Fuldaer Anzeiger
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1929
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal »Julöaer Kreisblatt
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Fulda, Mittwoch, 10. April
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6. Jahrgang
Die Koalitionsverhandlungen.
WMWitc» wegen des Panzerkrelizers.
Bei der unter Vorsitz des Reichskanzlers ab- ' gehaltenen Besprechung der Parteiführer über Etatö- gestaltung und Umbildung der Reichsregierung, an der auch die Reichsminister Dr. Stresemann, Hilfer - ding, Dietrich und Schätzel teilnahmen, gelang es, ziemliches Einverstädnis über die Abstriche am Etat und die Regierungsbildung herzustellen. Die Meinungsverschiedenheiten über die Bewilligung der zweiten Rate für den Panzerkreuzer A wurden dagegen noch nicht behoben. Die widerstrebende Sozialdemokratie wurde dringend ersucht, das begonnene Einigungswerk nicht durch eine ablehnende Haltung bezüglich des Kreuzcrlmues zu ge» fäßben. Die Reichstagsfraktionen traten am Dienstag zusammen. Für abends war eine neue Parteiführersitzung vorgesehen.
Als erste der beteiligten Fraktionen tagten Dienstag morgen die Demokraten. Sie haben trotz erheblicher Bedenken gegen Einzelheiten dem bisher vorliegenden Kompromiß zugestimnit und ihren Unterhändlern in der vorgesehenen Parteiführerbesprechung beim Reichskanzler den Auftrag gegeben, in die Bildung einer Regierung der Großen Koalition zu willigen. Die anderen Fraktionen zeigten Geneigtheit zu einem ähnlichen Beschluß. Bei der Sozialdemokratie besteht zum Teil die Meinung, entsprechend ihrem früher eingebrachten Antrag auf Unterlassung des Baues des Panzerkreuzers A jetzt die in diesem Etat vorgesehene zweite Rate für den Bau dieses Panzerkreuzers abzulehnen. Von der Entscheidung in dieser Frage scheint alles abzuhängen.
Reue SchNierigleilen in den Parteibesprechungen.
Berlin. Von den Sitzungen der Fraktionen, die am Dienstag nachmittag tagten, um zu den Beschlüffen der Finanzsachverständigen Stellung zu nehmen, ist besonders die Haltung der Sozialdemolratcn bemerkenswert, oie mir 93 gegen 29 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen beschloßen, „bei der bisherigen Haltung in der Panzerlreuzerfraac zu bleiben". Dieser Beschluß besagt, daß die Sozialdemolratcn die zweite Rate für den Panzerkreuzer A nicht bewilligen werden, da von ihnen auch die erste Rate für das Schiff abgelehnt worden ist. Das Zentrum und die Deutsche Volkspartei tjabex«- aesichts des sozialdemokratischen Beschlusses die Beschluß, ung zunächst ausgesetzt, um das Ergebnis der Besprechungen mit dem Reichskanzler abzuwarten.
Zu den heutigen Fraktionsverhandlungen.
Die Fraktionsverhandlungen zur Herbeiführung der großen Koalition werden heute weitergeführt werden. Man rechnet damit, daß hierbei der Weg der Einigung gefunden werden wird. Das Reichskabinett tritt um 11 Uhr zur Besprechung der politischen Lage zusammen. Entgegen den in Berliner Blättern |
Deutschland als Flugmeister.
dowianWes Flugwesen nach deutschem Muster.
EineUuterredung mit den bolivianischen Ozeanfliegern.
(Von unserem Berliner Bureau.)
Die beiden bolivianischen Transozeanflieger Haupt- Usann Luizaga und Hauptmann Vasquez sind in Berlin eingetroffen. Sie wurden auf dem Lehrter Bahnhof von dem bolivianischen Gesandten, Minister Dr. Anze-Soria, den Legalionssekretären Dr. Fricke-Lemoine und Nielsen- Reyes. dem Vorsitzenden des Ringes Deutscher Flieger.
Hauplumnn Luizaga (links) und Hauptmann Vasquez (rechts).
