Zul-an /lnzeiger
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Nr. 116 — 1929
Fulda, Dienstag, 21. Mai
6. Jahrgang
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Entgegenkommen Amerikas?
Der Stand der Pariser Verhandlungen.
Wie Associated Preß aus Washington melbet, hielt Präsident Hoover eine Besprechung mit Parteiführern aus beiden Häusern ab. Staatssekretär Stimson, der an der Besprechung teilnahm, erklärte nachher, die Besprechung habe den Zweck verfolgt, ben Präsidenten über die Haltung der Führer zu unterrichten, da angesichts des heran- nahenden Endes der Sachverständigen- konferenz möglicherweise Entschließungen des Präsidenten notwendig würden, für die ihm die Kenntnis der Ansichten der Führer erwünscht sei. Politische Kreise erfahren hierzu, die Sachverständigen würden den Bereinigten Staaten fina»zielte Konzessionen empfehlen. Die Newyorker Blätter widmen der Konferenz im Weißen Hause großen Raum. „Herald and Tribune"' überschreibt ihren Washingtoner Bericht, der Präsident erwäge u. a. die Herabsetzung der Rheinland- b e s e tz u n g. Wie „Herald and Tribune"" weiter hören, handle es sich um einen BerzichtderBereinigten Staaten auf 1 0 Prozent 0 de , rund 3 0 Millionen Dollar der Besatzungskosten. Es besteht jedoch vorläufig keine Absicht, den Anteil von zwei Prozent an den Reparationszahlungen herabzusetzen. „Newyork Times" erfährt, die Senatoren und Kongreßmitglieder hätten den vom Unterstaatsfekretär Mills vorgelegten neuen Reparationszahlungsplan ziemlich ver wickelt gefunden, nach der Konferenz im Weißen Hause hätten Stèmson, Mellon und die Untersekrctürc Mills und Castle längere Instruktionen für dieamcrika - Nischen Sachverständigen ausgearbeitet, die nach Paris gekabelt worden seien.
Die Beratungen der Gläubigerdelegationen sind nach englischen MerichM sowe.it gediehen, daß sämtliche Vorbehalte DR Schachts dnrchberaien sind und ■ es sich nunmehr als notwendig yerausstellt. die Ansicht der Gläubigerdelegierten schriftlich festzulegen. Die Abfassung wird wiederum Josiah Stamp zufallen.
Französische Pressestimmen.
wtb. Paris, 21. Mai. Auch in der Morgenpresse spiegelt sich der Optimismus über den Stand der Arbeiten der Reparationskonferenz wieder, den die Agentur Havas gestern zum Ausdruck brachte. Nach dem „Petit Parisien" hat ein Delegierter, der der gestrigen Sitzung der Gläubiger-Staaten beiwohnte, die Lage folgendermaßen charakterisiert: Es besteht jetzt die lebhafte Hoffnung, daß man zu einem Abschluß gelangen wird.
Die Blätter berichten, daß zu Beginn der gestrigen Nachmittagssitzung der amerikanische Delegierte bei der Reparationskommission Wèlson Owen Poung eine Mitteilung der Washingtoner Regierung überreicht habe. In dieser Mitteilung habe Präsident Hoover die Ermäßigung der amerikanischen Ansprüche aus rückständige Besatzungskosten um 10 % zur Kenntnis gebracht. Die Mitteilung bildete nach dem „Matin" für die
AmmkOg in zwei bis drei Sofien.
Der geborgene Lustriese.
Deutschland bedankt sich.
