Kil-aer Anzeiger
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Nr. 81 — 1929
Fulda, Montag, 8. April
6. Jahrgang
Ersparungen im
Große Koalition in Sicht?
Besprechung der Parteiführer.
Da nach den Verhandlungen der Finanzsachverstäu- digcil der Parteien die Möglichkeit gegeben sein soll, das bisher drohende große Defizit im Reichshaushalt bis auf 130 Millionen Mark hcrabzumiudern, sind die Aussichten auf eine Verständigung gewachsen. Würde diese eintretcu und der resticrende Mangel an Mitteln im Etat auf irgendeine erträgliche Weise beseitigt werden, so stände der Bildung der erstrebten „Großen Koalition" im Reiche und damit der Schaffung einer stabilen Regierung nur noch wenig im Wege, wenn nicht weitere Hindernisse sich plötzlich zeigen, deren Vorhandensein ja immerhin möglich ist.
Montag sollen in Berlin die Führer der beteiligten Parteien zusammentrelen, um den angebahnten Weg weiterzuverfolgest und dem Ziel näherzukommen. Am Dienstag fallen dann bekanntlich die Reichstagsfraktionen sich untereinander beraten. Von der Sozialdemokratie verlautet durch ihr Zentralorgan, daß die sozialdemokratische Fraktion bei der Entscheidung über das Gesamtprogramm neben den sozialpolitischen Erwägungen die gesamtpolitischen Wirkungen nicht außer 'acht lassest werde, die durch eine Festigung der Reichsregierung auf dem Boden der Großen Koalition erzielt werden können. Das Blatt glaubt auch andeuten zu können, die Widerstände bei der Deutschen V 0 l k s p a r t e i und ^ew Zentrum hätten sich wesentlich gemildert. Beteiligt na den Verhandlungen sind die jetzigen vier Regierung^ Parteien: Sozialdemokraten, Deutsche Volkspartei, Demokraten und Bayerische Volkspartei sowie die Vertreter des Zentrums.
Dr. Scholz für große Koalition.
roch. Königsoerg, .8. April. Auf dem ostpreußischen Parteitag der deutschen Volkspartei hielt der Führer der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Scholz, eine Rede über die Reichspolitik seiner Partei. Er sprach sich hierbei scharf gegen jede Diktatur aus, deren Folgen, von welcher Seite sie auch kommen möge, verhängnisvoll für Deutschland sein müßten. Parlamentarisch habe schon seit dem Mai 1928 die dringende Pflicht bestanden, so schnell wie möglich eine von einer Mehrheit getragene Regierung im Reich und möglichst auch in Preußen zustandezubringen. Wir müssen uns, wenn wir den Sinn des Parlamentarismus in der Äildung einer starken tragfähigen Regierung sehen, zum Eintritt in die große Koalition bereiterklären. Dr. Scholz betonte die völlige Einigkeit der beiden Fraktionen, des Reichstags.«
Laßt Zahlen sprechen!
11 it annehmbare Reparationsforderung en
Die Verhandlungen, die während der letzten drei Tag^ zwischen den Reparationssachverständigen stattfanden, führten zu getrennten privaten Besprechungen der deutschen Delegierten mit den ersten Delegierten von England, Frankreich, Italien und Belgien. An diesen Einzelbesprechungen nahmen außer dem Vorsitzenden der Konferenz, Owen Uoung, auch die übrigen Delegierten der amerikanischen Gruppe teil. Im Verlaufe dieser Besprechungen hat jedes Glänbigerland Ziffern genau n t. Im Verlaufe einer weiteren Sitzung hat Reichs- dmtkpräsident Dr. Schacht den Vertretern der genannten vier Staaten mitgeteilt, welche ziffernmäßigen Resultate die Einzelbesprechungen ergeben haben. Nach dieser Bekanntgabe hat der erste deutsche Delegierte die Sitzuug verlassen und die Delegierten der Gläubigerstaaten baden die Beratungen unter sich fortgesetzt. Man ver- tnutel, daß die Forderungen, die die Hauptgläubiger im Verlaufe der ersten privaten Unterredungen gestellt haben, eine Zahl ergeben, die, wie es scheint, fürdiedeutsche Delegation unannehmbar ist. Man wird also Has Ergebnis der Fühlungnahme der vier Delegationen nnfetcinanber abwarten müssen, um sagen zu können, Wie- die Verhandlungen im Laufe der kommenden Woche fort- geführt werden sollen.
Ein Automobil
von einem Personenzug überrannt.
