Zul-aer Mnzeiger
ÄftÄÄ Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" ffilÄÄÄ »moa- und Haunetal * Iulöaer Kreisblatt Nie» des Vereins Deutscher Zeitungsver- Redaktion und Geschäftsstelle: MühlenftraZe 1 ❖ Zernsprech-flnschluß He.989 leaer. Postscheckkonto: Zrankfur,. a.M.Nr.iSsw Nachdruck âer mit * versehenen ftrtikel nur mit Quellenangabe .ZulSae- ftnzeiger'gegaüet.
Nr. 96 — 1929 Fulda, Donnerstag, 25. April
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6. Jahrgang
Neuer Bankkredit für das Reich.
Sie Reichsreglenlkg erhält
170 Äonen.
Rück zahlbar im Juli
Zwischen dem Reich und den Großbanken sind die : Verhandlungen über die Bereitstellung eines Kredits für öj, Reichskassen nunmehr zum Abschluß gekommen. Das s Reich erhält von den Banken einen Dreimonatskredit von . Hg Millionen Mark gegen Schatzanweisungen. Der Kredit wird mit dem jeweiligen Lombardsatz der Rcrchs- eaiik (zurzeit 7% Prozent) zuzüglich V« Prozent Provi- U siunen verzinst.
Auf Wunsch der kreditgebenden Banken ist der Kreis der Geldgeber erweitert worden. Die Rückzahlung des Mf drei Monate gewährten Kredits soll im Juli statt- sinben. Das erscheint ohne Schwierigkeiten möglich, weil im Juli erhebliche Überschüsse aus Steuereingängen vor- iiandcn sein werden und weil dann außerdem die Reichs- bcitrügc für die Arbeitslosenversicherung in Fortfall kommen werden. Durch diesen Kreditabschluß werden die Kessenschwicrigkeiten des Reiches für einige Zeit behoben.
*
Ebbe in der Reichskaffe.
Jeder deutsche Reichssinanzministcr der Nachkriegszeit ist ein mit Sorgen belasteter Mann. Das ist für ihn sozusagen cm gewohnter Zustand. Beim jetzigen hat sich I die Last dieser Sorgen noch beträchtlich erhöht: das Reich I hat nämlich zuwenig „B e t r i c b s k a p i t u l" Man hat nicht genug Geld in den Kassen, um den Anforderungen zu genügen, die namentlich am Monatsende an die ? Reichskassei, gestellt werden. Dann muß das Reich, gerade “ wie jeder Geschäftsmann, kurzfristige Kredite aufnehmen. Mer wenn man etwa durch unvorhergesehene „Unglücks- üi^ im S*rTrt£irTT1t*tTmnW ms Pumpen hindür- geidmmen ist, daun ist's schwer, ungërupft wieder heraus- zèmmcn.
So geht es dem Reich. Die schwere Wirtschaftskrise ■ des Winters rannte die Arbeitslosenversicherung finanziell K derart über den Haufen, daß das Reich sehr schnell mit M erheblichen Mitteln zu Hilfe kommen mußte. Auch jetzt r "ach, im Monat April, vielleicht sogar noch länger. Jn- I wlgcdcssen ging man der Reihe nach alle Großinstitute an, g die flüssiges Geld haben, die Reichsbahn und die Reichs- I best, die Preußenkasse und die Rcichsversichcrungsanstalt I mc Angestellte usw. Denn bei der Reichsbank selbst war , nichts mehr zu machen; die war mit Reichsschatzan- I Weisungen — mit längerer Laufzeit — und Reichsschatz- I wechseln, zusammen 600 Millionen Mark, derart über- ' iwtigt, daß die Grenzen des gesetzlich Zulässigen erreicht loaren.
Da ging Dr. Hilferding zu einigen Großbanken und lieb std) im März 150 Millionen, rückzahlbar am 15. April.
eparationskonferenz erfolglos?
Schlutzbericht in Arbeit.
L Der von ber Vollsitzung der Sachverständigen am »Ttenstaa eingesetzte Berichtöausschuß wird am kommcn- fFreitag seine Arbeiten amtlich ausnehnren, da die tut an die VoUsiüung stattgefundcnrn Besprechungen : vorbereitenden Charakter hatten. In der h^Wnseit werden die Sachverständigen gemeinschaftlich Entwurf eines S ch l n st b c r i ch t c s vorberciten, jocr den Arbeiten als Unterlage dienen soll. In den jomiitenben Tagen wird dann and) die in Aussicht gc= "e«te halbamtliche Fühlungnahme zwischen drn Führern - alliierten und der deutschen A b 0 r d n n n g wc 'ßcn der bisher unglöst gebliebenen Fragen stattfinden.
