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Fuldaer Anzeiger

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Nr. 160 1929

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6. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 11. Juli

Ueber Länder und Meere.

AS TMSSMflWM Mill Zmier" wieder WfgetMlht.

DerPathfinder,, auf dem Weiterflug nach Nom.

Das Flugzeug hat nach einigen Stunden den wegen Brennstofsknapphelt unterbrochenen Flug AmerikaRom wieder ausgenommen.

Die Etappe Old OrchardSantander hat 31% Stun­den in Anspruch genommen. Die Flieger, deren Haltung nach Havas in ihrer ruhigen Selbstverständlichkeit den Eindruck vermittelte, daß die Ozeanüberquerung nunmehr eine Tatsache wird, die keine außergewöhnliche Bedeu­tung mehr beanspruchen kann, berichteten, daß während des Fluges der Wind nicht ungünstig, dagegen die Sicht derart schlecht war, daß das Flugzeug die Azoren über- ,flog, ohne daß die Besatzung die Inseln zu Gesicht besann Dreimal geriet das Flugzeug in schwere Böen, wobei die Schutzplattte über dem Benzinbeyälter zum Teil ab­gerissen wurde. Die Landung in Spanien ging im wesent- lickiewglatt vonstatten.

Pathfinder" am Ziel.

wtb. Rom, 11. Juli. Das OzeanflugzeugPathfinder" ist gestern abend in Rom gelandet.

Wieder aufgetaucht ist auch das FlugzeugU n t i n Bowlei", das sich auf dem Fluge von Chikago nach Berlin befindet und von dem man mehrere Tage nichts gehört hatte.

Das Flugzeug ist Dienstag am frühen Morgen auf eisbedecktem Wasser in der Nähe von Bort Burwell an der Hudsonbai gelandet. Die Flieger hatten zwei Nächte und einen Tag auf einem einsamen Felsen etwa 40 Meilen südlich von Pvrt BurwcÜ verbracht, um das Fallen des Nebels abzrnvartcn.

FlugkoloßDo. X

Das größte Flugschiff der Welt

Vor dem Probeflug.

Das FlugschiffDo. X" wird voraussichtlich schon Donnerstag vom Bodensee aus starten. Mit dem Ein­fliegen des neuen Lustriesen ist der Chefpilot Wagner betraut. Am Doppclstener soll Flugzeugführer Fath sitzen. So wichtig die Tüchtigkeit der Piloten für den Ausfall der Versuchsflüge auch ist, so besteht doch das voll­kommen Neue des Flugschiffes darin, daß es mit der Allein- Verantwortung des oder der Piloten bricht und an ihre Stelle die Schiffsbesatzung mit dem Kapitän als verant- wortlichc» Schiffssührcr setzt Denn die Besatzung besteht aus einem Kapitän, einem Offizier, zivei Piloten, einem Ingenieur, vier Maschinisten, einem Funker, einem Koch und einem Steward.

Der Lustriese, der von zwölf Motoren zu je 525 Pferdestärken angetrieben wird, der 40 Meter lang, 10 Meter hoch ist und eine Spannweite von 48 Metern hat. wird 16 000 Liter Benzin und 1500 Kilogramm Ol zum Antrieb der Motoren gebrauchen. Es soll mit dem Flugzeug, das eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilo­metern in der Stunde und eine Reisegeschwindigkeit von 190 Stunden Kilometern entwickeln wird, ein Maß von Sicherheit erreicht werden, wie es kein anderes bis­her bestehendes Flugzeug auch nur annähernd auszu- weisen vermag. Italien soll bereits ziveiDo. X" be­stellt haben, für Deutschland ist ein Flugboot in Auftrag gegeben.

Dr. Dornier, der Leiter der Werke, die das Flugzeug erbaut haben, betonte in einer Ansprache, daß dieser Typ noch lange nicht das Ozeanflugzeug darstellc. Mit diesem Flugzeug solle auch nicht der längst geplante Ozeanver­kehr eingerichtet werden, das selbstDo. X" nur eine Etappe bedeute. Auf Grund seiner zwei Jahrzehnte langen Erfahrungen sei er zu der Überzeugung gekom­men. daß die Vergrößerung der Abmessungen die Sicher­

Ein drcimotoriges Sowjetflugzeug in Berlin eingetroffen.

