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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ZulSa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt Reöaktkon und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-Rnsthluß Nr. Hst» Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zuldaer Nn-rtger'-eftattet.

Nr. 120 1929

Fulda, Samstag, 25. Mai

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6. Jahrgang

Dr. Schacht verhandelt weiter.

Die Pariser Neparationskrise.

^ Da die eingetroffene Denkschrift der Alliierten mit den Gegenvorschlägen zu den deutschen Vorbehalten zur­zeit in Berlin einer genauen Nachprüfung unterzogen wird, stellte sich die Lage am Freitag nicht anders wie vorher dar, wobei natürlich betont werden muß, datz sich au dem Ernste dieser Lage nicht das geringste geändert hatte. Der Rücktritt Dr. Böglers ist als endgültig zu betrachten sowie auch die Ernennung Dr. Kastls zu seinem Nachfolger und zweiten deutschen Hauptdelegierten in Paris.

Die verbreiteten Gerüchte, nach denen der Führer der deutschen Delegation, Neichsbankpräsident Dr. Schacht, sich ebenfalls mit Rücktrittsgedanken trage, bewahrheiten sich n i ch t. Dr. Schacht erklärte selbst, daß die Be­sprechungen fortgesetzt würden. Bestimmte Auskünfte über die Situation zu geben, lehnte Dr. Schacht ab. In Berlin meint man, daß die Verhandlungen bis zur end­gültigen Entscheidung sich noch mehrere Wochen in Paris fortsetzen könnten, obwohl man von feiten der deutschen Delegation auf eine möglichst schnelle Klärung hindrängt, was auch bei den weiteren Unterhaltungen am Freitag in der Reparationskonferenz zutage trat.

Über den Stand der RcparaUonsverhandlungcn kann folgendes mitgeteilt werden: Die deutschen Delegierten haben die Besprechung, die der Klärung der Zahlenfrage dienen soll, fortgesetzt. Auf Grund der von den Verfassern der Antwort der Gläubigermächte auf die deutschen Vor­behalte gegebenen Erläuterungen handelt cs sich um eine zusätzliche Erhöhung der Youngschen Zahlen von jährlich 52,8 Millionen Mark. Angesichts dieser entscheidenden Meinungsverschiedenheit in der Zahlenfrage ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß entweder darüber getrennte Berichte erstattet werden, oder daß überhaupt eineVcrständigung nichtzue 1 - 0 ',, ' /* jeisi ' t' ^ vi*n . notigen |inO die Vertreter der Glaub,gtzrdelegationen aufgefordert worden, sich zu den deutschen Vorbehalten zu äußern. Eine Antwort hierüber steht noch aus.

Günstigere Beurteilung der Reparations- Verhandlungen durch die Pariser Presse.

mtb. Paris, 25. Mai. Die Morgenpresse beurteilt die Lage «eiliger pessimistisch, als sie gestern in der deutschen Delegation beurteilt wurde. Sie bespricht die einzelnen Punkte, die noch Eegenstand der Aussprache bilden und stellt für gewisse Fragen die Möglichkeit einer Verständigung in Aussicht. Man habe im Hotel Georgs V., so erklärtPetit Parisien", den Erfolg gestern mit 6 :4 beinessen, während am Mittwoch die Erfolgs­

Die räuberische Monroelehre.

Wiitiwn MN Vereinigte Staaten.

Die gegenwärtig in Riadrid tagende Versammlung der Vereinigung der Bölkcrbundvcreine beschäftigte sich Freitag mit dem Antrag der argentinischen Abord­nung über die Aushebung des Artikels 21 des Völker- bundstatuts, der sich auf die M 0 n r 0 e d 0 k t r i n bezicht.

Der argentinische Delegierte Siv 0 ri erklärte 11. a.: Ereignisse, 'die nicht fern von uns liegen, zwingen uns, diese Doktrin als angriffsbereit gegen andere Staaten, aiiiicxionistèsch und räuberisch zu bezeichne». Das Eingreifen der Bereinigten Staaten in Nikaragua ver­folgte nur den Zweck, den Bau des neuen Kanals zu sichern. Sivori fügte hinzu: Nur diejenigen Länder, die durch ihre geographische Lage die Herrschaft der Vereinig­ten Staaten nicht zu fürchten haben, können die Bei­behaltung dieser Doktrin im Völkerbundstatut wollen. Die Versammlung beschloß, diesen Antrag dem Ständigen Ausschuß zu überweisen.

