Zul-aer Anzeiger
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9tr. 73 — 1929
Fulda, Mittwoch, 27. März
6. Jahrgang
3n dem Brand des Riesendampsers MW>"
50 Millionen Schaden.
Zu dem Braird wird uns von unserem Berliner Büro noch geschrieben:
Tft Blohm und Voß in Hamburg liegenden, neuerbauten Riesendampfer „Europa" (46000 Tonnen), der im August vorigen Jahres vom Stapel lief, brach ein verheerendes Großfeuer aus.
Von der Werftfcuerwehr wurde die Hamburger Feuerwehr alarmiert. Ein Zug rückte sofort aus. Bereits nach 20 Ministen mußte
Auf dem bei der We
der Alarm Großfeuer
ausgegeben werden. Sämtliche im Augenblick zur Verfügung stehenden Züge rückten nun unter Branddirektor Dr. Sander aus. Die dienstfreien Mannschaften wurden auf ihre Wachen beordert. Die Wehren griffen vom Lande
I und vom Wasser aus an. Mehrere Fahrzeuge, die in der 1 0 Nähe des Dampfers lagen, wurden wegen des starken ! Funkenfluges von ihren Plätzen entfernt. Ungeheure Wassermassen wurden in das brennende Schiff ge-
schleudert, so daß
die Gefahr des Kenterns bestand.
i Diese Gefahr wurde erst behoben, als sich das Schiff so I weit geneigt hatte, daß die Steuerbordseite auf festem I Grund ruhte. Um die Mittagsstunde herum waren bereits drei Viertel des Schiffes durch die Flammen vernichtet. ■ Die Eisenwände des Schiffes glühten und die Werft bildete ein einziges, weithin sichtbares Flammenmeer.
Das Wrack deS ausgebrannten Dampfers.
Nach Mitteilung der Direktion der Werft von Blohm und Voß wird sich eine zumindest vorübergehende Einstellung des Baubetriebes nicht vermeiden lassen. Die 3000 Arbeiter die auf dem Schiff beschäftigt waren, mußten einstweilen nach Hause geschickt werden. Äußerlich bietet das Schiff jetzt den Anblick eines Wracks. Ein Teil des Oberdecks zwischen den beiden Schornsteinen ist in sich zusammengesunken. Die Plattengänge der Außenhaut sind durch die Glut ausgebeult, und zwar derart, daß teilweise die Vernietung gerissen ist. An vielen Stellen sind die Versteifungen des Schiffsrumpfes unter der Einwirkung der Glut auseinandergebrochen.
Über die Entstehungsgeschichte des Brandes wird noch bekannt, daß nach übereinstimmenden Berichten das Feuer an mehreren Stollen gleichzeitig zum Ausbruch gekommen ist, so daß Kurzschluß als Brandursache wohl schwerlich in Frage kommt. Man war mit den letzten Arbeiten in den Maschmenräumen und mit den ersten Einbauten für hie innere Ausstattung der Wohn- und Gesellschaftsräume beschäftigt, Arbeiten, die größtenteils des Nachts ruhen, während tagsüber sechzehn Stunden, d. h. in zwei Schichten, gearbeitet wird. Um r Uhr früh haben die Bordwache umb der an Bord postierte Feuerwehrmann der Werftsouerwehr nach ihrer eigenen Aussage noch den vorgeschriebenen Rundgang durch das Schiff gemacht und nicht die Spur eines Brandes ober Brandgeruches entdeckt. Kurz vor 2 Uhr früh zeigten sich mittschiffs plötzlich die ersten Flammen.
Die „Europa" mit 44 Mtuionen versichert.
Wie der „Lokalanzeiger" meldet, sind fast alle deutschen Transport-Versicherungsgesellschaften an der Versicherung der „Europa" beteiligt, deren Eesamtversicherungssumme 44 Millionen beträgt.
Die englische Presse zum Brande der „Europa".
