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1929

Fulda, Freitag, 17. Mai

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulüa- und Haunetal -Zul-aer Kreisblatt

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6. Jahrgang

Der mißglückte Amerikaflug.

Zurück nach Friedrichshafen.

Abbruch der Fahrt wegen Motordefektes.

Ein Funkspruch von Bord desGraf Zeppelin" be­sagt, daß die Amerikasahrt plötzlich abgebrochen werden muß, da die Maschinenanlagen Unregelmäßigkeiten aus- weisen, und es nicht wünschenswert erscheint, die Fahrt über den Ozcan unter diesen Umständen fortzusetzen. Dr. Eckener hat sich am Donnerstag abend, 6.35 Uhr, nach Rück­sprache mit den Passagieren entschlossen, nach Friedrichs­hafen zurückzukehren und die Fahrt erst nach Behebung der Störung auszuführen. Die letzte Standortmeldung des Luftschiffes war, wie gemeldet, Barcelona.

wtb. N e w y 0 r k, 16, Mai.Associated Preh" erhielt einen Funkspruch von dem Passagier desGraf Zeppelin" von Kryha, wonach den Passagieren des Luftschiffes von Dr. Eckener mitgeteilt worden sei, daß die Rückkehr nach Friedrichshafen notwendig sei wegen eines doppelten Wellenbruches. Der Funkspruch besagt weiter, die Passa­giere seien zwar enttäuscht, aber durchaus ruhig, auch Frau Pierce.

Die Rückfahrt desGraf Zeppelin".

wtb. Newyork, 17. Mai. In einem an dieAssociated Preß" gerichteten Funkspruch des Zeppelin-Passagiers von Kryha heißt es, daß das Luftschiff am Donnerstag um 11 Uhr abends Barcelona zum zweiten Male passiert hat und mit drei Motoren und 80 km Geschwindigkeit in einer Höhe von 500 Metern in Richtung Marseille fliegt, das, wie man hofft, gegen 3 Uhr nachts erreicht werden wird. Die Ankunft in Friedrichshafen wird heute mittag erwartet.

wtb. Paris, 17. Mai. Um 5 Uhr früh tagen hier Meldungen vor, wonach das LuftschiffGraf Zeppelin" sich in der Nähe der Rhone-Mündung befinden soll, ohne daß jedoch eine genauere Angabe des Standortes zu er­langen war.

wtb. Friedrichshafen, 17. Mai. Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat um 8 Uhr die französische Küste bei der Rhone-Mündung passiert. Es herrscht ein harter Mistral (Nordwind). Fahrtgeschwindigkeit etwa 30 km.

Pfingstferien des Reichstages.

Vertagung bis 3. Juni.

(74. Sitzung.) CB. Berlin, 16. Mai.

Angenommen wird in allen drei Lesungen das Luftver­kehrsabkommen mit den Niederlanden. Der Gesetzentwurf über die weitere Hinausschiebung der Bindung der Länder und der Gemeinden an die nach dem Reichsbewertungsgesetz festgestellten Einheitswerte findet ebenfalls Annahme.

Nachdem diese Sachen verabschiedet sind, wird es ziemlich lebhaft im Hause, als die Anträge des Geschäftsordnungs­ausschusses zur

Genehmigung von Strafverfolgungen

der Abgeordneten Bertz und Florin (Kommunist) sowie Strasser (Nationalsozialist) wegen Beleidigung zur Ver­handlung kommen.

Weiter wird beantragt in einem weiteren Falle die Vor­führung des Abg. Strasser. Sofort zeigt sich größere Unruhe bei den Nationalsozialisten und den Kommunisten.

Abg. Dr. Frick (Nationalsoz.) beantragt, den Fall Strasser von der Tagesordnung abzusetzen, was jedoch abgelehnt wird.

Abg. Pieck (Komm.» protestiert gegen die Aufhebung der Immunität des Abg. Bertz. Abg. Dr. Frick (Nationalsoz.) bestreitet, daß der Abg. Strasser die Immunität mißbraucht habe. Da die Nationalsozialisten in lebhafte Erregung ge­raten, erhalten nacheinander Dr. Frick, Dr. Göbbels und Neventlow wiederholte Ordnungsrufe. Abg. Frick redet weiter über die Zeit hinaus und wird

von, Rednerpult verwiesen.