Der deutsche Botschafter von Hoesch hat in Anwesenheit des Außenministers Briand zunächst dem General- sekretär des Ministeriums, Philippe Berthelot, und hierauf dem Luftfahrtminister Laurent Eynac den Dank der deutschen Regierung für die tatkräftige Hilfeleistung bei der Landung des Zeppelins in Cuers-Pierrefeu bei Toulon ausgesprochen. Der Luftfahrtminister teilte mit, daß er die notwendigen Instruktionen gegeben habe, damit jede mögliche Hilfeleistung für die notwendigen Aus- besserungen, wenn sie an Ort und Stelle vorgenommen werden sollten, gegeben werde. Auch Dr. Eckener sandte nach der Landung ein Danktelegramm an den französischen Luftfahrtminister und bedankte sich auch bei dem Kommandanten des Touloncr Luftschiffhafens für die umsichtige Hilfe bei der Landung des Luftschiffes.
Botschafter Schurman an Dr. Eckener.
Berlin, 20. Mai. (WB.) Der amerikanische Botschafter Shurman hat an Dr. Eckener nach Friedrichshafen folgendes Telegramm gesandt:
„Ich sende Ihnen meine wärmsten Glückwünsche zu der glücklichen Beendigung Ihres Fluges. Ich darf Ihnen ebenso meine tiefe Bewuirderung über die Geschicklichkeit und den Mut aussprechen, mit denen Sie alle Schwierigkeiten und Gefahren überwunden haben. Nehmen Sie meine besten Wünsche für Ihre Nährt nach Amerika entgegen, wo meine Landsleute den herzlichen und begeisterten Willkommen erneuern werden, welchen sie Ihnen im letzten Herbste bei dem siegreichen Abschluß Ihres ersten Transatlautikfluges bereitet haben." „
Konferenz keine besondere Ueberraschung, da Owen Poung und seine Kollegen bereits vor dem Besuch Wilsons der Möglichkeit eines derartigen kleinen Zugeständnisses in ihren Erwägungen Rechnung getragen hatten. Es habe sich also lediglich um eine offizielle Bestätigung gehandelt. Wenn auch dem materiellen Wert des amerikanischen Zugeständnisses von der Morgen- presse keine besondere Bedeutung beigemessen wird, so wird die psychologische Wirkung doch außerordentlich hoch eingeschätzt.
Die Morgenpresse ist der Ansicht, daß in der Sitzung, die die Gläubiger-Delegationen heute vormittag abhalten werden, letzte Hand an den Berichtentwurf gelegt werden wird, so daß nachmittags eine Vollsitzung der Reparationskonferenz stattfinden könnte. Das „Echo de Paris" will wissen, daß der Entwurf des Berichts in feiner von den Gläubiger-Delegationen abgeänderten Fassung gestern bereits nach Brüssel übermittelt worden sei und höchst wahrscheinlich die Zustimmung Belgiens finden würde. Zwei der Vorbehalte der deutschen Delegation würden sicherlich nicht in ihrer ursprünglichen Form in den Bericht ausgenommen werden. Der erste betreffe die Heranziehung der Nachfolgestaaten, der zweite das Moratorium. Die Gläubiger seien bereit, ein Transfer-Mvratorium, aber kein Moratorium für die Aufbringung der Zahlungen zu gewähren.
Ein Havas-Bericht über die Reparationsverhandlungen.
Wlb. Paris, 21. Mai. Havas berichtet, daß die Delegierten der Gläubiger-Mächte gestern Sitzungen abgehalten haben. An der Nachmittagssitzung haben der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, und Owen Poung teilgenommen. Die Sachverständigen sind in eine Prüfung der deutschen Vorbehalte eingetreten. Man könne laut Havas gestern abend tatsächlich Fortschritte in den Arbeiten der Sachverständigen der Gläubiger-Mächte feststellen. Heute vormittag wollen sie endgültig ihre Haltung diesbezüglich folgender Punkte festlegen: 1. die deutschen Vorbehalte, 2. Die Annuität von 2050 Mill. Goldmark, 3 die Verteilung der Gewinne der Bank für internationale Zahlungen.