Das dreimotorige SowjetverkehrsslugzcugFlügel der Sowjets", das in Moskau unter Führung des Sowjetflnqzengpiloten Gromew gestartet war, ist Mitt- ^^M Tempelhofer Flughafen in Berlin gelandet. Zur Begrüßung der Flieger waren u. a. erschienen: der Botschafter Krestinski und Vertreter des Auswärtigen Amts und des Reichsverkehrsministeriums. Die Flieger werden sich einige Tage in Berlin aufhalten, um dann über Paris nach Rom und von dort über Wien und Warschau zurück nach Moskau zu fliegen.

Sverige" nach Grönland unterwegs.

wtb. Reykjavik, 11. Juli. Gestern nachmittag ist das ! FlugzeugSverige" abermals in Richtung Grönland auf- gestiegen.

Der Dauerflug-Weltrekord.

wtb. Culver City (Kalifornien), 10. Juli. Das Flug­zeugAngelano" mit den Fliegern Mendell und Reinhart an Bord, befand sich gestern abend bereits 200 Stunden in der Luft. Der Flug wird fortgesetzt.

*

Ein holländisches Militärflugzeug in die Nordsee gestürzt.

Bei Huisduinen ist das holländische Militärflug­zeug 547 aus größter Höhe in die Nordsee abgestürzt, wo es sofort im Wasser versank. Beide Insassen, ein Leut­nant und ein Sergeant fanden hierbei den Tod. Die Leiche des Sergeanten, der bei dem Aufprall auf dem Wasser einen Schädelbruch erlitt, ist geborgen worden.

A

Flugzeugunglück in Kanada.

Ein Schulflugzeug stieß in . Montreal bei einem Übungsflug auf wie Eroc auf und fing Feuer, wobei der Lehrer und der Schüler den Tod fanden.

heit wesentlich erhöhe und die Wirtschaftltchkett steigere. Bei dem neuen Flugschiff könnten die Piloten ihre ganze Aufmerksamkeit allein auf die Tätigkeit des Fliegens richten. Den technischen Teil übernehme ein Ingenieur. Er werde dabei unterstützt von einer Reihe von Spezialisten.

Zur Frage der Wirtschaftlichkeit verwies Dr. Dornier darauf, daß beute ohne staatliche Beihilfe nir-

Das RicsenflugbootDo. X" mit Pilot Wagner.

gends Luftverkehr betrieben werden könne und daß die Flugzeuge ihre volle Verwendungsmöglichkeit erst dann erreichen würden, wenn sie wirtschaftlich seien. Heute sei ,o gut wie keine Wirtschaftlichkeit vorhanden, Weil die Flugzeuge, sobald sie Strecken von niehr als 500 bis 600 Meilen zu überfliegen hätten, nur noch ihre B^-, satzung und den Brennstoff zu transportieren vermögen. Hier eine Verbesserung zu schaffen, sei neben der Er- oöhung der Sicherheit der zweite führende Gedanke bei dem Bau des Flussschiffes gewesen.

Zollmauer".

