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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 48 1929

Fulda, Dienstag, 26. Februar

6. Jahrgang

Antideutscher Geheimbund.

Kanzösisch-belgischer Mitärverttag.

Enthüllungen aus Holland.

DaS grösste Aussehen erregt eine Veröffentlichung einer holländischen Zeitung, desUtrechtsch Dagblad" in Utrecht. Das Blatt druckt den Wortlaut e»nes 1920 in Brüssel abgeschlossenen geheimen französisch-belgischen Militärnbkvmmcns sowie die 1927 angefügten Aus- lcgiingsbcstimmungcn vom französischen und belgischen Gcncrnlslab ab. Die Veröffentlichungen werden von fast der gesamten holländischen Presse nackaedruckt. In einer Vorbemerkung sagt dasUtrechtsch Dagblad", eS habe mit dein Abdruck der durch Zufall erlangten Dokumente gewartet, bis es genügende Garantien für ihre Echt­heit in die Hände bekommen habe. Kein Dementi könnte die Überzeugung des Blattes von der Beweiskraft der Schriftstücke erschüttern.

Die Schriftstücke haben auch in England wie eine gewaltige Überraschung gewirkt, was durch ihre Wieder­gabe mit daran geknüpften Betrachtungen fast in der ge­samten Presse bezeugt wird, überall wird von einem erstaunlichen Abkommen" gesprochen. Die fran­zösische Presse verhält sich zurückhaltend, während man in B e l g i e n überhaupt kaum Notiz nimmt. Das Blatt des Pariser Auswärtigen Amtes, derPetit Parisien", erklärt von angeblich autorisierter Stelle aus die Doku­mente als Fälschung.

Aegspakt gegen - Deutschland.

Wieder einmal ein Patt! Diesmal aber kein Kriegs- ächtuugspakt, kein Übereinkommen wie das von Locarno oder einer der sonstigen vielen Verträge, die ^n>-^aaj^ier?r8xmi^ angeM W-*- der Sicke- rung des Friedens dienen sollen, derartig offen ist man ja nie gewesen, solange die Welt steht, zwischenstaatlichen Verträgen einen Charakter in aller offiziellen Form zu geben, so daß sie als kriegerische Bedrohung anderer Staaten aufgefaßt werden mußten. So etwas versteckte man in ge- Heime Zusatzbestimmungen oder sonst irgendwie. Nur kommt es manchmal heraus. So z. B. jüngst beim englisch- frautösischen Marineabkommen.

Theoretisch sollen jetzt alle zwischenstaatlichen Überein­kommen dem Völkerbund vorgelegt und dort registriert werden. Nach Prüfung, ob sie nicht bestehenden Verträgen oder sonstigen Bestimmungen der Völkerbundakte wider­sprechen. Nun ist plötzlich der Wortlaut eines f r a n z ö - sisch. belgischen Militärpaktes, deutlicher ge­sagt, Kriegspaktes, in die Öffentlichkeit gedrungen in einer holländischen Zeitung, demUtrechtschen Dag­blad", der 1920 abgeschlossen worden ist, vorläufig 25 Sollte gelten soll und 1 9 2 7 durch geheime Interpreta­tionen vervollständigt wurde; aus diesen geht hervor, daß Frankreich als Hauptgegner natürlich Deutschland und I t a l i e n , andererseitsBelgien wieder in D e u 1 s ch- l a n d und Holland die Feinde sehen, mit denen man in Konflikt geraten kann. Beide Vertragspartner vereinbaren gleichzeitiges und gegenseitig unterstützendes Vorgehen, dessen Einzelheiten, ausschließlich der Rüstung für diesen Eventualfall, eingehend zwischen den beiden mcneralstäben festgelegt wurden. Das gAt aber nicht bloß etwa für den Fall desVerteidigungskrieges", sondern auch dann, wenn zwischen Frankreich oder Belgien und nner andern Macht ein militärischer Konflikt irgendwelcher Urt entsteht und Deutschland diese Macht irgendwie unterstützt. Dann marschiert man auf der Front von

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Ein holländisches Blatt veröffentlicht aufsehenerregende Enthüllungen über ein geheimes Militärbündnis zwischen Frankreich' und Belgien mit der Spitze gegen Deutschland und anch gegen Holland.

* Der Neparationsagent Parker Gilbert ist a"s Paris, wo er einen Krankheitsansall überstand wieder in Berlin ein- getrossen.

* Die Lohnstreitigkeiten in der Textilindustrie sind durch einen Schiedsspruch beigelegt worden, dusch den 200 000 Arbeiter ersaß, werden.

* Der augenblickliche Gewalthaber in Afgh-rnistan, Habib Ullah, hält gewaltsam eine Anzahl Deutsche in Kabul zurück. Der deutsche Generalkonsul Baron von Plessen ist zur Wahr- nehmung der deutschen Interessen in Kabul eingelrossen.

