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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal *§ulâaer Kreisblatt

Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Rnschluß Nr. 984

Nachdruck der mit * versehenen stelltet nur mit «Quellenangabe .Zulâaer Fnzeiger'gestattet.

Skr. 157 1929

Fulda, Montag, 8. Juli

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6. Jahrgang

Veutschlandr Recht aus Räumung

: Abbau der Aheinlandbesahuna?

j Militär gegen Politik.

Im Englischen Unterhaus haben sich bei der Debatte über die Thronrede die Redner sowohl der Regie­rungsparteien wie die der Oppositioni n selte n er Ein­mütigkeit für eine sofortige, und zwar nicht staffel- weise, sondern von England, Frankreich und Belgien gleichzeitig auszuführende Räumung der be­setzten Gebiete ausgesprochen. In allen Reden kam zum Ausdruck, daß Deutschland ein Recht aus die Räumung habe, da es seinen Verpflichtungen aus dem Vertrag von Versailles nachgekommen sei.

; England hat, wie es scheint, bereits die ersten vorbereitenden Schritte für eine Räumung getan. Wenn auch noch keine Befehle zum Abbau bei den Besatzungsbehörden vorliegen, so sind doch die geplanten Herbstübungen der englischen Truppen im besetzten Gebiet vorläufig aufgeschoben ' worden.

Weniger scheint sich Frankreich mit dem Gedanken einer Zurückziehung der Truppen bereits vertraut gemacht zu haben, denn eine bei den heutigen Verhältnissen doppelt eigenartige Forderung

i hat die französische Besatzungsbehörde an das Wohnungs- ' amt der Stadt Zweibrücken gerichtet. Unter der An­gabe, daß das Garnisonlazarett zu klein sei, verlangt die

1 Besatzung, daß die Stadt zehn Wohnungen zu je ; zwei bis drei Zimmern bereitstellen soll. Nach den An-

gaben der Franzosen seien diese Wohnungen für offiziere bestimmt, die bisher ein Gebäude der i

: Unter- Kaserne

bewohnt hätten; das Gebäude müsse zur Erweiterung des Lazaretts in Anspruch genommen werden. Die Bereit- ; stellung der Wohnungen wird in kurzer Frist ver- gt, obwohl die Wohnungsnot in Zweibrücken groß ist.

Das steht allerdings so ans, als hätten die m i l i - ; tärischen Behörden Frankreichs noch nichts von den i politischen Räumungsverhandlungen gehört. Oder ' st e l l e n sie sich nur taub, weil ihnen der Gedanke nicht j in ihren Kram patzt?

' iflill

hatte nun der Außenminister Henderson erklärt, die eng­lische Regierung sei darauf bedacht, das Rheinland so früh als möglich zu räumen, und zwar nicht stufen- oder staffelweise, sondern gänzlich, weil ein nur allmäh­liches Hinausgehen der Besatzungstruppendem Interesse des europäischen Friedens nicht entspreche". Außerdem habe Deutschland ein Recht auf Räumung, weil es alle Bedingungen des Versailler Vertrages e r f ü l l t habe.Ich glaube, wir sollten versuchen, die französische und die belgische Regierung zu veranlassen, die Räumung mit uns vorzunehmen. Ich habe keinen Grund zu der Annahme, daß von der französischen oder der belgischen Regierung einer vollständigen Räumung irgendwelche unüberwindlichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Das Parlament kann versichert sein, daß wir alles tun werden, was wir können, und daß vor allen Dingen der ganze moralische Druck, der zu unserer Verfügung steht, auf der kommenden Reparationskon­ferenz angewendet werden wird, um eine schnelle und ein­mütige Entscheidung zugunsten der Räumung zu erzielen." .

An diesem englischen Ministerwort wollen mir Deutsche nicht drehen und deuteln. Der neue englische Außenminister Henderson bat im Unterhaus nicht ver­heimlicht, daß Frankreich und Belgien in dieser Frage erst einmal zu dem englischen Standpunkte bekehrt werden müssen. Er hat aber ausdrücklich ausgesprochen, daß seine Regierung es versuchen wolle, die französische ebenso wie die belgische Regierung dazu zu veranlassen, diesen Schritt der Rheinlandräumung gemeinsam mit England zu tun, hat die Enttäuschung als verständlich erklärt, die in Deutschland Platz greifen würde, wenn die Räumung auf­geschoben oder nurbrockenweise" erfolgen würde. Aber sein Vorgänger und Gegenredner, Chamberlain, hat nicht zu Unrecht darauf hingewiesen, daß Deutschland nichts da­bei gewinnen würde, wenn die englischen Truppen zurück­gezogen, Frankreich und Belgien aber sich nicht demselben Achritt anschließen würden.

