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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a» und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 72 1929

Fulda, Dienstag, 26. März

6. Jahrgang

Hugenbergs Brief an Amerika.

Unsere Sache ist euere Sache."

Zuerst durch Andeutungen Berliner Blätter und dann durch eine Veröffentlichung der Pressestelle der Deutsch- nationalen Partei wurde bekannt, daß Geheimrat Dr. H u g e n b c r g , der Führer der Deutschnationalen Volks­partei, einen Brief an sämtliche Senatoren und Abgeord­nete der Vereinigten Staaten, an die dortigen Gouver­neure und Bürgermeister, an alle führenden Zeitungen und an hervorragende Persönlichkeiten des wirtschaft­lichen und geistigen Lebens in Amerika gesandt hat. Der Vries nimmt Stellung ^u den gegenwärtig schwebenden Pariser Reparations' .rhandlungen und wurde in der amerikanischen Presse veröffentlicht. Die Auslassungen Dr. Hugenbergs sollen, wie die deutschnationale Presse­stelle mitteilt, amerikanischen Anregungen entsprochen haben.

Aus dem Wortlaut.

Das Schreiben erklärt, die Pariser Verhandlungen gäben hervorragenden Mitgliedern des amerikanischen Volkes Ge­legenheit, ihre wichtige Stimme im Sinne einer endlichen Befriedung Europas und damit der Welt in die Wagschale zu werfen.

Dann heißt cs u. a. weiter:Deutschland ist nicht in der Lage, die bisherigen Lasten aus eigener Kraft zu tragen. Nur die Anleihen, die ihm in der Hauptsache von Ame­rika gegeben wurden, ermöglichen die Zahlungen der Tribute an die Alliierten. Aus eigener Kraft bat Deutschland seit dem Dawes-Pakt n i ch l s zu zahlen vermocht. Zurzeit also zahlen die Amerikaner die Tributlasten Deutschlands. Sie sind ei, die sicherlich ohne bösen Willen. aber tatsächlich den Militarismus Frankreichs finanzieren, den Engländern ihren Hlottenbau ermöglichen Sie sind cS. die auch dem Marxis­mus in Deutschland die Mittel in die Hand geben, siaats-

Slegerwald zur Koalition-frage.

Drei Wegr.

Der Reichstagsabgeordnete des Zentrums Dr. Stegerwald ging in einer zu Büren (Westfalen) gehaltenen Rede auf die gespannte innenpolitische Lage ein und sagte dabei u. a.:

Es gibt nur dreierlei: entweder Diktatur oder Reichstagsauflösung oder aber feste Koali­tion. Diktatur bedeutet praktisch: die Zerreißung der Neichseinheit. Reichstagsauflösung bedeutet Stärkung des Radikalismus. Mithin bleibt nur der Weg zu einer festen Koalition offen. Wer im Zentrumslager ein bewußtes Fernbleiben von der Regierung will, arbeitet praktisch, ob gewollt ober ungewollt, an der Anbahnung der Diktatur. Jede Regierungskoalition hat sich bewußt zu sein, daß die deutsche Politik in den nächsten Jahren auf allen Ge­bieten Ausgleichspolitik sein muß. Alle Parteien, die in der Regierung vertreten sind, müssen in den nächste» Jahren den Willen mitbringen, den Staatswagen, ohne Rücksicht auf vorübergehende Popularität oder Unpopu­larität. unter allen Umständen bergauf zu schieben.

Kroni des Lungdeutschen Ordens.

Für sozialen Volks staat.

Auf einem in Berlin stattgefundenen Hochkapitel deS Jungdeutschen Ordens wurde eine Entschließung gefaßt, in der cs heißt:

