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Zulöaer Anzeiger

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Nr. 134 1929

Fulda, Dienstag, 11. Juni

6. Jahrgang

König Fuad I. in Deutschland.

AndeMrgbegrWAegyptknMoig

Einzugsfeierlichkeiten in Berlin.

"r Die erste feierliche Begrüßung König Fuads 'durch ^die Reichsregierung fand in Singen an der Reich>-grenze statt. Hierher waren dem König der Ver- t r et er desReiches, Reichsminister a. D. Rosen, und Der E h r e n d i e n st, bestehend aus Generalmajor v. Bock, Oberstleutnant V. Tiedemann und Gesandschaftsrat Doktor Elce, entgegengefahren. Die Fahrt ging dann in dem von Der Reichsbahn bereitgestellten Sonderzug weiter nach Berlin.

Die Ankunft in Berlin.

Fünf Minuten vor 10 Uhr erscheint, lebhaft begrüßt, der Reichspräsident, begleitet von Staatssekretär Meißner und Oberstleutnant von Hindenburg, in der Halle des Lehrter Bahnhofs. Punkt 10 Uhr läuft der S 0 n d°e r - z u g des Königs unter den Hochrufen der Menge in Die Halle. Vor dem breiten Mittelstück des 'roten Empfaugsteppichs hält der Salonwagen, dem der König unter den Salutschüssen der E h r e n b a t t e r i e entsteigt. Er wird hieraus vom Reichspräsidenten begrüßt, worauf die Vorstellung der Begleitung des Reichs­präsidenten und des königlichen Gefolges erfolgt. Dann begrüßt der König die Mitglieder der ägyptischen Gesandt­schaft. Am Ende des Bahnsteigs haben die Vertreter D^er Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung Aufstellung genommen. Man steht unter ihnen den Reichskanzler, den Reichstags- Präsidenten Löbe, die Reichsminister Gröner, Severing, Curtius, Dr. Wirth, Gucrard, Stegerwald, den preußi­schen Ministerpräsidenten Braun, den Oberbürgermeister Böß und den Chef der Heeresleitung, Heye.

Hindenburg und König Fuad schreiten die Ehren- kompagnic ab.

In dem Augenblick als der Reichspräsident mit König --«---AriM^tzkjr .Sahuhossvokplatz betritt, ertönen Kommaudo- rufë. Die E h r e n k 0 m p a g n i e der Reichswehr, die gegenüber bcm festlich geschmückten Bahnhofsvortal Auf­stellung genommen hat, präsentiert das Gewehr. Gleich­zeitig setzt die Musikkapelle mit der ägyptischen K ö - u i g s h y m n e ein, die Anklänge an einen frideriziani- schen Marsch anfwcist. Sie leitet über in das Deuts ch- l a n d l i c d. Langsam schreiten Hindenburg und König Fuad die Front ab. Hierauf bestieg der König mit dem Reichspräsidenten den bereitgcstelltcn Wagen und fuhr, von Kavallerie eskortiert, durch die ebenfalls geschmückten Feststraßen zum P r i n z - A l b r e ch t - P a l a i s , wo er während seines offiziellen Aufenthaltes Wohnung gc- nommen hat.

Bei der Ankunft im Palais Prinz Albrecht wurde der König vom Chef des Protokolls Vortragenden Legations­rat Graf Tattenbach begrüßt.

Rachmittags stattete der König mit Gefolge dem Reichspräsidenten seinen Besuch ab^ Nach dem Besuch des Reichskanzlers fand der Empfang des Diplomatischen Korps durch den König statt. 1 Ein Diner beim Reichs­präsidenten mit anschließendem großen Zapfen- st r c i ch beschloß den ersten Tag der Empfangsfestlich- kciten.