Alle Blätter bringen ausführliche Berichte über die Katastrophe, die den deutschen Dampfer „Europa" betroffen hat. „Stetig Chronicle" verweist in einem Leitartikel darauf, daß deutscherseits gehofft worden sei, das Schiff werde den von der „Mauritania" gehaltenen Ozeanrekord überbieten. Das Blatt sagt: Es ist Sache der Engländer, als gute Sportsleute ihr Bedauern und ihr Beileid auszudrücken. — „Morning Post" schreibt: In englischen Schifffahrtskreisen wird viel Sympathie für Herrn Stadtlander vom Norddeutschen Lloyd empfunden werden, der beim Bau der „Europa" und ihres Schwesterschiffes „Bremen" eine so Hervorraaende Rolle spielte. Man befürchtet, daß der Brand dem Londoner Versicherungsmarkt einen schweren Verlust zufügen wird, denn von zuverlässtaer Seite verlautet, daß die „Europa" für nicht weniger als 3 Millionen Pfund Sterling versichert war. Die Schnelligkeit, so heigt es in dem Blatt weiter, mit der sich das Feuer ausbrei- tetc und die Machtlosigkeit der Feuerwehr und Tockarbeitcr hat das Publikum in Erstaunen versetzt. Die Sachverständigen sind sich aber klar, daß in dem Baustadium, in dem sich die „Europa" gerade befand, die Schwierigkeiten für die Löscharbeiten nahezu unüberwindlich waren.
Pm der Wasserscite her waren 20 Löschboote in Tätigkeit, tvMend vom Lande her aus 20 Schlauchleitungen riesige Aus
Waffcrmaffen in das Schiff geschleudert wurden, dm Bullaugen, besonders denjenigen des Vorders schlugen die hellen Flammen heraus. Die Hitze im Schiff I war so gewaltig, daß die Deck- und Rostfarben abblätter» I ta Im Mittelschiff scheint der größte Schaden entstanden M sein. Speisesäle und Gesellschaftsräume jind in sich zusammengestürzt, eiserne Streben und Davits haben sich in der Glut vollständig verbogen.
Man erkannte immer mehr, daß von dem Schiff
Vorderschiffes,
nichts mehr zu retten
I sein würde. Die letzten überbleibenben Eisentelke f werden verbogen, angeschmolzen und unbrauchbar ge» : worden sein. Die im Oval 17 Meter breiten Schorn- I steine sind auf der Wasserscite durchgebrannt.
■l Der entstandene Schaden
wird aüi 50 Millionen Mark geschätzt, da cs sich bei dem Dampfs um eines der neuen Ozeanluxusschiffe handelt. Da der.iluftraggeber, der Norddeutsche Lloyd, das Schiff j noch nicht übernommen hat, wird voraussichtlich die Werft 1 den Schaden zu tragen haben. Was den Materialschaden betrifft, so ist er im wesentlichen durch Versicherung gedeckt.
Die Kriminalpolizei ist eifrig mit der E r m i t t l u n g »der B r a n d u r f a cb e beschäftigt. Die Untersuchungen [ gehen dahin, festzustellen, ob eine der Schiffswachen mit [ der brennenden Zigarette den ncugclegtcn Gummiüberzügen der Treppe zu nahe gekommen ist und so den Brand ! verursach, hat. Andererseits' wird auch die Vermutung einer Brandstiftung ausgesprochen. Wieviel Leute bei dem Aufkommen des Brandes auf dem Schiff be- i schäftigt waren, hat sich zurzeit noch nicht feststellen lassen. [ Infolgedessen steht es auch nicht fest, ob bei der raschen I Ausdehnung des Feuers M e n s ch e u l e b e n in Gefahr i gekommen oder gar zu beklagen sind. Bei den Lösch- I arbeiten sind zwei Feuerwehrleute an Rauchvcrqiftuug erkrankt.
