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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat. lich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinderungen durch kjöhere Gewalten", Streiks, Tlussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. "Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 16000

35785 1929

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zul-a- und Haunetal >§uiöaer Kreisblatt

Reüaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Rnschluß Nr. HS-

Nachdruck der mit * versehenen flrtikel nur mit (Quellenangabe .Fuldaer flnzelger'gestailet.

Fulda, Freitag, 12. April

Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaf, ten,Banken ufto. beträgt die Kleinzeile 0.Z0Mk., für auswärtige Rustraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mack Bei Rechnungsstel- hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag» und plahvorschristen unverbindlich.

6. Jahrgang

Die umgebaute Regierung.

Der Reichsetat gesichert.

Reichstagsbeginn hinausgeschoben.

. Nach der grundsätzlichen Einigung der an der Ne- gicrungsumbildung interessierten Parteien über die Etats- behandlung, die in Übereinstimmung mit der Erklärung des Reichskabinetts steht, waren alle Bedenken über die Ernennung der drei in das Kabinett eintretenden Zen­trumsminister erledigt. Eigentlich hätte ihre Ernennung schon am Donnerstag erfolgen können und sie war auch geplant. Nur infolge der noch etwas geschwächten Gesund Heitsverhältnisse der beiden für den endgültigen Entschluß maßgebenden Persönlichkeiten, des Reichspräsiden­ten v. Hindenburg und des Reichskanzlers Müller-Franken, verzögerte der formelle Akt sich. Da aber der Reichspräsident die Folgen der Grippe ziemlich überwunden hat und auch der Kanzler von seiner Gallenerkrankung wieder genesen ist, war für Donnerstag abend gegen sechs Uhr der Besuch des Kanzlers bei dem Reichspräsidenten angesagt. Bei dieser Zusammenkunft sollte die letzte Hand angelegt werden durch Ernennung der drei neuen Reichsminister vom Zentrum in den Per­sonen der Herren Wirth für die besetzten Gebiete, v. Gu ë ra rd für die Justiz und Steger)» alb für den Verkehr. In letzter Minute hat das Zentrum den früheren Reichskanzler Dr. Wirth an der Stelle des Abg. Ersing präsentiert, der zuerst in Aussicht genommen war. Es entstanden aber Bedenken, da auch Stegerwald in das Kabinett eintreten und man nicht zwei Vertreter der christ­lichen Gewerkschaftsbewegung, in der sowohl Stegerwald wie Ersing tätig sind, gleichzeitig in die Regierung bcle- flicre» wollte.

Aus dem Kabinett ausscheiden wird also lediglich der bisherige demokratische Justizminister Koch-Weser, während die Ämter des Verkehrs und der besetzten Gebiete von den Reichsministern Severing und Schätzel im Neben­amt "versehen wurden. Der zurückgetretene Dr. Koch- Weser soll gesonnen sein, seine stark hervorgetretene Mit­wirkung bei der Strafrechtsreform auch als Exminister nicht zu vemindern. Der Ältestenrat des Reichstages hat infolge der Verzögerung der Arbeiten durch die Regic- rungsumwandlung seine nächste Sitzung erst auf den 15. April einberufen und man rechnet auch mit einer Hin­

Ser MWg der reMlltiwbmWteg Stauten

Französische Blätter über den Vor­schlag der Finanzsachverständigen.

wtb. Paris, 12. April. Die Morgenpresse berichtet überein­stimmend, daß die Delegierten der Reparationsberechtigten Staaten sich im großen und ganzen auf einen Vorschlag ge­einigt haben; den sie im Laufe des heutigen, oder des morgigen Tages der deutschen Delegation unterbreiten wollen. Nach den« Matin" besteht nur noch zwischen den Delegierten und dem Vorsitzenden der Reparationskonferenz eine Differenz von 200 Millionen Mark, die man eventuell dadurch ausgleichen will, daß man die eigentlichen Reparationszahlungen über 37 Jahre hinaus ausdehnen und die reinen Schuldenzahlungen, also die- stnigen, die nach Ansicht der Delegierten 58 Jahre andauern (ollen, später beginnen läßt. lieber die angestellten Berech- vungen glaubtMatin" berichten zu können, daß sich der Kapi- wlswert der eigentlichen Reparationsforderungen auf etwa ^ Milliarden belaufen hätte. Das hätte einschließlich der 70 Millionen für den Zinsendienst und die Tilgung der Dawes- auleihe bei einem Zinsfuß von 5 % eine Jahreszohlung von etwa 1% Milliarden eigentliche Reparationen ergeben. Zu­züglich dek veränderlichen Jahreszahlungen für die Schulden, die sich schon im ersten Jahre auf 870 Millionen belaufen, hät- ten die deutschen Gesamtjahreszahlungen mit 2 300 Millionen beginnen müssen, um nach 10 Jahren auf mehr als 3 Milliarden M steigen und nach 37 Jahren auf 1 700 Millionen, also den Betrag der Schuldenzahlungen, zurückzugehen. Die Ansicht der amerikanischen Sachverständigen scheine zu sein, daß man nie­mals die 2% Milliarden Normal-Annuität des Dawesplans überschreiten dürfe. Sic hätten infolgedessen Ermäßigungen ge- lvrüert und durchgesetzt. Jedes Land habe solche bewilligt und zwar in einem sehr weiten Ausmaße. Die genannte Kapitals- WMme von 19 Milliarden sei auf etwa 13 Milliarden gesunken. ''ict.it seien noch die Annuitäten zu errechnen.