Rlâjor von Linsingen, dem bolivianischen Konsul in Merlin, Heinrich Mendelsohn, Vertretern der Presse, deutschen Fliegarkameraden und Mitgliedern der bolivia- Ulschen Kolonie aufs herzlichste begrüßt. Ein Vertreter unseres Berliner Bureaus hatte Gelegenheit, mit den Fliegern, die ihre aviatische Ausbildung Deutschland ver- vanken, über ihren in Aussicht genommenen Ozeanflug Berlin—La Paz zu sprechen.
> «auptmann Luizaga, der seine Ausbildung zum Flieger s! Schleißhâc bei München und in den Berliner Flieger- mutcu genoß, bat mich, vor allem der deutsche» Öffentlichkeit > und seines Kameraden wärmsten Dank für die sreund- Ülllhmc zu sagen, die man ihnen auf deutschem Boden ',ct hat. Luizaga hat als Flugschüler und später als Pilot Jl^JMre in Deutschland gelebt und ist mit aller Freude erfüllt. Wieder für einige Zeit in Deutschland
ausgestellten Vermutungen kann von einem Rücktritt der Reichs- regierung schon mit Rücksicht auf die Pariser Reparationsver- , Handlungen keineswegs die Rede fein.
Die Verhandlungen der Gläubigerstaaten über die Reparationsziffern.
wtb. Paris, 10. April.
Zum Stand der Verhandlungen der vier Delegationen der Gläubigerstaaten innerhalb der Reparationskonferenz schreibt „M a t i n“, die vier Delegationen Owen D'Poung hätten am Dienstag nachmittag mit Dr. Schacht Fühlung nehmen sollen, aber sie sind im letzten Augenblick gezwungen gewesen, davon Abstand zu nehmen. Die französischen, englischen und belgischen Sachverständigen sind nämlich zu der Enkenntnis gekommen, daß die in der Nacht zu Dienstag von ihren Mitarbeitern angestellten Berechnungen nahezu jedermann, vor allem aber den italienischen Delegierten Pirelli, enttäuschen würden.
„Petit Parisien" lagt zu den zur Debatte stehenden Ziffern: Die Kontroversen beziehen sich auf den Betrag für die Reparationen im egentlichen Sinne. Wenn man die Gesamtsumme der Entschädigung, die man von Deutschland fordert, auf eine Milliarde schätzt, dann würde das Reich zu Beginn Annuitäten von 1900 Millionen zu bezahlen haben, die auf 2700 Millionen steigen und nach 37 Jahren, also nach Tilgung der eigentlichen Neparationssumme auf 1700 Millionen zur Deckung der interalliierten Schulden zurückgehen würden. Da Dr. Schacht sich kategorisch weigert, höhere Ziffern als die Normal-Annuität des Dawesplanes von 2% Milliarden in Erwägung zu ziehen, bemühen sich die Gläubiger, eine Verständigung über eine Entschädigungsziffer von weniger als 1 Milliarde zu suchen. Man spricht von 750 Millionen, was eine Anfangsannuität von 1650 Millionen ergeben würde.
Im übrigen berichtet „A v e n i r": Wenn man sich nicht verständigt, wird, wie man versichert, der Vorsitzende der Konferenz, Owen D'Poung, ein provisorisches Abkommen für die Dauer von 15 Jahren aufgrund eines von dem Dawesplan ziemlich verschiedenen Zahlungsplans vorschlagen. Gestern ist sogar das Gerücht im Umlauf gewesen, daß die amerikanische Delegation bereit wäre, eine derartige Lösung vorzuschlagen, aber das Blatt fragt selbst, ob es sich hierbei nicht um einen Versuchsballon handle, da die übrigen Gläubiger-Delegationen sich einem derartigen Kompromiß wenig günstig zeigten. Besonder die französische Delegation werde darauf bestehen, daß nun eine endgültige Regeluna des Reparationsproblems, gemäß den Beschlüssen von Genf, erfolge.
sein zu können und mit seinem Kameraden durch den von tonen geplanten Ozeanflug zur Vertiefung der so herzlichen !sch-bolivianischcn Beziehungen beitragen zu dürfen
„Mein Freund und Kamerad Vasquez und ich «nd bott- Unfere Heimatstation ist La Paz
beut1
vianische Militärflieger. Unsere Hcimatstatton 11 La Paz mit ihrem 4200 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Flugplatz. Unsere Militärflugzeuge sind großenteils golfe r- m ach inen, während der Verkehrsfluß, oer nach regel- mäßigem Fahrplan zwischen Cochabamba und Santa Cruz unterhalten wird, fast ausschließlich von deutschen Hunter Sm affinen bestritten wird Dre boltvianucbe
Der Flug Deutschland— Bolivielt.
