Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer Mzeigrr

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monat» sich 2 Mark. Bei Lieferungsbehinderungen durch ^höhere Gewalten", Streiks, Bussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Bnsprüche. Verlag Frieörich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 1600-

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- unö Haunetal Zul-aer Kreisblatt Re-aktlon un- Gesthästsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-Rnsthluß Nr.»-»

Nachdruck der mit * »ersehenen Nrütel nur mit <6yeUenangabe .ZulSaer pnatigrr'grftattrt

7d»zetgenpreis: Für Behörden, Genossenjchast. ten, Banken usw. beträgt die ttleinzetle 0^0 M^ für auswärtige Bustraggeber 0.25 M., für 6fa , Reklamezelle 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk^ Reklamezelle 0.60 Mark Bei Rechnungsstri» fang hat Zahlung innerhalb S Tagen zu «fol» gen Tag- und platzvorfcheisten unverbindlich.

Nr. 135 1929

Fulda, Mittwoch, 12. Juni

6. Jahrgang

Besichtigungsfahrten König Fuads.

König Fuad im Tempelhofer Flughafen.

König Fuad besichtigte Dienstag vormittag die An­lagen des Tempelhofer Flughafens. Zur Be- grüßung hatten sich u. a. Reichsverkehrsminister Steger­wald sowie Staatssekretär Gutbrod und der Dirigent der Luftfahrtabteilung im Reichsverkehrsministerium, Mini­sterialrat Brandenburg, eingefunden. Nach einer kurzen Begrüßung fand eine Führung durch die Anlagen des Flughafens statt. Der König wurde sowohl bei seiner An- wie bei seiner Abfahrt vom Publikum lebhaft begrüßt.

Frühstück beim Reichstagspräsidenten.

Am Mittag folgte König Fuad einer Einladung des Reichstagspräsidenten L ö b e zu einem Frühstück. An dem Frühstück nahmen teil u. a. Mitglieder der verschiedenen Reichstagsfraktionen und die Reichsminister Curtius, Severing, Stegerwald und Wirth.

Am Nachmittag besichtigte der König in Anwesenheit des Reichspräsidenten das Zeughaus, wo er in der Gedenkhalle einen Kranz niederlegte. Ferner fand ein Tee und ein

Empfang in der staatlichen Porzellanmanufaktur statt. Ein Vertreter des preußischen Handelsministeriums begrüßte den König und überreichte ihm einen kostbaren Blumenkorb, ein seltenes altes Stück mit reicher Malerei und Goldornamenten, nach einem Entwurf von Schinkel. Den Tag beschloß ein

Diner des Reichskanzlers, an dem auch der Reichspräsident teilnahm.

Keine Ordensverleihungen.

Wie verlautet, haben sich die beteiligten Stellen des Deutschen Reiches und des ägyptischen Königshofes be­reits vor der Ankunft König Fuads in Berlin dahin ver- ständigt, daß aus Anlaß des Berliner Staatsbesuches Seitab keine Auszeichnungen vornehmen. also

] keinerlei O r densverleihungen erfolgen sollen. I Maßgebend für diese Verständigung sind die Erörterungen gewesen, die sich gelegentlich des vorjährigen Königs­besuches aus Afghanistan ergeben haben.

Kleine Zeitung für «Kgr Leser

- * König Fuad von Ägypten besichtigte bei seinem Besuch in Berlin den Flughafen Tempelhof und bie Staatliche Porzellanmanufaktur sowie das Zeughaus.

* Auf der Madrider Ratstagung kam es zu einem Rede­duell zwischen Briand und Dr. Stresemann über das Minder­heitenproblem.

* Im Rogens-Jakubowski-Prozetz beantragte Oberstaats­anwalt Dr. Weber gegen August Rogens die Todesstrafe.

Der Kampf

Rededuell Stresemann-Vriaud

Briand weicht aus.

Der Fackelzug zu Ehren König Fuads vor dem Palais des Reichspräsidenten.

Vr. Stresemann an den ägyptischen Außenminister.