Poincarè über die Neparationsfrage.
wtb. Paris, 21. Mai. Ministerpräsident Poincarè hielt gestern in Douaumont bei der Einweihung eines Denkmals eine Rede, in der er unter anderem ausführte: Angenommen, daß die mitteleuropäischen Regierungen nicht absichtlich die Initiative und Verantwortung für den Krieg übernommen hätten, so würden sie dennoch Belgien und Frankreich restlose Wiedergutmachung schulden. Wir haben alles getan, um die Arbeit der Sachverständigen zu erleichtern. Die französische Delegation habe lediglich Wert daraus gelegt, den Darvesplan nicht gegen ein weniger zuverlässiges Verfahren einzutauschen. Die fran= zösische Regierung wünscht wegen der wirtchaftlichen Wiederaufrichtung der Welt, daß eine endgültige Regelung erfolgt, über es wäre ungerecht und unzulässig, daß die Kosten hierfür von dem gemarterten und verwüsteten Frankreich getragen würden.
Kapitän Flemming über den S t u r m f l u g.
Kapitän Flemming, der erste Navigationsoffizier des „Graf Zeppelin", machte einem Journalisten intereffante Mitteilungen über die weiteren Pläne des Zeppelins. Kapitän Flemming zeigte sich außerordentlich zuversichtlich unb ruhig. Er betonte, daß die Amcrikareise selbstver
ständlich stattft»den werde, sobald die Motorschäden in Ordnung gebracht seien. Der Zeitpunkt für die Amerikareise könne »och nicht bestimmt werden, jedoch bestünde die Möglichkeit, die Reise in zwei bis drei Wochen anzutreten. Die Maybach-Motoren, die jetzt ausgcwechsell werden sollen, werden im Flugzeug nach Friedrichshafen
gebracht und dort sofort einer eingehenden Prüfung untere zogen werden. Erst nach Öffnung der ausgewechselte« Motoren werde man endlich feststellen können, was geschehen sei. Das Aussetzen der Motoren sei ein unglücklicher Zufall, der jedoch für die Gesamtleistung des Zeppelins ohne Bedeutung sei. Ähnliches könne sich jederzeit in einem Flugzeug oder mit einem Automobilmotor ereignen. Die Schäden an den Motoren werden von Dr. Eckener auf gewisse Abänderungen zurückgeführt, die nach der Mittelmeerfahrt vorgenommen worden waren. Auch Dr. Eckener betonte ausdrücklich, daß die Amcrikareise nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben sei. Auch haben sich die meisten Passagiere bereit erklärt, an dem neuen Flug teilzunehmcn.
Dr. Eckener ist im übrigen nach Friedrichshafen gereist, um dort wegen der Lieferung der neuen Motoren Rücksprache zu nehmen.
Zeppelinbesichtigung in Toulon.
Der Flughafen von Toulon ist der Mittelpunkt des Verkehrs. Das Publikum strömt von allen Seiten heran, um das Luftschiff zu besichtigen. Die französischen Behörden haben strenge Qberwachungsmaßnahmen getroffen. Man sieht unter den Besuchern auch viele hohe Offiziere und höhere Beamte. Die . deutschen Offiziere und Mannschaften sind von den Franzosen aufgefordert worden, ihre Gäste in den Kasinos des Flughafens zu sein. Sämtliche Offiziere und Mannschaften bleiben während des Aufenthaltes des „Gras Zeppelin"" in Toulon. Dr. Eckener wird aus Friedrichshafen in fünf bis sechs Tagen zurückerwartet.
Der Gorilla hat übrigens die Fahrt ausgezeichnet überstanden und wird nun nach Friedrichshafen zurückgebracht werden. Er konnte nur mit Mühe ans dem Luftschiff Herausgehracht werden.
„Ein Blitz aus heiterem Himmel."
Ein Zeppelinpassagier veröffentlicht weitere Einzelheiten über die letzten Fahrtstunden des „Graf Zeppelin'. Dr. Eckener erschien Donnerstag nachmittag im Salon, wo die Passagiere bei der Musik eines Grammophons fröhlich tanzten, und sagte mit ernster Miene: Ich habe eine schlechte Nachricht; wir müssen nach Friedrichshafen zurückkehren. Wir haben Motorschwierigketten, aber es liegt keine Gefahr vor. Dr. Eckener bat die Passagiere, ruhig zu bleiben, man werde wohlbehalten zurückkehren. Die Ankündigung kam wie ein Blitz aus heitere« Himmel, und das Tanzen hörte sofort auf.