. Über die Möglichkeit, die Verhandlungen praktisch ls^ierzuführen, bestehen wenig Illusionen. Auch das mehr- ™) genannte Pr 0 vis 0 riu m erscheint fragwürdig, Pa die Alliierten es nur annehmen wollen, wenn bie peutf^e Delegation eine endgültige Unterschrift unter die
U))lcn geforderte Kapitalsumme von 39,5 Milliarden was nicht anzunehmen ist. Unter Umständen sicht Plan einem unverhüllten Abbruch der bisherigen Ver- «andlungen am Freitag ober in den folgenden Tagen wogegen.
; Die amerikanischen Blätter beionen, daß die Türen weitere Verhandlungen offen gelassen wurden, und -wen der Erwartung Ausdruck, daß wenigstens ein Plan uir die künftige V erständigun g das Ergebnis ct Wtzigcn Konferenz sein werde.
I w Teilbericht des Redaktionsunteraus- schusses der Reparationskonferenz.
25• ^ril. Der Redaktionsuntcrausschuß der li'us N^'^n-Korrfercnz hat gestern den ersten Entwurf
6 uber bic Punkte fertiggcstellt, in denen die Sach- pucf "°" Scgenwartlg einig zu sein scheinen. Dieser Enten. ^rJ, Snchverständigen-Koufcrcnz in der Vollsitzung outtag unterbreitet werden.
« ^K?^^l. Der Transfer-Ausschuß hielt gestern 1 1 neu Parker Eckbert eine S'tzk'ng ab
Auch gegen Reichsschatzwechsel, wozu er vom Reichstag die Ermächtigung erhalten hatte. Um die Quartalswende haben die Reichskassen natürlich einen besonders hohen Geldbedarf — bloß hat es sich jetzt hcransgestellt, daß das Reich Ende April noch mehr braucht als am 31. März. 1400 Millionen. Infolgedessen hat das Reich zwar jenen Großbanken die 150 Millionen znrückgezahlt, leitete aber sofort Verhandlungen mit ihnen ein wegen Hergabe eines höheren, nämlich eines 200-Millionen-Krcdits. Doch die Banken machten Schwierigkeiten. Sie wollten sich angesichts der Entwicklung, die die Dinge in Paris nehmen und deren Folgen für den Geldmarkt noch nicht abzusehen sind, namentlich für den kurzfristigen Kredit, lieber möglichst liquide halten oder die 200 Millionen zum mindesten aus einen größeren Kreis von Banken verteilt wissen, nicht bloß auf die drei oder vier, die beim vorigen Male beteiligt waren. Anscheinend — denn Genaueres wurde natürlich nicht bekannt — haben die Banken auch Gegenforderungen gestellt, worüber allerhand zutreffende oder nicht zutreffende Gerüchte in die Öffentlichkeit drangen. So hieß cs, sic hätten die Beseitigung der ihnen sehr lästigen Kapitalertragssteuer gefordert, außerdem die Zusicherung einer Reform der Arbeitslosenversicherung—aber diese Gerüchte werden jetzt energisch dementiert, zumal der Rcichsarbeitsminister ja selbst die Notwendigkeit dieser Reform betont hat. Doch man konnte sich nicht einigen. Und da läßt sich denn der Reichsfinanzminister nun von seinen Koalitiousparteien die bisher zulässige Anleihesumme von 900 Millionen um 200 Millionen erhöhen. Brauchen doch die Reichskassen am Ende dieses Monats unbedingt so viel Geld, um alle Anforderungen zu erfüllen, und wenn der Reichsfinanzminister jetzt eine erhöhte Anleiheermächtigung hat, dann kann er einen ordentlichen, längeren Kredit bei den Banken aufnehmen, nicht den „Gefälligkeitskredit" des vergangenen Monats. Denn es bleibt ihm immer noch die Reichsbank, wenn ge- fetilid) die jetzige Begebungsgrenze von Reichsschatzanwei- sung?n bzw. Vic VNbMillionengrense für die dortige Annahme von Reichsschatzwechseln weiter gezogen werden.