Die Bildung einer Front, die den freien, unabhängigen Volksstaal auf dem Boden christlicher und sozialer Kulturaus- lafjuna erstrebt, darf nicht mehr scheitern an gefühlsmäßigen Gegensätzen in der F l a g g e n s r a g e oder an den überholten griffenRechts" undL i n ks" Staatsbürger, die eine Mahr für den sozialen Volksstaat sowohl tn marxistischer '"asjendikiatur, plutokratischen Machtbestrcbungcn und sozial- kcaktionâren Kastenbestrebungen als auch in der Verneinung eines gesunden Wehrwillens durch volksfremden Pazifismus phcn, müssen den Weg zueinander finden. Sie werden sich bißen in der Aufgabe, die bankerotte Parteiwirischaft durch cinr organische Volksvertretung abzulösen. Die Sammlung zu dieser Einheitsfront stellt für die an ihr mitwirkenden »raste weder eine Links- noch eine Rechtsschwenkung dar. An "Ue Ordensbrüder richtet das Hochkapitel die Aufforderung, ausrüttelnd und ausklärend den Ruf nach der großen natio- inucn Erncuerungssrom weiterzuiragcn. Deutschland geht zugrunde, wenn das deutsche Volk weiterhin die heutigen er- darrten Parteiungen und damit die Zwietracht pflegt. Der "^ungdeutsche Orden kennt nur eine Tradition, und die heißt: Deutschland!"

Wahlreformvorschläge der Demokraten.

. Die Demokratische Partei hat einen Vorschlag zur Re- iev.it des Reichstagswahlrechts ausgcarbcitct, nach dem

Zahl der Reichstagsabgeordnetcu auf 450 herabgesetzt "biß. Das Reichsgebiet wird in 225 in ihrer Bcvölkc- Hungs',ifscr annähernd gleich große Wahlkreise cingeteilt, denen jeder zwei Abgeordnete wählt, und zwar soll ßcivählt fein, wer in einem Wahlkreis die absolute Mehr- helt aller gültigen Stimmen erreicht hat. Über die so ge- ^hlten Abgeordneten hinaus soll jede Partei oder jeder ^-ahlvorschlag so viel Abgeordnetensitze zugetcilt erhalten,

es ihrem prozentualen Anteil an der Gesamtzahl der ul Reiche abgegebenen Stimmen entspricht. Wahlberechtigt loileii außer den zwanzig Jahre alten Deutschen auch Österreicher fein, die länger als ein Jahr in Deutschland eben. Rcichswehrangchörigc sollen nicht wahlberechtigt

Außer den in den Stimmlisten Verzeichneten sollen- Ausländsdeutsche wahlberechtigt sein, die sich gerade

Reich aufhaltcu.

sozialistische und wirlschaftssozialistische' Experimente zu machen. Die Deutschnationale Volkspariei will eine vernünftige und gerechte Lösung der Tributsrage und der damit verknüpften Fragen. Nur eine gerechte Endlösung gibt dem deutschen Volke die Möglichkeit, die Ausgaben neu zu er­füllen, die ihm seine geographische Lage zuweist, den Schutz der zivilisierten Welt vor dem Bolschewismus, eine Aus­gabe. in der eigentlich die gebildeten, einsichtigen und fort­schrittlichen Elemente der Welt zusammenstehen sollten. Treibt man es durch eine unvernünftige Politik und durch untragbare Lasten zur Verzweiflung, so treibt man es dem Bolschewismus in bis Arme. Dann erst ist Deutschland eine Gefahr.

Die Deutschnationalen bejahen den Begriff des Privat- eigentums, die Grundlage eines jeden staatlichen Lebens. Wir lehnen daher einen Pakt mit den Sozialisten ab. Wir lehnen daher als einzige große Partei Deutschlands eine Rcgierungsgemeinschafl mit den Sozial­demokraten ab.

Unsere Sache ist die Sache aller derjenigen Elemente, die den Kamps gegen das Chaos wollen. Macht man uns durch eine unvernünftige Regelung der Tributlasten den Kampf un­möglich, dann bricht das Chaos über Deutschland und damit über Europa herein und bringt schließlich die ganze zivilisierte Welt in Gefahr. Unsere Sache ist eure Sache."

Als erste amerikanische Äußerung zu diesem Brief liegt diejenige derNew Dork Times" vor. Sie besagt: Stresemanns Probleme wie auch die Bestrebungen der deutschen Bankiers, eine Lösung der Reparationsfrage zu erreichen, werden durch die Deutschnationalen nicht er­leichtert. Wenn auch zu erwarten ist, daß Berlin den Ergeb­nisten der Reparationskonferenz kritisch gegenüberstehen werde, wie immer sie ausfallen mögen, so bedeutet doch die Vorankündigung seitens der Deutschnationalen, daß sie nicht Mitarbeiten werden, eine Drohung, die nie­manden schreckt, Deutschlands Stellung in der Welt jedoch wenig nützt.