Ueber die Nachlässe, die die einzelnen Staaten bewilligt haben sollen, berichtetPetit Parisicn": Frankreich habe seine Forderungen auf Rückerstattung der Wiederaufbaukosten von vornherein auf die Hälfte herabgesetzt, aber auch diese Ziffer aufrechterhalten können; die gemachten Zugeständnisse dürf- oa ledoch 2025 % nicht übersteigen. Die anderen Delegierten, ""f ^en letzten Augenblick mit Zugeständnissen zurück-

' gälten verhältnismäßig größere Nachlässe bewilligen '"men, so begnüge sich,Belgien mit 1400 Millionen für die Separationen und für die Rückerstattung des Wertes der in Im Ehrend des Krieges nusgegebenen Marknöten. Eng- bärr öe^u Ansprüche sich anfänglich auf 4 Milliarden belaufen

. ?"> werde nur noch % dieser Summe fordern. Auch Italien Mim'" einc Ermäßigung seiner Forderung von anfänglich 600 fall« """."."gewilligt und die kleinen Mächte hätten sich cbcn- als' ;u cini8cn Opfern bereit erklärt. Das Blatt gibt dann Milli "Etliche Anfangsannuität die Gesamtsumme von 1700

"" vnb als Höchstannuität 2300 Millionen Goldino>k an.

ausschiebung des Reichstagsbeginnes bis zum 22. April statt der zunächst für den 16. April in Aussicht genommenen Einberufung.

Oie neuen Minister.

Reichsjustizminister v. G u è r a r d ist feit 1920 Retchstags- abgeordneter und war vorher sowohl als Jurist wie als Ver­waltungsbeamter tätig. Er legte das Amt des Verkehrs­ministers Anfang Februar dieses Jahres mit dem damaligen Ausscheiden des Zentrums aus der Reichsregierung nieder: er steht im Alter von 65 Jahren.

Der neue Verkehrsmtntster Dr. Adam Stegerwald ist kein Neuling auf dem Ministersessel Von 19191921 war er Woblfabrtsminister in Preußen, von April bis November

1921 preußischer Ministerpräsident. Sein Name hängt be­sonders mit der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zu- fammen. Als Vorsitzender der Christlichen Gewerkschaften ent­faltete er eine umfassende Tätigkeit. Stegerwald ist 54 Jahre alt und bekleidet den Vorsitz in der Zenirumsfraktion des Reichstages Nach seiner Berufung zum Minister wird er dieses Amt niederlegen.

Dr. Joseph Wirth, der neue Minister für die be­setzten Gebiete, trat in besonderer Weise 1921 hervor, wo er die Reichskanzlerschaft innehatte und greiwzeitig bis zur Er- nennung Rathenaus Anfang 1922 die Außeugeschäfte des Reiches wahrnahin Auch er war schon vorher Minister, so 1918 in Baden Finanzminister und 1920 Reichsfinanzniinister unter den Kanzlern Hermann Müller und Fehrenbach. Eine Zeitlang schien er in scharfem Gegensatz zu seiner Partei zu stehen, doch haben sich die llnstintmigkeitcn später wieder aus­geglichen.

Pertinax über die Reparationsverhandlungen.

wtb. London, 12. April. Die Blätter melden übereinstim­mend aus Paris, daß heute unter den vier alliierten Gläubigern eine Einigung zu erwarten sei.