Als der sozialdemokratische Abg. Heilmann zu sprechen beginnt, erhebt sich großer Lärm. Nationalsozialisten und Kommunisten bedenken ihn minutenlang mit Zurufen: Bärmat". Die Nationalsozialisten Frick und Göbbels werden wegen grober Beschimpfungen von der Sitzung ausgeschlossen. Der Redner Heilman erklärt, es sei ein grober Mißbrauch der Immunität, wenn Abg. Strasser für zehn Zeitungen verant­wortlich zeichne und sich dabei der Immunität bedienen will. Abg. Stöhr (Nationalsoz.), der Heilmann zuruft, er sei des Meineides verdächtig, wird von der Sitzung ebenfalls aus­geschlossen. Während seiner weiteren Ausführungen erhält auch der Abg. Heilmann einen Ordnungsruf, da er den Kommu­nisten und den Nationalsozialisten vorwirft, sie erstrebten mit der Immunität das Vorrecht strafloser Verleumdung. Die Strafverfolgung der Abgg. Bertz (Komm.), Florin (Komm.) und Strasser (Nationalsoz.) wird genehmigt.

Nunmehr erfolgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über

wirtschaftliche Hilfe für Ostpreußen.

Abg. Gvltheincr (Dtn.) bittet um Annahme der Vorlage und um schleunige Durchführung. Abg. Neumann (Ztr.) will außer der Vorlage die moralische Unterstützung der Regie­rung und des Reichstages für Ostpreußen. Abg. Hörnle (Komm.) bringt Anträge ein, die die Lage der Kleinbauern verbessern sollen.

wtb. Newyort, 17. Mai. In einem an dieAssociated Pretz" gerichteten Funkspruch des Zeppelin-Passagiers von Kryha heißt es, daß infolge starken Gegenwindes und Ausfallen dreier Motors das Luftschiff nur mit geringer Geschwindigkeit fahre. Man hoffe, gegen Mittag in Mar­seille zu sein und Friedrichshafen nachts zu erreichen. An Bord sei alles in Ordnung.

wtb. Paris, 17. Mai. Der Agentur Havas wird aus Per­pignan gemeldet, daß über dem Hafen von Kette derGraf Zeppelin" gesichtet worden sei. Eine Zeitangabe fehlt. Weiter meldet die Agentur Havas aus Marseille um 9.30 Uhr vormit­tags, daß die Flugstation Marignane keine Nachricht vom Zeppelin-Lustschiff aufgefangen habe.

Die Durchfahrtserlaubnis für den Rückflug desGraf Zeppelin".

wtb. Paris, 17. Mai. Bei der Regierung ist ein Gesuch Dr. Eckeners um die Durchfahrtserlaubnis für den Rück­flug desGraf Zeppelin" eingegangen, das bewilligt wurde.

wtb. London, 17. Mai. Der Sonderkorrespondent des Daily Ehronicle" an Bord desGraf Zeppelin" sandte gestern folgenden Funkspruch an sein Blatt: 7.20 Uhr abends über Cartagena (Spanien). Wir befinden uns bereits auf der Heimfahrt. Dr. Eckeners Beschluß, zurück­zukehren, ist in jeder Hinsicht lobenswert. Es muß ihn» freilich große Ueberwindung gekostet haben, einen solchen Beschluß zu fasten, nach einer Fahrt, die so außerordentlich rasch rM, LÜllÄL^war. â Wachs ist, Maschinendefekt, etwa 420 Meilen vor Erreichung Gibraltars wurde ein Bruch in der Kurbelwelle eines der Steuerbordmotoren entdeckt. Die Passagiere hörten die Nachricht von dieser unwillkommenen Entdeckung mit großer Fassung an. Das Luftschiff fährt weiterhin ebenso ruhig und stetig wie zu­vor. Es besteht wirklich kein Grund zur Enttäuschung. Sobald der Fehler ausgebessert ist, kann die Reise wieder begonnen werden. Es ist ein Pech, das allen Transport­mitteln zustoßen kann. Alle Passagiere sehen einem neuen Start entgegen.

Reichsernährungsminister Dietrich:

Die schlechte Finanzlage des Reiches habe es nicht ermög­lichen lassen, noch größere Mittel für Ostpreußen auszu- werfen. Doch die Hilfe sei immerhin beträchtlich. Im Zu­preußischen Vorgehen betrage die preußische Landwirtschaft 40 Prozent.

sammenhangc mit dem

Lastenfenknng für die ostpreußische Landwirtschaft 40 Prozent. Bei Besserung der Reichsfinnuzen könne die Hilse noch weiter ausgebaut werden auf notleidende Gebiete im Osten. Die Grenzmark Posen-Westpreußen ist hier besonders ins Auge zu fassen. Die Siedlungsmöglichkeit soll erweitert werden. Eine Bevorzugung des Großgrundbesitzes wolle man auf keinen Fall eintreten lassen.