Das Echo, das Henderson in Paris gefunden hat, er­mutigt nun aber nicht zu der Hoffnung, daß man sich dort und in Brüssel ohne weiteres der englischen Anschauung über die Rheinlandräumung anschlietzen wird. Selbst in linksstehenden Pariser Blättern wird hinsichtlich der Aus­

Kleins Zeitung für eilige Leser

* Zur Förderung des Honigabsatzes hat sich ein Reichsaus­schuß für Bienenzucht gebildet.

* Im Englischen Unterhaus sprachen sich sowohl die Redner oer Regierungsparteien wie die der Opposition für sofortige Räumung der besetzten Gebiete aus.

* In Paris haben die deutsch-polnischen Verhandlungen über die mit der Staatszugehörigkeit verknüpften Rechte be­gonnen.

* In New-Orleans kam es anläßlich eines Ausstandes der -Straßenbahner zu schweren Zusammenstößen zwischen den Streikenden und der Polizei.

Räumen! Räumen!

; Als vor fünf Jahren Macdonald englischer Minister- ! Präsident war, vermochte er es dem französischen Minister- 1 Präsidenten Herriot gegenüber nicht durchzusetzen, daß die ; Londoner Konferenz, auf der man sich über den Dawes- 1 Plan einigen wollte, ohne weiteres dazu führen müßte, die Franzosen zum sofortigen Abmarsch aus dem von

! ihnen besetzten Ruhrgebiet zu veranlassen. Die Eng­länder haben ja damals den Vormarsch der Franzosen

und Belgier in das unbesetzte deutsche Gebiet hinein nicht . mitgemacht; deutscherseits glaubte man aitdj, allerhand i Andeutungen des englischen Botschafters in Berlin, Lord I d'Abernon, trauen zu dürfen, daß England seinen Ein- ( fluß einsetzen würde, Frankreich und Belgien aus dem Ruhrgebiet hinauszubugsieren. Diese Annahme hat sich

j als allzu optimistisch herausgestellt, weil Chamberlain mehr Gewicht darauf legte, die guten Beziehungen zu

! Frankreich nicht zu stören, als dem bedrängten Deutsch- ' land zu Hilfe zu kommen.

Jetzt ergibt sich eine ähnliche Lage aus den Aus­führungen, die der Nachfolger Chamberlains, der eng- ( lifche Außenminister Henderson, ein Mitglied der I Arbeiterpartei, im Unterhaus gemacht hat. Die dortige ! allgemeine Aussprache über die englische Politik hat ( natürlich sehr oft das Verhältnis zu Deutschland berührt, I und dabei stand die Frage der Räumung der besetzten , Gebiete ganz im Vordergrund. Im Verlauf der DeLatte (-

führungen des englischen Außenministers stärker betont, daß England kein isoliertes Vorgehen beabsichtige, also " rkung, daß die englische Regierung die Räu- so behandeln wolle, wie man das in Paris

daß England kein isoliert! die Einschränkung, daß die

mungsfrage so behandel, und Brüssel beabsichtige.

Und selbstverständlich sprechen

sich die politisch rechts oder gemäßigt stehenden französi­schen Blätter sehr scharf gegen die Ausführungen des eng­lischen Außenministers aus. Man versteift sich dort nach

wie vor darauf, daß Deutschland zum mindesten die Ein­setzung einerFeststellungs- und Vergleichskommission zur Überwachung der neutralen Zone" zulassen müsse, d

er

natürlich nun die französischen Rechtsparteien sehr weit­gehende Befugnisse übertragen wollen.Sie müßte die Möglichkeit und die Mittel haben, die Rheinbrücken zu zer­stören, ohne die ein überraschender Einbruch der deutschen Kräfte in das französische Gebiet unmöglich ist/

Leider haben die letzten politischen Ereig -

n

vor allem der von der Mehrheit der

Kammer getragene Wunsch, die Genehmigung des Young- Planes abhängig zu machen von gewissen Voraussetzun­gen, bei denen auch solche Sicherungsmaßnahmen eine er­hebliche Rolle spielen, gerade in den letzten Tagen wieder bewiesen, daß Frankreich keineswegs auf dem Standpunkt der unbedingten Rheinlandräumung steht. Dieser Forde­rung gegenüber bedeutet nun das, was der englische Außenminister im Unterhaus ausgeführt hat, eine ganz außerordentliche Stärkung des deutschen Standpunktes und infolgedessen möchte man hoffen, daß diesmal Englands Vertreter auf der kommenden Konferenz nicht wieder zurückweichen wird vor dem, was französischerseits verlangt wird.