Madrid. Reichsminister Dr. Stresemann hat dem ägyptischen Außenminister Dr. Hafez Afifi Bey, der König Fuad auf seiner Reise durch Deutschland begleitet, tclc graphisch sein Bedauern darüber ausgesprochen, während des Besuchs des Königs nicht in Berlin anwesend sein zu können Er hat gleichzeitig den ägyptischen Außenminister gebeten, dem König zu seinem Aufenthalt in Deutschland, der in so gltzck Tcher Weise die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Ägypten zum Ausdruck bringe, die besten Wünsche 51t übermitteln. _

schäftigte sich in seiner Diens- uw...... ..... der Lösung des Minderheiten-

Problems. Die Sitzung war im wesentlichen ausgefüllt mit einem Rededuell zwischen Briand und Dr. Stresemann. Während Briand für den Beschluß des Dreicrausschufses eintrat, der dahin geht, daß der Völker­bund nur von Fall zu Fall sich mit Minderheitenfragen beschäftigen sollte, kämpfte Dr. Stresemann dafür, dce,e Frage noch nicht zum Abschluß zu bringen andern zu­nächst zu vertagen. Dr. Stresemann nahm Veranlassung, die Beschlüsse des Dreierkomitees einer starken Kritik zu unterziehen und darauf hinzuweisen, daß alle deutschen Anregungen trotz wiederholten Eingreifens des deutschen Vertreters unberücksichtigt geblieben sind «r kam noch­mals aus die deutschen Anregungen zurück, we m der Sicherung der Minderheiten durch den Volkerbundrat und Einsetzung eines eigenen Organs zur .Beobachtung der Lage der Minderheiten sowie der Hlnzuztehung der bisher ausgeschlossenen, mit den Beschwerdeführern stammver­wandten Staaten zu dem Dreierkomttee gipfeln. Unter­stützt wurde Dr. Stresemann in der Ratssitzung lediglich durch den Vertreter Kanadas, so daß er den anderen Mächtevertretern gegenüber einen außerordentlich schweren

Der Völkerbundrat bei

tagssitzung abermals mit

nach

Minderheiten.

Besprechung zwischen Dr. Stresemann und Vriand.

Die iveitere Behandlung der Minderheitenfrage.

Die angekündigte Besprechung zwischen Reichsaußen- Minister Dr. Stresemann und dem französischen Außenminister Briand hat Dienstag nachmittag von 3 bis 6 Uhr am Sitz der französischen Delegation statt- gcfundcn. Die beiden Staatsmänner begaben sich darauf im gleichen Kraftwagen zur Sitzung des Ratskomitces. Man will wissen, daß die Besprechung auch der weiteren Behandlung der Minderheitenfrage gegolten habe.

Havas über die Unterredung StresemannBriand.

wtb. Paris, 12. Juni. Ueber die gestrige Unterredung Dr. Stresemann mit Briand berichtet der Madrider Havas- Vertreter unter anderem: Obwohl über die Unterredung der beiden Minister nichts durchgesickert ist, kommt man zu der Annahme, daß Stresemann diese Begegnung benutzt hat, um sich über gewiße Probleme, die Deutschland und Frank­reich besonders interessieren, auszulassen.

Pariser Blätter über die Besprechung

Dr. StresemannBriand.

Großes Aufsehen hat es in politischen Krebsen erregt, daß eine für Montag abend angesetzt gewesene Aussprache zwischen Briand und Stresemann plötzlich von dem fran­zösischen Außenminister abgesagt wurde mtt der Begrün­dung, daß er infolge anderer Verpflichtungen ^ine Zeit für einen Besuch bei Stresemann habe. IN unterrichteten Kreisen wird darauf hingewiesen daß diese Absage aber aus anderen Gründen erfolgt ist. Briand soll nämlich ver­suchen, einer Unterredung mit Stresemann so lange wie möglich auszuweichen, denn m dieser Unterredung sollen im Anschluß an die Pariser Sachverstandlgenkonfe- renz wichtige internationale Fragen erörtert werden.