Verwahrung der Reichsbahn.

oen 2 Konferenz, bahn die

, f Sn einigen Zeitungskorrespondenzcn sind der Retchs- vahnhauptverwaltungQuertreibereien" gegen die Re­parationsverhandlungen in Parisohne Rücksicht auf W-^"^''Essen der Nation" vorgeworfen worden. Die ^eichsbahnhauptverwaliung soll auf dem Wege über die ausländischen Mitglieder des Verwaltungsrates zu ar- "lchen versuchen, die Aufsichtsbefugnisse der â r e g i e r u n g , die durch das Reichsbahngzesey Begeben sind, zu lockern, wenn nicht zu beseitigen. Mn Ausführungen wird davon gesprochen, daß- in '""'en mit Direktoren und Präsidenten der Reichs- Frage behandelt worden ist:Welche Ratio- l^rungsmaßnahmen sind noch möglich, wenn die utsche Reichsbahngesellschaft von den gesetzlichen Bin- ungen und sonstigen Hemmungen befreit wird?"

Die Rcichsbahnhauptverwaltnng erklärt die BP- ""d Schlußfolgerungen in dieser Richtung X« S ** «-«»"">»»"

Belfort bis Antwerpen vorwärts gen Osten. Mindestens einmal jährlich regeln die beiden Generalstäbe durch Meinungsaustausch alles militärisch Notwendige. Man hat als Zusatz offenbar oder als Deckmantel die so­fortige Mobilisierung der Streitkräfte auch dann vor­gesehen, wenn der Bündnisfall gegeben ist wegen Ver. letzung irgendeiner Bestimmung der Verträge, die zurzeit zwischen Deutschland einerseits, Frankreich und Belgien andererseits bestehen.

Im Vertrag von Locarno steht ja freilich hierüber ganz was anderes, außerdem eristiert die englische Garantie dieses Vertrages, aber . . . ! 1927 ist auch für einen Konssikt mit Holland oder Italien alles Not­wendige über Mobilisation und Einmarsch vorgesehen worden, wohlgemerkt auch für den Fall, daß eine mit den beiden Vertragsparteien in Konflikt befindliche Macht bei Deutschland oder Holland Unterstützung auch nicht un- i mittelbar militärischer Art findet. Man scheint offenbar I weder in Paris noch in Brüssel auch nur den geringsten Wert daraus zu legen, zu beachten, was alles über die Behandlung drohender oder ausgebrochener Krieqs- konflikte in den Völkerbundsatzungen und zahlreichen späteren Beschlüssen bestimmt' worden ist! Und im Kellogg-Pakt und in sonstigen Vereinbarungen! Dafür enthält aber dieser französisch-belgische Kriegspakt, der übrigens 1923 bei dem Nnhreinbruch schon eine Art von Verwirklichung fand, die für die abschließenden Seiten recht zweckmäßige Bestimmung daß alles streng geheim bleiben müsse. Man kann daher auch in diesem Zu­sammenhang an gewisse Reisen französischer Generale nach Polen, der Tschechoslowakei, nach Jugoslawien, Ru­mänien usw. erinnern, die sicherlich nur eminent fried­lichen Zwecken gedient haben. Oder zweifelt jemand daran angesichts der unverbrüchlichen Treue, mit der man in Paris und Brüssel zu allen offen abgeschlossenen Ver­trägen steht, wie z. B. zu dem von Locarno? Oder angesichts der peinlichen Genauigkeit, die man von den anderen Staaten für die Innehaltung des Völkerbund- statuts verlangt? Bekanntlich ist vor neun Monaten in Paris der Kriegsächtungspakt unterschrieben worden, auch von Frankreich und Belgien, nur läßt sich dieser französische Kriegspakt wirklich nicht damit in Einklang bringen.

In Berlin zweifelt man an amtlichen Stellen weiter nicht an der Echtheit dessen, was in der Veröffent­lichung der holländischen Zeitung mitgeteilt wird. Und macht sich seinen Vers darauf. Wußte man doch von dem Zusammenarbeiten der beiden Generalstäbe, erinnerte man sich doch auch daran, daß 1920 ein Militärbündnis zwischen Frankreich und Belgien abgeschlossen, aber in Genf nicht registriert war, wohl aber ein dies­bezüglicher, damals vielerörterter Briefwechsel zwischen der Pariser und der Brüsseler Regierung. Genaueres dar­über wußte man in der Öffentlichkeit nicht, die durch selbstverständlicheFriedenssicherungs"beteuerungen über den wirklichen Inhalt des Vertrages hinweggetäuscht wurde. Jetzt aber, da man den Wortlaut, dazu die Interpretationen" aus dem Jahre 1927 überraschend kennenlernt, dürfte sich die übrige Welt denn doch nicht so leicht wieder beruhigen lassen. In der nächsten Woche ist ja Völkerbundratstagung. Für diese ist die Sensation jetzt da. Und vielleicht stellt Deutschland, Holland usw. an die Herren der französischen und bel^ gischen Delegation einige unbequeme Fragen über das, was man Ehrlichkeit in der Politik nennt. Besonders, ha man ja in Paris mit dem Vorwurf immer sehr schnell bei der Hand ist, Deutschland verletze bestehende Verträge.