Beginn des Einbaues der neuen Motoren in den „Graf Zeppelin".
wtb. Toulon, 21. Mai. Der aus Friderichshafen entsandte Ingenieur Dvorak hat sofort mit den Arbetten zum Einbau der neuen Motoren in den „Graf Zeppelin" begonnen. Wenn die Ausprobierung der Motoren befriedigend ausfällt, dürste das Zeppelin-Lustschiff Ende dieser Woche den Rückflug an« treten.
wtb. Friedrichshafen, 21. Mai. Auf Anweisung Dr. Eckeners ist gestern ein dritter Motor nach Cuers-Pierrefeu abgesandt worden. Der vierte Motor ist noch reparaturfähig, so daß sich sein Esatz erübrigt.
wtb. Paris, 21. Mai. Wie Havas aus Toulon berichtet, ist gestern abend in Cuers-Pierrefeu der Einbau des brüten Er- satMotors in den „Graf Zeppelin" beendet worden. Der vierte Motor wird von Chefingenieur Dvorak u. seinen Mttarbeitern wahrscheinlich nur revidiert werden. Die Zahl der Personen, die während der beiden Pfingsttage den Zeppelin bestätigten, soll mehr als 50 000 betragen haben. ,
Schicksâlstücke.
Seltsam waltet das Schicksal. Ehe der „Graf Zeppelin" seine zweite Ozeanfahrt antrat, fielen harte Worte der Entrüstung über die Bedingungen, die Frank- reich dem deutschen Luftriesen bei seiner Fahrt über das französische Gebiet gestellt hatte, Bedingungen, die selbstverständlich stritt innegehalten wurden — und die nun gebrochen werden mußten, als das Luftschiff wegen seiner ersten Motorhavarie wieder kehrtzumachen, wieder französisches Gebiet zu überfliegen, ja schließlich dort zu landen genötigt war. Zu landen sogar auf einem französischen Militärflugplatz, den auch nur zu überfliegen streng verboten war. Der Zwang, Menschenleben zu retten, sprach stärker und die französische Regierung beeilte sich sogar, dem Zeppelin den günstigsten Landeplatz anzugeben und ausreichende Kräfte zur Verfügung zu stellen, so daß das havarierte Luftschiff jetzt sicher in der Halle liegt. Nicht bloß Dr. Eckener selbst, sondern auch die deutsche Regierung hat nach Paris den Dank für diese rasche Hilfeleistung ausgesprochen. Und das mit Recht. Hier fällt alles, was durch sonstige Antipathien an Schranken besteht oder aufgerichtet ist. Hier spricht nur Menschliches. Auf beiden Seiten. Auch auf hoher See ist es selbstverständliche Menschenpflicht, dem anderen in Not befindlichen Schiff zu helfen, selbst unter Einsetzung des Lebens — gleichgültig, welcher Nation die anderen angehören. Die dort drüben sind eben nichts als Menschen in Gefahr. Ebenso wie dort oben im Zeppelin. Ein deutsches Schiss war es, das vor einiger Zeit polnische, ins Meer abgestürzte Ozeanflieger gerettet hat.
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Seltsam waltet das Schicksal. Dasselbe Luftschiff, das die Fahrt über den Ozean zweimal gemacht hat, das vor kurzem erst eine mehrtägige Fahrt rings um das Mittelmeer ohne jede Havarie zurücklegte, namentlich bte Motoren tadellos durchhielten, - dieser „Graf Zeppelin verlor seine Motorenkräfte bis auf einen geringen Rest. Motor um Motor fiel aus, was bisher noch nw oder nur ganz vorübergehend geschehen war: nicht leichte gefeite