M-aer /lnzeiger
Erscheint seöenwerktag.Bezugspreks: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehmöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsverleger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 1600?
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg §ulüa- und Haunetal »Zulöaer Kreisbla«
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Nr. 172 — 1929 *WWS»M^^
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6. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 25. Juli
Riesenexplosion im Zauerstosswerk.
Eine Fabrik in die Lust gefloßen.
Im Hagel der Sauerst 0 ffb 0 mben.
Eine fürchterliche Explosiv nskata- strophe in einem Ausmast, wie sie seit Jahrzehnten in Berlin nicht mehr zu verzeichnen war, hat sich in den Borsigwalder S a u e r st 0 f f w e r k e n in Borsig- walde ereignet. Anscheinend entzündete sich durch Fahr Lässigkeit eines Arbeiters eine Sanerstofflaschc, die dam. weiter in der N?he befindliche, mit Azetylen gefüllte Flaschen zur Explosion brachte. Ungeheuere Detonationen erfüllten lange Zeit hindurch die Luft. Die Unglücksstelle
über 500 Arbeiter beschäftigt sind, müßten sofort geräumt werden. Wie richtig diese Maßnahme war, ergibt sich daraus, daß die Anlagen der Otiswerke durch den übergreifenden Brand zur Hälfte zerstört wurden.
Von der Explosion war auch das Gaswerk in Tegel, das von der Unglücksstätte etwa 700 Meter entfernt ist, bedroht. Glücklicherweise stand der Wind so, daß das Feuer nicht auf das Grundstück der Gaswerke Übergriff.
Sämtliche Licht- und Wasseranlagen aller in Borsigwalde befindlichen Fabriken waren gestört. Auch fast alle Fernsprechverbindungen waren unterbrochen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichskanzler Müller befindet sich auf dem Wege der Besserung.
* Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, soll versprochen haben, sich für die Errichtung des Reichsehrenmals bei Ehrenbreitstein einzusetzen.
* In den Borsigwalder Sauerstoffwerken in Borsigwalde (Berlin, ereignete sich eine schwere Explosion, die einen Mlllionenschaden verursachte.
* Jm russisch-japanischen Konflikt haben sämtliche am Kellogg-Pakt beteiligten Mächte ihre Zustimmung zu einer Vermrttlungsaktion gegeben.
Der ©freit um den Konfttenzort.
Höchste Zeit, daß er entschieden wird.
Es ist noch nicht gelungen, eine Entscheidung hinsichtlich der Wahl des Ortes herbeizuführen, an dem die Reparationskonferenz der Regierungen, die am 6. August beginnen soll, stattfinden wird. Nach dem ursprünglichen Vorschlag, daß die Konferenz in L 0 n d 0 n zusammentrete, sind Luzern, Brüssel, Ostende und Haag als Konferenzort 'n Vorschlag gebracht worden, aber alle diese Orte wurden von der einen oder der anderen der beteiligten Mackste abgelehnt.
Ausrottung der deutschen Sprache.
Neue Maßnahmen in Südtirol.
Die „Tribuna" veröffentlicht einen Erlaß des Bozener Bürgermeisters, der durch Maueranschlag bekanntgegeben wird und in dem angeordnet wird, daß, nachdem vom 1. Oktober an der Unterricht in den Bozener Volksschulen ausschließlich in italienischer Sprache erteilt wird, alle Bekanntmachungen, Mitteilungen, Anschläge, Aufschriften usw., also alle für die Öffentlichkeit bestimmten Aufschriften und Mitteilungen, auch wenn sie private Interessen betreffen, ausschließlich in italienischer Sprache abgefaßt werden müssen. Alle noch deutsch lautenden Aufschriften müssen bis zum 1. November italienisch um» aeschrieben werden.
bot ein einziges großes Flammenmeer, aus dem dauernd riesige Stichflammen und Rauchsäulen empvr- schossen. Wie Bomben wurden die schweren Sauer- stofsmetallflaschen durch die Luft geschleudert, kamen mit weithin hörbarem Pfeifen heruntergesaust und rissen sie Straßen des Geländes metertief aus.