5 Tote.
wtb. Darmstadt, 8. April. Gestern abend wurde bei Bahnübergang bei Babenhausen der Personenkraftwagen einer Familie aus Schaafheim von einem Personen- 3U9 überfahren. Zwei Insassen wurden getötet, drei schwer verletzt.
wtb. Mainz, 8. April. Wie die Reichsbahndirektion .?^atuz mitteilt, sind die drei beim Zusammenstoß des Per- wnenautos mit dem Eisenbahnzug bei Babenhausen ver- etzten Personen Heinrich Hauck aus Schaafheim bei Die- "rg in Hessen und dessen Frau und Kind inzwischen ge- i orben. Die Z^l der bei diesem Unglück ums Leben Ge- ommerten erhöht sich somit auf fünf. Ueber die Ursache 15 Anfalls konnte näheres noch nicht 'festgestellt werden.
Reichshaushalt, und des Landtags auch mit dem Parteiführer Dr. Stresemann und begrüßte die Notwendigkeit einer starken Reichsregierung mit der Lösung der Reparationsfrage. Es ist, so erklärte er, eine politische Notwendigkeit ersten Ranges, daß eine solche Entscheidung in Deutschland eine aktionskräftige und tragfähige Regierung findet.
Wie gespart werden soll.
Die von den Finanzsachverständigen vorgeschlagenen Ab- striche am Voranschlag des Reichshaushalls" erstrecken sich auf sämtliche Gebiete. Gestrichen sollen werden beim Auswärtigen Amt 3,1 Millionen, beim Reichsinnenministerium 4,1 Millonen, beim Ministerium für die besetzten Gebiete 4 Millionen, beim Reichswehrministerium 7,3 Millionen. Beim Reichswirt- schastsministerium sollen 2,6 Millionen sortsallen, bei den Sozialausgaben 45 Millionen, beim Reichsverkehrsministerium 48,5 Millionen. Besonders betroffen sind dabei die Luftfahrt und der Bau der Wasserstraßen (insbesondere Kanäle). Beim Reichsernährungsministerium wurden 5,5 Millionen gestrichen. Weiter sollen von den sachlichen Ausgaben der Behörden 10,6 Millionen eingespart werden, vor allem durch Verminderung der Reisekosten. Beim Rcichsfinanzministerium sind abgestrichen 6,2 Millionen. Vom Kriegslastenetat sind 17 Millionen gestrichen.
Mehreinnahme
soll bringen die R e i ch s p o st 35 Millionen, 35 Millionen auch ein erhöhter Ansatz der Tabaksteuer (keine Erhöhung der Tabaksteuer), 90 Millionen sollen durch eine schärfere Kontrolle der Schwarzbrennereien und durch die Heranziehung von kleinen Brennern erzielt Werben. 40 Millionen sollen cinkommcn durch die Einziehung der im Fahre 1926 beschlossenen Nachzahlung zur Vermögenssteuer. Die dauernde Erhöhung der Vermögenssteuer um jährlich 104 Millionen Mark ist weggesallen, ebenso die Bier- und Erbschaftssteuer.
Kür rasche Erledigung des Eiais. Annahmeder Sachverständigenvorschlage im Reichskabinett.
Das Reichskabinett trat am Sonntag unter dem Vorsitz des wieder genesenen Reichskanzlers zu seiner ersten Sitzung nach Ostern zusammen. Es beschäftigte sich mit den Vorschlägen, welche von den Sachverständigen der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Demo- traten und der Bayerischen Volkspartei gemeinsam vereinbart waren.
Das Retchskabinett beschloß nach eingehender Prüfung im Hinblick auf die gesamtpolitischen Notwendigkeiten, insbesondere die rasche Erledigung des Etats, unter Zurückstellung seiner Bedenken auf den Boden dieser Vorschläge zu treten.
Sie Auslandsreise der deutschen Flotte.
An der ersten Ausbildungsreise der deutschen Flotte, die vom 16. April bis. 11. Mai stattfindet, werden teilnehmen die Linienschiffe .Schleswig-Holstein", »Hessen",
„Elsaß", „Schlesien" sowie sieben Torpedoboote. Das Reiseziel für den gesamten Verband ist die A r o s a b u ch t. Von dort aus besuchen die Schiffe noch getrennt einzelne spanische Häfen. Unsere Karte zeigt die in Aussicht genommene Fahrtlinie.
Der Täter von Saranowicze gestorben.
Einem Herzschlag erlegen.