Schon vorher hat Briand durch das offiziöse fran- zösische Havasbureau für seine Zurückhaltung ^ lassen. Denn in einer Havasdepesche war behauptet wor- ' " spanischen Hauptstadt die Besprechung der Politik, die mit dem Völkerbund nicht un-

wtb. Paris, 12. Juni. Außenpolitiker desM a t

Der in Madrid anwesende

a t i n äußert sich zu den Bespre-

den, daß in der spanischen Hauptstadt Die rveipre^uug un internationalen Politik, die mit dem Völkerbund nicht un­mittelbar zusammenhänge, unmöglich Ware, wen oer eng­lische Außenminister fehle. Briand soll zwar bereit fern, sich über den Zeitpunkt und den Ort der kommenden großen politischen Konferenz mit Stresemann zu verständigen, in­dessen soll er es ablehnen, irgendwelche Bindungen bezüg­lich der Tagesordnung für diese Zusammenkunft ernzu- gehen. Er will es vor allem vermeiden, die F r a g c d er R h e i n l a n d r ä u m u n g anzuschneiden, die Frankreich erst dann behandelt haben möchte, wenn die von den fran­zösischen Politikern immer wieder geforderten Kontroll- Wünsche im Rheinland auch nach der Räumung geregelt

worden Lud-

chungen, die Dr. Stresemann und Briand in Madrid über außerhalb der Tagung des Völkerbundsrates liegende Themen hatten, unter anderem: Es wäre bedauerlich, wenn die beiden Außenminister ihre Mußestunden nicht benutzen würden, um schon jetzt das Terrain zu erforschen und kost­bare Zeit zu gewinnen. Keine Regierung könne ihnen das übelnehmen, wenn es durch ihre Initiative möglich sein werde, in der Zukunft falsche Manöver und Umwege zu ersparen. Die Endentscheidung bleibe vollkommen frei, aber man müsse genau wissen, was eine Begegnung im Gefolge habe, und man müsse die Nachteile kennen, die sich für Frankreich aus unnützen Verzögerungen ergeben könn­ten. Bunt mindestens eine Entscheidung könne der Mei­nungsaustausch herbeiführen, nämlich den anderen inter­essierten Mächten schon jetzt Ort und Zeitpunkt des Zusam­mentritts der politischen Konferenz vorzuschlagen und die technischen Vorarbeiten hierfür zu beschleunigen.

Der Sonderberichterstatter desI 0 u r n a I in Madrid berichtet über die gestrige Unterredung Strese­mannBriand, es scheine, daß Dr. Stresemann, um die künftigen Verhandlungen nicht zu verwickeln, darauf ver­zichtet habe, schon jetzt über das politische und finanzielle Problem des Saargebiets zu verhandeln. Briand würde auf eine derartige Behandlung auch nicht eingegangen sein, obwohl es sich um eine besonders Frankreich und Deutsch­land interessierende Frage handele.

Moderne Krauensragen.

Von Dorothee Goebeler.

Vom 17. bis zum 24. Juni tagt in Berlin der Kongreß des Weltbundes für Frauen- stimmrecht und staatsbürgerliche Frauen­arbeit. Nach fünfundzwanzig Jahren hält er wieder eine Sitzung in der deutschen Reichshauptstadt ab. Und wieder, wie 1904, werden von allen Seiten die Frauen herbeiströmen, ihn zu besuchen. So manche, die vor fünf­undzwanzig Jahren als junge, blühende Frau voller »Hoffnungen und Entwürfe" neue Ideale, neue Pläne verfocht und vertrat, kommt heute, älter aber spricht man bei Frauen vom Alter? also sagen wir reifer geworden, wieder und steht, selbst eine andere, vor einem völlig andernFrauengeschlecht. Was in den ersten Ein­fängen nur Traum zu sein schien, was vielfach als Über­spanntheit, als Utopie, wenn nicht verlacht, so doch be­lächelt wurde, es ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Die Frau in der großen Masse, die damals noch sagte:Ach, laßt mich mit Politik zufrieden!", der es höchst gleichgültig war, ob sie das Stimmrecht hatte oder nicht, die hat in­zwischen nur zu bitter am eigenen Leibe erfahren müssen, wie sehr die Politik auch die Frau angeht: sie ist Staats­bürgerin geworden, und was das Stimmrecht bedeutet, macht ihr jede neue Wahl von neuem klar. Sehr viel be­wußter ihrer Stellung im Staat und ihrer Pflichten in der Volksgemeinschaft ist die Frau heute als damals, die Frau im kleinsten Ort so gut wie die in der Weltstadt. Und so findet dieser neue Frauenkongreß auch in der gesamten Frauenwelt sein Echo.