Natürlich ist dieses Herumpumpen, sind diese Bittgänge des Reichs ein unmöglicher Z u st a n d. Aber die Riesensummen, die es selbst als Kredit an die verschiedensten Wirtschaftszweige hergogeben hat, sind zum größten Teil „feftgefroren" oder fließen nur sehr langsam und spärlich zurück. Hätte das Reich jetzt diese rund 1200 Millionen, so brauchte es nicht für teueres Geld selbst 1100 Millionen Kredit in Anspruch zu nehmen. Und ob cs in den nächsten Monaten damit besser wird, ist mehr als. zweifelhaft. Sckwn zweifelt man sehr daran, ob der Haushalt durch das Sparprogramm wirklich ins Gleichgewicht gebracht Ivird oder ob nicht im Herbst, etwa wenn man die Einnahmen des ersten Etatshalbjahrcs Übersicht, wieder zu noch größeren Ausgabebcschränkungcn und neuen Steuercrhöhungcn geschritten werden muß.
Ja, der deutsche Reichsfinanzminister kommt aus den Soracn' nicht heraus.
Dr. Schacht spielt mit dem Feuer.
Eine Anschuldigung des „Petit Parisien".
wlb. Paris, 25. April. Unsere Pariser Vertretung meldet uns- Die gesamte Presse, einmütig informiert sogar über den ungeblichcn Verlauf einer Sitzung des Transfer-Ausschußes, die seltsamerweise in Paris und ohne Teilnahme Deutschland-- ab= gehalten wurde, greift die Politik der Reichsbank an, obwohl bereits für heute vormittag eine Sitzung der Reichsbank anbec
Sir Charles Addis,
ber Nachfolger des verstorbenen Lord Rcvclstokc als Führer dcr englischen Delegation zur Rcparatronskonfercnz.
räumt worben iit. in der die Erhöhung des Diskonts beschloßen werden soll Das war den führenden Männern der großen Emissionsbanken natürlich bereits bekannt. Es wird behauptn daß die Reichsbank absichtlich eine Dcmscnabgabe norge« summen habe, um das gesetzlich vorgcschricbcnc Minimum der ENd^^ung von 241''? Mcklwncn Eoldmark zu erreichen und
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Die Vorbereitende Abrüstungskonferenz lehnte die deutschen Anträge aus Verbot der Gistgasherstellung für Kriegszwecke und der Boinbenabwürsc ab.
* Ein Bankenkonsornum hat der Rcichsregierung einen Kredit von 170 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, ber im Juli zurückgezahlt werden soll.
* In Hcmmclmark fand unter großer Beteiligung die Bci- setzililg des Prinzen Heinrich von Preußen statt.
* Ter Ausschuß des Amerikanischen Senats sprach sich gegen die Abänderung des für Deutschland besonders ungünstigen neuen Einwanderungsgesetzes aus.
zwar deshalb, um das wahr zu machen, was in dem deutschen Memorandum, das der Reparationskonfcrcnz übcrrcichi wurde, vorgesehen sei, nämlich, daß cs nur eine Frage der Zeit sei, daß man die Transfer-Schutzmaßnahmen des Dawesplanes in Kraft treten laßen müße. Am 12. Januar 1929, so wird gleichmäßig behauptet, habe Dr. Schacht den Diskontsatz von 7 auf 6% % herabgesetzt und seit dem habe er, obwohl der Diskontsatz von den meisten großen Emissionsbanken, befonbers denen von Rew- york, London und Amsterdam heraufgesetzr worden sei, trotz der Nervosität, die auf den Finanzmärkten die Arbeiten der Repa- raticnskcnferenz begleiten mußte, seinen Diskontsatz auf 6K- % belassen und so die Verarmung Deutschlands an Gold und Dc- Di:en heroorgerusen. Seit dem 11. Februar, dem Zeitpunkt des Zusammentritts der Reparalionskonferenz, habe die Reichsbank auf diese Weise 1150 Millionen pcMk. an Gold ober Devisen verloren, also 7 Milliar^n Francs, davon 2 Milliarden allein während der letzten 10 Tage.