Pertinax berichtet demDaily Telegraph" aus Paris: Die Sachverständigen Frankreichs, Englands, Italiens und Belgiens haben endlich eine Vereinbarung erreicht über die Zahl, die Höhe und die Verteilung der Annuitäten, deren Verzeichnis Dr. Schacht vorgelegt werden soll. Heute werden die vier Delegierten aber wieder zusammenkommen, um einige noch nicht erledigte Einzelheiten zu regeln, die sich wahrscheinlich auf die Verteilung der Annuitäten beziehen. Ein wichtiger Umstand ist, daß der amerikanische Vorsitzende Owen Poung seine per­sönliche Zustimmung zu dem Plan gegeben zu haben scheint.

Ueber den Inhalt der alliierten Vereinbarungen kann nur das Eine zuverlässig gesagt werden, daß die Annuitäten sich im Durchschnitt zwischen zwei und zweieinhalb Milliarden Mark halten werden. 2,2 Milliarden oder vielleicht 2,3 Milliarden dürfte die richtige Zahl sein. Obgleich zur Erleichterung der Erörterung durchschnittliche Annuitäten ausgerechnet worden sind, werden die Sachverständigen der vier Delegationen trotz einigen Zauderns aus dem System steigender Annuitäten wäh­rend 37 Jahren beharren. Die nach dieser Frist zahlbaren Annuitäten werden mit den zur Befriedigung der amerikanischen Ansprüche erforderlichen Geldern identisch sein.

Die Möglichkeit neuer englisch-amerikanischer Avrüstungsverhandlungen.

wtb. London, 12. April. Der in der amerikanischen Presse entstandenen Erörterung über die Möglichkeit einer Wieder­aufnahme der englisch-amerikanischen Abrüstungsverhandlungen wird in der Morgenpresse große Beachtung geschenkt. Reuter berichtet über die Frage aus Rewyork: Beamte des Staats­departements und des Marineamtes lehnen es ab, sich über die Genfer Meldungen zu äußern, nach denen Großbritannien viel­leicht auf der kommenden Genfer Konferenz vorschlagen werde, zwei Kategorien von Kreuzern festzusetzen, innerhalb deren jede Macht nach Belieben Schiffe nustauschen könnte. Inoffiziell wurde aber daraufhingewiesen, daß der Wert eines solchen Vor­schlages vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet, davon abhängen würde, welche Schiffstypen für diese beiden Kate- aoricn vorgeschlagen würden. Bekanntlich hat Amerika immer auf seinem Recht bestanden, 10 000 Tonnenkreuzer zu bauen, da nur solche Fahrzeuge für die besonderen Bedürfnisse Amerikas geeignet seien. Andererseits erklärt Großbritannien, daß zum Schutz seiner weit auseinanderliegenden Besitzungen 6000 Ton- nenkreuzer nötig seien. Die Reutermeldung schließt, wenn man sich auch noch sehr zurückhaltend zeige, sei es doch klar, daß die Regierung Hoovers bereit sei, in Erwägung zu ziehen, ob sie aus eine Tonnage-Einschränkung nach Kategorien verzichten und dafür eine Vereinbarung auf der Grundlage derjenigen Schifss- klassen suchen soll, die die besonderen Bedürfnisse Großbritan- nicns und der Vereinigten Staaten berücksichtigen.

Meine Zeitung für eilige Leser

* Für Donnersiag abend war in Berlin ein Besuch deS Reichskanzlers bei dem Reichspräsidenien v. Hindenburg^an- gesagl. Diese Zusammenkunft war bestimm: für die For­malitäten bei der Proklamierung der neuen Reichsminister Dr. Wirth, v Gudrard und Dr. Stegerwalo

* Das braunschweigische Ministerium bat eine Verfügung erlassen, nach der fclnitpsUchugc Kinder nur bei amtlich beym aebtetem schwachen Gesundheitszustand vom Besuch der Volls schule enibunden werden können

* Der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, Coolidge, ist als Direktor in eine Newyorker Lebensversicherungsanstalt eingetreten

* Bei dem Absturz eines mexikanischen Flugzeuges bet Tampico wurden fünf Insassen getötet

DieLage des Kohlenbergbaues in Preußen

(69 Sitzung.» tt. Berlin, 11 April.

Der Preußische Landtag nahm nach der Osterpause seine Plenarsitzungen wieder auf und begann mit der zweiten Lesung des Bergbaueials.

Der Haupiausschuß hat mehr als 30 Anträge vorgelegt, die namentlich eine

Verbesserung der Sicherheitsverhâllniffe im Kohlenbergbau erstreben. Auch soll im Interesse der deutschen Kohle die Kohleneinfuhr aus Polen möglichst be­schränkt werden.