Von der Berliner Feuerwehr, der 10. Alarmstufe befohlen war, waren zehn Züge zur Stelle. Außerdem beteiligten sich noch sechs freiwillige Feuerwehren, darunter die Borsigwalder Feuerwehr, an der Hilfsaktion. Diese gestaltete sich außerordentlich schwierig, da die immer wieder erfolgenden Detonationen mit einem
Hagel von Sprcngstückcn die Umgebung unzugänglich machten, so daß zunächst an ein Löschen nicht zu denken war.
Die neben der Unglücksstätte befindlichen großen Fabrikanlagen der Otis-Auszugwerke, in denen
Ser Rellogg-Pakt in Kraft.
Feierliche Verkündung
des Keflogg'pakèes.
Präsident Hoover über die Abrüstung.
Der Kettogg-Pakt ist von der Washingtoner Regierung in einer feierlichen Kundgebung in Kraft gesetzt worden. Die Washingtoner Regierung hatte zu der Inkraftsetzung die diplomatischen Vertreter aller der Mächte eingrladen, die dem Pakt bcigctretcn sind. Die Inkraftsetzung des Kellogg-Paktes mußte bis jetzt verschoben werden, weil sic erst erfolgen kann, wenn sämtliche unterzeichnenden Mächte ihre Ratifizierungsurkunden in Washington niedcrgclegt haben. Bis jetzt fehlte aus diplomatischen Gründen die japanische Ratifikation, die nunmehr aber erfolgt ist. Die Zahl der am Kettogg-Pakt beteiligten Mächte beläuft sich nunmehr auf 40, darunter befinden sich auch die Sowjetunion und China. Der Reichspräsident und der Außenminister Dr. Stresemann haben der amerikanischen Regierung aus Anlaß der bevorstehenden Inkraftsetzung des Kellogg-Paktes telegraphisch ihre Glückwünsche ausgesprochen.
Präsident Hoover benutzte den Vorabend der Inkraftsetzung des Kellogg-Paktes, um nochmals eindringlich darauf hinzuweisen, daß sich die Seemächte auf eine Verminderung ihrer Rüstungen einigen müßten. Das amerikanische Volk müsse sich, so betonte er weiter, klar darüber sein, daß Armee- und Marinebudget den weitaus größten Teil der Bundesausgaben darstellen. Diese Kosten könnten im Interesse einer angemessenen Landesverteidigung leider zurzeit nicht verringert werden. Aber, so fügte er hinzu, unsere Hoffnung gründet sich auf den Kellogg-Pakt. Sobald er in Kraft getreten ist, sollte es möglich sein, sich über die Verminderung der Rüstungen zu verständigen,
Der Schaden, den die ungeheure Katastrophe verursacht hat, ist vorläufig noch nicht voll zu bestimmen. Jedenfalls wird er sich aber
- in die Millionen belaufen.
Glücklicherweise ereignete sich die erste Explosion während der M i t t a g s p a u s c, so daß nur wenige Arbeiter und Angestellte M dem Werk zugegen waren. Entgegen den zuerst verbreiteten Meldungen über eine große Anzahl von Toten und Verletzten ist erfreulicherweise festzustellen, daß bis jetzt keine Toten zu beklagen sind und sich
die Zahl der Verletzten
nur auf zwölf Personen beschränkt. Von diesen haben vier schwerere Verletzungen davongetragen, während die anderen Verletzten auf ihren Wunsch nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden konnten.