Zum Besuch König Fuads.

wtb. Berlin, 11. Juni. Anläßlich des zu Ehren König Fuads veranstalteten Essens wies Reichspräsident von Hindenburg in einem Trinkspruch unter anderem auf die alte Kultur Aegyptens hin, die zu erforschen die deutschen Gelehrten sich angelegen sein ließen, was wesentlich dazu

Mm die Rheinlandräumung.

Gerüchte über wichtige Konferenzen. 1 RheinlandsräumungskonferenzimJuli? |

Havas berichtet aus Madrid, daß in den Wandel- gängen des Völkerbundrats das Gerücht im Umlauf ge­wesen sei, die Außenminister Deutschlands, Eng­lands und Frankreichs beabsichtigten E n d e I u l i in Baden-Baden zusammenzutresfen, um die Frage der Rheinlandräuntung zu regeln.

Besuch Briands bei Stresemann.

wtb. Madrid, 11. Juni. Briand stattete gestern nach­mittag Stresemann einen längeren Besuch ab.

Briand über die Zurückziehung der Rheinlandtruppen.

wtb. Paris, 11. Juni. Der nach Madrid entsandte Sonderkorrespendent derC h i c a g 0 T r i b u n e" meldet, daß der fraitZösische Außenminister Briand Reichsaüßen- minister Dr. Stresemann habe wissen lassen, daß er mit ihm eine private Begegnung verabreden wolle unter zwei Bedingungen, nämlich erstens, daß keinerlei Entscheidung über die Zurückziehung der alliierten Truppen aus dem Rheinlande in Abwesenheit eines für derartige Verhand­lungen besonders beglaubigten Vertreters der neuen eng­lischen Regierung geführt werde. Der englische Botschaf­ter, Sir George Graham, sei lediglich nominell der Ver­treter der englischen Regierung. Briand wolle, daß man eine Zusammenkunft der Vertreter der englischen und der belgischen Regierung abwarte, bevor man Entscheidungen treffe. Zweitens, er empfehle eine internationale Konfe­

beigetragen habe, die Beziehungen zwischen Deutschland u. Aegypten auszubauen. Er drückte ferner dem König seine Genugtuung aus, daß der deutsche Kaufmann dank der ägyptischen Gastfreundschaft tätigen Anteil an den wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern nehmen dürfe. In seiner Antwort dankte König Fuad für den herzlichen Empfang, worin er ein neues Zeichen für die

Reichspräsident von Hindenburg mit seinem Gast, König Fuad, beim Einzug in Berlin.

Freundschaft erblicke, die beide Länder verbinde, und sprach sich anerkennend über die Tätigkeit der deutschen Gelehrten und Kaufleute in Aegypten aus.

*

König Fuads Lebenslauf.

£ König Fuad wurde am 26. März 1868 im Palais Glich in Kairo als Sohn des Khediven Jsmau Pa,qa geboren. Im Alter von zehn Jahren kam er nach der Schweiz (er will ie auch jetzt wieder besuchen), um in einem Genfer Pensionat eine Studien zu beginnen. Er ging dann nach Turin, ab- olvierte dort die Militärakademie und wurde als Artillerie­leutnant (Garnison Rom) in die italienische Armee aus­genommen. Mit dem Range eines Oberstleutnants der ägyptischen Armee wurde er später als Militärattache der türkischen Botschaft in Wien zugeteilt. Dann wurde er zum Generaladjutanten des Khediven und zum kommandierenden General einer ägyptischen Division ernannt. Plötzlich aber verzichtete er auf feine militärische Laufbahn, legte alle seine Ämter nieder, zog sich vom politischen Lben zurück und be­gann sich für alle kulturellen Aufgaben Ägyptens zu inter­essieren. Er gründete die erste ägyptische Universität, die Geographische Gesellschaft, unterstützte mit reichen Geld­mitteln Zeitungen, Zeitschriften und andere literarische Unternehmungen und stand in einem lebhaften Bricfverkehr mit verschiedenen französischen und italienischen Schrift­stellern und Journalisten. Alle Ägypter, selbst solche, die heute im Lager der Opposition stehen, bezeugen einstimmig, daß Fuad immer ein aufrichtiger und hilfsbereiter Freund aller Intellektuellen Ägyptens war.

