Zul-aer Mzeiger
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Nr. 117 — 1929
Fulda, Mittwoch, 22. Mai
6. Jahrgang
„Graf Zeppelin" wieder startbereit.
Rückflug nach Friedrichshafen Ende dieser Woche.
Der Flugplatz von Toulon.
Dr. Eckener, der sich gegenwärtig in Friedrichshafen anfhält, wo er unter anderem Besprechungen mit den Vertretern der Maybach-Motoren-Werke hatte, gab Pressevertretern gegenüber eine Schilderung über den
Verlauf der abgebrochenen Amerikafahrt.
Dr. Eckener führte hierbei u. a. aus, daß ein klares Bild über die Motorschäden erst gegeben werden könne, wenn die genaue Untersuchung der gebrochenen Teile vor
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Der Einbau der neuen Motoren in den „Graf Zeppelin" ist so weit fortgeschritten, daß das Luftschiff Ende der Woche seine Rückfahrt nach Friedrichshafen antreten wird.
* Während der Pfingsttage haben sich in Deutschland und im Auslande zahlreiche schwere Automobil- und Motorradunfälle ereignet.
* Der neugewählte Sächsische Landtag ist zum 6. Juni d. J. einberusen worden.
* Der hervorragende englische Staatsmann und frühere Premierminister Lord Rosebery ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
* Bei der Einweihungsfeier der Internationalen Ausstellung in Barcelona verfügte, der König die Wiedereröffnung der vor kurzem geschlossenen spanischen Universitäten.
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Beamte des polmMen Knegsmmisiermms verhaftet.
Die Ursache geheim geh alten.
Der Referent des polnischen Kriegsministeriums, Rittmeister P r a d z i n s k i, ist unter dem Verdacht des Amtsmißbrauchs verhaftet worden. Gleichzeitig mit Pardzinski wurde sein Schwager Kucharzewski, der im Kriegsministerium als Zivilbeamter beschäftigt ist, scst- genommen. Die Einzelheiten der Affäre werden von den Behörden geheimgehalten, doch melden die Blätter, daß eine Reihe von Persönlichkeiten aus Militär- und Zivilkreisen im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit verhört worden ist.
Ryksw über Rußland und Polen.
Der polnische Gesandte verläßt den Saal.
Wie aus Moskau gemeldet wird, äußerte Rykow auf dem Rätekongreß in seinem Bericht über Sowjetruß- lands Außenpolitik, daß die Sowjetunion in guten Beziehungen mit Polen leben wolle; wenn man sich aber mit Polen schlagen sollte, werde man sich redlich schlagen. Dieser Satz wurde von den Versammelten mit großem Beifall ausgenommen. Der anwesende polnische Gesandte Patek jedoch verließ zum Zeichen des Protestes die Diplomatenloge. In Warschau erklärt man, daß der der herausfordernden Rede Rykows gespendete Beifall von der kriegerischen Stimmung der Russen zeuge.
NaiLoualfeier in Rumänien.
Zehnjähriges Bestehen Groß-Rumäniens.
Die Nationalfeier anläßlich des zehnjährigen Bc- stehens Groß-Rumäniens nahm in Karlsburg, wo sich mehr als 150 000 Personen eingefunden hatten, ihren Anfang. König Michael, die königliche Familie und die Mitglieder des Regentschaftsrates trafen in Karlburg ein und wurden durch den Ministerpräsidenten Maniu unb Mitglieder des Regentschaftsrates trafen in Karlsburg ein empfangen. In der Kathedrale fand ein Festgottesdienst statt, der durch Lautsprecher den draußen harrenden Massen übermittelt wurde. Bei der Feier sprach Ministerpräsident Mani u. Während ein großes Bankett für geladene Gäste stattfand, beteiligten sich vor der Kathedrale etwa 120 000 Personen an einem Volksessen.,,
genommen sein wird. Er halte es jedoch schon jetzt' nach Lage der Dinge für ausgeschlossen, daß Sabotage vorliege. Auch käme keine Ermüdung der Motoren in Frage, da die Motoren durchschnittlich 2000 Bctricbsstnndcn arbeiten könnten, sie aber in Wirklichkeit erst 600 hinter sich hätten. An eine
Überquerung des Ozcans könne erst gedacht werden, wenn die Ursache der Schäden einwandfrei feststände. Man habe es hier ausschließlich mit einer Motorensrage zu tun, die in keinem Zusammenhänge mit dem Luftschiff selbst stände. Im Gegenteil sei es bemerkenswert, daß trotz der Panne das Schiff glatt zur Landung gebracht worden sei. Dr. Eckener wies weiter darauf hin, daß seltsamerweise
alle vier Motoren dieselben Schäden
gehabt hätten, nämlich Bruch eines Schwunggewichts an der Kurbelwelle. Dr. Eckener wandte sich schließlich gegen die aus französischer Quelle stammenden Berichte, daß das Luftschiff im Drümetal hilflos umhergeflogen sei. Das Schiff sei beim Tiefergehen allerdings in Fallböen geraten und durch Aufwinde wieder in die Höhe getrieben worden. Trotzdem konnte das Luftschiff über die Höhenzüge des Tales glatt hinweggebracht werden. Da Dr. Eckener den letzten intakt gebliebenen Motor schonen wollte, beschloß er, bis zur Riviera die Fahrt mit dem Wind zurückzulegen und dort eine Landung vorzunehmen.