Eine Versammlung aller geistig bedeutenden Frauen der Zeit wird es sein, die sich in Berlin zusammenfinden. Aus Deutschland senden Hamburg, Köln, Bochum, Leipzig, Dresden, Halle, Eisenach und noch viele andere Städte Vertreterinnen. Wir lesen neben Adele Schreiber- Krieger und Dorothee von Velsen, neben Klara Mende und Dr. Gertrud Bäumer die Namen Josephine Erkens, Dr. Ruth Weiland, Else Mehring, Anna von Gierke, Dr. Marie-Elisabeth Lüders und die noch vieler anderer be­kannter Frauen. Aus Amerika, Holland, der Tschechoslowakei, aus Indien und aus Ägypten fommen Frauen. Wer kann sie alle aufzählen?

Wichtigste Fragen werden in den Sitzungen der ein­zelnen Ausschüsse beraten. Miß Ruth Morgan aus New- York leitet den für Frieden und Völkerbund. Adele Schrei­ber-Krieger und Margarete Peters aus Halle beschäftigen sich in ihrem Ausschuß mit der Lage der unverheirateten Mutter und der ihres Kindes. In andern Abteilungen berät man die gleichen Arbeitsbedingungen für Mann und Frau, in einem weiteren die Familienzulagen, die der Staat den Kinderreichen geben soll, die gleiche Moral für Mann und Frau wird gefordert. Sittlichkeitsfragen werden im Ausschuß für weibliche Polizei beraten werden. Die Staatsangehörigkeit der Ehefrau wird einen weiteren beschäftigen. So tauchen tausend Fragen auf, die tief hineingreifen in das Leben der Frau, in das Leben der Völker aller Welt. Wer kann sich ihnen verschließen?

Als vor fünfundzwanzig Jahren der Frauenkongreß in Berlin tagte, waren noch kaum einmal die deutschen Frauen für die Notwendigkeit ihrer Erörterung durch Frauen gewonnen, heute kommen sogar die Frauen des Orients, um bei ihrer Beratung mitzuIelfen oder doch wenigstens dabei zu sein. In der Türkei, in Indien, in Ägypten, überall sind die Frauen erwacht und wollen heraus aus den Schleiern, die nicht nur ihr Gesicht, die auch ihre Seele verhüllen und sie abschließen vom Ge­schehen und Erleben der Welt.

Aber nicht nur die Frauen kommen, auch die Jugend ist lebendig und geschäftig und hat ihre Grup- Pen zusammengerufen, um au der Tagung teilzunehmen. Die Töchter stehen heute neben den Müttern und kümmern sich um das Geschick der Welt. Es geht dabei um ihre eigene Zukunft, das wissen sie alle. Sie stehen nicht mehr daneben alsjunge Mädchen", die sich um die tieferen Seiten des Lebens nicht zu kümmern haben, deren Dasein ausgefüllt ist mit Tanz und Spiel, sie wissen auch schon, um was es geht und daß es um Letztes und Höchstes, um ihr eignes Letztes und Höchstes, geht.

Diese Frauenwoche in Berlin wird der Welt zeigen, was die Frau für die Entwicklung der Völker bedeutet und daß diese ohne sie und ihr Mitwirken heute überhaupt nicht mehr zu denken ist.

Graf Julius Andraffy gestorben.

Graf Julius Andraffy, der frühere Innenminister und letzte Innenminister der österreichisch-ungarischen Mon­archie, ist nach einer Rierenoperation in einem Budapester Sanatorium gestorben.

Julius Andraffy war ein Sohn des hervorragenden ungarischen Staatsmannes Julius (Gyulas Andraffy, der im Oktober 1879 mit Bismarck das Deutsch-Österreichische Bünduis schloß. Der jetzt verstorbene Graf, der ein Alter von 69 Jahren erreicht hat, stand feit mehr als vier Dezenten in der ungarischen Politik an führender Stelle.