Gleich feinem Bruder Hussein Kiamil, dem er in der Regierung folgte, führte er nach seinem Regierungsantritt den Titel Sultan. Ägypten war ja, seitdem die Engländer im Dezember 1914 die türkische Oberhoheit für ansgehoben erklärt, den türkenfreundlichen Khediven Abbas II. Hilmi ab- qesctzt und dessen gefügigen Onkel als Sultan eingesetzt hatten, ein britisches Protektorat. Erst im März 1922, nach dem Siege der von dem Bauernsohn Zaghlul Pascha ge­führten ägyptischen Unabhängigkcitspartci. verzichtete Eng­land auf das Protektorat, worauf Fuad I. als .neuer Pharao" den Königstitel annahm.

renz im Juli oder August, ohne einen Verhandlungsort vorzuschlagen. Frankreich würde mit London einverstan­den sein, wenn die englische Regierung diesen Vorschlag machen sollte. Außer Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und Japan würden folgende Länder Delegierte entsenden: Polen, Rumänien, Südslavien und wahrschein­lich Oesterreich und Ungarn, da Fragen Mr. die Nachfolge­staaten zu regeln seien. Die amerikanische Regierung würde ebenfalls eingeladen werden und mit Rücksicht auf sie scheine die Wahl Londons als Verhandlungsort beson­ders günstig. In der Zwischenzeit würden Pläne für die Zurückziehung der alliierten Besatzungstruppen vorberei­tet werden, so daß das deutsche Gebiet entsprechend dem Poung-Plan. falls er angenommen werde, am 1. Septem­ber von fremden Truppen befreit sein könnte.

Die deutsch-französischen Verhandlungen u. Besprechungen.

wtb. Paris, 11. Juni. Die Zeitungen, die durch Son­derkorrespondenten in Madrid vertäten sind, bringen heute einheitliche Berichte zum Abdruck, in denen eine strenge Unterscheidung zwischen deutsch-französischenVerhand­lungen" über die Folgen des Reparationsberichtes und über die Rheinlandräumung undBesprechungen zwischen Dr. Stresemann und Briand" gemacht wird. Die Blätter beschränken sich darauf,Verhandlungen" zu dementieren undBesprechungen" gelten zu lasten. Sie bemühen sich jedoch, ebenso einheitlich zu begründen, daß in diese Be­sprechungen die Saarfrage nicht hineingehören würde, da sic nichts mit Reparationen zu tun habe. Es scheint, daß der in Madrid weilende Außenpolitiker desMat in"

die Möglichkeit für eine Verhandlung auch über die Saar­frage offen lasten will, denn er zählt sozusagen die Schwie­rigkeiten einer solchen Verhandlung nur auf, um anzu­deuten, daß Frankreich, wenn diese Schwierigkeiten be­friedigend gelöst würden, einer Behandlung auch der Saar­frage nicht viel entgegenstellen würde. Er schreibt: Könne man, ohne bis 1935 zu warten, es Deutschland ermöglichen, die Saarbergwerke zurückzukaufen? Ties wäre vielleicht möglich, wenn es sich nur um Zahlen handeln würde. Aber würde man, wenn man Deutschland für die kommen­den 6 Jahre bereits die restlose wirtschaftliche Oberhoheit über das Saargebiet wiedergeben würde, nicht den Grund­satz der Volksabstimmung verfälschen? Die französische Industrie und der französische Handel erzielten aus ihren Geschäftsbeziehungen mit dem Saargebiet große Gewinne. Könne man von ihnen verlangen, daß sie ohne Entschädi­gungen 6 Jahre früher darauf verzichteten? Die Schwie­rigkeiten seien so groß und so augenscheinlich, daß Dr. Stre­semann es ohne Zweifel vorziehen werde, mit Briand nicht einen Gesprächsgegenstand in Angriff zu nehmen, über den Briand ihm mit dem besten Willen kaum eine nützliche Antwort geben könne. Die Festftellungs- und Ausgleichs­ausschüsse für das Rheinland und das Tempo der Räu-1 mung feien dagegen Probleme, die die Vertreter der beiden am meisten interessierten Mächte sehr wohl durchsprechen könnten, bevor diese Frage den Gegenstand einer Debatte aller Mächte abgäbe, die auf der kommenden politischen, Konferenz ihr Wort mitzureden hätten. j