Das Entstehen der sog. Monroedoktrin ist auf den fünften nordamerikanischcn Präsidenten James Monroe (17581831) zurückzuführen. Unter seiner Präsidentschaft entwickelten sich die Unionskriege, während derer das Eingreifen europäischer Staaten in den innenamerika­nischen Zwist drohte. Die Monroelehre stellt fest, daß europäische Mächte auf amerikanischem Gebiet nichts zu suchen hätten, der Erlvcrb amerikanischen Gebiets ihnen verboten iväre, andererseits aber auch, daß die Vereinigten Staaten sich des Rechts begäben, in europäische Streitig­keiten einzugreifen.

W i c Amerika dieses letzte Prinzip im Weltkrieg von 1914/18 rückhaltlos aufgab und wie cs dadurch den Aus­gang dieses Krieges beeinflußte, ist uns allen zur Genüge bekannt. Trotzdem versucht die Rordamerikanische Union noch immer, den ersten Teil jener Lehre als unerschütter­lich ausrcchtzuerhalten und ihn namentlich gegen die schwächeren sog. lateinischen Rationen aus dem amerika­nischen Kontinent auszubeuten. Daß so etwas im schärfsten Gegensatz zu dem Völkcrbundgedanken steht, ist offenbar. Und somit ist der Vorstoß von Argentinien wohl an be­greifen.

Schluß der Tagung.

mtb. Maorid, 24. Mai. Die Konferenz der internationalen Union der Völkerbundsligen hielt heute am Vormittag und am 'Nachmittag ihre beiden letzten Vollversammlungen ab, die der

aussichten nur 2 :8 gestanden hätten. Was die Uebergangs- modalitäten vom Dawesplan zum Plarre Youngs anlange, könne zweifellos eine Verständigung gefunden werden, weil letzten Endes die Regierungen und nicht die Sachverständigen den Zeitpunkt für das Inkrafttreten sowie den geeigneten Augenblick für die Aufhebung der offiziellen Kontrollorgane und die Räumung des Rheinlandes festsetzen würden. Die Frage der Heranziehung der Nachfolgestaaten Oesterreich-Un­garn für die Aufbringung der letzten 21 Annuitäten werde von Dr. Schacht aufs neue gestellt, aber hier müßten die Alliier­ten bei ihrer ursprünglichen Ablehnung bleiben, da dieses Problem einzig und allein die interessierten Staaten angele und vor allem politischer Natur sei. Das schwierigste Problem sei das der belgischen Forderung auf Bezahlung der Markbe­träge.Petit Parisien" will eine Zustimmung zu dieser bel­gischen Forderung seitens der übrigen Alliierten feststellen können, während derAvenir" von einem Abrücken der Eng­länder von dieser Forderung spricht. Falls, so fährtPetit Parisien" fort, hierüber sowie über gewisse deutsche Vorbehalte eine Verständigung zwischen Schuldner und Gläubiger sich als unmöglich herausstellen würde, würde den Sachverständigen immer noch die Möglichkeit bleiben, den Regierungen zwei Be­richte, einen Mehrheits- und einen Minderheitsbericht, zuzu­stellen.

Im übrigen erwarten die Blätter für heute eine Entschei­dung. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß es sich wieder um ein Manöver handelt. Einige Blätter heben nämlich hervor, daß die Entscheidung von der Antwort abhängen werde, die Dr. Schacht im Laufe des heutigen Tages geben wolle. Man hat es vielleicht also wiederum mit einem Manöver zu tun, um, falls die deutsche Delegation, was sehr wahrscheinlich ist, auf ihren Forderungen hinsichtlich der Vorbehalte und der Zahlen des Young-Planes besteht, ihr die Verantwortung zuzuschieben für die Unmöglichkeit, zur Abfassung eines einheitlichen Berichtes zu gelangen.