I Die „Europa" ist einer der beiden Ricsendampscr, me der Norddeutsche Llovd im Frühjahr vorigen Jahres B seine Nordatlantikfahrt in Bauauftrag gegeben hatte.
k ?^n^ die „Bremen" im August vorigen Jahres auf oct Sticferiverft in Bremen vom Stapel gelaufen ist, er U iptgte der Stapellauf des Schwcstcrfchiffcs „Europa" f I pwcit Tag später auf der Werft von Blohm und Voß in ■ Hamburg. Die „Europa" sollte in ben nächsten Wochen zu drei ersten Reise ausfahren.
Die GcscllschaftShallc der abgebrannten „Europa".
Das Feuer auf her „Europa" gelöscht.
Bremen. Am Abend ist bad Feuer auf der „Europa" bi8 einige geringfügige Glimmrcstc gelöscht worden. Ei>-
Feststellungen von Ingenieuren der Werft und der W°?erci, haben gezeigt, daß außer den Kesseln und bett Mi 'juenanlagen und dem gesamten Hinterschiff mit allen ^n^âuungcn auch das Unterschiff und die verschiedenen Decks L bet ganzen Länge, sowie daâ Vorschiff vom Feuer vor» • ' in geblieben sind. Mil den Aufräumungsarbciten ist sofort ^nnen worden.
Das Heilige Land überflogen
„Gras Zeppelin" auf der Rückfahrt.
Der erste Nachtflug des „Graf Zeppelin" führte von Neapel aus nach Kapri. Von dort nahm das Luftschiff südlichen Kurs, überflog Kalabrien bei plötzlich anftretendem südöstlichen Gegenwind und er-
reichte um 21.30 Uhr das Jonische M wurde Kurs auf Kreta genommen
c e r. Von dort
Um 6 Uhr
morgens wurde das Luftschiff östlich von Kreta gemeldet. Die Funkverbindungen waren darauf stark gestört, da sich Versuche fremder Stationen, besonders norwegischer, den Zeppelin zu erreichen, sehr hinderlich bemerkbar machten.
Nach einer in Friedrichshafen aufgefangenen Funkmeldung befand sich das Luftschiff um 1 Uhr mittags au der Westküste der Insel C y p e
Ghaza und etwa 50 km nördlich von El Arisch an der öst- ägyptischen Küste.
„Graf Zeppelin« über Athen.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich nach einer eingetioffenen Nachricht um 4 Uhr nordöstlich der Insel Milos und um 6 Uhr über Athen. Das Luftschiff nimmt Kurs auf Konstantinopel.
Poststempel deS »Graf Zeppelin".
Ein schwarzer Aiegertag für Amerika.
Ein aus der Richtung Newyork kommender Etnvecrer stürzte über dem Feldlager der Staatsmiliz in Mount Gretna (Pennsylvanien) ab. Die drei Insassen
„ _ r b e n getötet.
Der Fluglehrer der Marine-Luftschiffahrtstation in P e n s a c o l ä (Florida), Leutnant Roberts, und ein Flugschüler wurden getötet, als ihr Flugzeug, das sich startbereit auf dem Boden befand, von einem zweiten Flugzeug, das gerade landete, gerammt und schwer beschädigt wurde. Beide Flugzeuge gerieten in Brand. Ein Flugschüler, der sich in dem zweiten Flugzeug befand, wurde von brennendem Benzin übergossen und trug
wurden
Ueber Jerusalem.
Der „Gras Zeppelin" überflog um 5 Uhr Jaffa, um 6.30 Uhr Jerusalem. Nach einer weiteren Meldung hat das Luftschiff bereits den Rückflug angetreten. Um 8 Uhr abends befand sich der „Graf Zeppelin" 75 km westlich von
schwere Brandwunden davon.