Lieber die Grenze der Leistungsfähigkeit belastet.

Die Landwirtschaft zum Young-Plan

Die im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft vereinigten landwirtschaftlichen Spitzenverbände haben zu Vorschlägen der Pariser Sachverständigen- konf^renz folgende Stellung genommen:

Im Bericht der Pariser Sachverständigenkonferenz vom 7. Juni 1929 sind den beteiligten Regierungen Vor­schläge für eine vollständige und endgültige Regelung des Reparationsproblems unterbreitet worden. Ohne zu der grundsätzlichen Frage der Reparationsforde­rungen überhaupt Stellung zu nehmen, hält der Reichs- ausschuß der deutschen Landwirtschaft an dem Grundsätze fest, daß Reparationszahlungen nur im Rahmen der L e i st u n g s f ä h i g k e i t der deutschen Wirtschaft mög­lich sind.

Tie im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft vereinigten Spitzenverbände halten sich für verpflichtet, ihrer Überzeugung Ausdruck zu geben, daß die int Young - Plan der deutschen Wirtschaft zugemuteten Leistungen, für deren Bemessung nicht die wirtschaft­liche Prüfung der Leistungsfähigkeit Deutschlands, son­dern politische Gesichtspunkte ausschlaggebend ge- wesen sind, und zu denen noch die ständig steigende Ver­zinsung und Tilgung der vonDeutschland aufgenommenen Anleihen hinzukommt, über d i e Leistugsfähig- k e i t der deutschen Wirtschaft weit hinausgehen.

Die L a n d w i r t s ch a f t ist unter der Herrschaft des Dawes-Planes in eine immer drückender werdende un­produktive Neuverschnldung hinabgeglitten, deren Höhe sich mit dem Betrage der an die ausländischen Gläubiger Deutschlands abgeführten Zahlungen un­gefähr deckt. Sic ist infolgedessen schon über die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit hinaus belastet und unter den gegenwärtigen Produktionsbedingungen nicht imstande, weiterhin unmittelbare und mittelbare Reparationslasten, insbesondere nicht durch weitere Eingriffe in die Sub­stanz, zu tragen.

Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft er­wartet daher von der R e i ch s r e g i e i u n g , daß sie diesen Tatsachen bei ihrer Entscheidung über den Bericht der Pariser Sachverständigenkonferenz und insbesondere auch bei den diplomatischen Verhandlungen Rechnung tragen und keine Verpflichtungen und Regelungen an­nehmen wird, die nicht der Leistungsfähigkeit der deut­schen Wirtschaft und den besonderen Verhältnissen der.deutschen Landwirtschaft entsprechen."

Diese Stellungnahme der deutschen Landwirtschaft wurde heute durch den Präsidenten des deutschen Land­wirtschaftsrates, Dr. h. c. Brandes, der Reichsregierung zur Kenntnis gebracht.

Die deutschen Rhodes-Stipendien erneuert

Eine Rede des Prinzen von Wales.

Anangenehme Antworten.

England und Amerika wollen anders als Frankreich.

Der französische Minister des Äußern Briand hat den englischen Botschafter Lord Tyrrell empfangen, der ihm eine Verbalnote über den Young-Plan überreicht.

Im Anschluß an diesen Schritt des englischen Bot­schafters veröffentlicht die Agentur Havas folgende Mit­teilung: Sowohl nach den Mitteilungen der anderen interessierten Mächte als auch nach dem heutigen Schritt ^ord Tyrrells scheint es, daß man im Begriff ist, sich für die Einberufung der Konferenz auf die ersten A ugusttage zu einigen. Was andererseits den Tagungs o r t betrifft, so hält die englische Note, wie ver­lautet, an dem Standpunkt der englischen Regierung fest und schlägt demgemäß nochmals London vor. Die Verfahrensfrage soll bisher nur in unbestimmter Form ins Auge gefaßt worden fein; es wird jedoch bekannt, daß die englische Regierung sich den französischen Vorschlägen über eine Prüfung der der Konferenz zu unterbreitenden Probleme in mehreren Etappen nicht a n g e s ch l o s - scn hat.