^-bolivianischen Gesellschaft
^n^firsnieacrei ist von einer deutsch-bolivianischen Gesellschaft kraaKe und verfügt über 20 Flugzeuge, die sämtlich von Fliegern geführt werden. Der Organliator be» Militärslngwesens ist der Schweizer Heberlln. hvtivwnuapn^^ f„,(11,n fn st alle ihre Prüfungen im Ausland in'Deutschland und Hauptmann Vasquez in den
Si«Hnioten Staaten und in Englands
Vereins „^ ^u ^em Plan eines Deutschland—Volwicn- Fluges gckanttMo>^r bcS vorigen Jahres unternahm ich einen Nlua La Paz-Buenos Aires und zurück. Das ist eine Pinnst recte von 7000 Kilometern. Durch btejen von vollem Erkola begleiteten Flua kam mir der Gedanke. daß
bolivianischen Militärflugwesens 1 Tic Militärflieger haben fast alle >
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Durch die starten Abstriche am Etat für die Luftschiffahrt ist der Bau des neuen Zeppelinlustschisses in Frage gestellt.
* Der in Berlin weilende König Boris von Bulgarien machte seinen Besuch beim Reichspräsidenten und verweilte drei viertel Stunden bei Hindenburg.
* In Itzehoe begann der auf mehrere Tage berechnete große Bauernprozeß gegen 57 Personen wegen der Verhinderung der Pfändung zweier Ochsen in Beidenfleth mit ihren tumul- tuarischen Begleitumständen.
* Der neue Oberpräsident für die Provinz Oberschlesie», Dr. Lukaschek, wurde in Oppeln mit einer Rede des preußischen Ministers des Innern in sein Amt eingeführt.
es doch eine schöne und verlockende Aufgabe fein müßte, von Deutschland, dem Land, dessen erstklassiger Schule ich mein Fliegerhandwerk verdanke, nach La Paz, wo ich das in Deutschland Gelernte zum Besten meines Vaterlandes verwerte, zu fliegen. So reifte der Entschluß zu dem jetzt in seiner Verwirklichung begriffenen Transozeanfluge "
»Beabsichtigen Sie. einen neuen Flugrekord aufzustellen?" „Nein. Die Flugstrecke, die wir wählen wollen, umfaßt 12 000 Kilometer und wir beabsichtigen in Sevilla, wo bet unserer Ankunft noch Die Jbero-Aiiierikanische Ausstellung stattfinden wird, Senegal, Natal und Rio de Janeiro den Flug zu unterbrechen. Allerdings sind keine langfristigen Unterbrechungen geplant sondern die Landungen sollen lediglich zum Zwecke des Tankens vorgenommen iverden Dennoch er« scheint uns wichtiger und wertvoller als ein Rekordflug die Vollbringung eines „S i d; e r b e i t S f l u g e é", mit dem wir ein nacheiferungswertes Beispiel für die Verkehrsfliegerei geben und gleichzeitig vor aller Welt einen Propagandaflug für Die Förderung Der Beziehungen zwischen Deutschland und Südamerika, insbesondere natürlich zwischen Deutschland und Bolivien, ausführen."
„Wann gedenken Sie Ihren Flug anzutreten?"