Handelsininister Dr. Schreiber beschäftigte sich mit der Lage im Kohlenbergbau, Wobei er betonte, daß die Gesaml- steinkohlenförderung Preußens 1928 um 2,7 Millionen Tonnen zurückgegangen fei Die Lage des Steinkohlenbergbaues sei im abgeiaujenen Jahre nicht befriedigend, dagegen habe der Braunkohlenbergbau einen Fortschritt erziel«. Er hat feine Förderziffern von 126,7 aus 140,4 Millionen Tonnen steigern können. Sehr unbefriedigend habe sich

der deutsche Kohlcnaußenhandel entwickelt, indem der Ausfuhrüberschuß von 21,5 Millionen Tonnen im Jahre 1927 auf 16,5 Millionen Tonnen zurück- ging Der Absatz der deutschen Kohle im Ausland müßte durch Verbilligung der Tarife erleichtert werden

Die Unglückssalle im Bergbau haben im vergangenen Fahre eine Verminderung erfahren, die löblichen Unfälle gingen von 1290 auf 1114 zurück, die Zahl der Gesamlunfâlle von 136 973 auf 128 539 Zum Schlusi wandle sich der Minister dagegen, daß ausländische Kohle der teutschen Kohle von kommunalen Werken voraezogen wird, weil sie ein klein wenig billiger ist. Ter deutschen Wirtschaft müsse für den Absatz ihrer Erzeugnisse von allen deutschen Konsumenten Erleichterung gewährt werden

In der .darauffolgenden Aussprache brachten die einzelnen Parlcisprechcr Wünsche ihrer Parteien zum AuSbau. der Grubensicherheit. der Grubenkontrolle und zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Gruben in Vorschlag.

Tschiangkaischek will zurücktreten.

Der Präsident der nationalen Nankingregi -tng, Ge­neral Tschiangkaischek, hat in Hankau eine Erklärung ver­öffentlicht, die besagt, sobald er n^ch Nanking zurückge- kehrt sei, werde er alle seine politischen und militärischen Ämter niederlegen. Es wird angenommen, daß Tschiang­kaischek durch seine politischen Versprechungen, die er geben mußte, um die Oberhand zu behalten, ernstlich in Verlegenheit gekommen sei. Wenn er jetzt auf der Höhe seiner Macht' zurücktreien wolle, so werde man ihn wahr^ scheinlich bitten, unter Befreiung von allen seinen Ver> ^prechungen feine Ämter wieder zu übernehmen. Der Plan würde also einen Versuch barfteHcn, sich völlig freie Hand zu sichern für die zentralistische Ausgestaltung des neuen China.

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Ausbau bet Landschule.

Der Neue Preußische Lehrerverein (Vereinigung preußlfcher Landlehrer) hielt in Berlin feine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Vorträge dieser Versamm­lung standen unter dem Zeichen: Ausbau der Landschule.

äußeren Ausbau sprach Landtagsabgeordneter fiter bossel, wobei er die Neuregelung der Schulunterbal- tung behandelte. Um die freie Licbestätigkei, der Land- lehrerschaft in der ländlichen Jugendfürsorge warb Prof.

E. Temming-Greifswald. Zu dem Thema »Der innere Ausbau der Landschule" gab Lehrer Eimbeck aus­führliche Darlegungen, wobei er besonders darauf hin­wies, daß die Landschule nach eigenen Wegen suchen müsse, und daß das Kernproblem der Landschule in der Ge- wmnung und Erhaltung eines seßhaften Landlehrer- standes bestehe.

Österreich.

Politische Zusammenstöße in Wien.

In dem zum großen Teil von Arbeitern bewohnten Wiener Vorort Liesing kam es zu Zusammenstöße», zwischen Nationalsozialisten und Arbeitern anläßlich einer Versammlung der Nationalsozialistischen Partei, deren Mitglieder größtenteils der Heimwehr angehören. Zu der Versammlung waren auch nationalistische Gruppen auv Wien und anderen Orten gekommen. Die Nationalsozia­listen wurden im Versammlungslokal von Arbeitern be­lagert. Polizeiliche Verstärkungen wurden aus Wlen derbeigerufen. Inzwischen war es zu einen« erbitterten Handgemenge gekommen, in dein 14 Personen verletzt wurden Mehrfach wurde scharf geschossen. Ein ^ctl der Verletzten wurde ins Licsinger Krankenhaus gebracht.