_ Bisher hat man gerade in Deutschland recht schlechte Erfahrungen gemacht mit der Wirkung oder vielmehr der Wirkungslosigkeit internationaler Wirtschaftskonferenzen. Denn diese Wirkungslosigkeit trat selbst dann zutage, wenn es sich um die Beratungen der Welt Wirtschafts­konferenzen handelte, wie sie unter der Ägide des Völker­bundes bereits mehrfach in Genf zusammengetreten sind. Es wurden dort ausgezeichnete Reden gehalten, es wurde betont" oderunterstrichen", wie notwendig es sei, im Interesse der Weltwirtschaft selbst endlich einmal dazu zu gelangen, daß dieZollmauern zwischen den einzelnen Ländern der Welt nicht immer nur erhöht, sondern weniger unüberwindbar gemacht werden. Bei diesen Besprechungen und Entschließungen ist praktisch ebensowenig herausgekommen wie auf der letzten Tagung der internationalen Wirtschaftskonferenz, die jetzt wieder, und zwar in Amsterdam, zusammengetreten ist. Die Zoll­mauern sind geblieben, gewachsen und breiter geworden und besonders die Pläne, die in den Vereinigten Staaten über die Vers chärfungderHochschutz- Zollpolitik bereits bis zu einem Gesetzentwurf ge­diehen sind, zeigen wieder aufs deutlichstc, daß weniger die Wirtschaftsführer als die Regierungen der Länder von den Beschlüssen internationaler Konferenzen über den Abbau der Zollpolitik nichts wissen wollen.

Deutschland nimmt infolge seiner Verpflichtung, den Dawes-Plan und vielleicht demnächst den Aoung-Plan auszuführen, eine besondere Stellung ein, auf die ebenso Dr. Schacht in Paris wie kürzlich Dr. Stresemann in Baden-Baden sehr scharf hinwies. Nur freie B e 1 ä t i- gungdesdeutschen Exports ermöglicht es, unter weniger schweren volkswirtschaftlichen Verlusten für Deutschland die Ausführung des Doung-Planes zu ver­suchen. Während auf der einen Seite ausländisches Kapital in breiten Wogen nach Deutschland hereinströmt, verhindern überall Hobe Zollmauern, daß die deutsche Wirtschaft durch Steigerung ihres Exports ihre wachsen­den Erzeugungsmöglichkeiten bis aufs letzte ausnutzt und dadurch das Einkommen der gesamten deutschen Volks- wirtschaße- 'erheblich steigert, aus diese Weise damit wenig­stens die Möglichkeit schafft, einmal seine Zablnngsver- Pflichtungen an das Ausland zu einem größeren Teil aus wirklichen Überschüssen seiner Wirtschaft zu erfüllen. Gewiß wird man sich in Amsterdam sehr eingehend über den Uoung-Plan und alles was damit zusammenhängt, unterhalten; haben sich doch gerade die Amerikaner aus dem Grunde so energisch dafür eingesetzt, die Pariser Konferenz nicht ergebnislos auseinandergehen zu lassen, weil der neue Zahlungsplan schwere Hemmnisse der wirt- schaftspolitischel Befriedung Europas beseitigen soll.

Tatsächlich hebt sich ja in ihren wirtschaftlichen Wir­kungen die gegenseitige zollpolitische Absperrung der einzelnen Staatèn und Völker auch gegenseitig aus: aber leider steht auch die zweite Tatsache fest daß sich gerade die wichtigsten Neparationsgläubiger Deutschlands be­sonders energisch absperren gegen die Aufnahme deutscher Waren.

Recht interessant ist cs übrigens auch noch, daß man in Amsterdam eine Delegation chinesischer W i r t - l ch a f t l e r erwartet, die Aufklärung geben soll über die derzeitige wirtschaftliche Lage in Chino und die dortigen Möglichkeiten für die Zukunft. Aus anderen Gründen freilich, aber doch mit derselben praktischen Wirkung wie in Rußland ist Eyina infolge seiner inneren Wirren wirtschaftlich stark heruntergekommen, und die Weltgütererzeugung vermag nach den großen Verlusten, die sie infolge des Ausfalls Sowjetrußlands erlitten hat und immer noch erleidet, einen auch nur ähnlichen Ausfall des 400-Millionen-Volkcs in China kaum noch zu ertragen. Aber gerade in China, wo sich die politischen Interessen­sphären drei oder vier verschiedener Völker kreuzen und überschneiden, ist cs die Politik die der Wirtschaft das Geschäft verdirbt, ist der Gcschäftsbovkott zu einem be­liebten politischen Kampfmittel geworden. Immerhin schafft die dort nun gewonnene nationale Einigung die Voraussetzung für ein stärkeres Wiederaufleben aller wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Fast täglich kommt die Kunde neuer internationaler Kapitalsvcrflechtungcu, spürt man immer stärker, daß das kapitalistische System trotz Sowjetrußland seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht bat. Die Amerikaner haben dabei die Führung, sie, die eigentlichen und einzigen Sieger im Weltkrieg; in ihrer Hand liegen in­folgedessen auch die Mittel, handc'spokitische Absper­rungen und Hemmnisse mit Erfolg anzugrcifcn. Tas ist wohl die kommende zweite Etappe auf dem Wege, den man beschritt, als Noung die Pariser Konferenz als Vor­sitzender eröffnete.