Abg. Hillebrand (Deutsche Bauernpartei) spricht Wünsche aus für die besondere Förderung der Anlegerstedlungen. Abg. Hänse (Christl.-Nat. Bauernpartei) äußert Unzufrieden- Heil mit dem neuen Staatskommissar für Ostpreußen. Dieser

fei parteipolitisch eingestellt.

Nunmehr erfolgt die Abstimmung und die Vorlage über die Ostpreußenhilfe wird in zweiter und dritter Lesung in der Ausschußfassung angenommen.

Das Haus verabschiedete sodann den Gesetzentwurf über die Sanierung des Schichau-Unternehmens.

Die Reichsregierung wird darin ermächtigt, einen einmaligen Barbetrag von 14 Millionen und einen laufenden Zuschuß von 2,34 Millionen für die Werft aufzuwenden. Das Haus wendet sich nun der Fortsetzung der Aussprache zum

Haushalt des Reichsernährungsministeriums zu Abg Willickens (Nat.-Soz.) verlangt alsbaldige Ein­stellung der Reparationszahlungen an das Ausland. Diese Verpflichtungen hätten die Not der Landwirtschaft verursacht.

Abg Dorsch-Hessen (Christl.-Nat. Bauernp.) will unbe­dingt baldige Einführung von Schutzzöllen. Eine Revision der Sozialgesetzgebung sei dringend notwendig. Der Redner schließt mit einer Ermahnung zur Schaffung einer großen und einbcitliÄen Bauernpartei.

Daraus wird die Beratung abgebrochen und das Haus Per» lagt -sich bis Montag, den 3. Juni.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Der Reichstag vertagte sich bis zum 3. Juni.

* Bei der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule in Stuttgart hielt Richsinnenminister Severing eine Rede, in der er auf diè hohe Bedeutung der Technik hinwies.

* Das LuftschiffGraf Zeppelin" mutzte wegen doppelten Wellenbruches die Amerikafahrt abbrechen und befindet sich auf dem Rückfluge nach Friedrichshafen.

* Die furchtbare Explosions- und Giftgaskatastrophe in Cleveland (Ohio) hat nach den neuesten Angaben 125 Todes- opfer gefordert.

Sie landwirtschaftliche Verschuldung vor dem preußischen Landtag.

(88. Sitzung.) tt. Berlin, 16. Mai.

Im Preußischen Landtag wurde zunächst die Aussprache über den Domänenhaushalt und den Forsthaus- halt fortgesetzt. Zum Landwirtschaflshaushalt ergriff Landwirtschaftsminister Dr. Steiger das W-". und hob hervor, daß i

die landwirtschaftliche Verschuldung

in den letzten Monaten wieder zugenommen habe. Trotz der schwierigen Materie seien bis zum 31. März über 65 Mil­lionen Mark für Umschuldungszwecke ausgegeben worden. Bei der Fortführung dieser Aktion soll besonders Ost­preußen berücksichtigt werden.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff ging auf die aus­gestellte Behauptung ein, daß die Aufwandsentschädi­gungen der preußischen Minister Höher seien als im Reich. Er wies an Hand von Gegenüberstellungen nach, daß diese Behauptung keineswegs begründet sei, da die Rei ch s minister neben ihren ordentlichen Aufwandsentschädi­gungen noch besondere Fonds für außergewöhnlichen Aus- wand besitzen. Einen gewissen Anstoß in der Öffentlichkeit hätten

die hohen Pensionsbezüge für Minister erregt. Diese Vorwürfe könnten sich aber niemals gegen Preußen richten. Die preußische Regelung sei nicht angreifbar.

Abg. Goldau (Dtn.) erkennt die im Interesse der Land­wirtschaft getroffenen Maßnahmen an. Sie seien aber leider nicht ausreichend. Nach einigen Ausführungen des Ab­geordneten von Dellen (Wirtschaftspartei) ist der Etat des Landwirtschaftsministeriums erledigt.