Der neue Kälteeinbruch.

Der neue KâlteeinSruch, der Sonntag eintrat, hat In ganz Deutschland zu erheblichen Temperaturrückgängen geführt. In Berlin war die tiefste Temperatur Mon­tag früh minus 10 Grad. Ähnlich lagen die Temperaturen in ganz Mitteldeutschland und in Schlesien, wo man überall durchschnittlich 7 bis 10 Grad Kälte maß. Besonders empfindlich macht sich die Kälte in P o m m e r n und O st Preußen bemerkbar. Dort betrug die Durch- schnittstemperatür minus 20 Grad. Auch das Rhein- l a n d, in dem man Sonntag zum Teil noch Wärmegrade messen konnte, hat Temperaturrückgänge zu verzeichnen. Tauwetter herrschte Montag noch in Bad e n, Württemberg und dem südlichen Bayern. In Schlesien und Mitteldeutschland waren strichweise leichte Schneefälle zu verzeichnen, in Westdeutschland teilweise Regen. Die Temperaturen in Rußland sanken bis auf minus 22 Grad, im nördlichen Schweden bis auf minus 37 Grad. Auch Westeuropa hat für die nächste Zert mit neuer Kälte zu rechnen.

In S ü d i t a l i e n haben Schneesturme große Schäden angerichtet. Viele Züge mußten wegen Un­passierbarkeit der Strecken an ihre Ausgangsstationen zurückkehren, bis Schneepfluglokomotiven die Strecke frei gemacht hatten. Die Schneefälle haben viele Gebirgs­gegenden isoliert, so daß ihnen auf Lastautos Lebens­mittel zugesandt werden mußten. In den Bergen von Apulien hat der Schnee eine Höhe von einem Meter erreicht. Dunkler Schnee.

Im Kreise Horodenko in Ostgalizien fiel ein Schnee, der mit dunkelbraunem Staub vermischt war, so daß die ganze Gegend mit einer dunklen Schneedecke bedeckt wurde. Eine ähnliche rätselhafte Erscheinung konnte dort schon vor zehn Monaten beobachtet werden: damals fiel her Staub mit Reaen uruermiicht zu Boden.

Gefährdung der Deutschen in Kabul.

Gewaltsam zurückgehalten.

Bon den in Kabul befindlichen Deutschen ist acht Personen die Ausreiseerlaubnis nicht gegeben worden. Achtzehn Deutsche haben die Ausreiseerlaubnis, konnten aber bisher nicht abbefördert werden, weil, wie der eng­lische Gesandte mitgeteilt hat, zurzeit keine Gelegenheit zur Beförderung vorhanden ist. Die Behinderung der Deut­schen soll ihre Ursache darin haben, daß der jetzige soge­nannte König von Afghanistan, Habib Ullah, den Deutschen Schwierigkeiten bereitet, die unter der Herr­schaft Aman Ullahs bei der Regierung beschäftigt waren.

Der deutsche Generalkonsul in Kalkutta, Baronvon Plessen, ist mit einem englischen Flugzeug nach Kabul geflogen und dort eingetroffen. Er ist an die Stelle des erkrankten und mittlerweile abgereiften deutschen Ge­sandten Feigel getreten, um die deutschen Interessen zu wahren. In Berlin werden diese Tatsachen bestätigt. In kurzer Zeit erwartet man allgemein das Aufflammen größerer Kämpfe in Afghanistan und besonders auch in Kabul. Englische Flugzeuge haben Sonntag 27 Europäer, darunter den Stab der französischen und der italienischen sowie einen Teil der Angehörigen der englischen Gesandt schaft aus Kabul abtransportiert.

Preußens Volksgesundheit.

(51. Sitzung.) tt. Berlin, 25. Februar.

Der Preußische Landtag beschäftigte sich in zweiter Be- ratung mit dem Haushalt des Ministeriums für Volkswohlsahrt beim AbschnittMinisterium und Volksgesundheit"

Abg. Dr. Stemmler <Ztr.) erstattete den Bericht des Aus­schusses. Er erklärte, daß trotz Bereitstellung großer Mittel diese als unzureichend empsunden würden. Deshalb habe man schon den Gedanken erwogen.

eine Art Gesundheitssteuer einzuführen.

