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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- unö Haunetal §ulüaer Kreisblatt Re-aktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 * Fernfprech-Rnschluß Nr. 98» Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit (Huellenangabe .Zuldaer sinzelger'gepattet.

Fulda, Donnerstag, 6. Juni

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6. Jahrgang

Freitag Unterzeichnung in Paris.

Die einigen Sachverständigen.

^nde der Pariser Reparationskonferenz.

Das Gutachten der Pariser Sachverständigen wird voraussichtlich am Freitag unterzeichnet werden. Da die Verhandlungen der Sachverständigen sich bisher in zwang­loser Form abgespielt haben, darf man annehmen, daß auch der Akt der Unterzeichnung sich ohne besondere Formalitäten vollziehen wird. Am Mittwoch fand in Paris noch eine Reihe von Besprechungen und Sitzungen der Unterausschüsse der Sachverständigen statt, insbeson­dere über die Frage der Zentralbank für inter­nationale Zahlungen und über die Sachlieferungen.

Die belgische Frage ist jetzt geregelt. Es stèht nun­mehr fest, daß auch die belgischen Sachverständigen den Bericht unterschreiben werden, nachdem der "Brief Dr. Schachts an Owen Young den Weg geebnet hat. Die bel­gische Frage dürfte auch in irgendeiner Form in dem Sach­verständigenbericht Erwähnung finden. In dem Bericht wird anscheinend der Sachverständigenausschuß feststellen, daß auf Grund des erwähnten Briefes des Führers der deutschen Gruppe er die Berechtigung zu der Annahme entnähme, daß die belgische Markfrage geregelt sein werde, bevor der neue Zahlungsplan in Kraft trete.

Die letzte Feile.

Der Redaktionsausschuß der Reparationskonserenz ist Tag unb Nacht eifrig damit beschäftigt, den Bericht abzuschließen, der den Regierungen zugehen soll. Die Sonderausschüsse, von denen sich der eine mit der Rege­lung der Sachlieferungen, der andere mit der Organisation der Internationalen Bank beschäftigt, haben die Ausarbeitung der entsprechenden Texte, die nach Zu­stimmung des Redaktionsausschusses in den allgemeinen Bericht ausgenommen werden sollen, beendet. Man hofft, daß der endgültige Text des Gesamtberichtes Donnerstag abend vorliegen wird, und daß die Sachverständigen in der Lage sein werden, ihn am Freitag vormittag zu unterzeichnen.

Keine Veröffentlichung in deutscher Sprache?

Der Young-Plan soll, wie französische Blätter melden, in französischer und in englischer Sprache ver­öffentlicht werden. Diese Nachricht muß zum mindesten als verfrüht bezeichnet werden, wenn nicht als falsch. Die deutsche Delegation hat beantragt, daß auch ein offizieller deutscher Text hergestellt werde. Eine Entscheidung in dieser Frage ist von der Reparationskonferenz noch nicht getroffen worden.

Die Verteilung der Young-Annuitäten.

wtb. Paris, 6. Juni. DerPetit Parisien" will berich­ten können, daß die Verteilung der Durchschnittsannuität des Young-Planes von 1988,8 Millionen RM. unter die Gläubigerstaaten in dem Bericht der Sachverständigen fest­gesetzt wird für Frankreich auf 1039, Großbritannien 418, Italien 211, Belgien 115, Vereinigte Staaten 66, Japan 13 Millionen RM. Der Rest werde zu verschiedenen Pro­zentsätzen auf Südslavien, Rumänien, Griechenland, Polen und Portugal verteilt.