und dann könnten unsere Ausgaben für die Flotte erheblich ermäßigt werden. „Auch in dem Heeresbudget werden mir möglichst die veralteten Einrichtungen ausmerzen und sie durch billigere Methoden ersetzen. Aber nie werden wir den Grundsatz angemessener Landesverteidigung außer acht lassen." *
Fast ein Jahr hat's gedauert, ehe wirklich alle in Betracht kommenden Staaten — zuletzt Japan — den Kellogg- Pakt vom 27. August 1928 ratifiziert haben, in dem sie feierlich erklären, „daß sie den Krieg als Mittel für die Lösung internationaler Streitfälle verurteilen und auf ihn als Werkzeug nationaler Politik in den gegenseitigen Beziehungen verzichten". Erst ganz allmählich und unter mannigfaltigen Widerständen hat man dem zugestimmt, alle zwischenstaatlichen Streitigkeiten „niemals anders als durch friedliche Mittel zu regeln und zu entscheiden
Als Deutsche sind wir weit stärker an dem Kellogg- Pakt'interessiert als all die anderen Mächte, die zwar von Kriegsächtnng sprechen, aber noch nicht den geringsten Schritt getan haben, durch Abrüstung den Krieg nicht bloß zu ächten, sondern ihn auch gänzlich zu verhmdern. Zehn Jahre schon geht dieses Hin und Her in der F r a g e d e r W c l t a b r ü st u n g, sollte und soll auch der Kellogg- Pakt eine Etappe, oder besser gesagt, ein A n f a n g auf bleieift Wege sein. Ob er es wirklich ist dafür gebut die Ereignisse im Fernen Asien eine Art Bewers Von allen Seiten eilt man ja herbei den Funken ^ loschen ehe er zum Brande emporlodert. Das ist m den letzten Taaen nicht bloß Inhalt zahlreicher K-ns-renz-n zwischen dog Diplomaten gewesen, sondern wird auch wohl Gegenstand eifrigster Besprechungen und Bemühungen gerade jetzt in Washington sein, wenn die Vertreter aller Zander sich auf dem Kapitol zur Feier zusammenfinden.
Für 1100 Millionen Mark deutsches Eigentum vertäust.
Von England beschlagnahmt.
Das Englische Unterhaus beschäftigte sich mit dem Erlös aus dem Verkauf des deutschen Eigentums, das während und nach dem Kriege in England beschlagnahmt worden war. Auf eine Anfrage teilte der Handelsminister Graham mit, daß aus dem Verkauf des beschlagnahmten deutschen Eigentums ein Gesamterlös im Betrage von 1110 Millionen Mark erzielt worden sei. Aus diesem Erlös seien alle Ansprüche von englischen Privatpersonen befriedigt worden, soweit sie anerkannt worden seien. Er nehme an, daß nach Befriedigung aller Ansprüche sich ein Überschuß ergeben werde, der in Übereinstimmung mit dem Versailler Vertrag Deutschland auf Reparationsleistung gutgeschrieben werde.
Auf die Anfrage, was die Regierung von der Empfehlung des Young-Planes halte, die Liquidation deutschen Eigentums, das noch nicht verkauft worden sei, endgültig einzustellen, erklärte der Handelsminister, die Regierung stelle in dieser Frage „Erwägungen" an.
Was ist ein „GchundsiLm"?
Die Lichtspielnovelle beim Reichstag.
Reichsinnenministcr Severing hat, nach Zustimmung des Reichsrats, die Novelle zum Lichtspielgesetz dem Reichstag zugeleitct. Zunächst ist im Interesse der Filmproduktion die Bestimmung gestrichen worden, daß grundsätzlich im Inland verbotene Filme oder Filmteilc auch für die Ausfuhr verboten seien. Die Regierung hat sich der Meinung der Produzenten nicht verschlossen, daß dieses grundsätzliche Verbot mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der Anschauungen in allen Teilen der Welt unangängig ist. Neu ist aber die Möglichkeit, and) „Schundfilme" zu verbieten. Als solche werden Bildstreifen angesehen, die eine verrollende oder entsittlichende Wirkung haben und niedrige Instinkte befriedigen. Und für die Ausfuhr ist als Sperrbestimmung vorgesehen, daß Filme, die das deutsche Ansehen oder die Beziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten gefährden, zu verbieten sind. Neu ist ferner ein Schutz dagegen, daß das religiöse Empfinden verletzt werden könnte, indem Vorführungen ernster biblischer Stoffe mit solchen von Grotesken verbunden werden.
Da die Befugnis für Gemeinden, zum Schutze der Jugendlichen weitere Bestimmungen zu erlassen, in der Praxis vielfach zu unzulässigen Zensurmaßnahmen geführt habe, hat man diese Befugnis den Landeszentral' behörden übertragen. Das Recht, den Widerruf eines 3 «gelassenen Bildstreifens zu beantragen, erhält auch die Reichsregierung. Schließlich ist 11. a. neu die Zusatzbestimmung über die Prüfung von Filmopern unb Film- operetten sowie die Bestimmung, daß der vorgesehenen Strafe von meistens 150 Mark für Übertretung der Jugendlichebestimmungen auch die Jugendlichen selbst unterliegen.