Zu verurteilen sei das Vorgehen des Finanzministers, der zehn Prozent der für die Förderung der Leibesübungen bewilligten Ausgaben einbehalten habe.

Abg. Dr. Chases <Soz.), der die allgemeine Aussprache ein« leitete, bezeichnete es als bedenklich, daß die Mittel für den Wohlfahrtshaushalt gegenübe, dein Vorjahre um mehrere Millionen gekürzt worden seien. Wenn man bedenke, daß allein

300 000 Deutsche noch mit offener Tuberkulose Herumliesen, müsse man zugeben, daß an den Ausgaben für die Volksgesundheit nicht gespart werden dürfe. Die Ärzte befänden sich in großer Not und die Medizinalbeamten seien zum Teil zu stark belastet.

Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer erklärte u. a., daß der allgemeine Gesundheitszustand der preußischen Bevölkerung sich im Jahre 1928 weiter gebessert habe. Die Impfungen hätten gute Erfolge gezeitigt. Die Erkrankungen an Diphtherie und an Scharlach hätten zugenonimen. Der Landes­gesundheitsrat habe Richtlinien für ihre Bekauipsung heraus- gegeben.

Die Grippe

habe sich in Preußen stärker verbreitet, doch habe sie in den meisten Fällen keinen bösartigen Charakter. Bedenklich seien die Kropferkrankungen bei Schulkindern, die in einigen Ge­bieten 1030 Prozent der Schulkinder befallen hätten Die Tuberkuloseerkranarungen seien ersreulicherweise zurnckgegan- gen. Die Säuglingssterblichkeit, ebenso der Mißbrauch von Rauschgiften werden weiter bekämpft Auf dem Gebiete der Geweröehygtene seien Fortschritte erzielt worden. Bedenklich sei

der weitere Rückgang der Geburtenzahl

von 20,3 Geburten auf tausend Personen tm Jahre 1926 auf 19 04 im Jahre 1927. Es habe den Anschein, als ob sich dieser Rückgang noch weiter sortsetzen werde. Der Geburtenüber­schuß über die Todesfälle nehme von Jahr zu Jahr zu Der einmal begonnene Abstieg der Geburtenziffer sei, das zeige die Geschichte, nur sehr schwer wieder aufzubalten und in einen Aufstieg zu verwandeln; er sei vielmehr bäusig der Anfang vom Ende eines Volkes. Der Minister betont, daß alle er­forderlichen Schritte getan werden müßten, um die drohende Gefahr aus diesem Gebiete abzuwehren.

Abg. Dr. Freifrau von Walter <Dtn.) erklärte, die Arbeits­freude des Arztes werde durch Abhängigkeit von den Kassen nicht erhöht. Sie wandte sich gegen zunehmende Einrichtung von Eigenbetrieben der Krankenkassen, die der freien Wirtschaft schweren Schaden zufügen.

Abg. Dr Wester iZtr.) bedauert, daß das WohlfahrtS- ministerilim vom Finanzministerium so stiefmütterlich be­handelt wird Die sozialen Lasten seien für den Arbeitgeber wie für den Arbeitnehmer ein Teil des Lohnes. Auch aus dem Lande sei ebenso wie in den Kleinstädten ein Geburtenrückgang zu beobachten. Auch die Hebung der materiellen Lage der Bevölkerung werde letzten Endes nichts erreichen, wenn nicht eine sittliche Erneuerung unseres Volles, eine Erneuerung des Vollsaeiltes eintritt.

Wiederaufnahme der Arbeit in der Textilindustrie.

Ein Schiedsspruch für 200 000 Textilarbeiter.

Die Verhandlungen im Lohnstreit der Textilarbeiter wurden nach fünf Tagen zu Ende geführt. Der von dem Schlichter für Westfalen, Brahn, als Vorsitzenden und Bergwerksdirektor Dr. Wolff sowie Polizeipräsident Schöbel gefällte Schiedsspruch sieht einen Lohnzu. schlag von drei bis fünf Prozent vor, der zeitlich ge» ' staffelt ist. Die Parteien hatten sich von vornherein damtt einverstanden erklärt, den Schiedsspruch anzunehmen, wenn er einstimmig gefällt würde. Die Laufzeit des Schiedsspruches beträgt eineinhalb bis zwei Jahre. Etwa 200 000 Textilarbeiter in 21 Bezirken, von denen 70 000 zum Teil ausgesperrt waren, zum andern Teil streikten, werden von ihm betroffen. Da der Schiedst spruch einstimmig gefällt worden ist, tritt er sofort in Kraft. Die Wiedcreinstellung der Arbeiter erfolgt daher sofort nach Maßgabe der tcchnischm und wirtschasUiche» Möglichkeiten.