Keine Verknüpfung der Schulden- und Tributstcage.

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die französische Regierung missen lassen, daß Amerika das Abkommen mit der Kriegsentschädigung s- frage verbinde.

Das RegierungsblattHerald" meldet, die amerika­nische Regierung wünsche nicht, daß die Vereinigten Staaten sich amtlid) an der zukünftigen internationalen Ausgleichsbank beteiligten.

Mordanschlag auf den bulgarischen Ministerpräsidenten?

Feuerüberfall mit 20 Schüssen.

Auf der Straße KritschimPlowdiw (Philippopel) __be in der Nacht ein Regierungsauto, in dem sich der Präfekt des Bezirks Plowdiw und einige höhere Beamte befanden, von Banditen überfallen, die etwa 2 0 S ch ü s s e gegen das in voller Fahrt befindliche Auto abgaben. Der mit der Leitung des persönlichen Sicherheitsdienstes be­traute Beamte wurde von den Kugeln getroffen und e r - lagseinenVerletzungen. Während man auf der einen Seite sich für einen gewöhnlichen Raubüberfall aus- spricht, verlautet auch, daß der Anschlag dem b u l g a - rischen Ministerpräsidenten, der kurz vorher in seinem Auto die Stelle passiert hatte, gegolten habe.

wurde

Sie Länderkonferenz für AeichSjuffiz.

Die Zuständigkeitsfrage zwischen Reich und Ländern. -

Der Unterausschuß der Länderkonferenz hat nach zweitägiger Beratung seine Arbeiten beendet, die ihren '>tederschlag im wesentlichen in einigen Abänderun­gen des im Juni erschienenen Referates über die Ab­grenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern gesunden hat. In der stark umstrittenen Frage, ob die Justiz b e m Reich überwiesen werden soll, ist mit sechs gegen fünf Stimmen die Überweisung angenommen worden.

Der bekannte englische Kolonialpolitiker Cecil Rhodes, der im März 1902 gestorben ist, vermachte in seinem Testament große Summen zu gemeinnützig, Zwecken und stiftete insbesondere zahlreiche Stipendu zum Besuch der Universität Oxford. Fünf dieser Sti­pendien wurden für deutsche Studenten bestimmt. Dieser Tage fand nun in L o n d o n ein Essen der Rhodes-Trcu-

[en en

Händer statt, auf dem der Prinz von Wales zu be­merkenswerten Ausführungen das Wort ergriff.

Eine der wichtigsten Tatsachen," so sagte er.ist die Er neuerung der deutschen Stipendien. In unserer Mitte befinden sich einige alte deutsche Rhodes- Studenten. Wir begrüßen ihre Rückkehr nach Oxford auf das herzlichste. Ich selbst habe heute das Vergnügen ge- habt, einem vormaligen RhvdeS-Studcnten, den ich seit 1914 nicht mehr gesehen hatte, die Hand zu drücken. In diesem Gebäude und in den Eollcgcs finden sich auf den Ehrenlisten die Namen deutscher Rhodes-Studenten, die im Kriege gefallen sind, und das ist ein Beweis, daß diese Stiftung sich nicht auf irgendwelche engherzigen Rache­gefühle gründet und daß ihre Ideale derart sind, daß ihnen alle folgen können, indem sie Feindschaften der Ver­gangenheit vergessen und Freundschaften erneuern. Das ist cs, was wir Oxford-Leute heute tun."

Auf diese Worte des Prinzen antwortete unter stür- hem Beisall Professor Brinkmann - Heidelberg,

arischem

indem er betonte, daß die Beziehungen zwischen den eng­lischen und den deutschen Universitäten bereits feit einiger Zeit wiederausgenommen worden seien und daß èin wenn auch vorläufig noch beschränkter Austausch von eng­lischen und deutschen Studenten seit einigen Jahren er­folgreich durchgeführt werde. Bei den meisten inter­nationalen wissenschaftlichen Kongressen hätten die deut­schen Professoren ihre englischen Kollegen als zuverlässige und weitherzige Freunde und Anhänger bei der Wieder­herstellung internationalen wissenschaftlichen Verkehrs gefunden.