Die politischen Richtlinien Macdonalds.

wtb. London, 11. Juni. In einem längeren Aussatz > über die politischen Richtlinien Maydonalds schreibt der politische Korrespondent desDaily H e r a l d", Macdo- { nald habe von seinen Vorgängern zwei glänzende Möglich-: feiten für hervorragende persönliche Erfolge geerbt: das Reparationsabkommen und Präsident Hoovers Vorschlag zur Verminderung der Seerüstungen. Die Freunde Mac­donalds erklären, daß er zu der Praxis internationaler Konferenzen und privater Besprechungen zurllckkehrt, die von Sjr Austen Chamberlain nach Locarno aufgegeben worden war. Macdonald wird keine Mühen scheuen, um zu erreichen, daß die Seeabrüftungskonferenz wahr­scheinlich im Juli oder August in London abgehalten wird. Der Korrespondent glaubt sagen zu können, daß nach Ansicht Macdonalds und seiner Kollegen die Rhein­landräumung im September beginnen und bis zum 10. Januar nächsten Jahres beendet werden könnte und fügt hinzu, die britischen Truppen dürften jedenfalls zurückge­zogen werden ohne Rücksicht darauf, ob Frankreich ober Belgien bereit sind, ihr eigenen Kontingente auch zurück- zuzi'ehen. In dieser Frage würden die Sozialisten bestimmt nicht nur die Unterstützung der Liberalen Partei, sondern auch vieler konservativer Gruppen haben. Der Korre­spondent sagt ferner, was die Abrüstungsfrage betrifft, so sei es höchst unwahrscheinlich, daß der britische sozialistische Delegierte für die vorbereitende Abrüstungskonferenz das Zugeständnis Lord Cushcnduns in der Frage der Nicht­berücksichtigung ausgebildeter Reserven aufrecht erhalten wird.

Sie Anlagen zum Noong-plan.

DieBank für internationale Zähln«gen"*'

Der amtliche Wortlaut der Anlage« zu» D 0 u « g - B e r i ch t ist ebenso wie eine Sonderdesk- schrift der Sachverständigen der Hauptgläubigerländer über die Kriegsfchuldzahlungen veröffentlicht worden. Es handelt sich hierbei zunächst um die Richtlinien für bèe Organisation der «Bank für international«

Unterzeichnung des Sachverständigcnberichts in Paris.

1. Dr. Schacht, 2. Owen Young, 3. Moreau (Frankreich).

3 a> Inn gen*. Ws der 3toed der Bank wird die Schaffung zusätzlicher Möglichkeiten für den internatir "mleu Kapitalverkehr und eines brauchbaren Werkzeuges zur Förderung der internationalen finanziellen Beziehun­gen bezeichnet. Sie soll an einem später zu bestimmenden Finanzplatz ihren Sitz haben. Ihr Kapital wird 100 Millionen Dollar betragen, wovon vorläufig jedoch nur ein Viertel einzuzahlen ist. Neben den an den Repara­tionen interessierten Ländern dürfen sich nur Länder be' Eiligen, welche zur Zeit der Emission von Anteilen eine uns einer Gold- ober Golddeviscnbasis stabilisierte. Wahrung besitzen.