Diese Mitteilungen sind der Vorwand zu persönlichen und heftigen Angriffen gegen Dr. Schacht, als deren Modell man den Angriff des „Pctii Parisien" bezeichnen kann. Er lautet: Obwohl man noch nicht genau weiß, was gestern im Transfer- Ausschuß vor sich gegangen ist, ist doch stark anzunehmen, daß Parker Gilbert und die übrigen Mitglieder des Ausschusses Dr. S<i)acht dringend ersucht haben, dics-ii Zustand abzustellen, der sowohl den Interessen der Gläubiger wie den Reichssinan- zen selbst abträglich -ist. Wenn es Dr. Schacht gefällt, mit dem Feuer, zu fpiclen, b. h. die finanzielle Zukunft seines Landes zu gefährden, zu dem einzigen Zweck, feine These von der geringen Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu bekräftigen und die Gläubiger in Verlegenheit zu bringen, bann haben diese, die zu Wächtern des Dawesplanes bestimmt sind, andererseits bie Macht und bic Pslicht, zu fordern, daß derartige Manöver schnellstens aushören.
Die Abrüstungskomödie.
Herstellung von Giftgasen erlaubt. >
Die Vorbereiteudc Abrüstungskommission in Genf hat den endgültigen Text des Kapitels über ben chemischen und bakteriologischen Krieg in dem Abkommeusentwurf angenommen. Nach der scstgelegten Fassung verpflichten sich die vertragschließenden Mächte unter der Bedingung der Gegenseitigkeit, im Kriegsfalle von einer Verwendung der Giftgase, Bakterien oder ähnlicher Erzeugnisse abzu- sehcn, ebenso flüssige Mittel oder ähnliche Mittel nicht zu vcrwcudcu. Der deutsche Vertreter, Graf Bcrnstorfft batte vorher vergeblich darauf hiugctviesen, daß nicht allein bie Verwendung, sondern auch bic Hcrstcll u n g bet Giftgase verboten werden müsse. Sonst habe bic ganze Beschlußfassung keinen Wert. Der Antrag brang^ aber nicht durch.
Bombenabwurf gestattet.
Der Abrüstungsausschuß lehnte weiter uach bewegter Aussprache auf Vorschlag des frauzösischcu Vertreters den von der deutsche» Aüorduuirg ci-igcbrachtcu Antrag auf uneingeschränktes Verbot des Abwurfs von Bomben. Explojivstoffen und Braudstofscu durch Flugzeuge sowie des Verbots ber Vorbereitung ab. Graf Bernstorff bc« gründete den dcutschcn Antrag mit beut Hinweis darauf, daß bet Bombenabwurf ben Krieg in daS Hinterland trage. Die Zivilbevölkerung der groücn Städte, wie z. B. Berlin u n d L u n d 0 » , könnte zu Hundcrttauscndcn durch Bombenabwurf getötet werden. Das Verbot des Bombenabwurfes der Flugzeuge würde gleichzeitig bic Aufrechterhaltung von Bomücnabwurfflugzeugcu überflüssig machen. Der Bombenabwurf durch Flugzeuge sei eine Angrifsswaffc allerersten Ranges und müsse daher unter allen Umständen nach Auffassung ber deutschen Regierung verboten werden.
Scharf lchttte ber französische Vertreter Mas- j i g l i ben deutschen Antrag ab, her lediglich eine Abschaffung ber Militäraktivität berbeifübren wolle. Ter Meinung Massiglis schlossen sich Lord Cnshcndun, der amerikanische Gesandte Wilson und in langen Ausführungen der griechische Gesandte P 0 l i t i s an, die übereinstimmend erklärten, der deutsche Llutrag gehe über bic Zuständigkeit des Abrüstungsausschusses weit hinaus. G r a f B e r n st 0 r f s erklärte, bic deutsche Regierung werde ihren Antrag in der kommenden allgemeinen Ab-> rustungskonfcrenz von neuem stellen.
Sturm auf die chinesische Handelskammer in Schanghai.
wlb. London, 25. April. Nach einer „Times" Meldung aug Schanghai sind gestern Teilnehmer an einer großen Kundgebung für den Boykott japanischer Waren in das Gebäude bet chinesischen Handelskammer cingcbrungcn. Dabei wurden in den Räumen der Kammer Verwüstungen angcrichict und sind auch eine Anzahl Beamter mißhandelt worden.