An dem Flug von Toulon nach Friedrichshafen werden 15 Passagiere teilnehmen, ebenso sechs französische Marineoffiziere, die Dr. Eckener zu dem Flug eingeladen hat. Nur drei Passagiere, die sich zum Amerikaflug an Bord des „Graf Zeppelin" befanden, werden die Rückfahrt nach Friedrichshafen mit dem Luftschiff nicht antreten.
Einigung über die Verteilung der Reparationen.
Pa r rs. Die Agentur Havas berichtet über die am Dienstag gepflogenen Beratungen der Sachverständigen der Gläubigermächte. Die Gläubigerdelegationen sind zu einer grundsätzlichen Einigung über die Frage der Verteilung gelangt. Die Verständigung unter ihnen ist vollständig hinsichtlich der Abfassung des zu prüfenden Textes, abgesehen von einer sehr kleinen Anzahl von Punkten, die sich auf Unterschiede in der Abfassung beziehen. Diese Punkte werden Gegenstand einer neuen Beratung der Gläubigcrdelegationcn bilden.
Der Deutsche Tag in Kiel.
Abschluß der V.-D.-A.-Veraustalt««g»».
Am Pfingstmontag schloß die diesjährige Zusammenkunft des Vereins für das Deutschtum in Kiel wirkungsvoll ab. In der evangelischen Nikolaikirche sprach Pastor D. Dr. Roth aus Mühlbach in Siebenbürgen, in der katholischen St.-Nikolaus- Kirche zelebrierte Domherr Dr. Huber aus Odenburg tu Ungarn das Hochamt. In der Volkshochschule versammelte« sich die Jugendgruppen, in der Seebuxg die Vertreter der akademischen Ortsgruppen. Von Bedeutung war nebeu einer Bauern-, Handwerker- und Kaufmännischen Tagung di« Arbeitertagung im großen Saal des Kieler Gewerkschasts- Hauses, der mit den Reichsfarben und den Fabuen der Ge.
Jugcndverbände im Festzuge.
Werkschaften geschmückt und bis auf de« letzten Platz von W^ gehörigen der Kieler Gewerkschaften gefüllt war. Ergreifend war die Stunde der Volksgemeinschaft in der Rordostseehalle. die durch den Vorsitzenden des V. D. A., Freiherrn von dem Bussche-Haddenhausen, eröffnet wurde. Hier sprachen Direktor Robert Trent aus Newyork und der Vorsitzende des Landes- Verbandes Schleswig-Holstein, Studienrat Dr. Dellev-Kie«.
Der große Festzug 1
bildete den Höhepunkt aller Veranstaltungen. Bei prâchügem Sonnenschein marschierten in zehn großen Gruppe« die TeS- nehmer mit zahlreichen Musikkapellen und Tausenden von Wimpeln und Fahnen von ihren Sammelplätzen aus durch die Stadt bis zum Messegelünde, wo sie sich mit der Einwohnerschaft Kiels zn einem Volksfeste vereinigten. Der Festzug dauerte etwa zwei Stunden, und es mögen nahezu 25 000 Teilnehmer gewesen sein, die das Bekennntnis zum deutsche« Volkstum ablegten. Dann folgten die Studentenschaft, die Festwagen. Die Trachtengruppen. Abordnungen aus aller deutschen Welt waren vertreten. Während des Marsches durch die Stadl gaben zwei Böllerschüsse das Zeichen zmn Halten des Zuges. Nachdem Stille eingetreten war, spielten sämtliche Musikkapellen zur Ehrung der Gefallenen das Lied „Ich halt' einen Kameraden". Dazu läuteten die Glocken der Kirchen, und erst nach einem dritten Böllerschuß setzte sich das Ganze wieder in Bewegung.