, Der ehemalige Beamte der sowjetrussischeu Handels- mission in Berlin, Apanasowitsch, der kürzlich in der Polizeiwachstube des Bahnhofs der polnischen Kreisstadt Baranowicze auf zwei politische Staatsbeamte schoß, von denen der eine seinen Verletzungen erlag, ist im Krankenhaus von Baranowicze plötzlich g e st o r b e n. Polnischen Nachrichten zufolge wurde Apcrnasowitsch von einer schweren Nervenkrise ergriffen und erlag bei einem zweiten Anfall einem Herzschlag. Beim Eintritt des Todes weilte ein Arzt an seinem Krankenlager.
Ser König von Sulgarien in Serlin.
König Boris von Bulgarien, der zurzeit eine Rundreise durch europäische Hauptstädte unternimmt, kam Sonnabend in Berlin an. Er kam aus der Tschechoslowakei, wo er vom Präsidenten Masaryk auf Schloß Lana und von den städtischen Vertretern und den Spitzen der
Armee in Prag begrüßt wurde. Der König hat einen Besuch beim Reichspräsidenten von Hindenburg angesagt uub will einige Spezialärzte für fein Ohrenleiden konsultieren. Mitte April will er wieder in Sofia sein.
Zur Lohnbewegung der Eisenbahner.
S t e l l u n g n a h m e der Gewerkschaften.
Die Eisenbahnerverbände, Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner e. V., Allgemeiner Eisendahnerverband e. V., haben sich in einer gemeinschaftlichen Sitzung mit dem gegenwärtigen Stand der Lohnbewegung und mit der Stellungnahme der Spitzenorganisationen zu derselben beschäftigt. Die Verbände billigen es, daß die Spitzenorganisationen sich an die Reichsregierung und an die Reichsbahn wenden wollen zwecks Einleitung neuer Verhandlungen. Die Verbände setzen dabei voraus, daß ihren berechtigten und erfüllbaren Forderungen baldigst Rechnung getragen wird. Sie behalten sich entsprechend der weiteren Entwicklung der Dinge ihre endgültige Stellungnahme vor. Von den Funktionären und Mitgliedern wird straffeste Disziplin und unbedingte Befolgung der Beschlüsse der Organisationsleitungen ohne weiteres erwartet.
Die Gchlachi bei Naco.
DerAngriffderRebellenzurückgeschla gen.
Der Kampf um die mexikanische Stadt Naco tobte in weitem Halbkreise vor den Schützengräben der Bundestruppen. Die Zahl der angreifenden Rebellen belief sich auf etwa 3000 Mann, während die Verteidiger etwa 1500 Mann zählten. Die Infanterie der mexikanischen Aufständischen ging im Laufschritt hinter ihrer Kavallerie vor, und es gelang ihr, die Vorposten der Bundestruppen zurückzutreiben. Als die Angreifer auf etwa ein Kilometer an die Stellungen der Bundestruppen heran- gekommen waren, eröffneten die Verteidiger ein Ma - schinengewchrfeuer, das die Gegner reihenweise niedermachte. In diesem Augenblick griffen die Tanks der Aufständischen in den Angriff ein und rückten feuer- speiend bis dicht an die Drahtverhaue der Verteidiger heran. Gleichzeitig wurden die Schützengräben der Bundestruppen von zwei Flugzeugen bombardiert. Nachdem der Angriff vorübergehend zum Stillstand gebracht worden war, gingen die Aufständischen erneut zum Sturm vor und es gelang ihnen, die Verteidiger aus den vordersten Schützengräben zu vertreiben. Im Laufe des Nachmittags gelang es den Bundestruppen, den Angriff der Rebellen z u r u ck z u s ch l a g e n. Die Verluste der Verteidiger sind anscheinend nur gering, während die Rebellen schwere Verlustee erlitten, da das kahle Felsenplateau, über das die Angreifer vorgehen mußten, wenig Deckung bot.
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Nach Mitteilung der deutschen Gesandtschaft ’n Mexiko ist bei den derzeitigen Unruhen das Leben Deutscher nicht zu Schaden gekommen. Auch sind nennenswerte Schädigungen deutschen Eigentums bisher nicht gemeldet worden.
10 000 Mann amerikanische Truppen zum Einmarsch nach Mexiko bereit.
wtb. Washington, 8. April. Anläßlich der Verwundung von 4 amerikanischen Soldaten durch die Rebellen in den Gefechten bei Naco wird hier darauf hingewiesen, daß etwa 10 000 Mann amerikanische Truppen in der Nähe der mexikanischen Grenze für einen etwaigen Einmarsch bc- reitstehen.