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Ärl-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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6. Jahrgang

Fuwa, Freitag, 2. August

Die Taufe der KegierungrKonferen;.

Haager Konferenz 1929/'

Stresemann berichtet Hindenburg.

Die bevorstehende Konferenz der Regierungen im Haag hat jetzt, um sie von den übrigen 32 Konferenzen, die seit dem Versailler Friedensverlrag getagt haben, zu unterscheiden, von dem holländischen Auswärtigen Amt den offiziellen Titel

Haager Konferenz 1329" erhalten. Unter diesem Ramen wird sie mit ihren Resul­taten in der Geschichte weiterleben.

Von den Delegationen der verschiedenen Länder wird die deutsche die größte sein. Sie wird aus 91 Personen bestehen; die zweitgrößte Delegation ist die englische mit 65 Teilnehmern.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat sich so­fort nach seiner Rückkehr von dem Erholungsurlaub als Stellvertreter des erkrankten Reichskanzlers Müller zu Reichspräsident v. Hindenburg begeben und ihn über die Vorbereitungen unterrichtet, die zur Haager Konfe­renz notwendig waren. Bei dieser Unterredung hat es sich, wie zuverlässig verlautet, ergeben, daß zwischen bem Reichspräsidenten und der Reichsregierung über die Marschroute, die die deutsche Delegation auf der Konfe­renz einschlagen soll,

völlige Übereinstimmung besteht.

Insbesondere haben beide Teile keinerlei Zweifel darüber, daß irgendwelche Konzessionen in der Frage der R h e i n - landkontrolle nicht gemacht werden können.

Was die Einrichtung einerVerständigungs- kommission" anbelangt, so ist eine solche, wie sie Frankreich sich denkt und wünscht, für Deutschland durchaus untragbar. Deutschland kann sich lediglich bereit erklären, über eine Kommission zu verhandeln, deren Be­fugnisse

bis zum Ablauf der Besetzungsfristen, also bis 193s, dauern würde.

Auch in allen übrigen Punkten, insbesondere über die Behandlung des Saarvroblèms auf der Konferenz.

Neue Vermittlung

im russisch-chinesischen Konflikt.

Ein zweiter Schritt Amerikas.

Die amerikanische Regierung hat vor einigen Tagen bei den führenden Mächten einen neuen Schritt unternommen, sich mit ihnen an einem zweiten Versuch zur Beilegung des chinesisch-russischen Streitfalles zu ver­einigen. Nach englischer Auffassung ist der amerikanische Vorschlag aus der Überzeugung heraus erfolgt, daß die gegenwärtigen Vorgänge den wirtschaftlichen Status qou in China gefährden kömiten. In amerikanischen offiziellen Kreisen sei man der Überzeugung, daß die Ausweisung der russischen Angestellten der chinesi­schen Ostbahn sehr leicht von der chinesischen Zentralregie­rung als ein Präzedenzfall angesehen werden könnte wenn diese zu irgendeiner Zeit in der Zukunft den Wunsch haben sollte, die amerikanische Kontrolle oder die Verwaltung öffentlicher Werke und Dienste in China zu beseitigen.

Nach einem Telegramm aus Schanghai sind die Ver­handlungen zwischen Sowjetrußland und China endgültig ge sich ert. Die gegenwärtigen Vorbesprechung g e n in Mandschuli betreffen folgende Punkte: Festsetzung

Zeit und des Ortes der offiziellen Verhandlungen; Einstellung der militärischen Handlungen im Grenzgebiet; Festsetzung, daß das Abkommen von 1924 die Grundlage der Verhandlungen bilden soll, sowie als dringendsten Punkt die baldigste Wiederaufnahme des transsibirischen. Durchgangsverkehrs, dessen Unterbrechung im ganze./ Osten aufs schwerste empfunden wird. Die Stimmung in chinesischen Kreisen sei durchaus optimistisch.

*

Abbruch der russisch-britischen Verhandlungen.

Moskau. Die russisch-britischen Verhandlungen sind ab­gebrochen worden, weil Staatssekretär Henderson sich geweigert habe, die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen, bevor die strittigen Fragen über die gegenwärtigen Forde­rungen gelöst seien.

Ruhiger Verkauf des 1. August.