Der Bericht der Neparationssachverständigen. Die Frage der Unterzeichnung und Veröffentlichung.

wtb. Paris, 6. Juni. DieChicago Tribune" berichtet: Der französische und der englische Text des Berichts der Sachverständigen wird wohl kaum vor Freitag nachmittag vollständig vorliegen. Man beschäftige sich zur Zeit auch mit der Frage, in welcher Reihenfolge die Unterzeichnung vorsichgehen solle. Man nimmt an, daß nicht Owen Young als Vorsitzender, wie man erwarten könnte, als erster unterzeichnet, daß vielmehr die Reihenfolge der Län­der nach dem französischen Alphabet maßgebend sein würde, und daß also die Delegierten Deutschlands zuerst unter­zeichnen würden. Weiter erörtert man die Frage der Ver­öffentlichung des Berichts. Man sucht darüber Klarheit zu schaffen ob eine Abschrift des.Berichts der Reparationskom­mission den Botschaften und Gesandtschaften der kleinen Eläubigermächte übermittelt werden soll, die an der Frage der Verteilung interessiert sind. Allgemein wird angenom­men, daß der Bericht noch am Abend des Tages der Unter­zeichnung der Presse übergeben werde. ~

Die Rheinlandfrage.

wtb. London, 6. Juni. Pertinax meldet demDaily Telegraph" aus Paris: Briand hat dem Ministerrat in sei­ner letzten Sitzung erklärt, daß in Madrid äußerste Zurück­haltung bewahrt werden sollte. Es ist indessen selbstver­ständlich, daß Briand mit Dr. Stresemann über die neue Lage, die durch eine einstimmige Annahme des Sachverstän- Ligen-Berichts entstehen wird, einen Meinungsaustausch haben und daß er die Notwendigkeit betonen wird, dem sogenannten Versöhnungsausschuß für die entmilitarisierte Rheinlandzone Gestalt zu geben. Der Korrespondent be­richtet weiter, daß Briand auch die französische Auffassung über die strittige Frage einer Beibehaltung des Ausschusses über 1935 hinaus, die in einer Denkschrift niedergelegt wor­den ist zum Ausdruck bringen wird, er will wissen, daß eine Denkschrift derselben Art vom Foreigen Office in London vorbereitet worden ist. Es gilt, so schließt Pertinax, als wahrscheinlich daß eine Konferenz veranstaltet werden wird ähnlich der im August 1925 in London abgehaltenen, in der damals die Räumungsfrage erörtert worden war.

Aufbruch in Paris.

Ein Teil der Delegierten hatte schon seine Koffer gepackt, als kaum noch ein Zweifel war, daß es zu einer Einigung auf der Pariser Konferenz kommen würde. Jetzt rüsten sich auch die anderen noch übriggebliebenen zur Abfahrt, da man auch das letzte Hindernis wenigstens aus dem Wege geräumt, wenn auch vorläufig noch nicht ganz aus der Welt geschafft hat. Es fehlen also in Paris selbst nur noch die offizielle Fertigstellung des Gesamt­protokolls und die Unterschriften der Mitglieder dieser Sachverständigenkonferenz, die gar manches Mal zu scheitern drohte und auch gescheitert wäre, wenn die deutsche Delegation nicht immer durch weites Entgegen­kommen das auf einer Klippe festsitzende Schiff wieder flottgemacht hätte.

Ein solches Entgegenkommen bedeutet auch die Art, wie durch deutsches Zugreifen jenes letzte Hindernis weg- geräumt worden ist, nämlich die Frage der Markentschädi­gung an Belgien. Aus der ursprünglichen Ablehnung durch die deutsche Delegation wurde jetzt der Vorschlag, den vor einigen Tagen Dr. Schacht in einem Briefe an den Präsidenten der Konferenz gemacht hat, worin jene Frage der Markentschädigung direkten Verhandlungen zwischen der Berliner und der Brüsseler Regierung über­lassen werden soll; diese Verhandlungen hätten sofort zu beginnen und müßten noch vor Inkrafttreten des Young- Planes abgeschlossen sein. Fetner wurde mitgeteilt, daß die deutsche Regierung für diesen Zweck bereits einen Sonderbevollmächtigten ernannt habe und daß man hoffe, die zurzeit bestehenden Mißverhältnisse" zu beseitigen. Diese Anregung ist nun angenommen worden und die Verhandlungen werden in Brüssel oder in Paris alsbald beginnen. Deutschland hat aber sein Entgegenkommen noch insofern fortgesetzt, als es den Belgiern die formelle Zusicherung gab, man werde deutscherseits keine Forde- Tungen auf belgische Gegenzugeständnisse in territo­riale r Beziehung stellen. Das zielt ab auf die in letzter Zeit vielbesprochenen früheren Verhandlungen zwischen Dr. Schacht und dem Belgier Francqui übrigens beide jetzt Delegierte auf der Pariser Konferenz wegen Lösung dieser Markentsckiädiaunasfraac in einem für

Giresemarms Reise nach Madrid.

