs auf gutem Fuß steht, hat diesem Anspruch aufs schärfste widersprochen, und die offizielle Aussöhnung mit dem Haupt der katholischen Kirche, die Tatsache, daß er mit ihm ein Konkordat abschlicßen wird, während das Verhältnis des Vatikans zu Frankreich ein durchaus nicht immer ungetrübtes ist, wird dem ungekrönten König von Italien die Abwehr französischer, übrigens längst überholter Ansprüche um vieles erleichtern. Durch weiteres Entgegenkommen — man spricht bereits von einem Eintritt der nun auch äußerlich souverän gewordenen Kurie in den Völkerbund als gleichberechtigtes Mitglied — wird Mussolini seine neugewonnene günstige Stellung zur katholischen Kirche noch weiter ausbaucn können. „ ,
Mussolinis Name wird rings um den Erdball in Dankbarkeit genannt werden, überall, wo der Katholizismus Fuß gefaßt hat, und daher ist die von ihm erreichte Lösung der römischen Frage ein gewaltiger Prestige-Erfolg neben jenen beiden anderen außen- und innenpolitischen Früchten, die seine Politik batd ernten wird.
entgegenzunehmen. Ein solches Zugeständnis setze aber eine deutsche Gegenleistung voraus. Für die Amerikaner äußerte sich M o r g a n zurückhaltend Vom amerikanischen Gesichtspunkt aus müsse die Reparationsfrage als ein großes internationales Bankengeschäft unter Berücksichtigung aller legitimen Forderungen betrachtet werden.
Zwei Hauptteile.
D°e Beratungen der Konferenz werden sich wahrscheinlich in zwei Hauptteile gl edern: in die Fragen, die mit der Leistungsfähigkeit Deutschlands Zusammenhängen, i'iid die Frage der Flüssigmachung der Rcparationsschuld. Bon allen Seiten drängt man darauf, bei den Verhandlungen keine unnütze Zeit zu verlieren Pierpont Morgan hat angelündigt, daß er unbedingt Ende März wieder heimkehren müsse Auch die Engländer wünschen mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen möglichst rasch zu einem definitiven Ergebnis zu kommen
Es ist nicht beabsichtigt, für den amerikanischen Vorsitzenden Owen Uoung einen Stellvertreter zu wählen. Wenn Owen Aoung behindert sein sollte, wird ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Auch ein Generalsekretär ist nicht bestellt worden Lediglich der Pripatsckretär von Owen Voung, Mister Brake, wird als Sekretär der Gesamtkonferenz fungieren. Daneben leitet für jede Delegation ein Sekretär die Bureauarbeiten.
„Excelsior" zum Reparationsproblem.
wtb. Paris, 13. Febr. Einige Morgenblätter wenden sich dagegen, daß sich der Sachverständigen-Ausschuß in eine Diskussion der Statistiken einläßt. Die wirtschaftlichen, steuerlichen und sozialen Angelegenheiten des Reparationsproblems, so schreckt „Exelstor", berühren so eng die juristische u. politische Seite der Frage, daß man sich, wenn man sie zu vertiefen sucht, der Gefahr aussetzt, eine kostbare Zeit zu verlleren und die Verhandlungen von ihrem wahren Ziel, nämlich den Dawes-Plan zu vervollständigen und die endgültige Regelung des Repararionsproblems von dem wirtschaftlichen Gebiete abzulenken. Vielleicht ist es nicht überflüssig, hinzuzufügen, so fährt das Blatt fort, daß bei der Festsetzung der interalliierten Schulden Amerika niemals eine spätere Revision auf Grund der Zahlungsfähigkeit feiner Schuldner ins Auge gefaßt habe.