D i e A n 1 i k r i e g s d e m o n st r a t i o n e n.

Nach den bisher vorliegenden Meldungen aus dem Reich und dem Auslande scheint der 1. August, zu dem vor allem die Kommunisten große Demonstrationen gegen den Krieg angesagt hatten, ruhig verlaufen zu sein. Die Versammlungen, die überall abgehalten wurden, gaben zu polizeilichem Einschreiten kaum irgend welche Veranlassung. Die Demonstrationszüge mit Musik­kapellen und Bannern nahmen einen ordnungsmäßigen Verlauf und.lösten sich ohne nennenswerte Bivifdienfälle und Zusammenstöße wieder auf. Die überall in ver­stärktem Maße aufgebotene Polizei, der teilweise mili­tärische Unterstützung zur Verfügung stand, verfehlten ihre beruhigende Wirkung nicht. Vereinzelte kleinere -Krawalle können an dem Eindruck eines im allgemeinen r N h i g e N P e r l a u f e s nichts ändern. Auch zu irgend welchen größeren Arbeitseinstellungen, die von kommunistischer Seile zu Demonstrationszwecken geplant waren, ist es nicht gekommen.

ist völlige Übereinstimmung zwischen dem Reichspräsi­denten und dem Reichskabinett erzielt worden.

Der Kabinettsrat,

der noch vor der Abreise der Delegation, nachdem jetzt alle Reichsminister wieder in Berlin eingetroffen sind, zu- sammentreten wird, wird noch einmal zusammenfassend sich mit allen aus der Konferenz zu behandelnden Fragen beschäftigen. Irgendwelche Differenzen in den Auf­fassungen der Lage dürften sich auch hier nicht ergeben, so daß die deutsche Delegation

mit völlig klaren und gebundenen Richtlinien

nach dem Haag gehen wird. Die Überzeugung, daß alles das, was an schwierigen Fragen an sie herantreten wird, durch die ihr mitgegebenen Richtlinien von vorherein einen festen Wegweiser gefunden hat, wird ihr die schwie­rige Arbeit, die ihrer wartet, erleichtern und den zu fassen­den Beschlüssen besonderen Nachdruck verleihen.

Hier wird die Konferenz tagen.

Das Gebäude der Zweiten Niederländischen Sammer im Haag, in dem die Vertreter der Regierungen zur Ver- WâMÄtt die Petit ijMn etUSMpj!ngcn oe-> Pariser Reparackonsabkommens am 6. August zusammentreten werden.

: Gewerkschaften zur Verficherungsreform.

Gegen jeden Abbau der Versicherungsleistungen.

Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deut­schen G e w e r k sch a f t s b u n d e s nahm auf feiner Tagung zur Reform der Arbeitslosenversicherung eine Entschließung an, in der es u. a. heißt:

Der Bundesausschuß lehnt die von der Mehrheit des Sachverständigenausschusses zur Reform der Arbeits­losenversicherung gemachten Vorschläge, soweii diese über die Beseitigung offensichtlicher Mißbräuche und sozial­politisch unerwünschter Gesetzesauswirkungen hinaus eine allgemeine Verschlechterung der Versicherungs- leistungen eintreten lassen, entschieden ab.

Die Staffelung der Unterstützungshöhe nach der Länge der ununterbrochenen Beitragsleistung ist eine Ver­letzung der elementarsten sozialpolitischen Grundsätze. Die Verlängerung der Wartezeit auf zwei Wochen stellt eine untragbare Härte dar. Unerträglich ist die noch weit hierüber hinausgehende Unterstützungsbeschränkung für die Saison arbeite r.

Ein Abbau der Arbeitslosenunterstützung läßt sich um so weniger begründen, als tatsächlich die von der Mehr­heit der Sachverständigenkommission empfohlene ^Bei­tragserhöhung um ein halbes Prozent in Ver­bindung mit einer erträglichen Regelung der Saichn- arbeiterunterstützung auSreichèn würde, um die Sanierung der Versicherung herbeizu führen.

Aus allen diesen Gründen verlangt der Bundesaus­schuß von der Regierung und dem Reichstag die Ä b - lehnung aller auf den grundsätzlichen Abbau der Ver­sicherungsleistungen gerichteten Bestrebungen.