Ein großes Land - und Wasserflugzeug vom Sikorsky-Tvp, das im Flugdienst der Curtiß-Luftfahrtgesellschaft eingestellt ist und von Norfolk im Staate Virginia mit einem Piloten, zwei Mechanikern und dem bekannten Geschäfts- und Sportsmann Raymond aus Rochester-Finucane nach Newyork aufgcstiegcn war, wird seither vermißt. Dutzende von Flugzeugen vom Curtiß-Flugfeld und anderen Flugfeldern haben bisher vergeblich die waldreichen Küstengegenden zwischen Norfolk und Newport abgesucht. Zahlreiche Küstenwachschiffe sind mcilcuwcii ins Meer hinaus gefahren, ohne eine Spur von dem vermißten Flugzeug zu entdecken.
Strafrecht vor dem Aeichskabmett.
Der Reichskanzler leicht erkrankt.
^as Reichskabinett verabschiedete den Entwurf eines Einführunasgesetzcs zum Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuch und zum ^trafvollzugsgesetz ^as Einfüürungsgesetz enthält neben Uberleltungsbestim- munaen die gesetzlichen Vorschriften, die eine Anpassung des gesamten Ncbcnstrasrecins ves Rcicbes und der Länder an die neuen Grundlagen des Entwurfs des Strafgesetzbuches berbeifübren follem Daneben sind nicht unwesentliche Abänderungen der G er ich tu ver f a f« fit na besonders hinsichtlich bet Zuständigkeit des Einrelrichters, Ergänzungen bzw. Änderungen der geltenden Strafprozeßordnung vorgesehen. Der Entwurf wird dem Rcichsrat zugeleitet werden, da der Rtlchstag darauf Wert legt, noch vor der endgültigen vorab« schiedung des neuen Strafgesetzbuches und des ^tras- boHuia^ das Emführungsgcjctz zu beraten.
^abZncttssitzung wurde nicht, tote anfänglich „rWAWot das Gesuch Trotzkis um Einreise nach Deutschland behandel? Das ist darauf zurückzuführen, daß d?r Reichskanzler Müller nicht tcilncymcn konnte weil er an einer Magenverstimmung erkrankt ist und das hüten muß. Da vor Ostern teure neue KabmettS- fibuna in Aussicht genommen ist, wird das Gesuch Trotzkis erst nach den Feiertagen erledigt werden können. Dnnn wird übrigens auch Dr. Stresemann wieder in Berlin sein.
Sparerlaß an preußische Gemeinden.
Senkung der R c a l st c u c r n.
Ter preußische Minister des Innern und der Finan; minister veröffentlichen soeben einen gemeinsamen Runderlaß an die Ober- und Regierungspräsidenten, die Saubräte, die Gemeinden und die Genieindcverbândc.
In dem Erlaß wirb .angesichts der finanziellen Lage dar aus Hingetvicsen, daß 1929 als Notjahr zu betrachten sei. Es heißt Weiter: Für die Gemeinden und die Gcmcindcvcrbände tritt dies dadurch in Erscheinung, daß bei der Verteilung der Nbcrwcisungsstcuern das Reich einen Sondcrbclrag für si g vorab in Anspruch nimmt und infolgedessen die Gemeinden und die Gcmcindcverbändc ebenso wie die Länder nicht den volleil Anteil erwarten können, der ihnen nach dem Reichs finanzausgleichsgesetz zustehen würde. Tie sclbsüverständlich notwendige Herstellung des Gleichgewichtes im Haushalt, die unter diesen Verhältnißen besonders schwierig fein wirb, darf aber nicht in einer stärkeren Anspannung der Realsteucrn ge sucht werden. Eine weitere Belastung der Wirtschaft must grundsätzlich vermieden werden, bei der angespannten Wiri schaftslagc ist vielmehr nach wie vor eine Senkung d e r Realsteucrn mit aller Entschiedenheit anzustreben. Zu be achten sei aber das nachdrücklich geforderte und anerkannte Gebot äußerster Sparsamkeit im Sinne der Zurückstellung aller nicht unbedingt dringlichen Ausgaben.
In diesem Notjahr werden darüber hinaus erforderliche, i falls auch wirklich dringende Aufgaben für dieses Jayr zurüs gestellt werden müssen, ebenso wie dies im Haushalt de. Reiches und beS Landes aefebieht