Den Tag und damit auch die Pfingstveranstaltung des V. D. A. beendeten ein großer Fackelzug und Schlußk^ieru ans den Höfen der Schulen. — ■-------—'
Bankendiktatur?
In einer führenden Berliner Tageszeitung hat man vor einiger Zeit gelegentlich einer Besprechung der Vertreter der Reichs mit den Banken wegen der Gewährung weiterer Darlehen den Banken einen Vorwurf daraus gemacht, daß sie die schwierige Situation der Reichsregierung benutzten, um besondere Konzessionen bezüglich der Kapitalertragssteuer usw. zu erzielen. Nach den jetzt vorliegenden Mitteilungen wird die demnächst aufzulegende 5V0°Millionen-Anleihe des Reiches von der Vermögenssteuer, der Erbschaftssteuer, der Einkommensteuer und mithin auch vom Steuerabzug vom Kapitalertrag befreit sein. Nach der Auffassung, die in dem erwähnten Aufsatz zum Ausdruck kommt, hätten danach also die Banken ihre sehr egoistischen Forderungen dem Reich gegenüber durchgesetzt. Es dürfte aber doch fraglich sein, ob damit lediglich Bankeninteressen oder nicht vielmehr den Interessen des Reiches selbst in erster Linie entsprochen worden ist.
Bei einem Diskontsatz von 7% %, bei einem Kursstand bester 8 %iger Pfandbriefe von 94—96 % und noch weniger wäre es wohl unmöglich gewesen eine 7 %ige Reichsanleihe ohne erhebliches Disagio und noch dazu in größeren Beträgen zu emittieren, wenn den Zeichnern nicht ganz beträchtliche Vor- teile zugestanden worden wären. Solcher Vorteile bedurfte es in erhöhtem Ausmaße zu einem Zeitpunkt, zu dem nach den vorangegangenen Perioden der Stagnation und Depression die deutschen Börsen sich erstmalig wieder beleben und manche Kreise, die in den vergangenen Monaten an ihren Aktienbesitz erlittenen Verluste dadurch auszugleichen suchen werden, daß sie alle verfügbaren Mittel zur Vergrößerung ihres Effektenbesitzes verwenden. Daß in solchen Zeiten die Ausstattung einer Anleihe mit einem um 1, ja selbst um 2 % höheren Zinsfuß einen nennenswerten Anreiz auf weite als Zeichner nicht zu entbehrende Kreise nicht ausgeübt hatte, versteht sich, ganz besonders, wenn man berücksichtigt, daß die Entwicklung des Kurses der 50y-Millionen RâAnleihe von 1927 noch in aller Erinnerung ist. Gerade nach den Erfahrungen, die die Zeichner dieser Anleihe gemacht haben, bedurfte es schon besonderer Mittel, um eine neue Emission des Reiches schmackhaft zu machen.
Man wird mithin den Banken keine Vorwürfe daraus machen dürfen, daß sie, wenn dies tatsächlich zutreffen sollte, die Anregung zu den nunmehr vorgesehenen Steuerbefreiungen gegeben haben. Sie hätten damit wesentlich mehr für den Kredit des Reiches getan als die Ressortvertreter, die den Typ der Anleihe von "1927 erdacht haben. Und hierauf kam es in erster Linie an, denn es ging nicht darum, wie der Verfasser des mehrfach zitierten Aufsatzes es ansah. ob das Reich für einige hundert Millionen gut ist oder nicht, sondern darum, ob es möglich war, durch zeitgemäße Ausstattung der Anleihe deren dauernde Unterbringung zu gewährleisten.