Eine Länderkonferenz zur Arbeitslosenversicherung.

In der nächsten Woche wird unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsministers Wisfell in München eine Konferenz der Länderminister über die Neuregelung der Arbeits­losenversicherung stattfinden.

Mussolini für den Wiederaufbau Europas.

Der Noung-Plan ein unteilbares Ganzes.

Unter dem Vorsitz Mussolinis fand im Palazzo Chigi eine Sitzung zur endgültigen Prüfung des Y o u n g- Planes statt. Mussolini erklärte: Es ist unmöglich, über den Voung-Plan ein absolutes Urteil auszusprechen. Man muß in relativer Weise darüber urteilen, indem man die Tatsachen, die der Ausarbeitung des Planes vorangingen, sowie die darin enthaltenen Lösungen berücksichtigt und die Lage in Erwägung zieht, die er regeln soll. Dieser Plan stellt offensichtlich eine Kompromißlösung dar, die auf gegenseitigen Zugeständnissen beruht. Wie seine Urheber es zu verstehen gaben, sind alle Teile des

Planes untereinander eng verbunden, und jeder Teil würde ohne die anderen nicht bestehen können. Die italie­nische Regierung hat bei der Prüfung des Planes diese Tatsachen berücksichtigt, sie ist bereit, ihn als ein un­teilbares Ganzes anzunehmen, wenn die anderen Regierungen das gleiche tun, um in dieser Weise das Werk des wirtschaftlichen und politischen Wiederauf­baues Europas zu erleichtern.

Ausfahrt.

« ^a6e.n Es wiederholt schon erlebt in den letzten Zähren, aber immer packt es uns von neuem, immer greift es uns von neuem ans Herz, dieses Schau- und Hörspiel, das tu dem eine Welt bedeutenden Friedrichshafen seinen 5 "Emt, über weite Wasserwüsten, aus denen nur spärliche Inseln als Oasen auftauchen, hinwegführt und drüben, auf einem andern Kontinent, sein Ende finde, ein glückhaft Ende, wie wir alle hoffen und wünschen! Wieder fahrt er hinaus zu andern Ufern, der Riese der Luft, der unser aller Stolz und Freude ist, der die offene und heimliche Bewunderung und ein klein wenig viel- i picht auch den Neid der andern Völker erregt, und wieder fntb mit ihm nicht nur die, welche sich seinem starken Riesenkörper anvertraut haben, daß er sie trage über Länder und Meere nein, wieder sind mit ihm wir alle, die wir deutsch denken und fühlen und zu diesem genialen Werke deutschen Erfindungsgeistes aufblicken als zu einer der größten und gewaltigsten schöpferischen Leistungen unserer an erhabenen Schöpfungen der Technik wahrlich nicht armen Zeit. Wieder begleiten unsere Ge­danken das Luftschiff vom Startplatz bis zum Ziele, wieder sind sie mit ihm auf jeder Etapve, bei jedem Teil­chen seines langen Weges, und in den Trgum der Rächte, die zwischen Anfang und Ende der Fahrt durch den Äther liegen, bringt uns das Surren und Schnurren der Motoren, daß wir plötzlich auffahren, als wenn wir den Riesenvogel dicht über uns vorüberrauschen hörten.

Wie haben wir uns gebangt, wie haben wir uns in Sorge verzehrt, als auf seiner letzten Amerikafahrt der Zeppelin schon kurz nach dem Aufbruch wieder um­kehren mußte, flügellahm umkehren mußte, als über sein Schicksal viele, viele Stunden lang Ungewißheit herrschte, als wir nicht wußten, ob er noch zur rechten Zeit den schützenden Hafen erreichen würde, den Hafen, der in fremdem, uns noch immer nicht freundlich gesinntem Lande lag! Wie haben wir dann, als endlich die Kunde zu uns drang, daß er geborgen, daß er verletzt, aber nicht tod­wund sei, wie von einem bösen Alp befreit aufgeseufzt und aufgejauchzt, da wir uns jetzt erst inne wurden, was wir verloren hätten, wenn der Sturm, wenn der tobende Orkan ihn. in Trümmer geworfen hatte, wie es ein paarmal seinen glorreichen Vorläufern, den ersten, be­scheideneren Luftschiffen des himmelstürmenden württem- bergischen Grafen, geschehen ist! Aber das Vertrauen, das wir in ihn und in seine Kraft setzten und setzen, haben wir auch nicht einen Augenblick lang, haben wir auch in seinen größten Röten nickt verloren, wir nicht und auch die nicht, deren Lande er jetzt wieder zustrebt; ja, wir dürfen sagen: selbst die nickt die um uns wohnen, und die ihn in manchem vielle-ckt mit schärferen, kriti­scheren Augen mustern als wir - :r auf Gedeih und Verderb zu ihm gehören, die :>n lieben, weil er unser ist!