Havas über die gestrigen Sachoerständigcu-Verhandlungcn.

wtb. Paris, 25. Mai. (Havas.) Die Sachverständigen der Gläubiger-Mächte haben gestern unter sich einen Meinungs­austausch über die Bemerkungen, die Dr. Schacht zu dem Memo­randum der Alliierten gemacht hat, gepflogen. Sie suchen gegenwärtig ihre Ansichten einander anzugleichen. Die Punkte, über die eine Einigung am schwersten zu erzielen sein wird, beziehen sich vor allem auf die Frage der in Belgien ausgege- benen Markbanknoken, die Heranziehung der Nachfolgestaaten zur Aufbringung der Zahlungen und auf das Zahlungsmora- torium. Dr. Schacht hatte gestern nachmittag eine Unterredung mit Owen Young. Heute werden die Gläubiger-Delegierten wahrscheinlich nahezu endgültig ihre Haltung zu den Vorbe­halten Dr. Schachts festlegen.

Minderheitenfrage gewidmet waren. An die Verlesung des von Bovet-Schweiz vorgelegten Berichtes des zuständigen Aus­schusses schloß sich eine längere Diskussion, an der sich Ver­treter Deutschlands, Polens, Englands, Italiens, Hollands, Frankreichs, Ungarns und Palästinas beteiligten. Darauf wurde ein Vorschlag des französischen Delegierten Dumas angenom­men, die Minderheitenfrage dem Institut für internationales Recht zu unterbreiten, damit dieses eine internationale Kon­vention vorbereite. Die Konferenz nahm sodann den Bericht der Kommission sowie eine Entschließung an, wonach der Völ­kerbund einen Ausschuß von Sachverständigen ernennen solle, die in möglichst weitem Umfange die europäische öffentliche Meinung vertreten. Dieser Sachvcrständigen-Ausschuß soll die Aufgabe erhalten, unverzüglich nach der besten und schnellsten Lösung der Minderheitenfrage in ihrer Gesamtheit zu suchen. Darauf erklärte die Konferenz ihre Arbeiten für beendet.

Deutsch-französische Zusammenarbeit

... am Bau einer drahtlosen Station für den Völkerbund.

Das Völkerbundsekretariat veröffentlicht folgende Mitteilung: _ ... ,. _. ..

über die Kosten eures Baues einer für die Dienste des Völkerbundes bestimmten Station für drahtlose Tele­graphie hatte der Generalsekretär des Transitausschusscs an verschiedene Gesellschaften eine informatorische An­frage gerichtet, um die von der letzten Pölkcrbnnd- vcrsammlung verlangten ergänzenden Angaben zu er­halten. In Beantwortung dieser Anfrage hat der General­sekretär des Transitausschnsses einen Vorschlag erhalten, der von der Allgemeinen Gesellschaft für drahtlose Tele­graphie in Paris »nd von der Berliner Gesellschaft Telcfunkcn gemeinsam ausgestellt worden ist. Dieser Vorschlag, dem eine genaue Beschreibung der für den Völkerbund bestimmten radiotclcgraphischen und radio- telephonischen Zentralstelle beigegeben ist, sicht eine längere technische Zusammenarbeit der deutschen und der französischen radio-elektrischen Industrie vor., Eine der­artige Zusammenarbeit erschien diesen Gesellschaften an­gesichts des internationalen Charakters des Dienstes, der für den Völkerbund fidiergefteUt werden soll, zweckmäßig.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* In Berlin wird die Denkschrift der SUIiieriat «N tat Einwendungen gegen die deutschen Vorbehalte in bezug auf die Reparationen zurzeit einer genauen Nachprüfung untertvorfen.

* In Berlin ging eine Mutter mit drei Kindern freiwillig in den Tod. In Düsseldorf erschoß ein Mann feine Fra« und seinen Sohn und tötete sich dann selbst.

* Der entthronte König Aman Ullah von Afghanistan ist nach Bombay in Britisch-Jndien gereist und beabsichtigt, seine Flucht nach Europa von dort aus sortzusetzen.

* In Mexiko kam es zu blutigen Studentenkrawalle«; ein Student wurde getötet, mehr als 30 wurden verwundet.

Hoesch bei Briand.

Nochmaliger Dank für Frankreichs Zeppelinhilse.