Die Wünsche nach Aufhebung der Kapitalertragssteuer sind übrigens alt und seit Jahren nicht nur von den Banken, sondern auch von anderen Wirtschaftszweigen und ganz besonders von der Industrie erhoben worden. Es wäre zu wünschen, daß man sich an zuständiger Stelle mit der Art der Zeichnungen auf die neue Anleihe besonders befaßt und vor allem dem Anteil des Auslandes daran Beachtung schenkt. Für den ausländischen Erwerber deutscher Werte bedeutet bekanntlich der Steuerabzug vom Kapitalertrag eine Doppelbesteuerung. Es wird interessant sein, festzustellen, wie weit deren Fortfall im vorliegenden Falle die Neigung des Auslandes zum Erwerb deutscher Anleihen zu beeinflussen vermag.
Wenn man in diesem Falle der Kritik, die an der Haltung der Banken ansetzte, nicht wird zustimmen können, so wird man ihrer Politik auf anderem Gebiete doch sehr erheblich widersprechen müssen. Sie hätten gelegentlich der letzten Diskonterhöhung, die die Belastung der deutschen Produktion von der Eeldseite her erheblich vergrößert, eine Maßnahme beseitigen können, die sie vor mehr als eineinhalb Jahren ergriffen haben und die ihr in der Oeffentlichkeit und auch aus den übrigen Zweigen der Wirtschaft heraus berechtigte Kritik eingetragen hat, nämlich, die Erhöhung der Zinsspanne. Die Verbände der Banken haben bekanntlich gelegentlich der Diskonterhöhung vom Oktober 1927 den Debetzinsmtz entsprechend ihrer bisheri- gen Praxis um ein volles Prozent erhöht, den Habensatz dagegen nur um K %. Sie wollten damit die Quelle ihrer Einnahmen erweitern und begründeten diese Maßnahme mit der Stagnation ihres Geschäftes und der Vergrößerung ihrer Lasten. Inzwischen ist viel von der Rationalisierung des Bankbetriebes die Rede gewesen, und die Veröffentlichungen über die Entwicklung der Kreditoren und Debitoren der sechs privaten Großbanken, die in ihrer Gesamtheit ungefähr 75 % des privaten Bankgewerbes Deutschlands darstellen, belegen zur Genüge, daß der Geschäftsbetrieb der Banken seit Oktober 1927 einen sehr erheblichen Aufschwung genommen hat. Aber weder die Ergebnisse der Rationalisierung, noch die der Erweiterung des Geschäftsumfanges haben es den Banken möglich gemacht, die Spanne auf den früheren Stand zurllckzuführen. Sie haben zu ihrem Teil also nichts dazu beizutragen vermocht, um die Kreditkosten zu verringern und die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Ware zu erhöhen.
Es berührt eigenartig, daß dieser Haltung der Banken nicht von berufener Stelle entgegengetreten wird, vor allem von der Reichsbank, die in ihrem letztjährigen Verwaltungsbericht von Zins-, Tilgungs- und llnkostenfätzen spricht, „die für ein Land von so hoher kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung ohne Beispiel und bei wachsenden Beträgen auf die Dauer untragbar sind". Auch von einer Stellungnahme der Wirtschaftsverbände, die sich in früheren Jahren recht eingehend mit den Bedingungen der Banken beschäftigt haben, hat man seit langem nichts mehr gehört.
Ob solche Verhandlungen auch in letzter Zeit noch stattgefunden haben, vermag der Außenstehende nicht festzustellen, ebensowenig kann er beurteilen, ob die derzeitigen hohen Kreditkosten, die sich in der Praxis ja vielfach noch weit über die Mindestbedingung der Bankenorganisationen erheben, nicht gesenkt werden, weil es den Banken am Willen oder an der Fähigkeit hierfür fehlt. Letzten Endes ist die Beantwortung dieser Frage aber auch von untergeordneter Bedeutung. Je mehr die Kredite der Banken sich verteuern, umsomehr werden die auf Kredite angewiesenen Unternehmungen sich bemühen, die benötigten Mittel auf andere Weise zu beschaffen. Sie werden demzufolge weit mehr als zu früheren Zeiten geneigt sein, langfristige Kredite aufzunehmen. Diese Entwicklung mâg man bedauern, weil sie für die kreditnehmenden Firmen die Gefahr in sich birgt, in Zeiten niedergehender Konjunktur und schlechter Beschäftigung Kreditkostcn tragen zu müssen, die sic hätten sparen können, wenn sie eben, wie in der Vorkriegszeit, die Möglichkeit noch hätten, bei auftretendem Bedarf zu erträglichen Sätzen kurzfristige Bankkredite aufzunehmen. Verhindern kann man sie nicht und ganz bestimmt nicht mit der non