Unglücksfälle vor Fochs Sarg.

Dcp.â^â Mil Der Leiche des Marschalls Foch wurde Sonntag vom Sterbehausc nach dem Triumphbogen ge­bracht und dort öffentlich aufgestellt, um es dem Publikum zu ermöglichen, an dem Sarge vorbeizuziehen. Um den Platz hatten sich ungeheure Menschenmengen angesammelt, und als gegen Abend Marschall Jofsre erschien, durchbrach die Menge den Absperrungskordon. Es entstand ein furchtbares Gedränge. Etwa 200 Personen wurden zu Boden geworfen und mit Füßen getreten. Dreißig Per­sonen sind dabei erheblich verletzt worden. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus geschasst, wo dreizehn Personen­wegen Arm- und Beinbrüchen und sonstigen Verletzungen in Behandlung genommen wurden. Einer der Verletzten starb alsbald. Die Pariser Presse übt scharfe Kritik an der mangelhaften Vorbereitung der Kundgebung.

Wahlausfall im Sinne Mussolinis.

Der Sonntag brachte in ganz Italien die Neuwahlen zum "Parlament, die nach den neuen Gesetzen und Be­stimmungen der faschistischen Negierung vor sich gingen, ^rotz der fast überall auf 8090 Prozent gestiegenen Be- wUiaung wurden fast keine Oppositionsstimmen ab- gegeben. Das Gesamtergebnis wird amtlich wie folgt be- lanntgegeben: Wahlberechtigte 9 650 570, abgegebene Stimmen 8 650 740, Wahlbeteiligung 89,63 Prozent, Ja- Stimmen (für die faschistischen Vorschläge) 8 506 576, Nein­stimmen 136 198, ungültige Stimmen 6824 Es fehlen daültiacn Ergebnisse einiger Wahllokale. Selbst irol betrug die Wahlbeteiligung 80 Prozent. 52 078 Wahlberechtigte.

noch die en! _

Provinz Bozen waren 52078 Wahlberechtigte. Davon gingen 41 139 zur Wahlurne. Von diesen stimmten 38 243 mit I a (für Mussolinis Liste), 2809 mit Nein. In der Stadt Bozen wählten 7445 Personen. Von ihnen stimmten 7042 mit Ja, 371 mit Nein. In Meran stimmten 368? mit Ja, 242 mit Nein. Die faschistische Bozener Alpcnzcitung brachte in Plakalform auf der ersten Seite folgende Worte:Wer eine Neinstimme abgrbt oder sich der Stimmabgabe ganz enthält, ist ein verratet und

Deserteur." _____

General (Sarrail f.

General Sarrail tm Anfang des Weltkrieges Führer der 3. französischen Armee, dann Oberkommandierender der alliierten Armeen im Orient, nach dem Kriege Oberkommissar in Svricn ist am 23. März in Paris gestorben. Er wird auf Staalskosteu neben Foch bcigcsctzt werden.

Graf Henckel von Donnersmarck f.

Im Alter von 57 Jahren.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates des Deutfchen Volksbundes in Ostoberschlesten, Edwin Graf Henckel von Donnersmarck auf Schloß Neudek, ist einer doppelseitig^

ßungemmljünDung erlegen. Der Verstorbene hat vor einigen Jahren als Nachfolger des verstorbenen Barons von Reitzenstein die Führung des Deutschen Volksbundes übernommen und noch vor kurzem nach bei Verhaftung des Abgeordneten U l i tz eine Sitzung des Verwaltungs- raies des Deutschen Volksbundes geleitet. Der Ver­storbene ist 57 Jahre alt geworden, war als Rennstall­besitzer und erfolgreicher Züchter von Pollblutpserd«« sehr bekannt.

Politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Braunschweigs Selbständigkeit.