Der deutsche Botschafter von Hoesch hat den fran­zösischen Außenminister Briand aufgesucht, um ihm Mit­teilung zu machen von der glücklichen Heimkehr des Luft­schiffesGraf Zeppelin" und ihm bei dieser Gelegenheit nochmals den Ausdruck des Dankes für die tatkräftige Hilfeleistung der französischen zuständigen Stellen zu er­neuern.

Der Botschafter hat ferner amtlich Kenntnis von dem Rücktritt des deutschen Delegierten im Sachverständigen- ausfchutz, Dr. Albert Vögler, und von seiner Er­setzung durch Geheimrat Kastl gegeben.

Gesetzentwurf über Aenderungen in der Arbeitslosenversicherung.

Weiteres aus der Sitzung des Reichskabinetts.

Auf der Tagesordnung der Sitzung des Reichs­kabinetts stand im weiteren Verlauf der Entwurf eines Gesetzes über Änderungen in der Arbeitslosenversicherung. Beschlüsse wurden nichr gefaßt. Zeitungsmeldungen, die von einer Beitrags­erhöhung sprechen, sind unrichtig.

Ferner wurde die Frage eines Ministerver­sorgungsgesetzes eingehend erörtert. Auf der Grundlage dieser Beratungen werden die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen in die Wege geleitet werden.

Ministerbesprechung über Paris.

Nach Schluß der Kabinettssitzung fand lautBerliner Tage­blatt" noch eine Minister-Besprechung über die Pariser Ver­handlungen statt, die nach einer Pause um 9 Uhr fortgesetzt wurde.

Das sozialdemokratische

Wehrprogramm abgeändert.

Die vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei einge­setzte Wehrprogramm-Kommission trat am Freitag in Magde­burg nochmals zusammen und nahm unter Berücksichtigung von Vorschlägen Otto Bauers-Wien an dem seiner Zeit veröffent­lichten Entwurf einige Aenderungen vor. Der Abschnitt III der Richtlinien hat in seinem entscheidenden Teil folgende Fassung erhalten:Der wirksamste Schutz der deutschen Repu­blik beruht auf einer deutschen Außenpolitik, die auf die Ver­ständigung der Völker und die Erhaltung des Friedens gerich­tet ist. Noch droht aber die Machtpolitik imperialfftischer und faschistischer Staaten mit konterrevolutionären Interventionen mit neuem Kriege. Deutschland kann als Aufmar^gebiet miß­braucht und mutwillig in widrige Verwicklungen hineinge- zogen werden. Solange diese Gefahren bestehen, braucht die deutsche Republik eine Wehrmacht zum Schutze ihrer Neutrali­tät und der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Errungen­schaften der Arbeiterklasse."

Abschnitt II, der von der Abrüstung handelt, lautet jetzt: Eine Verpflichtung der deutschen Republik, die ihr auferlegten Rüstungsbestimmungen ohne Rücksicht aus ihre politische und militärische Zweckmäßigkeit auszuschöpfen, erkennt die sozial­demokratische Partei nicht an. Sie fordert den planmäßigen Abbau der militärischen Rüstungen Deutschlands aus eigenem Willen unter Berücksichtigung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und finanziellen Verhältnisse."

Aman Allahs Nicht nach Europa. Englands Roll«.

Wie schon kurz gemeldet wurde, hat der vo« feinern Gegenkönig verdrängte König Ama« Ullah das Gebiet Afghanistans verlassen und hat sich mit seiner Gemahlt« über de« britisch-indischen Ort Tschaman nach Bomb«» begeben. Er soll beabsichtigen, von Bombay aus seine Flucht sortzusetzen und sich nach Europa zu begeben.

Vor seiner Abreise nach Tschaman hatte Aman Ullah die Engländer um Aufenthaltserlaubnis auf indischem Gebiete gebeten. Diese Erlaubnis wurde ihm aber nur in bedingter Weise erteilt, da die Engländer, die keineswegs Freunde Aman Ullahs find, bei längerem Aufenthalt in Indien offenbar seine dau­ernde Einflußnahme auf die afghanischen Verhältnisse be­fürchten. Wohl nicht mit Unrecht. Somit hat England einstweilen gesiegt, denn der ganze innere Kampf in Afghanistan ist ja im Grunde nichts anderes als ein Ringen zwischen Rußland und England um die Vorherrschaft, wobei die einzelnen Thronprätendenten nur vorgeschobene Puppen darstellen.