„Die erste Arbeit, Die uns in Deutschland erwartet, ist der Erwerb eines geeigneten Flugzeuges Wir haben uns über den zu wählenden Typ noch in keiner Weise scstgelegt, doch dürften Fokker ober Junkers in engste Wahl gezogen werden. Ist diese Angelegenheit erledigt, so wird sich Hauptmanil Vasquez noch für kurze Zeit zum Besuch Der Navigalions- schule nach Stettin begeben, während ich in Deutschland mehrere Flüge unternehmen möchte Anfang August glauben mir dann so weit zu sein, daß wir zu unserem großen Flug starten können. Wir freuen uns, die ersten südamerikanischen Flieger zu sein, die einen solchen Flug antreten, und wir hoffen auf ein gutes Gedeihen und auf einen großen Erfolg für unser Vaterland." H. R. F.
Gefeffelie deuische Lufifahrt.
Kein Geld für Zeppelinbauten.
Starke Erregung bat es in weiten Kreisen her or gerufen, daß die Konferenz Der " "an 'achv i ue ^ der Parteien, die zur Balauciecun ... bei den einzelnen Etat ^Positionen 'Abstrich vorgenommen ha:, den Etat für die Luftfahrt um 28 Millionen Mark, d. h. um zwei Drittel beschnitten hat. Es wird darauf hingewiesen, daß Dieser Beschluß von an übersehbarer Wirkung für die Industrie. Die für die Luftschiffahrt arbeitet und auch für De deutschen Flugverkehr sein wird. Besonders bedauerlich f. eint bei Dem Beschluß die Auswirkung für den Zeppelinbau zu sein, da der von der Finanzkommission beschlossene Nichtbau einer neuen Zeppelinluftschifshalle auch eine Gefäbrdnng des Baues des neuen Zeppelins „L. Z. 128" nach sich ziehen würde.
Auch Dr. E ck e n e r hat in einer Unterredung erklärt, daß die weitere Entwicklung des Luftschiffes durch den Beschluß der Kommission sehr ernstlich gefährdet sei, und daß diè Zeppelinleute Hoffnungen zu Grabe tragen müßten, die zugleich solche weitester Kreise des deutschen Volkes sind. Dr. Eckener gab Dabei der Hoffnung Ausdruck, daß in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesproßen worden sei; er hob mit Bedauern hervor, daß zwar nach 35 Millionen Mark für Lust- fahrtzweckc im Reichsckat vorhanden feien, aber kein Pfennig für den Zeppelin zur Verfügung stände.
Die württembergische Regierung hat einen Vertreter des Wirtschaftsministcriums nach Berlin geschickt, um die Streichung für die neue Luftschiffhalle in Friedrichshafen zu bekämpfen.
Ostpreußens Verireler in Moskau.
Das gegenseitige Verständnis
Die »ach Rußland abgeordnete ostpreußische Vertretung traf am Montag in Moskau ein. Sie wurde von Vertretern der deutschen Botschaft und der Sowjetregierung empfangen. Abends sand eine Sitzung der deutschen Abteilung bei westlichen Handelskammer statt.
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Rußland und Ostpreußen
behandelte der Vorsitzende der Handelskammer, C hin t sch ul, in seiner Begrüßungsrede Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Besuch bet Delegation in Rußland zu einer noch besseren Entwicklung dieser Beziehungen führen werde Der Vertreter des Ackerbaukominissariats, Kwiring, wies in seiner Rede auf das Gemeinsame in der Landwirtschaft der Sowjetunion und Ostpreußens hin und erklärte, daß es möglich sein werde, die Bestellungsmcthoden Ostpreußens auf die Sowjetunion zu übertragen.
Der deutsche Botschafter Dr. v. Dirksen
erklärte, die deutsche Regierung habe bte Organisierung einer deutschen Sektion der russischen Handelskammer für Westeuropa begrüßt und Die deutsche Botschaft arbeite aktiv mit dieser Sektion zusammen. Eine große Bedeutung für die kulturelle Annäherung beider Länder habe die Woche deutscher Technik gespielt Eine neue Etappe stelle die Ankunft der ost- Preußischen Delegation dar, sei doch Ostpreußen der Teil Deutschlands, in dem der Gedanke der Herstellung von Handels- bezieblingcil mit der Sowjetunion gereift fei.
Oberpräsident Dr. Siehr, Oberbürgermeister Lohmeyer und Dr. Heimann dankten sodann im Namen der ostpreußischen Wirtschastödelegation für den Empfang.