Im Braunschweigischen Landtag verlas der Bor^ sitzende des Staatsministeriums, Dr I a s p e r, zur Frage der Selbständigkeit des Landes eine Erklärung, in der es heißt: Das Staatsministerium besorgt, daß die deutsche Einheit nicht gefördert, sondern gefährdet werden könnte, wenn Braunschweig und die übrigen norddeutschen Länder in Preußen aufgehen. Preußen muß in Deutschland auf- gehen, wenn Deutschland leben, der dezentralisierte deutsche Einheitsstaat ernst werden soll. Der Freistaat Braun­schweig wird dann in Niedersachsen aufgehen. Die Lage des Landes ist ernst, aber nicht ungünstiger als die der meisten anderen Länder. Das Staatsministerium ersucht alle Braunschweiger, bei allen Erörterungen das Wohl der Heimat nicht außer acht zu lassen.

Jioröamerifa.

Diplomatischer Zwischenfall mit England?

Vor einigen Tagen wurde ein flüchtendes englisches Schmugglerschiff von amerikanischen Polizeisahrzeugeu durch Granatfeuer versenkt. Das scheint Anlaß zu diplo­matischen Auseinandersetzungen zu geben Der englische Botschafter in Washington ist bei dem Unterstaatssekretär Castle wegen der Versenkung vorstellig geworden, wobei er betonte, daß es sich, wenn die Berichte zuträfen, um einen ernsten Vorfall handele. Der Botschafter ersuchte um nähere Aufklärung, die der Unterstaatssekretär vor­läufig nicht geben konnte; er versprach jedoch, den Einzel­heiten des Vorfalles nachzugehen. Es ist zunächst noch nicht einwandfrei festgestcllt, ob die Versenkung innerhalb der der Polizeiüberwachung unterstehenden 12-Meilen« Zone vor der Küste erfolgt ist.

Aus Zu- und Ausland

Berlin. Am Dienstag, den 9. April 1929, tritt in Stuttgart der Vorstand des Deutschen Landkrecstages zu­sammen. Zur Beratung stehen Fragen der Wohnungsbau­förderung und des Internationalen Verbandes für Woh- nnngswesen, Finanz- und Sicuerfrngcn und die Frage der, Klcinremnersürsorge. ,

Graz. Der rechlsstehendc H c i m a t s ch u tz veranstaltete in Gratkorn eine Werbeversammlung mit anschließendem Marsch nach Gralwcin. Dabei kam cs zu wiederholten heftigen Zusammenstößen mit Arbeitern, wobei aus beiden Seiten sechs Personen schwer und ungefähr zwölf leicht verletzt wurden.

Wien. Im Wiener Grand Hotel kam es bei dem Abschieds­souper für den Sekretär der spanischen Gesandtschaft, Villa­verde, zu einem argen Exzeß. Als der Nachlportier den spanischen Legdtionsrat Propörc ersuchte, mit Rücksicht aus die anderen Gäste weniger zu randalieren, antwortete ihm dieser mit einem Hieb aus den Kops. Die berbeigerusene Wache nahm über den Vorfall ein Prolokoll aus, tonnte aber selb?- verständlich den exterritorialen Erzedenten nicht sestnehmen.

London. Voul lakonischen Oberbaus ist ein Gesetz an­genommen worden das gewisse Artikel mit einer hundert- Prozent: gen Luxus st euer belegt. Zu diesen Artikeln ge­boren Kakao, Kassec, schwarzer Tcc, Käse, photographisch« Apparate und merkwürdigerweise auch athletische Sportgeräte.

Buenos AireS: Aus Anordnung der argentinischen Zem tralregierung wurde der frühere Gouverneur der Provinz Mendoza, Washington Lencinas, wegen Vergeudung off ent lieber Gelder verhaftet.

Peking. Ter Hungcrsitotausschuß der Rankingregierung dielt seine erste Sitzung ab und beschloß, der Regierung bie "Erhebung einer Aussteuer in Höhe von 214 Prozent für die Dauer eines Jahres oorjufcblagcn. Die Erträgnisse dieser zu­sätzlichen Steuer sollen ausschließlich für die Hungersnot- gebiete verwandt werden.