/ Reparationskonserenz im Haag?

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat seine Reise zur Völkerbundtagung nach Madrid angetreten. Die Reise geht über Paris, wo ein Aufenthalt von wenigen Stunden vorgesehen ist. Stresemann wird ihn zu einer Besprechung

Der Große Saal des Senatspalastes in Madrid, in dem die nächste Tagung des Völkerbundrates stattsindet.

mit den deutschen Sachverständigen und dem Botschafter Dr v Hoesch benutzen. In Madrid nimmt die deutsche Delegation im Hotel Palace Wohnung. Ter Aufenthalt dort wird voraussichtlich bis zum 18. Juni dauern. In der Hauptstadt Spaniens wird der Termin für die politische Reparationskonserenz und deren Tagesordnung verein­bart werden. Als Konferenzort soll der Haag in Aussicht genommen fein.

Macdonald übernimmt die

Kabinettsbildung.

Neue Negierung in wenigen Tagen.

Macdonald, der in Windsor vom König in Audienz empfangen worden ist, hat den Auftrag zur Regie­rungsbildung übernommen. Bei seiner Ankunft cm Schloß Windsor wurde er von dem Hvfmarschall des Königs empfangen und nach dem Krankenzimmer geleitet, das er nach einer halben Stunde mieber verließ.

Das Nationalkomitee der Arbeiterpartei ist in London zusammengetreten. Die Besprechungen sind vorbereiten­der Art für die gemeinsame Beratung mit dem Voll­zugsrat der Unterhauskommission der Arbeiterpartei, auf der Ramsay Macdonald Beicht erstattet. Die Neubildung der Regierung wird nach der amtlichen Betrauung Mac­donals mit aller Beschleunigung dürchgeführt und aller Voraussicht nach in wenigen. Tagen beendet werden.

Belgien günstigen Sinne, aber freilich unter der Vor­bedingung, daß in dem Gebiete von Eupen-Mal- medy, das uns durch den Versailler Vertrag auf Grund einerVolksabstimmung" merkwürdigster Art entrissen war, nun eine zweite, aber wirklich unabhängige Ab­stimmung der Bewohner darüber stattfinden sollte, ob sie zu Belgien oder wieder zurück zu Deutschland kommen wollen. Die letzten belgischen Wahlen haben bewiesen, daß sich dann sicherlich ein für Deutschland günstiges Resultat einer solchen Abstimmung ergeben hätte.

Die ungefähr sechs Milliarden Papiermark, die an­geblich nach Abzug der deutschen Truppen aus Belgien dort unter der Bevölkerung zurückgelassen sein sollen und die später gänzlich kontrollos, sogar bis 1924, von der belgischen Regierung eingelöst wurden, sollten 1925 an­läßlich jener Verhandlungen und unter der Vorbedingung, daß die Abstimmung stattsinden würde, mit 240 Mil­lionen Mark von der deutschen Regierung eingelöst werden. Frankreich ist es gewesen, das in diese schon sehr weitgehenden Verhandlungen eingriff, die Sache ver­öffentlichte und damit zum Scheitern brachte. Was Bel­gien jetzt verlangt und worin es wieder von Frankreich aufs eifrigste unterstützt wird, ist eine Zahlung von jähr­lich 25 Millionen Mark bis 1966, also 37 Jahre hindurch, was einen augenblicklichen Kapitalswert von 400 Mil­lionen ausmachen würde, also nicht nur beträchtlich mehr als die 1925 geforderte Summe, sondern erhöht noch durch das deutsche Zugeständnis, keinerlei Absichten auf Eupen-Malmedy vorzubriugeu. Und schließlich noch ganz außerordentlich beschwert durch die Vereinbarung, daß nur eine Einigung zwischen beiden Regierungen die Ent­scheidung darüber bringt, ob der Young-Plan überhaupt in Kraft tritt oder nicht. Die grundsätzliche Bereitwillig­keit der deutschen Regierung, die Verpflichtung zu einer Entschädigung anzuerkennen, soll übrigens bereits vor­liegen, während daran erinnert werden muß, daß einem ähnlichen Verlangen der rumänischen Regierung bei den Anleiheverhandlungen im vergangenen Jahre erfolgreich Widerstand geleistet werden konnte. Auch Polen ist mit derartigen Forderungen nicht durchgedrungen.