Am Kriegergrab seiner Söhne verhaftet.

Eine polnische Herausforderung.

Auf einem Soldatensriedyos der polnischen Stadt Kielce ist von den polnischen Behörden der 60 Jahre alte Ober bau rat Arendt ans Gelsenkirchen ver­haftet worden, als er die Gräber seiner im Kriege ge- sallenen Söhne besuchen wollte. Er hatte bereits vorher als Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher K r i e g s g r ä b e r s ü r s o r g e mehrere Gefallenenfried- höfe in Polen besucht und dabei photographische Auf­nahmen für den Verband gemacht, was in Polen ver­boten ist; das Verbot war ihm unbekannt.

Auf die von deutschen Amtsstellen unternommenen Schritte haben die polnischen Behörden erklärt, daß Arendt der Spionage verdächtig fm und daß man in seinen Taschen angeblichGeneralstabskarten" gefunden habe. Obwohl alles mögliche zur Freilassung des Ober- baurats unternommen worden ist, wird dieser nach wie vor in Haft behalten.

Daladier zur Räumungsfrage.

wtb. Paris, 11. Juli. Zur Rheinlandräumung äußert sich in feinem OrganLa Republique" der Vorsitzende der radika­len Partei, Abgeordn. Daladier, wie folgt: Das Rheinland muß geräumt mrden, wenn Deutschland den Voungplan angenom­men hat. Nicht die Anwesenheit einiger französischer Regimen­ter im Rheinland wird die Ausführung des Poungplanes sichern, sondern die Macht des Kredites, ohne den Deutschland seine wirtschaftliche Wiederaufrichtung nicht fortsetzen kann. Diese neue Art des Kredits, als eines entscheidenden politischen Druckinstrumentes, ist auf der Reparationskonferenz in Er­scheinung getreten. Die Besetzung, vor allem in ihrer gegen­wärtigen Form, würde keine ernste Sichcrhcitsgarantie bedeu­ten. Sie ist in militäricher Hinsicht von mittelmäßigem Wert. Zwischen Deutschland und Frankreich wäre eine loyale Ver­ständigung angebracht, die unerläßlich ist für die Organisation der europäischen Solidarität. Die Besetzung hält eine Atmo­sphäre des Mißtrauens, des Argwohns und der Aufreizung aufrecht, die für Frankreichs nationales Interesse schädlich ist.

Großbritannien und der Voungplan.

wtb. Paris, 11. Juli. Wie einige Morgenblätter berichten, hat Ministerialdirektor Ruppel der Reparationskonferenz be­reits die Namen der deutschen Delegierten angegeben, die an den im Poungplan vorgesehenen Organisationsausschüssen teil» nehmen sollen. Die Reparationskonferenz ihrerseits habe aber die notwendigen Ernennungen noch nicht vollziehen können, da die britische Regierung bis jetzt ihrem Vertreter in der Repa­rationskommission keinen Namen mitgeteilt habe. Das Aus­bleiben dieser Instruktion wird von dem MacDonaldistschen Echo de Paris", das sich in den letzten Tagen durch besonders starke Feindseligkeit gegen die jetzige britische Regierung aus- zeichnet, wie folgt gedeutet: Die englische Regierung ist nicht geneigt, den Houngplan in seiner gegenwärtigen Form anzu­nehmen und will deshalb nicht an seiner Inkraftsetzung helfen. Sie will zunächst einmal abwarten, ob er auf der bevorstehen» den internationalen Konferenz abgeändert werden wird.