Mehr als einmal hat man Ve ein Sinnbild der Völkerverbindung, der Völkerver -igung, der Völkerver­brüderung gepriesen, den Zeppelin Wenn es keine Ent­fernungen mehr gibt, die zurückzulegen man sich scheuen müßte, werden die Völker von selbst einander näher ge­rückt, lernen die Völker einander besser kennen und schätzen, und das ist der erste Schritt zu einem wahren, durch nichts mehr zu zerstörenden Völkerfrieden! So sagte man sich mehr als einmal, und so sagte man sich mit Recht. Und es dünkt uns besonders glückverheißend, daß das Schiff der Lüfte auf seinen bisherigen Fahrten nicht nur zwei Völker, die ihreut ganzen Wesen nach einander zu verstehen unb zu achten berufen sind, zueinander geführt hat, son­dern gleich zwei Welten. Vieles in Art und Ge­sinnung und Lebensauffassung mag uns trennen und schei­den von denen jenseits des großen Wassers, die noch vor einem Jahrzehnt unsere Gegner waren, aber es ist da­neben vieles, was Sympathie erwecken muß, in ihnen für uns, in uns für sie. Und daß eine unsichtbare Brücke ge­schlagen wird, wenn auch vielleicht nicht von Hèrz zu Herz so doch von gesundem Menschenverstand zu gesundem Menschenverstand, das ist nicht zuletzt das Verdienst der Zeppeline, die den Amerikanern zu sagen scheinen:Seht hin, auch unser Deutschland bedeutet etwas in der Welt trotz alledem, trotz Leid und Not und Tod!" Und die ihnen damit imponieren . . .

Und wenn in wenigen Tagen derGraf Zeppelin" an die Amerikafahrt seine Weltfahrt knüpsen wird, werden nach und nach auch andere Völkejr noch in den Kreis derer treten, welche vor unserem aufrichtigen Wollen und unserem Können Respekt zeigen und uns mit andern Augen ansehen werden als nach dem völkcrvcrhetzendrn Kriege. Und dann wird kommen der Tag, da Orient und Okzident wirklich nicht mehr zu trennen sein werden!

Das Touristenunglück auf dem jKleinglockner.

Innsbruck. Vor einigen Tagen wurde über den Absturz von vier Touristen auf dem Kleinglockner berichtet, bei dem eine bis jetzt unbekannte Person getötet und die anderen schwer verletzt wurden. Nun bringt der Tiroler Anzeiger Einzelheiten über das Unglück und den Namen des Toten. Nach bem Be­richt des Blattes hatten die Tour Erika Friedmann, Ope­rationsschwester aus Dresden, Hilda Henel aus Dresden, Wilhelm Rodeck, Tapezierer, und Johann Scheib, Bäcker, beide aus Kelkheim im Taunus, am Vormittag des 25. Juli führerlos ausgeführt und den Kleinglockner bestiegen. Auf dem Rückwege rutschte Scheib, der als letzter ging, aus, kam zu Fall und riß die drei anderen am Seil befestigten Touristen mit in die Tiefe. Ein wjähriger Student aus Pud^. weis namens Neubauer, der unterhalb der genannten Touristen.-' ging, wollte die Abstürzenden noch mit seinem Eispickel auf­halten, wurde aber m i t g e r i s s e n, so daß alle fünf Personen über den v ercisten Steilabhang etwa 200 bis 250 Meter tief auf den Ködnitzgletscher abstürzten, wo sic in eine Gletscherspalte fielen. Der Tourist Scheib blieb mit einem Bruch der Schädelbasis tot lieaew