Es folgt der Haushalt der Bergverwaltung, zu dem die Abgg. Dr. Waldthausen (Dtn.), Harsch (Ztr.), Otter (Soz.) und Handelsminister Dr. Schreiber das Wort er­greifen. Ohne Aussprache werden dann erledigt: die Haus­halte der Staatlichen Porzellanmanusaktur, des Reichs- und Staatsanzeigers, des Landtags und des Staatsrats.

Der Haushalt der Justizverwaltung bringt nur eine kurze Besprechung, in der die Abgg. Dr. Losenhausen (D. Vp.) und Hestermann (Wirtschaftspartei) das Wort er­greifen. Der erstere wünscht Abstellung der Klagen aus land­wirtschaftlichen Kreisen über ungesetzliches und rigoroses Vorgehen der Gerichtsovüzieher bei Zwangsvollstreckungen, über das kommunistische

Mißtrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten und den Innenminister

wurde namentlich abgeftimmt. Der Mißtrauensantrag wurde mit 210 gegen 46 Stimmen der Kommunisten und National­sozialisten bei 33 Enthaltungen der Volkspartei abgelehnt. Die Deutschnationalen und die Wirtschaftspaket beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Dann wurden die Etats- beratunaen fortaefefet

Annahme des Preußenetats.

Nach kurzer Aussprache und Abstimmungen über Anträge der Parteien zu den einzelnen Etats schreitet das Haus zur

Schlußabstimmung über den Haushalt für 1929.

Der Etat wurde mit 210 Stimmen der Regierungsparteien gegen 28 Stimmen der Deutschen Volkspartei bei drei Stimm­enthaltungen angenommen. Die Deutschnationalen und die Kommunisten sowie kleine Gruppen nahmen an der Abstim­mung nicht teil. Der Landtag bewilligte sodann

14 Millionen Marl für Meliorationen und stimmte dem Hafenvertrag zwischen Preußen und Ham­burg bei.

Daraus vertagte sich das Haus bis 25. Juni.

Llnbegreisliche Beschimpfung des Generals von Seecki.

Angriffe im Rumänischen Senat. k

In der rumänischen Senatssttzung hat der frühere liberale Außenminister Argetoianu an den Ministerpräsi­denten Maniu eine Frage über feine Zusammenkunft mit dem General von Seeckt in Klausenburg gerichtet, wo­bei er General von Seeckt alsCommis voyageur und Abenteurer" bezeichnete. Argetoianu hob die Not­wendigkeit guter Beziehungen zu Deutschland hervor, fügte aber hinzu, er protestiere dagegen, daß Personen, die an der Spitze der deutschen Armee gestanden hätten, Rumänien als Arbeitsfeld betrachteten. In einer sofortigen Replik hob Ministerpräsident Maniu nochmals hervor, daß die Annahme des rein privaten und vollkommen un - politischen Besuchs ein selbstverständlicher Mt der Höflichkeit gewesen sei, und bemerkte unter den Beifalls­rufen der Mehrheit, daß die p o l i t i s ch e Moral sehr tief st e h e n m ü ß t e, um irgendwelche Kommentare an diesen Besuch zu knüpfen. Der Ministerpräsident pro- t e st i e r t e weiter energisch gegen die Beschimpfung des Generals von Seeckt. Argetoianu erkannte dann vor dem Senat selbst an, daß die von ihm gewählten Ausdrücke z u stark gewesen wären, und erklärte, keine weitere Kampagne in der Angelegenheit der Zusammenkunft des- Ministerpräsidenten Maniu mit General von Seeckt führen wollen.

Eine ernstliche Verhandlung^ runkage.

Paris. Die Agentur Havas berichtet, daß die Sachver.-' Räudigen am Donnerstag in privaten Besprechungen von Delegation zu Delegation die Prüfung des allgemeinen für we Regierungen bestimmten Berichts Sir Josiah Stamps, der die Vorbehalte des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ent-

haben. Dieser Bericht ist durch eine Anzahl von Einfügungen vervollständigt worden. Die Delegierten der Hauptglâubigcrmächle prüften nachmittags gemeinsam dielen Bericht. Angesichts des Umfanges und der Bedeutung dieses Dokuments werden zu seinem Studium wahrscheinlich mehrere Tage notwendig sein. Man sei, so heißt eS in der Havasdepcime weiter, in Konfcrcnzkreiscn der Ansicht, daß der Bericht Stamp-Schacht eine ernstliche VerhandlungS- grundlage darstelle, da die Vorbehalte deS deutschen Delk gierten in eine Form gebracht seien, die ihre Besprechung durch die Glanbigcr erlaube.