Wie hoch sich nun dieses deutsche Zugeständnis finan­ziell ausdrücken wird, wie hoch also die künftigen deutschen Gesamtjahreszahlungen werden, kann erst genau durch diese kommenden Verhandlungen entschieden werden; fest steht heute nur, daß Sonderzahlungen an Belgien er- solgen und daß dadurch die deutschen Verpflichtungen, wiè sie der abgeänderte, aber endgültige Young-Plan fest­gesetzt hat, noch weiter erhöht werden.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat sich nach Madrid zur Teilnahme an den Völkerbundberatungen begeben.

* Am Freitag wird die Unterzeichnung des Gutachtens durch die Sachverständigen in Paris stattsinden.

* Macdonald hat den Auftrag zur Regierungsbildung über­nommen.

* Der Vesuv ist wieder in Tätigkeit und hat Riesenmassen von glühender Lava ausgeworfen.

Das neugewählte Parlament tritt am 25. Jnni zu­sammen, doch wird die erste Woche lediglich mit der Er­ledigung von Formalitäten ausgefüllt sein. Erst in der darauffolgenden Woche wird das Parlament mit einer Thronrede, die das Programm der neuen Regierung be­kanntgibt, formell eröffnet werden. Infolge des Regie­rungswechsels dürften die neuen Minister nicht vor Ab­lauf einiger Wochen in der Lage sein, gesetzgeberische Vor­schläge zu unterbreiten. Deshalb wird sich das Parlament voraussichtlich Ende Juli vertagen und erst zu Beginn des Herbstes seine Arbeiten wieder aufttehnicn.

Lord LLeciw Abrüstungsrede.

Im Reichstag zu Berlin.

Auf Einladung des Komitees für internationale Aussprache hielt der englische Politiker Lord Robert Cecil im Reichstag zu Berlin einen Vortrag über die Abrüstung. Im Saal bemerkte man u. a. die Reichsminister Dr. Wirth und von Guerard, den preußischen Kultus­minister Dr. Becker, den früheren Reichskanzler Dr. Luther, den Reichstagspräsidenten Löbe, den eng­lischen Botschafter und zahlreiche Parlamentarier.

Lord Cecil ging aus von der Notwendigkeit, die Herabminderung der Rüstungen auf dem Wege eines internationalen Abkommens durchzuführen. Nur dauernde und allgemeine Herabsetzung der Rüstungen habe einen ernsthaften Wert für den Frieden. Eine moralische Verpflichtung der größten europäischen Staaten znr Abrüstung könne nicht angezweifelt werden. Das Vorhandensein der großen Heere werde zur Be­drohung der internationalen Sicherheit und zur Schädi­gung des Kredits und des Vertrauens, auf das sich der moderne Handel stütze. Mißtrauen und Furcht seien die fruchtbarsten Quellen des Krieges. Ebenso groß wie das übel einer unbeschränkten Aufrüstung seien die Vorteile einer Herabminderung der Rüstungen: Geldersparnis, Erfüllung der Vertragsverpflichtungen, Beschwichtigung des internationalen Mißtrauens und bamit ein ent­schiedener Schritt auf dem Wege des Friedens. Zum Schluß verlangte der Redner zunächst ein Abkommen zur Abrüstung der Flotten.

Fauanischer Passagierdampser durch Feuer zerstört.

wtb. Tokio, 6. Juni. Ein japanischer Dampfer mit 700 Passagieren an Bord soll auf der Fahrt nach Kamtschatka durch Feuer zerstört worden sein. Einzelheiten sind nicht bekannt